{"id":15703,"date":"2017-03-23T10:52:28","date_gmt":"2017-03-23T09:52:28","guid":{"rendered":"http:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=15703"},"modified":"2017-03-23T10:52:28","modified_gmt":"2017-03-23T09:52:28","slug":"publizieren-innovativ-traditionell-oder-beides","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/forschung\/publizieren-innovativ-traditionell-oder-beides\/","title":{"rendered":"Publizieren: Innovativ, traditionell oder beides"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_15707\" aria-describedby=\"caption-attachment-15707\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-15707\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/blog_gs_open-access.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"277\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/blog_gs_open-access.jpg 650w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/blog_gs_open-access-300x208.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-15707\" class=\"wp-caption-text\">Dr. Roland Wagner leitet die Bibliothek Naturwissenschaften am Campus Riedberg.<\/figcaption><\/figure>\n<p><em><strong>Open Access ver\u00e4ndert die Publikationslandschaft. Dr. Roland Wagner, Leiter der Bibliothek Naturwissenschaften, erkl\u00e4rt im Interview, was es bei der Qualit\u00e4tssicherung zu beachten gilt und welche Entwicklungen sich abzeichnen.<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Open Access ver\u00e4ndert die Publikationslandschaft. Die Ver\u00f6ffentlichung wissenschaftlicher Beitr\u00e4ge bleibt nicht mehr ausschlie\u00dflich traditionellen lizenzpflichtigen Journalen \u00fcberlassen. Stattdessen machen Open-Access-Zeitschriften und Repositorien wissenschaftliche Publikationen allen Interessierten im Internet frei zug\u00e4nglich. Ein Gespr\u00e4ch mit Dr. Roland Wagner, Leiter der Bibliothek Naturwissenschaften der Universit\u00e4tsbibliothek, zu den Herausforderungen von Open Access (OA).<\/p>\n<p><strong>GoetheSpektrum: Sind Ver\u00f6ffentlichungen \u00fcber Open Access im Vergleich zu klassischen Wegen mehr oder weniger wert?<\/strong><\/p>\n<p>Dr. Roland Wagner: Open Access hat grunds\u00e4tzlich nichts mit niedrigerer oder h\u00f6herer Qualit\u00e4t zu tun, auch wenn in dieser Hinsicht viele Vorurteile existieren. Es gibt sowohl OA-Journale als auch herk\u00f6mmliche Journale, in denen die Manuskripte nicht die h\u00f6chste Qualit\u00e4t haben. In einigen Fachgebieten sind es sogar OA-Journale, in denen die meistzitierten Publikationen erscheinen und die damit den h\u00f6chsten Impact Factor (Zahl, die den Einfluss einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift wiedergibt, Anm. d. Red.) aufweisen. OA-Publikationen bieten Autoren den generellen Vorteil, dass alle Kollegen sie lesen k\u00f6nnen, da keine besondere Lizenz notwendig ist, und sie so sichtbarer und oft auch h\u00e4ufiger zitiert werden.<\/p>\n<p><strong>Und woher kommt dann die Zur\u00fcckhaltung mancher Wissenschaftler in Bezug auf Open Access?<\/strong><\/p>\n<p>Viele Bedenken h\u00e4ngen damit zusammen, dass es im OA-Markt auch unseri\u00f6se und sogar betr\u00fcgerische Anbieter gibt. Aber daraus ergibt sich nicht notwendigerweise ein allgemeines Qualit\u00e4tsproblem bei Open Access.<\/p>\n<p><strong>Wie kann denn ein Forschender sicherstellen, dass er bei einem seri\u00f6sen Medium landet und die nicht ganz niedrigen Publikationsgeb\u00fchren richtig investiert?<\/strong><\/p>\n<p>Wie bei allen Transaktionen, die im Internet abgewickelt werden, ist auch beim Einreichen von Papern ein Mindestma\u00df an Augenmerk geboten, bei wem man da landet. Aber das Problem wird oft aufgebauscht. Jeder kann mit wenig Rechercheaufwand selbst herausfinden, ob ein Medium seri\u00f6s ist oder nicht.