{"id":19532,"date":"2017-08-09T15:18:22","date_gmt":"2017-08-09T13:18:22","guid":{"rendered":"http:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=19532"},"modified":"2017-08-09T15:18:22","modified_gmt":"2017-08-09T13:18:22","slug":"alumni-im-portaet-fragen-an-anita-djafari","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/menschen\/alumni-im-portaet-fragen-an-anita-djafari\/","title":{"rendered":"Alumni im Port\u00e4t \/ Fragen an Anita Djafari"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_19533\" aria-describedby=\"caption-attachment-19533\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-19533\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/blog_GS_djafari-300x208.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"208\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/blog_GS_djafari-300x208.jpg 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/blog_GS_djafari.jpg 650w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-19533\" class=\"wp-caption-text\">Anita Djafari; Foto: Privat<\/figcaption><\/figure>\n<p><em><strong>Frau Djafari, Sie leiten Litprom e. V., einen Literaturverein, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Literatur aus vermeintlich r\u00fcckst\u00e4ndigen Regionen wie Afrika, Asien und Lateinamerika in den Fokus zu r\u00fccken. Warum ist das in Zeiten der Globalisierung immer noch wichtig?<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Begonnen hat alles mit der Gr\u00fcndung der \u00bbGesellschaft zur F\u00f6rderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika e. V.\u00ab im Jahr 1980. Das war eine Zeit, in der man noch nicht viel wusste von Literatur aus sogenannten Entwicklungsl\u00e4ndern. Und man konnte als Ehrengast damals \u00bbSchwarzafrika\u00ab sozusagen als Land einladen. Das ist heute, nach fast 40 Jahren, nat\u00fcrlich und gottseidank undenkbar. Wir wissen in Zeiten der Globalisierung und einem gewissen Fortschritt sehr viel voneinander und trotzdem immer noch zu wenig. Deshalb ist unsere Aufgabe, Literatur aus diesen L\u00e4ndern bzw. deren Wahrnehmung mit vielf\u00e4ltigen Mitteln zu f\u00f6rdern, noch lange nicht obsolet. Im Gegenteil: In Zeiten wachsender Fremdenfeindlichkeit und R\u00fcckkehr zu Nationalismus ist es umso wichtiger, Verst\u00e4ndnis und \u2013 als Voraussetzung \u2013 etwas mehr Kenntnis \u00fcber andere Kulturen zu vermitteln. Literatur eignet sich daf\u00fcr ganz hervorragend.<\/p>\n<p><em><strong>Das Herzst\u00fcck von Litprom ist die F\u00f6rderung von \u00dcbersetzungen. Das Ausw\u00e4rtige Amt unterst\u00fctzt diese Arbeit. Brauchen diese Kontinente literarische \u00bbEntwicklungshilfe\u00ab?<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Nun, diese \u00bbEntwicklungshilfe\u00ab findet ja hier statt. Das einzigartige F\u00f6rderprogramm des Ausw\u00e4rtigen Amts unterst\u00fctzt ja deutsche Verlage bei \u00dcbersetzungskosten, damit mehr verlegt und gewagt werden kann. Insofern ist es nur eine indirekte Unterst\u00fctzung der Literaten aus den genannten Regionen.<\/p>\n<p><em><strong>Jeden Herbst w\u00e4hrend der j\u00e4hrlichen Buchmesse blickt die Welt nach Frankfurt, mittendrin Anita Djafari. Pflicht\u00fcbung oder Herzensangelegenheit?<\/strong> <\/em><\/p>\n<p>Nach so vielen Jahren in der Buchbranche kann ich mir einen Oktober ohne Buchmesse gar nicht vorstellen. Das ist beides, Pflicht nat\u00fcrlich, aber auch absolut Herzensangelegenheit.