{"id":1669,"date":"2014-08-30T09:32:45","date_gmt":"2014-08-30T07:32:45","guid":{"rendered":"http:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=1669"},"modified":"2016-01-10T22:01:20","modified_gmt":"2016-01-10T21:01:20","slug":"wie-der-computer-einzug-in-die-geisteswissenschaften-haelt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/forschung\/wie-der-computer-einzug-in-die-geisteswissenschaften-haelt\/","title":{"rendered":"Wie der Computer Einzug in die Geisteswissenschaften h\u00e4lt"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_1684\" aria-describedby=\"caption-attachment-1684\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a class=\"dt-single-image\" href=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/blog_fofra_computer-geisteswissenschaften2.jpg\" data-dt-img-description=\"Foto: Dettmar\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1684 size-medium\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/blog_fofra_computer-geisteswissenschaften2-300x200.jpg\" alt=\"Foto: Dettmar\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/blog_fofra_computer-geisteswissenschaften2-300x200.jpg 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/blog_fofra_computer-geisteswissenschaften2.jpg 700w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1684\" class=\"wp-caption-text\">Damit Computer mit gedruckten oder gezeichneten Bildern umgehen k\u00f6nnen, m\u00fcssen diese erst eingescannt werden \u2013 wie hier am Freien Deutschen Hochstift in Frankfurt; Foto: Dettmar<\/figcaption><\/figure>\n<p>Immer mehr Texte, T\u00f6ne und Bilder liegen in Bits und Bytes vor. Die Methoden der Digital Humanities werden stetig verfeinert und erm\u00f6glichen neue, bisher nicht bearbeitbare Fragestellungen. Auch in Frankfurt scheint die \u00bbempirische Wende\u00ab unaufhaltsam zu sein. Doch was hat es eigentlich mit dem neuen Forschungsgebiet auf sich, und inwiefern macht es uns schlauer oder gar klug?<\/p>\n<p>Da steh ich nun, ich armer Tor! Und bin so klug als wie zuvor\u00ab, klagt Goethes \u00bbFaust\u00ab nach einer Aufz\u00e4hlung dessen, was er so alles \u2013 \u00bbhabe nun, ach!\u00ab \u2013 studiert hat. Philosophie geh\u00f6rte dazu, ebenso Juristerei. \u00bbUnd leider auch Theologie!\u00ab. Genutzt hat\u2019s wenig \u2013 abgesehen von der subjektiven Erkenntnis, \u00bbdass wir nichts wissen k\u00f6nnen\u00ab. Allerdings konnte der F\u00e4cherkanon der Goethe- Zeit ein Forschungsgebiet noch nicht kennen, das untrennbar mit dem Computer verbunden ist, die \u00bbDigital Humanities\u00ab, jene Verbindung von Geisteswissenschaften und Informatik, mit deren Hilfe Inhalte, vor allem auch Texte, digital verf\u00fcgbar gemacht und ausgewertet werden.<\/p>\n<p>Die Linguistik nutzt die neuen M\u00f6glichkeiten schon seit einiger Zeit. Historiker zeigen sich zunehmend aufgeschlossen. Und wenn Frankfurter Literaturwissenschaftler dergestalt auf ihre Gegenst\u00e4nde schauen, geht es oft um Goethe und seinen Faust. Die Forschungen fragen allerdings nicht danach, ob die literarische Figur nach einem Studium der Digital Humanities von einem Pakt mit dem Teufel abgesehen h\u00e4tte. Obwohl: Es w\u00e4re schon interessant gewesen, was Faust von der \u00bbempirischen Wende\u00ab gehalten h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Nach Ansicht von Experten markiert sie den \u00dcbergang zwischen den \u00bbanalogen \u00ab Geisteswissenschaften in der herk\u00f6mmlichen Form und den Digital Humanities. \u00bbWir k\u00f6nnen heute Fragestellungen empirisch \u00fcberpr\u00fcfen, f\u00fcr die bisher nur theoretisch basierte Hypothesen vorlagen\u00ab, sagt Jost Gippert, Professor f\u00fcr Vergleichende Sprachwissenschaft an der Goethe-Universit\u00e4t. Fr\u00fcher habe man den Eindruck gehabt, dass sich ein bestimmter Sachverhalt auf eine gewisse Weise darstelle. Mittlerweile kann man den Dingen, ihre Digitalit\u00e4t vorausgesetzt, auf den Grund gehen. Diese \u00bbempirische\u00ab oder auch \u00bbdigitale Wende\u00ab deutete sich vor etwas mehr als 30 Jahren an.