{"id":2065,"date":"2015-07-09T10:34:32","date_gmt":"2015-07-09T08:34:32","guid":{"rendered":"http:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=2065"},"modified":"2016-01-10T22:01:04","modified_gmt":"2016-01-10T21:01:04","slug":"niddaman-bmbf-foerdert-verbundprojekt-zur-nachhaltigen-nutzung-der-nidda","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/forschung\/niddaman-bmbf-foerdert-verbundprojekt-zur-nachhaltigen-nutzung-der-nidda\/","title":{"rendered":"\u00bbNiddaMan\u00ab: BMBF f\u00f6rdert Verbundprojekt zur nachhaltigen Nutzung der Nidda"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_2066\" aria-describedby=\"caption-attachment-2066\" style=\"width: 250px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/blog_unireport_niddaman.jpg\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2066\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/blog_unireport_niddaman-199x300.jpg\" alt=\"Bezugsgr\u00f6\u00dfe der Belastungskarte f\u00fcr das Arzneimittel Diclofenac (z.B. aus dem Schmerzmittel Voltaren) ist die neue Umweltqualit\u00e4tsnorm (UQN) von 0,1 \u03bcg\/L f\u00fcr Diclofenac, die f\u00fcr einen guten chemischen Zustand der Gew\u00e4sser eingehalten werden muss. Nur in den gr\u00fcn markierten Bereichen werden die UQN nicht \u00fcberschritten, in den gelb, orange, rot und violett markierten Gew\u00e4sserabschnitten dagegen bis zum Faktor 2, 3, 4 bzw. um mehr als Faktor 4 \u00fcberschritten.\" width=\"250\" height=\"377\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/blog_unireport_niddaman-199x300.jpg 199w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/blog_unireport_niddaman.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2066\" class=\"wp-caption-text\">Bezugsgr\u00f6\u00dfe der Belastungskarte f\u00fcr das Arzneimittel Diclofenac (z.B. aus dem Schmerzmittel Voltaren) ist die neue Umweltqualit\u00e4tsnorm (UQN) von 0,1 \u03bcg\/L f\u00fcr Diclofenac, die f\u00fcr einen guten chemischen Zustand der Gew\u00e4sser eingehalten werden muss. Nur in den gr\u00fcn markierten Bereichen werden die UQN nicht\u00a0\u00fcberschritten, in den gelb, orange, rot und violett markierten Gew\u00e4sserabschnitten dagegen bis zum Faktor 2, 3, 4 bzw. um mehr als Faktor 4 \u00fcberschritten.<\/figcaption><\/figure>\n<p>W\u00e4hrend ihrer Doktorarbeit in der Aquatischen \u00d6kotoxikologie bei Prof. J\u00f6rg Oehlmann hat Carolin V\u00f6lker oft Sedimentproben an der Nidda genommen. \u201eDie Tiere im Sediment zu bestimmen und zu z\u00e4hlen gibt einem schnell Auskunft \u00fcber die Wasserqualit\u00e4t\u201c, sagt die Biologin. \u201eFindet man beispielsweise Libellenlarven, ist das ein gutes Zeichen. Sind jedoch die Larven der roten Zuckm\u00fccke vermehrt, ist das Wasser verschmutzt\u201c, f\u00e4hrt sie fort.<\/p>\n<p>Zuweilen traf Carolin V\u00f6lker bei der Probenentnahme auch Schulklassen, die ihr neugierig zuschauten. Nach nur einer Stunde Einweisung konnten die Sch\u00fcler bereits fachm\u00e4nnisch Schnecken, Muscheln, blutsaugende Egel und stachelbewehrte Grundwanzen erkennen. B\u00fcrger \u00fcber die Belange des Gew\u00e4sserschutzes zu informieren ist eines der Ziele von \u201eNiddaMan\u201c. Das regionale Verbundprojekt unter Federf\u00fchrung der Goethe-Universit\u00e4t wird in den kommenden drei Jahren Strategien f\u00fcr ein nachhaltiges Wasserressourcenmanagement im Einzugsgebiet der Nidda entwickeln.