<\/p>\n<p><em><strong>Vergangenen Herbst wurden Sie auf der Buchmesse 2016 als B\u00fccherFrau des Jahres ausgezeichnet. Was bedeutet Ihnen das?<\/strong> <\/em><\/p>\n<p>Das bedeutet mir sehr viel, da ich zum einen \u00fcberzeugte Netzwerkerin und auch im Netzwerk der B\u00fccherFrauen aktiv bin. Aber viel mehr freue ich mich \u00fcber die weitreichende Anerkennung, die unsere Arbeit bei Litprom dadurch erfahren hat. Wir haben damit eine breite \u00d6ffentlichkeit erreicht und neue Interessenten gewonnen. Das ist sch\u00f6n.<\/p>\n<p><em><strong> An der Goethe-Universit\u00e4t studierten Sie Germanistik und Anglistik auf Lehramt w\u00e4hrend politisch bewegter Zeiten in den 70er Jahren. Wie hat das Studium Ihren sp\u00e4teren beruflichen Werdegang gepr\u00e4gt?<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Es waren vor allem die Anglistik und das Studium bei Professor Riemenschneider, der uns mit der postkolonialen Literatur vertraut gemacht hat. Das war damals etwas absolut Neues. Wir arbeiten heute noch zusammen, er ist ebenfalls Mitglied bei Litprom und erstellt z. B. Gutachten f\u00fcr unsere \u00dcbersetzungsf\u00f6rderung. Mein ehemaliger Kommilitone Frank Schulze-Engler ist sein Nachfolger und leitet den Bereich NELK in der Anglistik an der Goethe-Universit\u00e4t. Auch mit ihm arbeiten wir zusammen.<\/p>\n<p><em><strong> Welche Anst\u00f6\u00dfe gab Ihnen die Universit\u00e4t? Die Studentenbewegung?<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Ja, die Zeiten waren sehr bewegt. Manchmal zu sehr (lacht). F\u00fcr mich als post 68erin war die Frauenbewegung immens wichtig. Wir haben hier Selbstvertrauen gelernt und in den Seminaren Kritikf\u00e4higkeit. Manchmal gab es aber, besonders durch die K-Gruppen, \u00fcbertriebenen Dogmatismus, der einen auch behindert hat. Auf jeden Fall wurde man politisiert, und das schadet ja auf keinen Fall.<\/p>\n<p><em><strong>Nach der Uni verlief Ihr Leben bunt: \u00dcbersetzerin. Lektorin. Buchh\u00e4ndlerin. Gr\u00fcnderin der heute renommiertesten Sprachschule Perus, ACUPARI. Managerin von Gastlandauftritten im Auftrag der Buchmesse. M\u00f6gen Sie es, Grenzen, Konventionen zu \u00fcberwinden?<\/strong> <\/em><\/p>\n<p>Da gibt es aber ganz andere, viel buntere Lebensl\u00e4ufe. Ich bin ja \u2013 fast \u2013 immer bei den B\u00fcchern und der Literatur geblieben. Aber innerhalb dieses Bereichs habe ich tats\u00e4chlich viel ausprobiert und bin schlie\u00dflich an einer Stelle gelandet, wo ich all diese Erfahrungen gebrauchen kann.<\/p>\n<p><em><strong>Sie lebten mit Ihrem Ehemann, einem geb\u00fcrtigen Iraner, drei Jahre in Cusco, Peru. Welche Erfahrungen konnten Sie aus dieser Zeit mit nach Deutschland nehmen und hier gut gebrauchen?<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Na ja, ich konnte vorher kein Spanisch \u2026 Ich glaube, der Aufenthalt in einem Land der sogenannten Dritten Welt \u2013 Peru war damals in einer schweren \u00f6konomischen Krise und vom Terrorismus des Leuchtenden Pfads gebeutelt \u2013 f\u00fchrt schon dazu, dass man alles ein bisschen besser einordnen kann in dieser globalisierten Welt. Und dass man einen Umgang damit finden muss, wenn nicht alles nach Plan l\u00e4uft. Wir mussten dort viel improvisieren, allerdings liegt mir das auch, und ich kann es auch in meinem Alltag ganz gut anwenden.<\/p>\n<p><em><strong>Demn\u00e4chst beginnen die gro\u00dfen Sommerferien. Welchen \u00bbSchm\u00f6ker\u00ab empfehlen Sie f\u00fcr den Urlaub?