<\/p>\n<h3>Der ganze Goethe auf Disketten<\/h3>\n<p>Es war Ende der 1980er Jahre, als Jost Gippert in einem Goethe-Gedicht die Verbform \u00bbfrug\u00ab auffiel. Der Sprachwissenschaftler fand das ungew\u00f6hnlich, weil Goethe seinem Gef\u00fchl nach eher \u00bbfragte\u00ab verwendete. Gipperts Institut hatte damals 30 B\u00e4nde Goethe auf Disketten. \u00bbDie waren tellergro\u00df und kosteten tausend Mark.\u00ab Eine Suchabfrage ergab, dass Goethe in der Tat nur in diesem einen Gedicht \u00bbfrug\u00ab geschrieben hat, der Ausrei\u00dfer war wohl dem Versma\u00df geschuldet. \u00bbOhne Computer h\u00e4tte ich ein Jahr Goethe lesen m\u00fcssen und danach genau dasselbe gewusst\u00ab, sagt Jost Gippert.<\/p>\n<p>Vor der Digitalisierung war es f\u00fcr Linguisten, Literaturwissenschaftler oder Historiker kaum denkbar, Hypothesen und Theorien am gesamten einschl\u00e4gigen Material zu verifizieren oder zu falsifizieren. Durch den Einsatz der elektronischen Verfahren \u2013 die Schaffung von Datenpools und hierauf bezogenen digitalen Auswertungsmethoden \u2013 sei dies, so Gippert, nunmehr m\u00f6glich geworden. Der Frankfurter Linguistik-Professor geh\u00f6rt zu den Pionieren der Digital Humanities in Deutschland.<\/p>\n<p>Besonders auch seiner Initiative ist die Einrichtung eines Forschungsschwerpunkts zu verdanken, bei dem die Goethe-Universit\u00e4t mit der TU Darmstadt und dem Freien Deutschen Hochstift \u2013 Frankfurter Goethe-Museum kooperiert. Gef\u00f6rdert wird das interdisziplin\u00e4re Verbundprojekt seit rund vier Jahren von der hessischen \u00bbLandes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-\u00f6konomischer Exzellenz\u00ab, kurz LOEWE. Die beteiligten Disziplinen reichen von der Sprach-, Literatur- und Geschichtswissenschaft bis zur Informatik. Der LOEWE-Schwerpunkt, der 4,7 Millionen Euro aus Landesmitteln bekommt, tr\u00e4gt den Titel \u00bbDigital Humanities \u2013 Integrierte Aufbereitung und Auswertung textbasierter Corpora\u00ab.<\/p>\n<p>Textbasierte Corpora sind nach bestimmten Kriterien aufbereitete Sammlungen schriftlicher Dokumente verschiedener Sprachen und Genres, seien es Romane, Gedichte oder Theaterst\u00fccke, Gesetzestexte, Briefe oder Bibel\u00fcbersetzungen. Im LOEWE-Schwerpunkt werden die Corpora \u2013 wenn es sich anbietet \u2013 gemeinsam aus dem jeweiligen fachlichen Blickwinkel genutzt. Ein weiterer Fokus liegt im Aufbau einer \u00fcbergreifenden informationstechnologischen Infrastruktur \u2013 Linguisten oder Historiker loggen sich in derselben Arbeitsumgebung ein, die online zur Verf\u00fcgung steht.<\/p>\n<h3>Frankfurt wird zum \u00bbeHumanities-Zentrum\u00ab<\/h3>\n<p>\u00bbMit unserem LOEWE-Schwerpunkt haben wir eine Spitzenposition in der sich schnell entwickelnden Landschaft der Digital Humanities in Deutschland errungen\u00ab, sagt Jost Gippert, der seit dem Start des Schwerpunkts im Jahr 2011 dessen Koordinator ist. Das Projekt war bereits von Beginn an mit dem Anspruch angetreten, die Basis f\u00fcr einen l\u00e4ngerfristigen Forschungsverbund zu legen, der sich dem \u00bbdigitalen Wandel \u00ab in den geisteswissenschaftlichen F\u00e4chern widmet. Das konnte eingel\u00f6st werden: Nach dem Auslaufen der LOEWE-Finanzierung Ende 2014 gibt es eine F\u00f6rderung durch das Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung (BMBF). Unter den rund 40 beim Ministerium gestellten Antr\u00e4gen geh\u00f6rte der aus Rhein-Main zu den drei erfolgreichen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1686\" aria-describedby=\"caption-attachment-1686\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><a class=\"dt-single-image\" href=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/blog_fofra_computer-geisteswissenschaften.jpg\" data-dt-img-description=\"Das