<\/p>\n<p>Das Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung (BMBF) f\u00f6rdert das Vorhaben im F\u00f6rderschwerpunkt \u201eNachhaltiges Wassermanagement\u201c mit 2,4 Millionen Euro. Hintergrund der BMBF-F\u00f6rderma\u00dfnahme ist, dass 70 Prozent der Gew\u00e4sserabschnitte in Deutschland nicht den von der Europ\u00e4ischen Union geforderten guten bis sehr guten \u00f6kologischen Zustand erreicht haben. Ende 2015 l\u00e4uft die Frist f\u00fcr die Einhaltung der EUWasserrahmenrichtlinie ab.<\/p>\n<p>Deshalb hat das BMBF vor zwei Jahren Forschungsprojekte zur nachhaltigen Bewirtschaftung der regionalen Gew\u00e4sser ausgeschrieben. \u201eNiddaMan\u201c geh\u00f6rt zu den 14 Antr\u00e4gen, die jetzt aus urspr\u00fcnglich 121 Projektskizzen zur F\u00f6rderung ausgew\u00e4hlt wurden. \u201eDas Einzugsgebiet der Nidda ist in vielfacher Hinsicht repr\u00e4sentativ f\u00fcr Flie\u00dfgew\u00e4sser in Mitteleuropa. Hier lassen sich exemplarisch Nutzungskonflikte untersuchen und modellhaft L\u00f6sungen entwickeln\u201c, erkl\u00e4rt Prof. J\u00f6rg Oehlmann, Koordinator von \u201eNiddaMan\u201c und Leiter der Abteilung Aquatische \u00d6kotoxikologie der Goethe-Universit\u00e4t.<\/p>\n<h3>Belastungen im Mittel- und Unterlauf der Nidda<\/h3>\n<p>Die von der Quelle im Vogelsberg bis zur M\u00fcndung in den Main etwa 100 Kilometer lange Nidda ist in ihrem Oberlauf noch in einem nahezu naturnahen Zustand. Die Wasserqualit\u00e4t ist gut, der Flusslauf naturbelassen und die Biodiversit\u00e4t entsprechend gro\u00df; das hei\u00dft, es gibt eine breite Vielfalt an Mikroorganismen, wirbellosen Tieren, Fischen, anderen Wirbeltieren und Vegetation am Ufer. Im Mittellauf treten zunehmend Konflikte zwischen \u00d6kologie und landwirtschaftlicher Nutzung angrenzender Fl\u00e4chen auf.<\/p>\n<p>Im Unterlauf entstehen weitere Belastungen durch Wasserentnahmen in Siedlungen, Abl\u00e4ufe von Verkehrsfl\u00e4chen und versiegelten Bereichen, Industrie- und kommunale Abw\u00e4sser und die Einleitung von solehaltigem Wasser durch B\u00e4derbetriebe. Au\u00dfer der Verschlechterung der Wasserqualit\u00e4t hat die menschliche Besiedlung auch Ver\u00e4nderungen im Flussverlauf mit sich gebracht. Zur Landgewinnung und zum Schutz vor Hochwasser wurden Flussabschnitte kanalisiert, eingedeicht und mit Wehren versehen.<\/p>\n<p>Damit verschwanden die Flussauen mit ihrer typischen Flora und Fauna und die Wanderung von Fischen wurde behindert. Stellenweise hat man versucht, diesen Verlust durch Renaturierungsma\u00dfnahmen und Fischtreppen in den Wehren r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen. Doch die milliardenschweren Investitionen waren nur m\u00e4\u00dfig erfolgreich. Das Ziel der elf Projektpartner von \u201eNiddaMan\u201c ist es, bisher verstreutes Wissen zu b\u00fcndeln und Synergien zwischen Wissenschaft, Praxis und \u00d6ffentlichkeit zu nutzen.