<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Da erlauben Sie mir bitte, dass ich einfach auf unsere Litprom-Bestenliste \u00bbWeltempf\u00e4nger\u00ab verweise, die viertelj\u00e4hrlich mit sieben Lese-Tipps erscheint: <a href=\"http:\/\/www.litprom.de\/beste-buecher\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.litprom.de\/beste-buecher<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>[Die Fragen stellte Heike J\u00fcngst]<\/em><\/p>\n<p>[dt_call_to_action content_size=&#8220;small&#8220; background=&#8220;fancy&#8220; line=&#8220;false&#8220; style=&#8220;1&#8243; animation=&#8220;fadeIn&#8220;]<\/p>\n<h3><strong>Alumni im Port\u00e4t &#8211; Anita Djafari<\/strong><\/h3>\n<p>Geschichten und B\u00fccher \u2013 sie ziehen sich wie ein roter Faden durch das Leben von Anita Djafari. Als Tochter eines Milchbauern aus der Rh\u00f6n wuchs sie in einem bildungsfernen Milieu auf. Gleichwohl war der Vater ein begnadeter Geschichtenerz\u00e4hler. Jeder h\u00f6rte ihm gerne zu. B\u00fccher zu lesen galt dagegen als vergeudete Zeit.<\/p>\n<p>In der \u00f6rtlichen B\u00fccherei des Bergst\u00e4dtchens Thann liest sich Anita quer durch die gesamte Literatur. Unterst\u00fctzung f\u00fcr ihre Leidenschaft erh\u00e4lt sie von ihrer Deutschlehrerin. Sie schlug ihr schon damals vor, Buchh\u00e4ndlerin zu werden. Mit der mittleren Reife in der Tasche bricht Anita Djafari mit 17 zun\u00e4chst aus und auf nach Frankfurt.<\/p>\n<p>Die Rh\u00f6n ist ihr zu eng, zu schwarz, zu konservativ. Frankfurt bedeutete die weite Welt. Um die Welt reiste sie dann tats\u00e4chlich, sogar schneller als geahnt. Nach ihrer Ankunft in der Mainmetropole fand sie sofort eine Anstellung in der Fernreiseabteilung einer Neckermann- Filiale. Ohne Vorkenntnisse. Das ging damals noch.<\/p>\n<p>Sehr fr\u00fch konnte sie deshalb Fernreisen unternehmen. Tansania. Kenia. Thailand. Malaysia. Hongkong. Singapur. Dabei stellte sie fest, dass sie die gro\u00dfe weite Welt eigentlich nicht verstand, weil sie zu wenig wusste. Das wollte sie \u00e4ndern. Anita Djafari holt auf dem Abendgymnasium das Abitur nach, studiert Germanistik und Anglistik an der Goethe-Universit\u00e4t.<\/p>\n<p>Auf Lehramt, sicher ist sicher. Literatur studierte sie aus gro\u00dfem Interesse und mit Leidenschaft, sagt Anita Djafari. Ihre Examensarbeit schrieb sie zu afrikanischer Frauenliteratur. Wiederum der Zufall wollte es, dass sie direkt nach dem Studium bei einem kleinen Verlag landete. Ab da, sagt sie, sei es um sie geschehen.<\/p>\n<p>Anita Djafari wollte danach nie mehr etwas Anderes machen, als mit B\u00fcchern zu arbeiten. Seit 1980 ist die Literaturwissenschaftlerin weltweit unterwegs und unterst\u00fctzt Verlage, Autorinnen und Autoren in Schwellen- und Entwicklungsl\u00e4ndern. Mit dem Verein Litprom baute sie nach und nach ein weltweites Netzwerk auf.<\/p>\n<p>Bei ihren Reisen trifft sie einheimische Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die in Europa niemand kennt. Diesen versucht sie hier Geh\u00f6r zu verschaffen. Auch und gerade weil nur wenigen literarischer Erfolg verg\u00f6nnt ist \u2013 Anita Djafari bleibt auf der Spur ferner Buchkulturen. Mit Sachverstand und Beharrlichkeit.<\/p>\n<p>[\/dt_call_to_action]<\/p>\n<p><strong><em>Dieser Artikel ist in der Ausgabe 36 des <a href=\"https:\/\/www.uni-frankfurt.de\/67053616\/Einblick-36-small.pdf\">Alumni-Magazins Einblick<\/a> erschienen.<\/em><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frau Djafari, Sie leiten Litprom e. 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