Freie Deutsche Hochstift verf\u00fcgt\u00fcber eine umfangreiche Sammlung von Illustrationen zum \u00bbFaust\u00ab \u2013 auf Papier und digital, darunter \u00bbFaust und Mephisto fliegen auf dem Zaubermantel durch die Luft\u00ab von August von Kreling (1819 \u20131876); Foto: Dettmar\"><img decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1686\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/blog_fofra_computer-geisteswissenschaften-300x119.jpg\" alt=\"Das Freie Deutsche Hochstift verf\u00fcgt \u00fcber eine umfangreiche Sammlung von Illustrationen zum \u00bbFaust\u00ab \u2013 auf Papier und digital, darunter \u00bbFaust und Mephisto fliegen auf dem Zaubermantel durch die Luft\u00ab von August von Kreling (1819 \u20131876); Foto: Dettmar\" width=\"300\" height=\"119\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/blog_fofra_computer-geisteswissenschaften-300x119.jpg 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/blog_fofra_computer-geisteswissenschaften.jpg 700w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1686\" class=\"wp-caption-text\">Das Freie Deutsche Hochstift verf\u00fcgt<br \/>\u00fcber eine umfangreiche Sammlung von Illustrationen zum \u00bbFaust\u00ab \u2013 auf Papier und digital, darunter \u00bbFaust und Mephisto fliegen auf dem Zaubermantel durch die Luft\u00ab von August von Kreling (1819 \u20131876); Foto: Dettmar<\/figcaption><\/figure>\n<p>Jost Gippert sieht das Forschungsgebiet \u00bbin einer st\u00fcrmischen Entwicklung begriffen\u00ab. Auch das BMBF hat seine F\u00f6rderung in den vergangenen Jahren kontinuierlich ausgebaut. Bei den Digital Humanities spricht das Wissenschaftsministerium auch von \u00bbeHumanities\u00ab, wobei das \u00bbe\u00ab nicht nur f\u00fcr \u00bbelektronisch\u00ab steht, sondern auch f\u00fcr \u00bbenhanced\u00ab, also \u00bberweitert\u00ab oder \u00bbverbessert\u00ab. Tats\u00e4chlich versteht das Ministerium die eHumanities \u00bbals Summe aller Ans\u00e4tze, die durch die Erforschung, Entwicklung und Anwendung moderner Informationstechnologien die Arbeit in den Geisteswissenschaften erleichtern oder verbessern\u00ab.<\/p>\n<p>Gem\u00e4\u00df der BMBF-Terminologie wird der weitergef\u00fchrte Forschungsverbund in der Rhein- Main-Region ein \u00bbeHumanities-Zentrum\u00ab sein. Zu den h\u00e4ufig verwendeten Bezeichnungen geh\u00f6rt auch \u00bbDigitale Geisteswissenschaften\u00ab. Der vor rund zwei Jahren gegr\u00fcndete Verband nennt sich allerdings \u00bbDigital Humanities im deutschsprachigen Raum\u00ab. Mittlerweile gibt es an rund einem Dutzend deutscher Universit\u00e4ten entsprechend ausgerichtete Studieng\u00e4nge.<\/p>\n<p>Auch in Frankfurt wird ein Curriculum vorbereitet. Trotzdem sind die Digital Humanities als Fachrichtung in gr\u00f6\u00dferer Breite noch nicht etabliert und in der allgemeinen \u00d6ffentlichkeit nahezu unbekannt. Dabei gelangen die Ergebnisse mancher ihrer Methoden gerade in j\u00fcngerer Zeit zu ungeahnter Popularit\u00e4t.<\/p>\n<h3>Wer schrieb den \u00bbRuf des Kuckucks\u00ab?<\/h3>\n<p>Vielleicht hat man ja den Eindruck, dass man eigentlich wie Goethe schreibt und die Chefin wie Ildik\u00f3 von K\u00fcrthy. Um das zu \u00fcberpr\u00fcfen, gibt es im Internet den Stiltest \u00bbIch schreibe wie &#8230;\u00ab Die zugrunde liegende Methode ist nicht neu und nennt sich Stilometrie. Sie beruht auf der statistischen Analyse von Wortwahl und Satzbau. Ein zu untersuchender Text wird nach bestimmten Kriterien \u2013 auch der Frequenz bestimmter Worte und Wortfolgen \u2013 mit Texten verglichen, die sich bereits in der Datenbank befinden und deren Urheber bekannt sind. Bei einer kleinen literarischen Sensation im Sommer 2013 gelangte die Stilometrie zu einer gewissen Ber\u00fchmtheit. Auch hier war am Anfang eine Ahnung im Spiel. \u00bbI suspect that some years down the road we will hear the author\u2019s name is a pseudonym of some famous writer\u00ab, hie\u00df es im Online-Kommentar einer Leserin.