Grusswort der Präsidentin der Goethe-Universität

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Prof. Dr. Birgitta Wolff

Prof. Dr. Birgitta Wolff

Liebe Mitglieder und FreundInnen der Goethe-Universität,

in diesem Jahr wird der 1822-Universitätspreis für exzellente Lehre zum 15. Mal verliehen. Dieses Jubiläum möchten wir zum Anlass nehmen, um der Lehre an der Goethe-Universität in einem neuen, ungewöhnlichen Format Gesicht und Gewicht zu verleihen. Mit den PreisträgerInnen der vergangenen 15 Jahre versammelt die vorliegende Broschüre herausragende Lehrpersönlichkeiten, deren Projekte und Konzepte ein Schlaglicht auf die Bedeutung und Vielgestaltigkeit der Frankfurter Hochschullehre werfen.

Im Jahr 2002 gemeinsam mit der Stiftung der Frankfurter Sparkasse ins Leben gerufen, steht der 1822-Universitätspreis am Beginn einer ganzen Reihe von Initiativen, die sich der Entwicklung einer innovativen Lehrkultur an der Goethe-Universität verschrieben hatten und haben. Die konzeptionellen Pfeiler, auf denen diese Lehrkultur ruht, wurden 2014 im „Leitbild Lehre“ programmatisch ausformuliert. Darin bekennt sich die Goethe-Universität zur Einheit von Forschung und Lehre, Bildung durch (Fach-)Wissenschaft und adaptive Lehre – Grundsätze, durch die sich auf unterschiedlichste Weise auch die Lehre der 1822-PreisträgerInnen auszeichnet. Mag die Reputationsasymmetrie von Forschung und Lehre damit auch längst nicht beseitigt sein: Der 1822-Universitätspreis hat der Hochschullehre zu mehr Sichtbarkeit verholfen und durch seine frühe Impulssetzung wesentlich dazu beigetragen, dass engagierte Lehrende im universitären Gefüge heute mehr Anerkennung erfahren.

Das Feld der 1822-PreisträgerInnen ist ebenso breit wie das Spektrum ihrer Lehrformate und hochschuldidaktischen Philosophie: 36 Lehrende aller Fächerkulturen, vom wissenschaftlichen Mitarbeiter bis zur Professorin, vom genialen Showman bis zum zurückhaltenden Kümmerer, von der technikaffinen Didaktikerin bis zur kommunikativen Mentorin, wurden auf Vorschlag der Studierenden in den vergangenen 15 Jahren ausgezeichnet. Ihnen allen ist gemein, dass sie ihre StudentInnen zu faszinieren wissen – dass sie ihnen nicht nur die notwendige Demut vor dem wissenschaftlichen Gegenstand vermitteln, sondern es auch verstehen, ihre Neugier zu entfachen und sie zu jenem kritischen Denken zu befähigen, das Wissenschaft kennzeichnet.

Mein Dank gilt der 1822 Stiftung der Frankfurter Sparkasse für die Unterstützung des Bandes wie für ihre fortwährende Förderung der Hochschullehre. Er gilt ferner den Studierenden, die rege von ihrem Vorschlagrecht für den 1822-Preis Gebrauch machen. Vor allem aber möchte ich den KollegInnen danken, die exzellenter Lehre an der Goethe-Universität ein Gesicht geben und durch ihr Beispiel auch den Dialog über gute Lehre fördern.

Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre!

Prof. Dr. Birgitta Wolff

Grusswort des Vorstandsvorsitzenden der Frankfurter Sparkasse

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Robert Restani

Robert Restani

Sehr geehrte Damen und Herren,

der 1822-Universitätspreis für exzellente Lehre ist inzwischen den Kinderschuhen entwachsen und fast im Ernst des Lebens angekommen. Ich betone: fast. Denn nach 15 Jahren können wir zwar von einer kleinen Tradition sprechen; deutschlandweit hat sich der 1822-Universitätspreis einen Namen gemacht. Doch von tiefem Ernst kann keine Rede sein.

Denn was den 1822-Universitätspreis aus meiner Sicht in besonderer Weise auszeichnet, sind das große Engagement, die Herzlichkeit und die Begeisterung, mit der die Studierenden sich Jahr für Jahr für ihre Lehrenden einsetzen. In den Nominierungen der DozentInnen steckt viel Arbeit; bei den studentischen Laudationes handelt es sich häufig nicht einfach um Reden, sondern um kreative Wunderwerke. Begeisterung und Leidenschaft prägen auch die Preisverleihungen. Sie sind letztlich ein Spiegel des großen Engagements, das die PreisträgerInnen Tag für Tag bei ihrem Lehreinsatz (vor)leben.

