{"id":1848,"date":"2015-12-03T11:12:16","date_gmt":"2015-12-03T10:12:16","guid":{"rendered":"http:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=1848"},"modified":"2016-01-20T13:29:01","modified_gmt":"2016-01-20T12:29:01","slug":"der-club-nomade","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/gesellschaft\/der-club-nomade\/","title":{"rendered":"Der Club-Nomade"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_1854\" aria-describedby=\"caption-attachment-1854\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1854 size-medium\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/blog_unireport_romanov-300x200.jpg\" alt=\"Foto: Oliver Selzer\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/blog_unireport_romanov-300x200.jpg 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/blog_unireport_romanov.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1854\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Oliver Selzer<\/figcaption><\/figure>\n<p>Er gilt als Urgestein unter Frankfurts Partymachern: Hans Romanov, \u00fcbrigens ein Alumnus der Goethe-Uni, hat schon viele Clubs und Veranstaltungen in Frankfurt gemacht: Dazu z\u00e4hlen der Ostklub, das Rotary in Offenbach, aber auch der Yachtclub am Main. Der geb\u00fcrtige Berliner arbeitet nebenbei als Ruderlehrer. Am 25. Januar 2016 ist er zu Gast bei der Frankfurter B\u00fcrgeruni.<\/p>\n<p><strong>Herr Romanov, wie w\u00fcrden Sie sich selbst bezeichnen: Unternehmer, Eventmanager, Clubmacher \u2026?<\/strong><\/p>\n<p>Am liebsten als Klubmacher \u2013 mit K! Den Begriff Event mag ich nicht.<\/p>\n<p><strong>Frankfurt wird von au\u00dfen meist mit Banken assoziiert, mit dem Flughafen und auch mit seinen Museen. Aber hat Frankfurt auch ein subkulturelles Gesicht?<\/strong><\/p>\n<p>Ja, hat es, aber daf\u00fcr muss man schon etwas in die Tiefe gehen, sich durchfragen, Magazine und Portale lesen, wobei mancher Club und Szeneort vielleicht auch gar nicht genannt und entdeckt werden m\u00f6chte.<\/p>\n<p><strong>Sie kommen urspr\u00fcnglich aus dem (cooleren) Berlin \u2013 was hat Sie nach Frankfurt gezogen in den 80er Jahren, wie war Frankfurt damals?<\/strong><\/p>\n<p>Ich bin ziemlich genau seit 30 Jahren in der Stadt. Es gab damals eigentlich keinen besonderen Grund f\u00fcr den Umzug. Ich war als in Berlin-Wedding Aufgewachsener auch nie so auf meine Heimatstadt fixiert, fand die Stadt auch nicht als cool, das ist wohl eher die Zuschreibung von Zugezogenen. Ich habe damals in Frankfurt zwar niemanden gekannt, fand aber die damals bereits vorhandenen Hochh\u00e4user sehr spannend.<\/p>\n<p><strong>Frankfurt r\u00fchmt sich ja, die ersten Techno-Diskotheken der Republik gehabt zu haben, bald wird es auch ein Techno-Museum geben: Ist das vielleicht der Soundtrack einer technokratischen Stadt, im Unterschied zum punkig-krachigen Hamburg und Berlin?<\/strong><\/p>\n<p>Ja, klar, schon der Begriff \u201eTechno\u201c ist ja von einem Frankfurter kreiert worden \u2013 DJ Talla 2XLC (Andreas Tomalla), der damals einen Club mit Electro Body Music EBM betrieben hat, nannte diesen \u201eTechno Club\u201c. Der Ursprung der elektronischen Musik in Deutschland liegt allerdings in D\u00fcsseldorf. Als es dann aber mit \u201eBumm-Bumm\u201c richtig losging, war Frankfurt sicherlich der Mittelpunkt in Deutschland.<\/p>\n<p><strong>Wo lagen Ihre Anf\u00e4nge, wie war Ihr Einstieg in Frankfurt?