<\/p>\n<p>Und auch Profi-Rezensenten konnten es kaum glauben, dass dieses vorz\u00fcglich geschriebene Buch der Deb\u00fct-Roman eines bis dahin vollkommen unbekannten Autors sein soll. War er auch nicht. J.K. Rowling, die Erfinderin von \u00bbHarry Potter\u00ab hatte den Krimi \u00bbThe Cuckoo\u2019s Calling\u00ab (\u00bbDer Ruf des Kuckucks\u00ab) unter einem Pseudonym geschrieben. Ihre eigenen B\u00fccher, deren statistisch fassbaren Merkmale mit denen des \u00dcberraschungswerks abgeglichen wurden, halfen bei der Bestimmung der Autorschaft. In der Literaturwissenschaft werden Formen der Stilometrie auch zurate gezogen, wenn es darum geht, welcher Epoche ein Autor im Zweifelsfall am ehesten zuzurechnen ist, etwa der Romantik oder aber der Klassik.<\/p>\n<p>Einen immer gr\u00f6\u00dferen Stellenwert erlangen Methoden der Digital Humanities bei der Edition literaturgeschichtlich bedeutender Werke. \u00bbDie neuen M\u00f6glichkeiten sind die Erf\u00fcllung eines Traums. Es er\u00f6ffnen sich ganz neue Felder\u00ab, sagt Anne Bohnenkamp-Renken. Die Germanistin ist Professorin f\u00fcr Literaturwissenschaft an der Goethe-Universit\u00e4t und Direktorin des Freien Deutschen Hochstifts, eines der \u00e4ltesten Kulturinstitute Deutschlands und Tr\u00e4ger des Frankfurter Goethe-Museums.<\/p>\n<p>Neben seiner Mitwirkung im LOEWE-Schwerpunkt zu den Digital Humanities arbeitet das Hochstift bereits seit 2009 an einer digitalen Ausgabe des \u00bbFaust\u00ab. Es handelt sich um ein DFG-Projekt in Kooperation mit dem Goethe- und Schiller- Archiv der Klassik Stiftung Weimar und dem Lehrstuhl f\u00fcr Computerphilologie an der Universit\u00e4t W\u00fcrzburg. \u00bbUnser Anspruch ist es, eine Modelledition zu erstellen, die Standards setzt\u00ab, sagt Anne Bohnenkamp- Renken. Die neue, sogenannte historisch-kritische Edition enth\u00e4lt erstmals die gesamte relevante \u00dcberlieferung des Werks.<\/p>\n<p>Dazu geh\u00f6ren rund 2.000 Handschriftenseiten Goethes sowie die zu Lebzeiten des Autors erschienenen Drucke. Erg\u00e4nzt wird die digitale Sammlung durch zahlreiche Zeugnisse zur Entstehung \u2013 Briefe, autobiografische \u00c4u\u00dferungen und Gespr\u00e4chsberichte von Zeitzeugen. Zwischen zwei Buchdeckel w\u00fcrde das kaum passen.<\/p>\n<h3>Per Mausklick durch das \u00bbFaust\u00ab-Universum<\/h3>\n<p>Die schiere digitale Materialf\u00fclle ist noch kein Wert f\u00fcr sich. Anders als bei den ersten digitalen Editionen verschiedener Autoren und ihrer Werke in den 1980er Jahre, deren \u2013 so Bohnenkamp- Renken \u2013 \u00bbgr\u00f6\u00dfter und oft einziger Vorzug die Durchsuchbarkeit des Textes war\u00ab, kann man jetzt per Mausklick im ganzen Faust-Universum navigieren. Die Forschung darf sich freuen, und auch die breitere \u00d6ffentlichkeit erh\u00e4lt einen Einblick in die Werkstatt des Dichters, in der \u00fcber einen Zeitraum von mehr als 60 Jahren eines der wichtigsten Werke der deutschen Literatur entstanden ist. Eine Hauptaufgabe historisch-kritischer Editionen ist es, Vorstufen und Varianten von Texten zu dokumentieren und zu bewerten.<\/p>\n<p>Dass es ausgerechnet zu Goethes \u00bbFaust\u00ab keine solchen modernen Standards gen\u00fcgende Ausgabe gibt, ist ein erstaunliches Desiderat, das Albrecht Sch\u00f6ne \u2013 einer der renommiertesten Forscher auf diesem Gebiet \u2013 vor 20 Jahren als \u00bbnationale Schande\u00ab bezeichnete. Die Einbeziehung der neuen Medien bietet nun die M\u00f6glichkeit, neue Wege zu beschreiten und dem Nutzer unabh\u00e4ngig von den Einschr\u00e4nkungen des Buchformats das vollst\u00e4ndige Archiv aufbereitet zur Verf\u00fcgung zu stellen und die Daten je nach Interesse abrufbar zu machen.