Das Jubiläum zeigt, dass wir – die Goethe-Universität und die Stiftung der Frankfurter Sparkasse – den „richtigen Riecher“ hatten, als wir 2002 den 1822-Universitätspreis ins Leben riefen. Damals gab es in der deutschen Hochschullandschaft wenige vergleichbare Initiativen, um die Lehre aus dem Schatten der Forschung zu holen und ins verdiente Rampenlicht zu rücken. Heute ist die Auszeichnung für exzellente Lehre aktueller denn je. Sie drückt Anerkennung aus für engagierte DozentInnen, denen das Lehren vor dem Hintergrund wachsender Studierendenzahlen sicher nicht immer leichtfällt.

Vor 15 Jahren haben wir diesen wichtigen Impuls zur Lehrkultur gegeben. Inzwischen gibt es zahlreiche Nachahmer – und zwar im positivsten Sinne. Darüber freuen wir uns sehr: Ein Ziel des 1822-Universitätspreises ist es schließlich, innovative Lehrmethoden einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen, damit begeisternde Ideen auch anderen zugutekommen.

Wie die Goethe-Universität verdankt auch die Frankfurter Sparkasse ihre Entstehung einer Initiative bürgerschaftlichen Engagements. Mit der alljährlichen Ausschreibung des 1822-Universitätspreises setzen wir diese Tradition des Einsatzes für Frankfurt und die Region fort. Die Stiftung der Frankfurter Sparkasse fördert zahlreiche Projekte auf dem Gebiet von Bildung und Kultur. Auf die erfolgreiche und begeisternde Geschichte des 1822-Universitätspreises für exzellente Lehre sind wir besonders stolz.

Robert Restani

Einleitung

Als sich die Goethe-Universität und die Stiftung der Frankfurter Sparkasse 2002 entschlossen, den 1822-Universitätspreis für exzellente Lehre auszuloben, hatte mit dem Bologna-Prozess gerade die wohl umfassendste Studienreform in der Geschichte der Bundesrepublik begonnen: die Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge und deren Akkreditierung. War man also allenthalben mit der Erfüllung von Strukturvorgaben beschäftigt, so rückte der 1822-Preis die Qualität der Lehre, die Lehrenden, ihre Interaktion mit den Studierenden und damit das sich normalerweise hinter verschlossenen Seminartüren vollziehende Geschehen des Lehrens und Lernens in den Blick.

Den Stiftern des Preises war es wichtig, dass die Studierenden bei der Vergabe des Preises eine zentrale Rolle spielten. Das tun sie bis heute: Den Fachschaften obliegt das Vorschlagsrecht; in der Auswahljury – einer Kommission des Senates, erweitert um einen Vertreter der Stiftung – haben die studentischen VertreterInnen das erste und meist auch letzte Wort. Auch die feierliche Preisverleihung, die sich zu einem Höhepunkt im Festkalender der Universität entwickelt hat, lebt ganz wesentlich von den einfallsreichen, stets sehr persönlichen studentischen Laudationes auf ‚ihre‘ PreisträgerIn. Und schließlich werden die Studierenden auch wieder zu Nutznießern des Preises, denn 80 Prozent des Preisgeldes investieren die Ausgezeichneten wiederum in ihre Lehrprojekte.

Der 1822-Preis ist Ausdruck der Anerkennung, die engagierte Lehrende durch ihre Studierenden und die Universität erfahren. Hochschullehre als solche erhält durch diesen Preis Sichtbarkeit innerhalb wie außerhalb der Universität. Darauf ist Lehre angewiesen – an der Goethe- Universität wie andernorts –, besteht doch nach wie vor ein Ungleichgewicht zwischen Forschung und Lehre: Wissenschaftliche Reputation erwächst aus Forschungsleistung, Lehrkompetenz ist von eher nachgeordneter Bedeutung für die akademische Karriere.

