{"id":2229,"date":"2015-03-10T11:41:50","date_gmt":"2015-03-10T10:41:50","guid":{"rendered":"http:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=2229"},"modified":"2016-01-10T22:11:01","modified_gmt":"2016-01-10T21:11:01","slug":"recht-ist-nichts-was-vom-himmel-gefallen-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/studium\/recht-ist-nichts-was-vom-himmel-gefallen-ist\/","title":{"rendered":"\u201eRecht ist nichts, was vom Himmel gefallen ist\u201c"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_2240\" aria-describedby=\"caption-attachment-2240\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2240 size-medium\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/blog_studium-rechtswissenschaft-300x199.gif\" alt=\"Seit 2008 ist der Fachbereich 01 auf dem Campus Westend zu finden. Das RuW-Geb\u00e4ude teilen sich die Juristen mit den Wirtschaftswissenschaftlern. \" width=\"300\" height=\"199\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2240\" class=\"wp-caption-text\">Seit 2008 ist der Fachbereich 01 auf dem Campus Westend zu finden. Das RuW-Geb\u00e4ude teilen sich die Juristen mit den Wirtschaftswissenschaftlern.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Was ist \u201etypisch Frankfurt\u201c bei den Gesellschaftswissenschaftlern, Physikern, Historikern oder Medizinern? In einer neuen Serie stellen wir die Fachbereiche der Goethe-Universit\u00e4t im Kurzprofil vor. Den Anfang macht der Fachbereich 01 \u2013 die Rechtswissenschaft.<\/p>\n<p>\u201eJura k\u00f6nnen Sie an vielen Universit\u00e4ten in Deutschland studieren, aber was Sie nirgendwo so mitbekommen wie in Frankfurt, ist die Verbindung zwischen den Grundlagen des Rechts und ihrer konkreten Umsetzung bis hin zur anwaltlichen oder gerichtlichen Praxis\u201c, bringt Georg Hermes, Dekan des Fachbereichs und Professor f\u00fcr \u00d6ffentliches Recht, die Ausrichtung der Frankfurter Rechtswissenschaft auf den Punkt.<\/p>\n<p>Die Grundlagenorientierung ist einer der Schwerpunkte des Fachbereichs. Hermes: \u201eDas Rechtsspektrum ist durch die gesellschaftliche Differenzierung, durch Europ\u00e4isierung und Globalisierung so gro\u00df und un\u00fcbersichtlich geworden, dass man Schwerpunkte setzen muss. Manche Universit\u00e4ten konzentrieren sich darum auf wenige Spezialgebiete. Das tun wir zwar auch, aber kombiniert mit den Grundlagen \u2013 als Basis, um in einem beliebigen Bereich der Rechtswissenschaft arbeiten zu k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>Grundlagen, das bedeutet vor allem Rechtsgeschichte, Rechtsphilosophie und Rechtstheorie. Die Studierenden sollen lernen, die historische Entwicklung von Gesetzen und Recht zu reflektieren und sich mit den Grundfragen einer gerechten Staats- und Gesellschaftsordnung auseinandersetzen. \u201eDas mittelalterliche Recht war beispielsweise ganz anders als unser neuzeitliches Recht. Weil Recht eben nicht etwas ist, was vom Himmel gefallen ist, sondern eine Antwort aus der Gesellschaft heraus auf Fragestellungen und Probleme\u201c, erkl\u00e4rt Dr. Susanne Pelster, die Leiterin des Dekanats.<\/p>\n<p>[dt_quote type=&#8220;pullquote&#8220; font_size=&#8220;h4&#8243; background=&#8220;fancy&#8220; layout=&#8220;left&#8220; size=&#8220;3&#8243;]\u201eGerade im Bereich Law and Finance werden rechtstheoretische Ans\u00e4tze fruchtbar gemacht&#8220;[\/dt_quote]<\/p>\n<p>Ein nat\u00fcrlicher und enger Partner des Fachbereichs ist daher das ebenfalls auf dem Campus Westend angesiedelt Max-Planck-Institut f\u00fcr europ\u00e4ische Rechtsgeschichte, dessen Direktor Thomas Duve ebenfalls Professor am Fachbereich 01 ist.<\/p>\n<p>Der zweite Schwerpunkt der Frankfurter Rechtswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler dreht sich um die Verkn\u00fcpfung von Unternehmen und Finanzen. \u201eWenn man unsere beiden Schwerpunkte auf einem Foto zusammenbringen wollte, m\u00fcsste man eigentlich das Institut f\u00fcr Sozialforschung im Westend mit den Bankt\u00fcrmen im Hintergrund zeigen\u201c, sagt Hermes. Wobei die beiden Themen nicht so gegens\u00e4tzlich seien, wie man vermuten k\u00f6nnte: \u201eGerade im Bereich Law and Finance werden rechtstheoretische Ans\u00e4tze fruchtbar gemacht und bilden die Grundlage, Entwicklungen kritisch zu hinterfragen\u201c, stellt der Dekan klar.