<\/p>\n<p>Der digitale Faust wird das Werk in der gesamten Breite seiner Entstehungsgeschichte umfassend erschlie\u00dfen. In der neuen Digital- Ausgabe ist es beispielsweise m\u00f6glich, sich alle bekannten Vorstufen und Varianten einer Textzeile anzeigen zu lassen. Auch kann man virtuell in den Handschriften bl\u00e4ttern und selbst sehen, wo Goethe ein Wort gestrichen oder hinzugef\u00fcgt hat. Und f\u00fcr diejenigen, die Goethes Handschrift nicht entziffern k\u00f6nnen, gibt es eine sogenannte Umschrift, also eine \u00dcbertragung in \u00bbDruckbuchstaben \u00ab, die die r\u00e4umliche Anordnung der W\u00f6rter in den Handschriften aufgreift. Die faustische Edition k\u00f6nnte bereits im Sommer 2015 online gehen. Sie soll mit allen ihren digitalen M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit frei verf\u00fcgbar sein.<\/p>\n<p>Die Ausgabe des Freien Deutschen Hochstifts und seiner Partner ist eine Hybridedition. \u00bbBestimmte Eigenschaften von B\u00fcchern wie die gewohnte Orientierung und das leichte Durchbl\u00e4ttern k\u00f6nnen durch elektronische Editionen nicht oder nur unvollkommen nachgebildet werden\u00ab, sagt die Direktorin des Hochstifts, Anne Bohnenkamp-Renken. Deshalb soll es eine dreib\u00e4ndige Buchausgabe zu kaufen geben, mit einem Lesetext und ausgew\u00e4hlten Handschriftenfaksimiles.<\/p>\n<h3>Des \u00bbPudels Kern\u00ab auf dem Bildschirm<\/h3>\n<p>Das Goethe-Museum des Frankfurter Freien Deutschen Hochstifts verf\u00fcgt \u00fcber eine umfangreiche Sammlung von Illustrationen zum \u00bbFaust\u00ab. Die rund 2.500 grafischen Bl\u00e4tter und Buchseiten vom Anfang des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart zeigen Gretchen in der Kirche, Faust im Studierzimmer oder wie sich ein schwarzer Pudel in Mephisto verwandelt (womit dann der Teufel als \u00bbdes Pudels Kern\u00ab in das Geschehen eingreift). Bei der Mitwirkung des Hochstifts am LOEWE-Schwerpunkt stehen diese Abbildungen im Zentrum des Teilprojekts \u00bbIllustrationen im Umfeld von Goethes \u203aFaust\u2039\u00ab. Die digitalisierten Illustrationen bilden in ihrer Gesamtheit nun ein \u00bbBildcorpus\u00ab.<\/p>\n<p>Die ungleich anspruchsvollere Aufgabe bestand darin, eine Software zu entwickeln, mit deren Hilfe man eine Verkn\u00fcpfung zwischen den Bildinhalten und den korrespondierenden Textstellen herstellen kann: Auf welchen Vers bezieht sich der Illustrator, und gibt er den Text genau wieder, oder handelt es sich um eine freie Interpretation? Das Bildcorpus soll auch Aussagen \u00fcber das Verh\u00e4ltnis der Illustrationen untereinander erm\u00f6glichen und Einblicke in die Rezeptionsgeschichte des Dramas geben. Die Illustrationen werden auf einer Online- Plattform frei zug\u00e4nglich gemacht.<\/p>\n<p>Die technischen Grundlagen f\u00fcr Auswertung und Verkn\u00fcpfung stammen vom Text Technology Lab der Goethe-Universit\u00e4t, das auch bei den laufenden Arbeiten mit den Kunst- und Literaturwissenschaftlern des Freien Deutschen Hochstifts kooperiert. Geleitet wird das Text Technology Lab von Alexander Mehler, Professor f\u00fcr Texttechnologie \/ Computional Humanities. Sein Aufgabengebiet ist der computerund informationswissenschaftliche Kern des LOEWE-Schwerpunkts und anderer Projekte im Bereich der Digital Humanities.<\/p>\n<h3>Vorsicht, \u00bbfeindliche \u00dcbernahme\u00ab?<\/h3>\n<p>Ohne die Expertise von Alexander Mehler und seinem Team blieben die Humanities in Frankfurt weitgehend analog. Die Geisteswissenschaften allgemein sind auf eine Zusammenarbeit mit der Informatik angewiesen, um Erkenntnisse zu gewinnen, die mit den bisherigen Instrumenten nicht m\u00f6glich waren. Trotzdem gibt es in der geisteswissenschaftlichen Community eine lebhafte Diskussion \u00fcber einen m\u00f6glichen \u00bbAusverkauf an die Informatik\u00ab, verbunden mit der Furcht vor einer \u00bbfeindlichen \u00dcbernahme\u00ab durch ihre Dogmen.