Der Lehre Gesicht und Gewicht zu verleihen, hierzu will dieser Jubiläumsband einen Beitrag leisten. Er fragt: „Was braucht gute Lehre?“ – und schlägt als eine Antwort vor: „Personen, Projekte, Positionen“. Der Band thematisiert entscheidende Voraussetzungen für gelingende Lehre: Persönlichkeit und Engagement, Kreativität und didaktisches Geschick, persönliche Reflexion über und Positionen zu Lehre und Lernen. Die 36 LehrpreisträgerInnen repräsentieren einen breiten Querschnitt durch die Goethe-Universität: Vom jungen Nachwuchswissenschaftler zur Vizepräsidentin, vom selbständigen Wissenschaftscoach zum Sprecher eines Exzellenzclusters, von der Judaistin zum Neurobiologen – die Gruppe der LehrpreisträgerInnnen ist bunt und zeigt, dass gute Lehre durchaus mit Forschungsstärke oder der Übernahme hochschulpolitischer Verantwortung vereinbar ist. Einige der Ausgezeichneten sind zwischenzeitlich einem Ruf ins Ausland gefolgt, wozu der 1822-Preis durchaus beigetragen haben mag; zwei PreisträgerInnen arbeiten mittlerweile außerhalb der Universität.

Ein Band aus Anlass des 15-jährigen Jubiläums eines Lehrpreises rückt die Menschen, die PreisträgerInnen, ins Zentrum. Keineswegs soll damit die Verantwortung für Lehre und Studium jedoch allein auf personaler Ebene verortet werden: Neben engagierten DozentInnen bedarf gute Lehre adäquater Strukturen und Rahmenbedingungen. In dem einen oder anderen Beitrag klingt dies an – implizit, wenn auf die Notwendigkeit eingehender Vorbereitung der Lehrveranstaltungen verwiesen wird; explizit, wenn von WissenschaftlerInnen, Hochschulleitungen und Politik der Mut eingefordert wird, zu einem ganzheitlichen Bildungsanspruch durch (Fach-)Wissenschaft zu stehen.

Lehre ist immer auch ein Experiment, das Kreativität erfordert. Dieses Element versucht der vorliegende Band aufzugreifen, indem er mit Textformaten und Visualisierungen spielt. In Porträts und Projektskizzen informieren Journalistinnen über die PreisträgerInnen, in Interviews antworten diese auf Fragen rund um Studium und Lehre. Dabei zeigt sich: Exzellente akademische Lehre folgt nicht automatisch aus guter Forschung – auch wenn sie zweifelsohne auf dieser basiert. Exzellente Lehre ist voraussetzungsreich: Sie erfordert Theorien und Konzepte, didaktisches Wissen und (Selbst-)Reflexion und nicht zuletzt hinreichend Vorbereitungszeit. Ohne dies zu explizieren, spiegeln die LehrpreisträgerInnen in ihren Beiträgen Erkenntnisse der aktuellen Lehr- und Lernforschung wie der hochschulpolitischen Diskussion.

Die Studierenden in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Fachinhalten erkennen zu lassen, dass sie selbst „Instanz ihrer Lebensorientierung“ sind, wird in einem Beitrag als Aufgabe des Lehrenden beschrieben. Forschendes Lernen ist „Denken in Experimenten“, formuliert ein Naturwissenschaftler das „Leitbild Lehre“ der Goethe- Universität implizit für seine Fachkultur aus. Die LehrpreisträgerInnen thematisieren die Notwendigkeit, Studierenden unterschiedliche Zugangswege zu den wissenschaftlichen Gegenständen zu eröffnen und verschiedenen Lernniveaus und -geschwindigkeiten gerecht zu werden. Wichtig hierbei seien das Wissen um Lehr- und Lernvorgänge und der kollegiale Austausch über Hochschullehre. Allgegenwärtig sind der Respekt und die Empathie, mit denen die Lehrenden ihren Studierenden begegnen: Es gelte, bestehende Ängste zu nehmen, zu aktivieren, Teilhabe und Kommunikation zu ermöglichen. Lehre soll auch Spaß machen! Dass die Studierenden genau dies schätzen, beweisen die Begründungen, mit denen sie ihre DozentInnen für den 1822-Preis nominieren. Auszüge aus diesen Nominierungen schieben sich im vorliegenden Band immer wieder zwischen die Beiträge der PreisträgerInnen. So wechselt die studentische Perspektive mit derjenigen der Lehrenden und bringt damit zum Ausdruck, was vielleicht der Kern gelingender Lehre ist – Interaktion, die auf wechselseitiger Wertschätzung und Anerkennung beruht.

Dr. Kerstin Schulmeyer-Ahl, Leiterin Abteilung Lehre und Qualitätssicherung