<\/p>\n<p><strong> Und wo l\u00e4sst sich das herausfinden?<\/strong><\/p>\n<p>Im Internet gibt es zum Beispiel mit dem Directory of Open Access Journals (DOAJ, siehe Infokasten \u00bbOpen Access publizieren\u00ab) ein Verzeichnis seri\u00f6ser Zeitschriften, die auch einen Peer Review sicherstellen. Es handelt sich um reine Open-Access-Journale, in denen Beitr\u00e4ge von Beginn an frei zug\u00e4nglich sind \u2013 man spricht dabei auch vom \u00bbGoldenen Weg\u00ab des Open Access. Bei etlichen dieser Journale f\u00e4llt eine Autorengeb\u00fchr an, die sich viele Autoren ganz oder teilweise \u00fcber F\u00f6rderangebote ihrer Institutionen erstatten lassen k\u00f6nnen. Daf\u00fcr ist meist Voraussetzung, dass die Zeitschrift im DOAJ gelistet ist.<\/p>\n<p><strong>Sie sprechen die finanzielle Unterst\u00fctzung f\u00fcr OA-Publikationen an. Welche Rolle spielen F\u00f6rderer in dem Kontext?<\/strong><\/p>\n<p>Wir beobachten, dass F\u00f6rderer zunehmend Open-Access-Ver\u00f6ffentlichungen verlangen. Die EU fordert und die DFG empfiehlt solche Publikationen, und es gibt F\u00f6rderer, die das Commitment der Einrichtung \u2013 in unserem Fall der Goethe-Universit\u00e4t \u2013 zu Open Access erfragen. Somit entsteht also ein gewisser Druck seitens der Forschungsf\u00f6rderung hin zu Open Access.<\/p>\n<p>[dt_call_to_action content_size=&#8220;small&#8220; background=&#8220;fancy&#8220; line=&#8220;false&#8220; animation=&#8220;none&#8220;]<\/p>\n<h4><strong>Open Access publizieren: Drei Tipps f\u00fcr wissenschaftliche Autoren<\/strong><\/h4>\n<p>Wie auch beim traditionellen Publizieren gilt: Geeignetheit und Seriosit\u00e4t des Mediums pr\u00fcfen. Dabei hilft zum Beispiel das Directory of Open Access Journals, das fast 10.000 Titel auflistet: <a href=\"https:\/\/doaj.org\/about\" target=\"_blank\">https:\/\/doaj.org\/about<\/a>.<\/p>\n<p>Interessant ist auch die Initiative <a href=\"http:\/\/thinkchecksubmit.org\" target=\"_blank\">http:\/\/thinkchecksubmit.org<\/a>. Bei Zweit- oder Parallelver\u00f6ffentlichungen, dem sogenannten Gr\u00fcnen Weg des Open Access, pr\u00fcfen, welche Bedingungen der f\u00fcr die Erstver\u00f6ffentlichung zust\u00e4ndige Verlag daran gekn\u00fcpft hat. Hinweise zum Copyright von Verlagen und Journalen sowie zu Archivierungsrechten finden sich unter <a href=\"http:\/\/www.sherpa.ac.uk\/romeo\/index.php\" target=\"_blank\">www.sherpa.ac.uk\/romeo<\/a>.<\/p>\n<p>F\u00fcr Wissenschaftler, die eine Open-Access-Fachzeitschrift betreuen oder neu ins Leben rufen wollen, hat die Bibliothek der Goethe-Universit\u00e4t eine Plattform eingerichtet, die ein professionelles Erscheinungsbild inklusive durchdachter Redaktionsworkflows bietet: <a href=\"http:\/\/www.ub.uni-frankfurt.de\/online\/ojs.html\" target=\"_blank\">www.ub.uni-frankfurt.de\/online\/ojs<\/a>.<\/p>\n<p>[\/dt_call_to_action]<\/p>\n<p><strong>Mit welcher Unterst\u00fctzung k\u00f6nnen Wissenschaftler da seitens der Goethe-Universit\u00e4t rechnen?<\/strong><\/p>\n<p>Die Universit\u00e4tsbibliothek hilft technisch und finanziell. Zum einen betreut die Bibliothek den Publikationsserver der Goethe- Universit\u00e4t, auf dem Uni-Angeh\u00f6rige ihre wissenschaftlichen Ver\u00f6ffentlichungen einstellen k\u00f6nnen. Auf dem Server sind die Dokumente dauerhaft gesichert, gut auffindbar und frei zug\u00e4nglich. So k\u00f6nnen Forschende ihre Arbeiten als Zweitver\u00f6ffentlichung auf dem Server ablegen und dann bei F\u00f6rderungsantr\u00e4gen als Open-Access-Publikation angeben. Das entspricht dem sogenannten \u00bbGr\u00fcnen Weg\u00ab des Open Access. Zum anderen hat die Bibliothek einen Publikationsfonds eingerichtet, der die Ver\u00f6ffentlichungsgeb\u00fchren teilweise \u00fcbernimmt.<\/p>\n<p><strong>Wie ist die Resonanz auf dieses Angebot?