<\/p>\n<p>Alexander Mehler pl\u00e4diert f\u00fcr einen \u00bbinterdisziplin\u00e4ren Dialog zwischen den Wissenschaftskulturen \u00ab, der von \u00bbbeiden Seiten selbstbewusst\u00ab gef\u00fchrt wird. Manche Animosit\u00e4ten beruhten ganz einfach darauf, dass man spezifische Methoden und Erkenntnisprozesse des jeweils anderen Faches nicht kenne oder missverstehe. Ein Informatiker m\u00fcsse auch erst lernen, was sich hinter der Hermeneutik, der geisteswissenschaftlichen Vorgehensweise des Verstehens und Interpretierens, verbirgt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1688\" aria-describedby=\"caption-attachment-1688\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a class=\"dt-single-image\" href=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/blog_fofra_computer-geisteswissenschaften3.jpg\" data-dt-img-description=\"Dieser Pudel gleicht eher einem H\u00f6llenhund. In Goethes Faust verwandelt er sich inMephisto. Das Verbundprojekt zu den Digitalen Geisteswissenschaften braucht keinen \u00fcbernat\u00fcrlichen Beistand, um weitere Erkenntnisse zu sammeln. Im Anschluss an die bisherige Finanzierung gibt es eine F\u00f6rderung durch das Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung; Foto: Dettmar\"><img decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1688\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/blog_fofra_computer-geisteswissenschaften3-300x200.jpg\" alt=\"Dieser Pudel gleicht eher einem H\u00f6llenhund. In Goethes Faust verwandelt er sich in Mephisto. Das Verbundprojekt zu den Digitalen Geisteswissenschaften braucht keinen \u00fcbernat\u00fcrlichen Beistand, um weitere Erkenntnisse zu sammeln. Im Anschluss an die bisherige Finanzierung gibt es eine F\u00f6rderung durch das Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung; Foto: Dettmar\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/blog_fofra_computer-geisteswissenschaften3-300x200.jpg 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/blog_fofra_computer-geisteswissenschaften3.jpg 700w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1688\" class=\"wp-caption-text\">Dieser Pudel gleicht eher einem H\u00f6llenhund. In Goethes Faust verwandelt er sich in Mephisto. Das Verbundprojekt zu den Digitalen Geisteswissenschaften braucht keinen \u00fcbernat\u00fcrlichen Beistand, um weitere Erkenntnisse zu sammeln; Foto: Dettmar<\/figcaption><\/figure>\n<p>Alexander Mehler sieht die Digital Humanities \u2013 er selbst bevorzugt den Ausdruck \u00bbComputational Humanities\u00ab \u2013 auf dem Weg zu einer eigenst\u00e4ndigen Disziplin. Das h\u00e4tte auch den Vorteil, dass ihre Vertreter die beteiligten F\u00e4cher soweit kennen, dass sie vor falscher Furcht oder \u00fcbertriebenen Erwartungen gefeit sind. Manche der neuen Vorgehensweisen und Fragestellungen, so Mehler, erhielten ihre Pr\u00e4gung erst an der Nahtstelle zwischen Geisteswissenschaften und Informatik. Das zeige sich etwa bei intertextuellen Strukturen, die allein an Textmengen beobachtbar sind, deren Gr\u00f6\u00dfe nur computerbasiert zu bew\u00e4ltigen ist.<\/p>\n<p>Gegenst\u00e4nde des LOEWE-Schwerpunkts sind auch Corpora \u00e4lterer Sprachen, die im Hinblick auf die wechselseitige Beeinflussung von Texten untersucht werden. Manche Texte \u2013 in diesem Fall Handschriften, die digitalisiert worden sind \u2013 haben eigentlich denselben Inhalt. Sie unterscheiden sich aber trotzdem, manchmal nur in winzigen Details, andere Fassungen liegen sehr weit auseinander. So ist es zum Beispiel bei Bibeltexten in altgeorgischer Sprache, die alle die vier Evangelien zum Inhalt haben.<\/p>\n<p>Wer hat nun von wem abgeschrieben, und welche Fassung war die erste, die wiederum als \u00dcbersetzung aus einer anderen Sprache Eingang ins Altgeorgische gefunden hat? Diese Frage geh\u00f6rt zu einem LOEWE-Teilprojekt unter Leitung des Sprachwissenschaftlers Jost Gippert. Ihre Beantwortung zielt auf die Kl\u00e4rung von Verwandtschaftsverh\u00e4ltnissen, die sich auch in einem Stammbaum darstellen lassen.