<\/strong><\/p>\n<p>Ich bin ja von Beruf Masseur und habe anfangs auch in dem Bereich gearbeitet. Mitte der 80er Jahre war nicht viel los in Frankfurt, die Clubs konnte man an einer Hand abz\u00e4hlen. Dazu z\u00e4hlten das Cooky\u2019s, der Sinkkasten, die Batschkapp, nat\u00fcrlich auch das Dorian Gray im Frankfurter Flughafen. Daher reifte in mir eine Idee: etwas f\u00fcr \u201ain der Woche\u2018 zu machen. Ich habe damals in 1986 eine befreundete Rockband namens Steven Caf\u00e9 als Manager betreut. Mit denen machte ich dann mal ein Konzert auf einem Schiff der Wei\u00dfen Flotte, mit Rahmenprogramm, u. a. mit Orientalischem Bauchtanz. Das war dann quasi die Geburtsstunde meiner T\u00e4tigkeit als Klubmacher.<\/p>\n<p><strong>Wie w\u00fcrden Sie die Subkultur in dieser Zeit beschreiben?<\/strong><\/p>\n<p>Das kulturelle Angebot in der Szene war Ende der 80er Jahre noch \u00fcberschaubar: Annette Gloser betrieb die Galerien \u201eMuttertag\u201c und \u201eFruchtig\u201c; die Filmemacherin Anja Czoska hat die Stadt unsicher gemacht, K\u00fcnstler wie Michael Riedel gr\u00fcndeten die \u201eFreitagsk\u00fcche\u201c. Frankfurt war f\u00fcr Au\u00dfenstehende keine attraktive Stadt. Denn obwohl man sich weltoffen gab, musste eine Batschkapp am Samstag zur besten Feierzeit schon um 1 Uhr schlie\u00dfen! Nur wenige Clubs damals verf\u00fcgten \u00fcber eine Nachtkonzession.<\/p>\n<p><strong>Wann setzte eine \u00c4nderung ein? <\/strong><\/p>\n<p>1990 dann wollten einige Leute mit den sogenannten \u201eNachttanz- Demos\u201c etwas gegen die Tristesse tun: Nachts um 12 lief man im Pulk mit Musikinstrumenten und begleitet vom Stra\u00dfentheater Antagon und Transparenten durchs Bahnhofsviertel. Die Polizei trauten ihren Augen nicht, als sie unseren Zug in der Moselstra\u00dfe zum ersten Mal sah. Auf den Transparenten stand: \u201eWir wollen Bier auch bis vier!\u201c Mit den Demos fing dann allm\u00e4hlich eine \u00d6ffnung des Nachtlebens an. Eine Folgeveranstaltung war die \u201eNacht der Clubs\u201c. Die Vielfalt, \u00fcber die Frankfurt heute im Kunstbetrieb und im Nachtleben verf\u00fcgt, die Zahl der vielen jungen Leute, die Bars und Galerien betreiben, ist schon beeindruckend.<\/p>\n<p><strong> Sie gelten als jemand, der keinen festen Club hat, sondern eher frei flottierend seine Veranstaltungen an verschiedenen Orten macht.<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe auch feste L\u00e4den betrieben, wie z. B. den Ostklub. Die anderen Clubs, die eher tempor\u00e4r liefen, waren oft \u201aillegal\u2018, in Gegenden, die heute gar nicht mehr existent sind, wie z. B. im Westhafen, der seitdem komplett neu bebaut worden ist. Die Lagerhallen, in denen damals Teppichhandel betrieben wurde, sind verschwunden. Dort mietete ich eine Halle an. Der Club lief meist in Verbindung mit Ausstellungen, z. B. mit K\u00fcnstlern wie Nikolaus List oder Stanley Xaver Stone, die heute schon etwas bekannter sind. Es gab in den 90er Jahren auch jede Menge Orte, die nicht bespielt wurden, leer standen oder gerade erst im Entstehen waren. Das war gewisserma\u00dfen eine Gr\u00fcnderzeit des Frankfurter Undergrounds.<\/p>\n<p><strong>Die Entwicklung der Szenekultur lief also in gewisser Weise parallel zu Frankfurts Aufstieg als Finanzmetropole ab.