<\/strong><\/p>\n<p>In den vergangenen beiden Jahren haben wir mehr als 40 Arbeiten gef\u00f6rdert. Derzeit l\u00e4uft die dritte Testphase und wir bem\u00fchen uns parallel, dem Fonds die langfristige Finanzierung zu sichern, um ihn auf eine dauerhafte Basis zu stellen. Dazu ist ein DFG-Antrag angedacht.<\/p>\n<p><strong>Wie viele Forschende der Goethe-Uni ver\u00f6ffentlichen bereits im Open Access?<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr das vergangene Jahr, also f\u00fcr 2016, haben wir im Web of Science mehr als 500 Ver\u00f6ffentlichungen von Uni-Angeh\u00f6rigen gez\u00e4hlt.<\/p>\n<p><strong>Angenommen, eine Forschungseinrichtung verzichtet auf Unterst\u00fctzung f\u00fcr das Open-Access- Publizieren, was w\u00fcrde passieren?<\/strong><\/p>\n<p>OA-Publikationen erh\u00f6hen die Sichtbarkeit der Forschenden und damit auch der Einrichtung \u2013 dieser Vorteil entf\u00e4llt, wenn weniger OA publiziert wird. Insgesamt kann fehlendes Engagement in diesem Bereich am Ende zu einem Standortnachteil werden.<\/p>\n<p><strong>Ver\u00e4ndert Open Access auch die Arbeit der Uni- Bibliothek?<\/strong><\/p>\n<p>Ja, sicher. Es wirkt sich gravierend auf unser Gesch\u00e4ftsmodell auf. Open-Access-Ver\u00f6ffentlichungen m\u00fcssen wir nicht kaufen, wir sollten sie aber in unsere Rechercheinstrumente aufnehmen. Potenziell m\u00fcssen wir uns Gedanken machen, ob Erwerbungsmittel umzuschichten sind in die Open-Access- F\u00f6rderung. Allerdings erscheinen weiterhin 80 Prozent der wissenschaftlichen Beitr\u00e4ge als Nicht-Open-Access-Publikationen, die wir trotz steigender Preise nicht einfach abbestellen k\u00f6nnen, weil unsere Nutzer dann den Zugang zu den Inhalten verlieren w\u00fcrden. Au\u00dferdem sehen wir eine gro\u00dfe Aufgabe darin, die Informationskompetenz der Forschenden und Studierenden zu st\u00e4rken. Wir informieren sie \u00fcber Open Access und kl\u00e4ren auf, was es damit auf sich hat. Insgesamt ist der Umstieg in die Open-Access-Welt ist eine gro\u00dfe Herausforderung.<\/p>\n<p><strong>Wie schafft die Goethe-Universit\u00e4t den strategischen Spagat zwischen innovativem Open Access und traditioneller Ver\u00f6ffentlichung?<\/strong><\/p>\n<p>Die Universit\u00e4t ist offen f\u00fcr beide Wege. Es gibt die zwei Varianten; die Entscheidung liegt bei den Wissenschaftlern.<\/p>\n<p>[dt_call_to_action content_size=&#8220;small&#8220; background=&#8220;fancy&#8220; line=&#8220;true&#8220; animation=&#8220;none&#8220;]<\/p>\n<h4><strong>Gold und gr\u00fcn<\/strong><\/h4>\n<p>Open Access unterscheidet zwei Optionen der Publikation: Ver\u00f6ffentlichungen, die in ihrer endg\u00fcltigen Form von Anfang an frei im Internet zug\u00e4nglich sind, also Erstver\u00f6ffentlichungen, werden als Gold Open Access oder Goldener Weg des Open Access bezeichnet.<\/p>\n<p>Green Open Access bedeutet, dass Arbeiten vor, nach oder zeitgleich zu ihrer Publikation in einer traditionellen Subskriptionszeitschrift auch in einer Open-Access-Version ver\u00f6ffentlicht werden. Green Open Access \u2013 Gr\u00fcner Weg des Open Access \u2013 beschreibt also einen Zweitver\u00f6ffentlichungsweg.<\/p>\n<p>[\/dt_call_to_action]<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Das Interview f\u00fchrte Monika Hillemacher.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Dieser Artikel ist in der Ausgabe 1.17 der Mitarbeiterzeitung GoetheSpektrum<\/strong><\/em><strong><em> erschienen.<\/em><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Open Access ver\u00e4ndert die Publikationslandschaft. Dr. Roland Wagner, Leiter der Bibliothek Naturwissenschaften, erkl\u00e4rt im Interview, was es bei der Qualit\u00e4tssicherung zu beachten gilt und welche Entwicklungen sich abzeichnen. 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