<\/p>\n<p>Doch wie macht man das? Um diese Aufgabe k\u00fcmmert sich Armin Hoenen. Er geh\u00f6rt zum Text Technology-Team von Alexander Mehler. Eines seiner Spezialgebiete ist die Stemmatologie, die \u2013 vereinfacht gesagt \u2013 Lehre von der Erstellung eines Stammbaums. \u00bbWenn eine Handschrift kopiert wird, entstehen Abweichungen. Und diese Varianten vermehren sich von Abschrift zu Abschrift\u00ab, so Hoenen, der \u00fcber die computergest\u00fctzte Stemmatologie promoviert.<\/p>\n<h3>Wie die Genetik dem Altgeorgischen hilft<\/h3>\n<p>Im Prinzip werden die Texte Wort f\u00fcr Wort miteinander verglichen. Texte mit gr\u00f6\u00dferen Trefferquoten \u2013 dieselben Worte sind an derselben Stelle identisch \u2013 deuten auf einen h\u00f6heren Verwandtschaftsgrad hin. Bei 15 Texten von jeweils 10.000 Worten L\u00e4nge muss man beispielsweise mehr als eine Million Wortpaare miteinander vergleichen.<\/p>\n<p>\u00bbDas ist f\u00fcr einen Menschen kaum zu leisten, f\u00fcr einen Computer aber kein Problem \u00ab, so Hoenen. Die Herausforderung besteht allerdings in den Algorithmen, den Programmierschritten, mit denen man am schnellsten und zuverl\u00e4ssigsten zum Ziel kommt. Und hier l\u00e4sst sich immer noch etwas dazulernen. Diese Weiterentwicklung ihres eigenen Fachgebiets ist Informatikern wichtig. Eine L\u00f6sung, die in einem Zusammenhang gefunden wurde, kann auch in einem anderen n\u00fctzlich sein. \u00bbIn diesem Sinne ist die Informatik transdisziplin\u00e4r \u00ab, so Armin Hoenen.<\/p>\n<p>\u00bbSie betrachtet die Probleme als solche, w\u00e4hrend ihre konkrete Manifestation in der Biologie, Chemie, Medizin, Geschichts- oder Sprachwissenschaft die Dimension ist, die die jeweiligen Fachwissenschaften betrifft.\u00ab Bei seiner Arbeit mit den altgeorgischen Texten helfen dem Informatiker, der auch Biologie und Linguistik studiert hat, Erkenntnisse, die im Bereich der Biologie gemacht wurden. Und vielleicht kann ja auch die Biologie, und hier besonders die Genetik, zunehmend von Algorithmen profitieren, die sich wiederum in den Digital Humanities bew\u00e4hrt haben.<\/p>\n<p>Der stete Fortschritt der digitalen M\u00f6glichkeiten k\u00f6nnte auch einer noch im Verborgenen bl\u00fchenden Forschungsposition helfen, ihr volles Potenzial zu entwickeln. Die Historische Semantik entstand in den 1960er Jahren. Auf Sprache und Texte bezogen untersucht sie den Wandel charakteristischer Begriffe und ihrer Bedeutung in der Geschichte und f\u00fcr die Geschichte: Welche Mentalit\u00e4ten, Orientierungen und Ideologien treten in diesen Begriffen zutage? Was sagt ihr Gebrauch \u00fcber die jeweilige Zeit aus?<\/p>\n<p>\u00bbErst heute haben wir die technischen Mittel, um den alten Texten diese Informationen auch wirklich zu entlocken\u00ab, sagt Bernhard Jussen, Professor f\u00fcr Mittelalterliche Geschichte an der Goethe-Universit\u00e4t. Wenn die Historische Semantik Ph\u00e4nomenen des Sprachwandels nachsp\u00fcrt, sucht sie in Texten nicht nur nach den einzelnen Worten, sondern auch nach den Wortgruppen oder Wendungen, mit denen sie gemeinsam auftreten. Dieser Zusammenhang \u2013 das sogenannte semantische Feld \u2013 l\u00e4sst n\u00e4here Aussagen zur Verwendung eines Wortes zu. Solche Ko-Okkurenzen, das gemeinsame Auftreten bestimmter W\u00f6rter, \u00bbvon Hand\u00ab herauszusuchen, ist nur in einem sehr begrenzten Umfang m\u00f6glich.<\/p>\n<h3>Ein Computer kennt keine Deutungstraditionen<\/h3>\n<figure id=\"attachment_1691\" aria-describedby=\"caption-attachment-1691\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><a class=\"dt-single-image\" href=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/blog_fofra_computer-geisteswissenschaften4.jpg\" data-dt-img-description=\"Auge in Auge mit der EDV. Computer machen gro\u00dfeSammlungen und ganze Bibliotheken per Mausklick verf\u00fcgbar. Sie liefern Verkn\u00fcpfungen und Einblicke, die bisher kaum denkbar waren; Foto: Dettmar\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1691\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/blog_fofra_computer-geisteswissenschaften4-300x200.jpg\" alt=\"Auge in Auge mit der EDV. 