Neues Doktorandenkolleg zur Rolle ethnologischer Museen

Über den Dächern von Paris: Bei einer Veranstaltung zum deutsch-französischen Master trafen sich Studierende der Ethnologie Anfang 2020 auf dem Dach des Musée Quai Branly zu einem Gruppenfoto. Die jungen Ethnologinnen und Ethnologen haben nun die Möglichkeit, in das deutsch-französische Doktorandenkolleg aufgenommen zu werden. Mit auf dem Bild sind Dr. Egidia Soutu, Prof. Jean-Louis Georget und Prof. Hans P. Hahn, die das Kolleg gemeinsam leiten. (Foto: Hahn)

Ein deutsch-französisches Doktorandenkolleg mit den Standorten Goethe-Universität (Frankfurt) und Sorbonne Nouvelle (Paris) fokussiert auf die Zukunft ethnologischer Sammlungen und Museen. Es soll zur Internationalisierung der Debatte beitragen und zur Klärung des Status von Sammlungen insbesondere mit Beständen aus kolonialen Zusammenhängen.

„Den ‚Anderen‘ repräsentieren: Museen, Universitäten, Ethnologie“ – so lautet der Titel eines Doktorandenkollegs, das Aegidia Soutu, Jean-Louis Georget und Hans P. Hahn bei der deutsch-französischen Hochschule (DFH) eingeworben haben. Es wird am 1. Januar 2023 seine Arbeit aufnehmen und ist an der Goethe-Universität (Frankfurt/M.) sowie an der Universität Paris III (Sorbonne Nouvelle) angesiedelt.

Die zunächst für vier Jahre bewilligte Förderung wird insgesamt zehn Doktoranden zugutekommen, jeweils fünf aus Frankfurt und fünf aus Paris. Das Doktorandenkolleg unterstützt die geförderten Promovierenden zwar nicht über die gesamte Dauer der Promotionsphase (grundständiges Stipendium), gewährt aber sogenannte „Mobilitätsbeihilfen“ (max. 18 Monate à 660,-€), so lange sie sich nicht am „Heimatort“ der Promotion aufhalten. „Die Erfahrung mit anderen deutsch-französischen Doktorandenkollegs zeigt, dass die Aufnahme in ein solches internationales Kolleg die Chancen auf eine Förderung durch den DAAD oder eine politische Stiftung deutlich verbessert“, sagt Prof. Hahn, der an der Goethe-Universität Ethnologie lehrt und für die deutsche Seite das Kolleg verantwortlich leiten wird. Die Bewilligung umfasst außerdem Mittel für Sprachkurse der Promovierenden, für selbstorganisierte Workshops der Promovierenden und internationale Konferenzen.

Diese internationalen Konferenzen nehmen grundlegende Fragen der Museologie in den Blick mit einem besonderen Fokus auf Museen mit ethnologischen Sammlungen. Untersucht werden Fragen nach der Eigenart von „Wissen“ in Museen, nach der Sammlung, nach der Ausstellung und nicht zuletzt nach einer (Neu-)Definition des Museums. Das wissenschaftliche Ziel des Kollegs ist es, Gesellschaft und Politik über die Leistungen und Probleme von Museen über europäische Grenzen hinweg zu informieren. Da auf französischer Seite der frühere Präsident des Internationalen Komitees für Museologie (ICOFOM) der UNESCO, François Mairesse, beteiligt ist, sind im Kolleg spannende Diskussionen über die Zukunft der Museen zu erwarten, die sicher auch das Thema Museumspolitik nicht aussparen werden. Im Hinblick auf ethnographische Sammlungen wird das Kolleg Antworten suchen auf Fragen nach dem kolonialen Charakter dieser Sammlungen, nach der Restitution von Sammlungsteilen sowie zur zukünftigen internationalen Museumskooperation.

Eine Basis für dieses Vorhaben ist eine schon bestehende Gruppe von Doktoranden am Institut für Ethnologie der Goethe-Universität, die sich mit Fragen der Provenienz der Objekte an verschiedenen ethnologischen Sammlungen in Deutschland befassen und zurzeit überwiegend in den Museen (Frankfurt, Karlsruhe, Oldenburg, Lübeck) selbst forschen und arbeiten.  Das Kolleg hat mithin zwei Ziele: Erstens soll es zur Internationalisierung der Debatte über die Zukunft ethnologischer Museen beitragen, zweitens zur Klärung des Status von Sammlungen mit umstrittenen Bewertungen.

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