{"id":11623,"date":"2017-01-04T12:23:14","date_gmt":"2017-01-04T11:23:14","guid":{"rendered":"http:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=11623"},"modified":"2016-12-21T17:15:22","modified_gmt":"2016-12-21T16:15:22","slug":"loving-the-alien-david-bowie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/gesellschaft\/loving-the-alien-david-bowie\/","title":{"rendered":"Loving the alien: David Bowie"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_11628\" aria-describedby=\"caption-attachment-11628\" style=\"width: 750px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-11628 size-full\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/blog_Bowie01.jpg\" alt=\"blog_bowie01\" width=\"750\" height=\"350\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/blog_Bowie01.jpg 750w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/blog_Bowie01-300x140.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 750px) 100vw, 750px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11628\" class=\"wp-caption-text\">Der Verwandlungsk\u00fcnstler und seine Alben: Auf dem Album \u00bbDiamond Dogs\u00ab (1974) posiert Bowie als Mensch- Hund-Zwitter. Die Zeichnung des Belgischen K\u00fcnstlers Guy Peellaert zeigte urspr\u00fcnglich auch die Genitalien des Wesens, wurde dann jedoch \u00fcbermalt.<\/figcaption><\/figure>\n<p><em><strong>Der Anfang 2016 gestorbene David Bowie hat wohl wie kaum ein anderer K\u00fcnstler die Popmusik als Gesamtkunstwerk verstanden und sie textlich, musikalisch und visuell mit dem Neuen und Fremden konfrontiert.<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Die unterschiedlichen Farben seiner Augen galten vielen Betrachtern bereits als physische Manifestation seiner Andersartigkeit. Dabei hatte diese Besonderheit eine vergleichsweise banale Ursache: Nach einer Schulhofpr\u00fcgelei mit seinem Freund George Underwood (der sp\u00e4ter unter anderem das Cover des Bowie- Albums Aladdin Sane entwirft) im Alter von 15 Jahren bleibt die Pupille seines linken Auges starr und dunkel.<\/p>\n<p>\u00bbTraumatische Mydriasis\u00ab nennt die Medizin dieses Ph\u00e4nomen, das im Falle Bowies nat\u00fcrlich nicht wie eine Verletzung, sondern wie eine willentlich herbeigef\u00fchrte Verk\u00fcnstlichung wirkte. Bowie gilt in der Pop- und Rockgeschichte als \u00bbCham\u00e4leon\u00ab, als Verwandlungsk\u00fcnstler. Den Begriff mochte er selber nicht, da er das Tier als eines sah, das sich mit seiner Tarnung versteckt:<\/p>\n<figure id=\"attachment_11630\" aria-describedby=\"caption-attachment-11630\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption alignright\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-11630\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/blog_Bowie03.jpg\" alt=\"blog_bowie03\" width=\"400\" height=\"401\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/blog_Bowie03.jpg 650w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/blog_Bowie03-150x150.jpg 150w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/blog_Bowie03-300x300.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11630\" class=\"wp-caption-text\">\u00bbThe Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars\u00ab (1972) zeigt auf der Vorderseite einen Abschnitt der Heddon Street unweit der bekannten Carnaby Street; das Original-Foto wurde jedoch farblich stark verfremdet. Neben der Abbey Road geh\u00f6rt die Heddon Street heute zu den beliebtesten Pop-Pilgerorten in London.