<\/p>\n<p>Beteiligt sind die Universit\u00e4t T\u00fcbingen, das Karlsruher Institut f\u00fcr Technologie, die Technische Universit\u00e4t Darmstadt, das Frankfurter ISOE \u2013 Institut f\u00fcr sozial-\u00f6kologische Forschung, die Bundesanstalt f\u00fcr Gew\u00e4sserkunde in Koblenz sowie zwei Darmst\u00e4dter Ingenieurb\u00fcros (Brandt Gerdes Sitzmann Wasserwirtschaft GmbH, Unger Ingenieure GmbH). Assoziierte Partner sind das Hessische Landesamt f\u00fcr Umwelt und Geologie in Wiesbaden, das Regierungspr\u00e4sidium Darmstadt und der Wetteraukreis, Friedberg.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2067\" aria-describedby=\"caption-attachment-2067\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><img decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-2067\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/blog_unireport_niddaman2-300x215.jpg\" alt=\"Makrozoobenthos-Organismen, d. h. tierische Organismen, die man noch mit dem Auge erkennen kann (von oben im Uhrzeigersinn): 3 Bachflohkrebse, 3 Eintagsfliegenlarven von zwei verschiedenen Spezies, 2 Egel, 1 Kugelmuschel, 4 Dipteren- larven von 4 unterschiedlichen Arten, 3 Zwergdeckelschnecken, 2 K\u00e4ferlarven und 2 K\u00e4fer-Imagines, 1 Hydropsyche (k\u00f6cherlose K\u00f6cherfliegenlarve), 2 unterschiedliche K\u00f6cherfliegenlarven); Foto: Oehlmann\" width=\"300\" height=\"215\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/blog_unireport_niddaman2-300x215.jpg 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/blog_unireport_niddaman2.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2067\" class=\"wp-caption-text\">Makrozoobenthos-Organismen, d. h. tierische Organismen, die man noch mit dem<br \/>Auge erkennen kann (von oben im Uhrzeigersinn): 3 Bachflohkrebse, 3 Eintagsfliegenlarven von zwei verschiedenen Spezies, 2 Egel, 1 Kugelmuschel, 4 Dipteren-<br \/>larven von 4 unterschiedlichen Arten, 3 Zwergdeckelschnecken, 2 K\u00e4ferlarven und 2 K\u00e4fer-Imagines, 1 Hydropsyche (k\u00f6cherlose K\u00f6cherfliegenlarve), 2 unterschiedliche<br \/>K\u00f6cherfliegenlarven); Foto: Oehlmann<\/figcaption><\/figure>\n<p>Im ersten Forschungsschwerpunkt wollen die Wissenschaftler neue Verfahren zur \u00dcberwachung von anthropogenen Spurenstoffen entwickeln und neue, bisher unbekannte Substanzen im Wasser aufsp\u00fcren. Im zweiten Schwerpunkt soll erforscht werden, wie sich Abwassereinleitungen und Gew\u00e4sserausbau auf Organismen und Lebensgemeinschaften im Fluss auswirken. Daf\u00fcr eignen sich die in der Abteilung Aquatische \u00d6kotoxikologie entwickelten Tests mithilfe wirbelloser Tiere.<\/p>\n<p>\u201eWir wollen weitere Biomarker finden und organismische Tests entwickeln, aus denen wir Grenzwerte f\u00fcr bisher nicht \u00f6kotoxikologisch bewertete Substanzen ableiten k\u00f6nnen\u201c, erkl\u00e4rt Dr. Ulrike Schulte-Oehlmann das Arbeitspaket, das sie in den kommenden Jahren zusammen mit Master-Studenten und Doktoranden in Angriff nehmen wird. Einen Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis ist im dritten Schwerpunkt geplant, in dem die sozial-\u00f6kologischen Prozesse untersucht werden sollen, die zur Belastung des Flusses gef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>\u201eF\u00fcr ein nachhaltiges Wasserressourcen- Management ist es wichtig, die Interessen unterschiedlicher Akteure in einer Konfliktfeldanalyse zu erfassen und mit ihnen in einen regelm\u00e4\u00dfigen Dialog zu treten\u201c, erkl\u00e4rt Carolin V\u00f6lker. Sie arbeitet inzwischen am ISOE \u2013 Institut f\u00fcr sozial-\u00f6kologische Forschung, das sich auf diese Schnittstelle spezialisiert hat.