<\/strong><\/p>\n<p>Ich denke, dass das eine das andere bedingt hat. Es wurde auf einmal \u00fcber Frankfurt in \u00fcberregionalen Zeitungen und Magazinen geschrieben, z. B. \u00fcber die Partys in den Hochhaus- Baustellen. Die \u201eHybriden\u201c, ein Veranstalter-Kollektiv, machten damals im gerade im Bau befindlichen Messeturm eine Party im 35. Stock! Auch im Rohbau des MMK schmissen die Hybriden mit Kunst-Studenten eine Party. Man dachte pl\u00f6tzlich bei Frankfurt nicht mehr nur an Tristesse und Kriminalit\u00e4t. Es hat allerdings in der Geschichte der Stadt immer schon solche Neuanf\u00e4nge gegeben: In den 50ern war es die Musik, vor allem der Jazz in den amerikanisch gepr\u00e4gten Clubs, in den sp\u00e4ten 60ern war es der politische Protest.<\/p>\n<p><strong>War denn der neue Aufbruch Ende der 80er Jahre auch politisch motiviert?<\/strong><\/p>\n<p>Ich sehe meine Veranstaltungen nicht als politisch an. Was sollte auch die Message sein? Es ging und geht aber schon um die Etablierung einer neuen, anderen Kultur in Frankfurt. Damit will ich aber nicht sagen, dass meine Klubs prinzipiell die besseren sind. Es gibt eben auch andere Orte zum Ausgehen, die eher das allgemeine Publikum ansprechen, die genauso ihre Berechtigung haben.<\/p>\n<p><strong>Frankfurt ist eine Stadt, die sich fortlaufend wandelt, damit droht aber immer auch das Alte und Vertraute zu verschwinden \u2013 ein Nachteil f\u00fcr die Subkultur, die ja gerne das Alte recycelt?<\/strong><\/p>\n<p>In Frankfurt wird (manchmal zu viel) viel und h\u00e4ufig abgerissen. Andererseits entsteht auch pausenlos etwas Neues, das ist das Sch\u00f6ne. Merkw\u00fcrdigerweise gef\u00e4llt es den Menschen dann irgendwie auch. Beim Neuen w\u00fcnschte man sich vielleicht, dass es etwas schneller Patina ansetzte.<\/p>\n<p><strong>Ihre eigenen L\u00e4den habe Sie teilweise relativ schnell wieder aufgegeben \u2013 geh\u00f6rt das Fl\u00fcchtige zur Szene dazu, auch im Unterschied zur etablierten Konsumkultur?<\/strong><\/p>\n<p>Gesch\u00e4ftsleute wissen, dass es \u00f6konomisch eigentlich keinen Sinn macht, einen Laden f\u00fcr einen vergleichsweise kurzen Zeitraum zu betreiben. Aber ich mag dieses \u201aNomadenhafte\u2018: Dinge wieder zu beenden und abzuschlie\u00dfen. Die Filmemacherin Anja Czoska hat mal versucht zu ergr\u00fcnden, wie viele Clubs ich bereits betrieben habe: Sie kam ungef\u00e4hr auf die unglaubliche Zahl 26! Filmen konnte sie diese letztendlich nicht, weil es die Locations gr\u00f6\u00dftenteils gar nicht mehr gibt. Freunde und G\u00e4ste sprechen mich oft auf vergangene Klubs von mir an. Dann sage ich in der Regel: Es wird bald was Neues geben, und wenn es nur einmal in der Woche stattfindet (als Klub-im-Klub).<\/p>\n<p><strong>Wie finden Sie denn geeignete Orte f\u00fcr Ihre Clubs?<\/strong><\/p>\n<p>Ich setze mich einfach aufs Rad und besuche dann \u201eUnorte\u201c \u2013 denn die gibt es der Gentrifizierung zum Trotz immer noch, selbst im Stadtzentrum! Beispielsweise an der Ost- Zeil, wo einst das Lola Montez war. Letzte Nacht war ich noch am Osthafen unterwegs. Man muss dann nur den Vermieter ausfindig machen. Bei mir ist es nie so, dass ich zuerst eine Idee habe und dann daf\u00fcr ein Geb\u00e4ude suche. Es ist genau umgekehrt: Erst sehe ich ein Objekt und dann entstehen \u00dcberlegungen, was man da machen kann.<\/p>\n<p><strong>Einer Ihrer letzten L\u00e4den war das \u201eNeglected Grassland\u201c \u2026<\/strong><\/p>\n<p>\u2026 das in einer versteckten 60er-Passage in der Innenstadt liegt, sehr verschroben. Zuerst dachte jeder: Wie furchtbar! Aber die G\u00e4ste darauf zu bringen, was das Besondere an einem Ort wie diesem ist, macht mir gro\u00dfen Spa\u00df.