<\/figcaption><\/figure>\n<p>\u00bbIch glaube, ich habe immer genau das Gegenteil versucht.\u00ab (zit. n. Lachner, David Bowie, S. 166) Bowie begn\u00fcgt sich nicht damit, ein einmal etabliertes Image zu bedienen und damit die Erwartungen seines Publikums zu erf\u00fcllen, wie viele seiner Generationsgenossen. Frisur, Kleidung, B\u00fchnenoutfit, aber auch die Covergestaltung, kurzum: Sein komplettes visuelles Image war ihm wichtig. Der Musiktheoretiker und Komponist Thomas Kr\u00e4mer schreibt zuspitzend, das sei der eigentliche Kern seiner k\u00fcnstlerischen Existenz gewesen \u2013 die Musik werde quasi drum herum konstruiert (Kr\u00e4mer, S. 187).<\/p>\n<p>Der am 8. Januar 1947 im Londoner Arbeiterstadtteil Brixton geborene David Robert Jones w\u00e4chst relativ beh\u00fctet auf, wenngleich in seiner Familie einige F\u00e4lle von psychischen Krankheiten zu verzeichnen sind. Bowies \u00e4lterer Bruder Terence wird in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen und nimmt sich sp\u00e4ter das Leben. Der junge David gilt als Au\u00dfenseiter, kann sich aber durchaus in Schl\u00e4gereien zur Wehr setzen.<\/p>\n<p>Die Familie zieht Anfang der 1950er Jahre ins b\u00fcrgerlichere Bromley, der Junge genie\u00dft den bescheidenen Reichtum einer britischen Mittelklasse-Familie, die sich immerhin einen Fernseher leisten kann \u2013 eine wichtige Inspirationsquelle f\u00fcr den neugierigen Jungen. Auf der Schule gilt David nicht als besonders talentiert. Aber pr\u00e4gend f\u00fcr seine sp\u00e4tere Karriere ist, wie bei vielen Musikern der britischen Popmusik, der Besuch einer Art School:<\/p>\n<p>Auf der Bromley Technical High School hat er neben Musik- auch Kunst- und Designunterricht, lernt Peter Frampton kennen, mit dem er auch zusammen Musik macht. Sein breites Interesse auch an Theater, Bildender Kunst und Jazz sorgt daf\u00fcr, dass seine ersten Bandprojekte ihm zu eng erscheinen: Nur Musik zu machen, ist ihm offensichtlich zu wenig, er besch\u00e4ftigt sich auch mit Make-up und verpasst seiner Band schon mal eine Langhaarfrisur, die alle tragen m\u00fcssen.<\/p>\n<h3><strong>Weltall und Aliens<\/strong><\/h3>\n<p>Bowies Interesse f\u00fcr unterschiedliche Musikund Kunstrichtungen, auch f\u00fcr die die Modkultur pr\u00e4gende Leidenschaft f\u00fcr modisch-stilistische Abgrenzungen, ist eher ein Hindernis auf dem Weg zum Erfolg: Seine ersten Platten floppen. Der Durchbruch gelingt ihm dann mit dem Song Space Oddity (1969), der den Anfang markiert einer \u00fcber mehrere Alben reichenden Besch\u00e4ftigung mit der Thematik von Weltraum, extraterrestrischen Lebensformen \u2013 in den 1950er und 1960er Jahren nicht zuletzt wegen des Wettrennens der beiden Weltm\u00e4chte zum Mond ein beliebtes Sujet.<\/p>\n<p>Space Oddity ist bereits sprachlich Stanley Kubricks einflussreichem Film Space Odyssey nachgebildet und erz\u00e4hlt eine \u00bbWeltraumkuriosit\u00e4t\u00ab: Der Protagonist Major Tom gleitet mutterseelenallein durch das Weltall, die irritierenden Funksignale der \u00bbGround Control\u00ab von der Erde, dass der Kontakt abzubrechen droht, scheinen ihn aber nicht zu interessieren, er befindet sich in einem seelischen Zustand des \u00bbFloating\u00ab:<\/p>\n<p>\u00bbHere am I floating round my tin can \/ Far above the Moon \/ Planet Earth is blue \/ And there&#8217;s nothing I can do.\u00ab Bowies zweiter kommerzieller Erfolg, die Single Starman (1972), kn\u00fcpft an die Thematik an, erweitert sie jedoch im Hinblick auf die Figur eines Au\u00dferirdischen: \u00bbThere&#8217;s a starman waiting in the sky \/ He&#8217;d like to come and meet us \/ But he thinks he&#8217;d blow our minds.