<\/p>\n<p>\u201eDas Interesse der Stakeholder an einem Dialog war bereits in der Phase der Antragstellung sehr gro\u00df\u201c, berichtet sie. Solche Dialoge dienen nicht nur der Aushandlung von Kompromissen. Hier werden Forschungserkenntnisse auf ihre Praxistauglichkeit \u00fcberpr\u00fcft, praktische Erfahrungen geben neue Impulse f\u00fcr die Forschung.<\/p>\n<h3>B\u00fcrgerbeteiligung<\/h3>\n<p>Bewusst werden auch B\u00fcrger dazu eingeladen, durch ihre Beobachtungen einen Beitrag zur Forschung zu leisten. Geplant ist ihre Mitwirkung an einer \u201eWissenslandkarte\u201c der Nidda. Darin will Carolin V\u00f6lker alle bisher bekannten Daten zur Schadstoffbelastung und Renaturierungsma\u00dfnahmen in verst\u00e4ndlicher Form eintragen. Sie sollen im Laufe des Projekts erg\u00e4nzt werden, auch durch die Mitarbeit von B\u00fcrgern, die per App eintragen k\u00f6nnen, wo sie beispielsweise ein Nutria oder einen Eisvogel gesehen haben.<\/p>\n<p>\u201eAuch Angler wissen unglaublich viel \u00fcber ihren Fluss und sind sehr daran interessiert, ihn zu sch\u00fctzen\u201c, wei\u00df die Biologin. Sie hat bereits viele Ideen, wie B\u00fcrger auch an wissenschaftlichen Beobachtungen beteiligt werden k\u00f6nnten. \u201eDie Leute interessieren sich unglaublich f\u00fcr diesen Fluss\u201c, sagt sie aus Erfahrung. Um die technische Seite, n\u00e4mlich Ma\u00dfnahmen zur Verminderung von Schadstoffeintr\u00e4gen, geht es im vierten Schwerpunkt.<\/p>\n<p>Hier wollen die Partner Abwasseranlagen entlang der Nidda bewerten sowie ein Baukastensystem f\u00fcr technische und betriebliche Ma\u00dfnahmen entwickeln, um den Eintrag von Pflanzenn\u00e4hrstoffen und Schadstoffen zu reduzieren. Eine Vorhersage \u00fcber die Wirkung unterschiedlicher Ma\u00dfnahmen soll die Modellierung unterschiedlicher Szenarien im f\u00fcnften Schwerpunkt erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Dabei werden nicht nur Abfl\u00fcsse, Stoffeintr\u00e4ge und die Gew\u00e4sserg\u00fcte im Einzugsgebiet der Nidda ber\u00fccksichtigt, sondern auch demographische Entwicklungen und Auswirkungen des Klimawandels wie Starkregen oder Wasserknappheit. Die gesammelten Erkenntnisse von NiddaMan sollen abschlie\u00dfend in ein Informations- und Managementsystem einflie\u00dfen, das als Instrument f\u00fcr die wasserwirtschaftliche Praxis auch auf andere Regionen \u00fcbertragbar sein sollte.<\/p>\n<p>Im Fokus stehen die Bereiche Gew\u00e4sser\u00fcberwachung, effektive Planung wasserwirtschaftlicher Ma\u00dfnahmen, Bildung und Qualifizierung von Fachpersonal, die \u00dcberwindung bisheriger Hemmnisse f\u00fcr ein effizientes Management der Wasserressourcen sowie Wissenstransfer in angrenzende Forschungssektoren.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend ihrer Doktorarbeit in der Aquatischen \u00d6kotoxikologie bei Prof. J\u00f6rg Oehlmann hat Carolin V\u00f6lker oft Sedimentproben an der Nidda genommen. \u201eDie Tiere im Sediment zu bestimmen und zu z\u00e4hlen gibt 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