<\/p>\n<p><strong>Sie erwecken vergessene und untersch\u00e4tzte Orte wieder zum Leben und arbeiten gegen die Uniformit\u00e4t des Mainstreams an: \u00c4rgert Sie nicht manchmal der Ausverkauf der Szene?<\/strong><\/p>\n<p>Nein, das \u00e4rgert mich \u00fcberhaupt nicht, ich sehe das eher als eine Best\u00e4tigung. Ich betrachte mich aber auch nicht als Erfinder, da gibt\u2019s Vorbilder in New York. Ich finde es gut, dass Leute wie Ata Macias (wie auch andere), der auch den Club Robert Johnson in Offenbach betreibt, im Bahnhofsviertel neue Konzepte f\u00fcr Clubs entwickeln, oft auch an Orten, an denen ich auch schon t\u00e4tig gewesen bin.<\/p>\n<p><strong>Was w\u00fcrden Sie sich als Partymacher w\u00fcnschen, wo k\u00f6nnte und sollte die Stadt Subkultur unterst\u00fctzen?<\/strong><\/p>\n<p>Die Stadt hat, bedingt durch ihre Wirtschaftsfixierung, in der Vergangenheit bei vielen jungen Menschen mit Ideen das Potenzial nicht gesehen \u2013 die sind dann schlie\u00dflich nach Berlin oder Hamburg abgewandert. Meine Projekte w\u00e4ren wohl nie zustande gekommen, wenn ich auf F\u00f6rderung h\u00e4tte gesetzt bzw. warten m\u00fcssen. Die M\u00fchlen der Verwaltung mahlen einfach zu langsam. Ich habe aber auch nie auf eine Unterst\u00fctzung seitens der Stadt geschielt, F\u00f6rderung von Subkultur w\u00e4re in gewisser Weise auch ein Widerspruch in sich selbst. Wobei die Stadt mich nach 27 Dienstjahren ruhig auch mal in Form eines Preises w\u00fcrdigen k\u00f6nnte (lacht).<\/p>\n<p><strong>Was sind Ihre n\u00e4chsten Pl\u00e4ne, wollen Sie uns das schon verraten?<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe einen Blick auf Objekte, die quasi auf mich zukommen \u2013 sobald ich eines sehe und ausgehandelt wird, kann es wieder losgehen. <em>[Die Fragen stellte Dirk Frank]<\/em><\/p>\n<p>[dt_call_to_action content_size=&#8220;normal&#8220; background=&#8220;fancy&#8220; line=&#8220;true&#8220; animation=&#8220;fadeIn&#8220;]<\/p>\n<h3>Termin-Hinweis<\/h3>\n<p><strong>\u00bbZu etabliert, um cool zu sein? Frankfurt und seine Subkultur.\u00ab<\/strong><\/p>\n<p>Podiumsg\u00e4ste: Hans Romanov, Klubmacher; Klaus Walter, Radiomoderator, DJ und Journalist; Carolina Romahn, Leiterin des Kulturamtes Frankfurt.<\/p>\n<p>Moderation: Christoph Scheffer, hr-iNFO.<\/p>\n<p>25. Januar, 19:30 Uhr, Haus am Dom, Frankfurt am Main.<\/p>\n<p>Diskussionsabend im Rahmen der Frankfurter B\u00fcrger-Uni-Reihe \u201eWie lebt Frankfurt?\u201c<\/p>\n<p><strong>Die weiteren Termine:<\/strong><\/p>\n<p>14.12.2015, \u201eWird Frankfurt seinem Integrationsanspruch gerecht? Miteinander oder nebeneinander\u201c<\/p>\n<p>1.2.2016, \u201eWof\u00fcr engagiert sich Frankfurt? Private versus \u00f6ffentliche Verantwortung\u201c<\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.buerger.uni-frankfurt.de\/58477287\/BuergerUni_Broschuere_WS15-16.pdf\" target=\"_blank\">Zur B\u00fcrger-Uni-Brosch\u00fcre<\/a>\u00a0 <\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Dieser Artikel ist in der Ausgabe 6-2015 des UniReport erschienen<\/em><\/strong> [<a href=\"http:\/\/www.unireport.info\/59165090\/Unireport_6-15.pdf\" target=\"_blank\">PDF-Download<\/a>]<\/p>\n<p>[\/dt_call_to_action]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er gilt als Urgestein unter Frankfurts Partymachern: Hans Romanov, \u00fcbrigens ein Alumnus der Goethe-Uni, hat schon viele Clubs und Veranstaltungen in Frankfurt gemacht: Dazu z\u00e4hlen der Ostklub, das Rotary in 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