\u00ab<\/p>\n<figure id=\"attachment_11629\" aria-describedby=\"caption-attachment-11629\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-11629\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/blog_Bowie02.jpg\" alt=\"blog_bowie02\" width=\"400\" height=\"397\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/blog_Bowie02.jpg 650w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/blog_Bowie02-150x150.jpg 150w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/blog_Bowie02-300x298.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11629\" class=\"wp-caption-text\">\u00bbHeroes\u00ab, 1977 im Berliner Hansa-Studio aufgenommen und von Tony Visconti produziert, scheint hinsichtlich Sound und Image bereits Lichtjahre von Bowies Glamzeit entfernt. Das Titelst\u00fcck, an dem unter anderem Brian Eno und Robert Fripp mitwirkten, gilt vielen Kritikern als Bowies wichtigste Komposition.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Eingebettet ist Starman in das Album The rise and fall of Ziggy Stardust, das Bowie eine Weltkarriere beschert. Er geht mit seiner Begleitband \u00bbThe Spiders from Mars\u00ab und einer aufwendigen B\u00fchnenshow auf Tour. Ziggy Stardust enth\u00e4lt keine koh\u00e4rente Geschichte, aber die Songs des Albums kreisen um den Helden Ziggy, der auf die Erde gekommen ist, um den Leuten den Rock \u2019n\u2019 Roll zu bringen, letztendlich aber scheitert und sogar zum \u00bbRock \u2019n\u2019 Roll Suicide\u00ab wird. Ob er wirklich ein Alien ist oder ein Erdling sich dies nur imaginiert, bleibt in der Schwebe. F\u00fcr letztgenannte Deutung spricht die Tatsache, dass Bowie wohl die reale Geschichte seines Landsmannes Vince Taylors inspiriert hat, der als Rock \u2019n\u2019 Roll Star wegen Drogensucht ins Abseits geriet.<\/p>\n<p>Mit Plastikstiefeln, engen Hosen, durchsichtigen Hemden und der roten Stachelfrisur spielt und verk\u00f6rpert Bowie den Helden Ziggy auf der B\u00fchne, eine androgyne Figur und Projektionsfl\u00e4che f\u00fcr alle m\u00f6glichen Sehns\u00fcchte: \u00bbBowie wollte etwas darstellen \u2013 etwas f\u00fcr jeden\u00ab, so Christoph Sandford in seiner Bowie-Biografie (Sandford, S. 106). 1973 wird Ziggy Stardust, am Ende einer h\u00f6chst erfolgreichen Tournee, von Bowie theatralisch \u00bbbeerdigt\u00ab.<\/p>\n<p>1976, als Bowies Begeisterung f\u00fcr das Extraterrestrische eigentlich schon vor\u00fcber ist, mimt er in Nicolas Roegs Literaturverfilmung Der Mann, der vom Himmel fiel einen blassen Alien mit roten Haaren, der, von den Menschen unverstanden, an seinen hehren Zielen scheitert. \u00c4hnlich ergeht es Bowies Figur Major Tom, die 1979 im Song Ashes to ashes noch mal auftaucht, allerdings entzaubert Bowie das Bild des entr\u00fcckten, zu einer h\u00f6heren Bewusstseinsform gelangten Raumfahrers.<\/p>\n<p>So singt Bowie selbstreferenziell \u00fcber \u00bba guy that\u2019s been in such an early song\u00ab, doch nun lautet die n\u00fcchterne Diagnose: \u00bbWe know Major Tom&#8217;s a junkie.\u00ab So sind Bowies Fiktionen von au\u00dferirdischer Exotik immer auch von irdischen Abgr\u00fcnden durchsetzt. So beschreibt der Song Loving the alien (1984) ein apokalyptisches Szenario voller religi\u00f6ser Verirrungen, in dem das oder der Fremde seine utopische Verhei\u00dfung g\u00e4nzlich eingeb\u00fc\u00dft hat.