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Sie liefern Verkn\u00fcpfungen und Einblicke, die bisher kaum denkbar waren; Foto: Dettmar<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die computergest\u00fctzte Historische Semantik des Frankfurter Projekts kann wesentlich dazu beitragen, etablierte Annahmen zu korrigieren. \u00bbEin Computer versteht nichts von geisteswissenschaftlichen Deutungstraditionen, er z\u00e4hlt einfach\u00ab, so Jussen. Manche Ausdr\u00fccke, die bislang gro\u00dfe Aufmerksamkeit genossen h\u00e4tten, seien gar nicht verbreitet gewesen. In der Forschung gelte etwa \u00bbchristianitas \u00ab als eine Leitvokabel des mittelalterlichen Denkens.<\/p>\n<p>\u00bbMit den neuen Verfahren k\u00f6nnen wir nun sehen, dass \u203achristianitas\u2039 gar keine politische Konzeptvokabel war und dass sie genau in den Texten, die in der Ideengeschichte im Fokus stehen, geradezu gemieden wird.\u00ab Die Forschungen auf dem Feld der Computational Historical Semantics geh\u00f6ren einerseits zum Leibniz-Projekt \u00bbPolitische Sprache im Mittelalter \u00ab unter Leitung von Bernhard Jussen. Andererseits sind sie Bestandteil des LOEWESchwerpunkts. In Kooperation mit dem Text Technology Lab des Informatikers Alexander Mehler entstand in den letzten Jahren das weltweit gr\u00f6\u00dfte frei zug\u00e4ngliche lateinische Wortformen- Lexikon, das \u00bbFrankfurt Latin Lexicon\u00ab, mit derzeit gut acht Millionen Wortformen.<\/p>\n<p>Diese Datenbank wird auch daf\u00fcr gebraucht, um in den Texten nach verschiedenen grammatischen Formen eines Wortes zu suchen. Das eigentliche Analyse-Werkzeug zur Interpretation historischer Sprachwandelph\u00e4nomene ist ebenfalls schon im Einsatz. Die webbasierte Anwendung f\u00fcr die Breitennutzung hei\u00dft CompHistSem (Computational Historical Semantics), f\u00fcr Experten HSCM (Historical Semantics Corpus Management).<\/p>\n<p>Ab Anfang 2015 steht die erste umfassende geschichtswissenschaftliche Untersuchung auf dem Programm. Dann erforscht eine internationale Gruppe von Mittelalterhistorikern die politische Sprache der Karolingerzeit, die in der Gesellschaft keine Trennung zwischen dem religi\u00f6sen und dem politischen Bereich kannte. Die digitale Technik steht bereit. Schon die Version f\u00fcr Informatik- Laien ist \u00fcberaus leistungsf\u00e4hig \u2013 und dabei einfach zu bedienen. Ausreden gelten nun nicht mehr. Bernhard Jussen:<\/p>\n<p>\u00bbWir hoffen, grunds\u00e4tzlich in die Arbeitsweise der Zunft einzugreifen. Ich wollte, dass es f\u00fcr Historiker einfacher ist, das Tool zu benutzen, als es nicht zu benutzen.\u00ab Damit ist in diesem Fall wohl auch die Sorge ausger\u00e4umt, dass nur \u00bbNerds\u00ab die computerbasierten M\u00f6glichkeiten nutzen k\u00f6nnen. Doch wie steht es mit Goethes Faust? W\u00e4re er nach dem Studium der Digital Humanities kl\u00fcger geworden? Wahrscheinlich nicht. Denn Faust wollte nichts weniger wissen, als \u00bbwas die Welt im Innersten zusammenh\u00e4lt\u00ab. Daf\u00fcr ist die elektronische Datenverarbeitung dann doch nicht zust\u00e4ndig. Obwohl: Im Sommer 2013 soll Informatikern der Beweis f\u00fcr die Existenz Gottes gelungen sein; sie haben eine logische Konstruktion des Mathematikers Kurt G\u00f6del erfolgreich mit dem Computer nachvollzogen. Aber das ist wohl ein anderes Thema.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer mehr Texte, T\u00f6ne und Bilder liegen in Bits und Bytes vor. Die Methoden der Digital Humanities werden stetig verfeinert und erm\u00f6glichen neue, bisher nicht bearbeitbare Fragestellungen. 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