<\/p>\n<h3><strong>Glamrock \u2013 die sexuelle Mehrdeutigkeit der Popkultur<\/strong><\/h3>\n<p>Die stoffliche Tiefe der Alien-Thematik auf Ziggy Stardust und anderen Alben sollte man nicht zu hoch ansetzen. Manche Kritiker bezeichnen Ziggy Stardust gar als \u00bbsatirisch alberne [\u2026] Geschichte\u00ab (Sandford, S. 109). Richtig ist: Bowie greift unter anderem auf Comic- und Science-Fiction-Figuren wie Flash Gordon zur\u00fcck und f\u00fcgt dem popul\u00e4ren Narrativ von der Begegnung mit dem Weltraum und fremden Lebewesen keine wirklich neue Sinnschicht zu.<\/p>\n<p>Jedoch ist seine Begeisterung f\u00fcr Aliens und andere Humanoide (wie auch auf dem Album Diamond Dogs \u2013 hier sind es Mensch- Tier-Fabelwesen) viel mehr: n\u00e4mlich eine bis dato in der Popkultur unbekannte Auseinandersetzung mit K\u00fcnstleridentit\u00e4ten und Geschlechterrollen. Im Glam oder Glamrock geben sich die Musiker in Abgrenzung von traditionellen Rockbands, aber auch von akademischen Spielarten des Rock ein schrilles (\u00bbglamour\u00f6ses \u00ab) Outfit, bei dem feminine und androgyne Elemente wichtig sind.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-11631\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/blog_Bowie04.jpg\" alt=\"blog_bowie04\" width=\"400\" height=\"407\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/blog_Bowie04.jpg 650w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/blog_Bowie04-295x300.jpg 295w\" sizes=\"(max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/>Bowie \u00bbbot einer Generation, die mit Rockmusikern in schlichten Jeans und h\u00f6chstens noch dem Westkurven-Gebr\u00fcll eines Fu\u00dfballstadions gro\u00dfgeworden war, einen au\u00dferirdischen Messias an, der sie erobern wollte\u00ab, schreibt Christopher Sandford (S. 106). Ber\u00fchmt geworden ist ein Foto, das in seiner Freiz\u00fcgigkeit die \u00d6ffentlichkeit gleicherma\u00dfen schockiert wie elektrisiert: Bei einem Konzert im britischen Dunstable simuliert Bowie in voller Ziggy-Montur eine Fellatio an der Gitarre seines Mitstreiters Mark Ronson.<\/p>\n<p>Fotograf Mick Rocks h\u00e4lt den Moment der Performance fest, der sich dann fest in das Ged\u00e4chtnis der Rockgeschichte einschreibt. Thomas Kr\u00e4mer sieht die Provokation und Grenz\u00fcberschreitung auch darin begr\u00fcndet, dass die Gitarre einerseits als Phallus-Symbol, andererseits aber auch als \u00bbweibliche K\u00f6rpersilhouette\u00ab (Kr\u00e4mer, S. 242) fungiere; somit sei nicht auszumachen, wer in dieser Sex-Simulation den m\u00e4nnlichen und wer den weiblichen Part spiele.<\/p>\n<p>Es gehe also um \u00bbalien sex\u00ab (S. 244), der Geschlechteridentit\u00e4ten nachhaltiger in Frage stelle, als dies die blo\u00dfe Andeutung von Homosexualit\u00e4t suggeriere. Die Rezeption Bowies zeigt, dass seine permanente Wandlung als Musiker, S\u00e4nger und Performancek\u00fcnstler oftmals nicht \u00e4sthetisch verstanden, sondern stattdessen \u00bbnaturalisiert\u00ab wird:<\/p>\n<p>Sein Image wird also mit der realen Person Bowie gleichgesetzt. Einiges spricht aber gegen eine biografisch-psychologisierende Deutung seines Werkes: Seine Homo- beziehungsweise Bisexualit\u00e4t, die Anlass gab f\u00fcr viele Spekulationen, auch hinsichtlich Aff\u00e4ren mit anderen Rockstars (unter anderem mit Lou Reed oder Mick Jagger), wurde von Bowie Jahre nach seiner Zeit als Aush\u00e4ngeschild des Glamrocks als bewusste Inszenierung entlarvt.<\/p>\n<p>Allerdings konzediert Bowie durchaus das Verschmelzen von Rolle und Person: \u00bbIch bin sogar selber auf Ziggy hereingefallen. Ich wurde Ziggy.\u00ab (zit. n. Lachner, S. 174, Hervorhebung im Original) Auch sein vermeintlicher Liebespartner Lou Reed experimentiert in den sp\u00e4ten 1960er und fr\u00fchen 1970er Jahren mit Geschlechterrollen, womit er das sichtbar macht, was im Mainstream- Pop unsichtbar gehalten wurde:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-11633\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/blog_Bowie_autor.jpg\" alt=\"blog_bowie_autor\" width=\"300\" height=\"413\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/blog_Bowie_autor.jpg 450w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/blog_Bowie_autor-218x300.jpg 218w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Der Kost\u00fcmzwang, ob im braven Einheitslook der fr\u00fchen Beatles, in der ledernen H\u00e4rte des Hardrocks oder in der bunten Flippigkeit der Hippie- Kultur, wird auf die Spitze getrieben und als exhibitionistisches Mittel eingesetzt, das provoziert, aber insgesamt mehr verh\u00fcllt als offenbart. Der Pop-Theoretiker Diederich Diederichsen hat das Zusammenspiel aus N\u00e4he und Distanz folgenderma\u00dfen beschrieben: \u00bbUnmittelbarkeit ist das Versprechen der Pop-Musik, aber (diese) Unmittelbarkeit ist Ergebnis eines Mittels, ein Medieneffekt.\u00ab<\/p>\n<p>(Diederichsen, S. XXVI) Signifikant und Signifikat, das Image des Popstars und sein Inhalt, stehen in einem instabilen Verh\u00e4ltnis zueinander. Dass sich bei der Dekonstruktion von Gendervorstellungen und Pop-Konventionen durchaus ein Gew\u00f6hnungseffekt einstellen kann, hat Bowies Glamrock- Kollege Bryan Ferry (Roxy Music) vorgef\u00fchrt: Er spielt zwar auch mit androgynen Elementen, nutzt dies aber relativ risikolos f\u00fcr die Imagebildung eines Pop-Dandys und Verf\u00fchrers.<\/p>\n<p>Bowie hingegen hat sich fr\u00fch- beziehungsweise rechtzeitig von seinem Glamrock- Image musikalisch wie auch visuell gel\u00f6st. Ab Mitte der 1970er Jahre verzichtet Bowie auf den Glamour und die Opulenz der Ziggy-B\u00fchnenperformance, antizipiert stattdessen mit der Figur des \u00bbThin White Duke\u00ab bereits die K\u00fchle und Leere von Punk und New Wave. Es wird aber nicht der letzte Rollen- und Imagewechsel seiner Karriere bleiben.<\/p>\n<p>[dt_call_to_action content_size=&#8220;small&#8220; background=&#8220;plain&#8220; line=&#8220;false&#8220; style=&#8220;1&#8243;]<\/p>\n<p>[vc_toggle title=&#8220;Literatur&#8220; style=&#8220;square&#8220; el_id=&#8220;1446040522748-fab84964-25f2&#8243; css=&#8220;.vc_custom_1446052456701{margin-top: 15px !important;}&#8220;]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol>\n<li>Diederich Diederichsen,<br \/>\n\u00dcber Pop-Musik,<br \/>\nK\u00f6ln 2014.<\/li>\n<li>Thomas Kr\u00e4mer,<br \/>\nAndrogynie, Alterit\u00e4t und<br \/>\nAlienit\u00e4t im britischen Glam<br \/>\nzwischen 1970\u201374,<br \/>\nM\u00fcnster 2014.<\/li>\n<li>Harry Lachner, David Bowie,<br \/>\nin: Reclam Rock-Klassiker,<br \/>\nhrsg. von Peter Kemper,<br \/>\nStuttgart 2003, S. 167\u2013187.<\/li>\n<li>Christopher Sandford,<br \/>\nDavid Bowie, die Biographie,<br \/>\nH\u00f6fen 2003.[\/vc_toggle][\/dt_call_to_action]<\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Anfang 2016 gestorbene David Bowie hat wohl wie kaum ein anderer K\u00fcnstler die Popmusik als Gesamtkunstwerk verstanden und sie textlich, musikalisch und visuell mit dem Neuen und Fremden konfrontiert. 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