<\/p>\n<h3>Forschende Juristinnen und Juristen m\u00fcssen in erster Linie von morgens bis abends lesen<\/h3>\n<p>Wer im Bereich Recht forscht, bezieht eigentlich immer benachbarte Disziplinen wie Geschichte, Philosophie, Politik und \u00d6konomie mit ein. \u201eWir \u00fcberpr\u00fcfen keine Thesen im Labor \u2013 forschende Juristinnen und Juristen m\u00fcssen in erster Linie von morgens bis abends lesen: nicht nur Rechtsquellen, auch historische Quellen oder zum Beispiel Texte von Psychologen im Strafrecht oder Naturwissenschaftlern im Umweltrecht, um die Realit\u00e4t, die das Recht steuern und bew\u00e4ltigen soll, besser zu verstehen\u201c, erkl\u00e4rt Hermes.<\/p>\n<p>Diese Forschung liefere dann entweder eine weitere Antwort zu einer Fragestellung oder strukturiere den bisherigen Wissensstand, um so Erkenntnisfortschritt zu schaffen. Einer seiner Doktoranden, gibt Hermes ein Beispiel, befasse sich mit dem Konflikt zwischen Flugl\u00e4rm und dem Recht auf Gesundheit. Daf\u00fcr habe er erst einmal einen \u00dcberblick erstellt, was in den letzten 20 Jahren \u00fcber L\u00e4rmwirkungen erforscht wurde. Auf dieser Basis untersuche er dann, ob das Recht diese Erkenntnisse ad\u00e4quat aufgenommen habe oder ob Anpassungsbedarf bestehe. Arbeiten wie diese werden auch gerne in der Praxis genutzt, etwa wenn sich ein Richter mit neuen L\u00e4rmschutzregelungen befassen muss.<\/p>\n<p>[dt_quote type=&#8220;pullquote&#8220; font_size=&#8220;h4&#8243; background=&#8220;fancy&#8220; layout=&#8220;right&#8220; size=&#8220;3&#8243;]\u201eEine gute Vorlesung im grundst\u00e4ndigen Studium verbindet immer Forschung und Lehre\u201c[\/dt_quote]<\/p>\n<p>Um gesellschaftliche Grundfragen wie Gerechtigkeit oder die Entstehung und Bew\u00e4ltigung von Konflikten geht es im Exzellenzcluster \u201eNormative Ordnungen\u201c und im LOEWE-Schwerpunkt \u201eAu\u00dfergerichtliche und gerichtliche Konfliktl\u00f6sung\u201c, an denen Professorinnen und Professoren des Fachbereichs 01 beteiligt sind.<\/p>\n<p>Mit der Suche nach einem optimalen Ordnungsrahmen f\u00fcr die Finanzm\u00e4rkte und ihre Akteure setzt sich unter anderem das LOEWE-Zentrum SAFE (Sustainable Architecture for Finance in Europe) auseinander, an dem ebenfalls Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Fachbereichs 01 beteiligt sind. Aber wie viel von dieser Forschung kommt bei den Studierenden an?<\/p>\n<p>\u201eEine gute Vorlesung im grundst\u00e4ndigen Studium verbindet immer Forschung und Lehre\u201c, stellt Dekan Hermes klar. Durch den gesetzlichen Anforderungskatalog an die juristische universit\u00e4re Ausbildung sei das Studium zweigeteilt: Auf der einen Seite stehe die grundst\u00e4ndige Lehre, die zwei Drittel des Studiums ausmache. F\u00fcr sie ist klar vorgeschrieben, welche Kenntnisse und Qualifikationen Studierende bis zum Examen erworben und welche Rechtsgebiete sie abgedeckt haben m\u00fcssen. Typische Veranstaltungsform dort: Die (Massen-)Vorlesung mit integrierter \u00dcbung.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2242\" aria-describedby=\"caption-attachment-2242\" style=\"width: 250px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/blog_studium-rechtswissenschaft02.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-2242\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/blog_studium-rechtswissenschaft02-199x300.jpg\" alt=\"Keine Angst vorm Paragraphendschugel: Im Hauptstudium k\u00f6nnen die Studierenden echte Forschungsn\u00e4he erleben. \" width=\"250\" height=\"376\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/blog_studium-rechtswissenschaft02-199x300.jpg 199w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/blog_studium-rechtswissenschaft02.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2242\" class=\"wp-caption-text\">Keine Angst vorm Paragraphendschugel: Im Hauptstudium k\u00f6nnen die Studierenden echte Forschungsn\u00e4he erleben.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Forschungsn\u00e4he erleben die Studierenden erst in ihrem gew\u00e4hlten Schwerpunktbereich, der zu einem Drittel ins Examen einflie\u00dft. Dort treffen sie im Seminar in kleineren Gruppen zusammen, die den intensiveren Gedankenaustausch erm\u00f6glichen. Eine wissenschaftliche Hausarbeit, f\u00fcr die sich die Studierenden acht Wochen vertieft mit einer Fragestellung auseinandersetzen, geh\u00f6rt dabei zu den Frankfurter Besonderheiten.<\/p>\n<p>Auch wenn interdisziplin\u00e4res Arbeiten f\u00fcr die Forschenden selbstverst\u00e4ndlich ist: Es sei nicht einfach, im Uni-Alltag zwischen Lehrveranstaltungen, Antragschreiben und Gremienarbeit Gelegenheit zum wissenschaftlichen Austausch unter Fachbereichskolleginnen und -kollegen zu finden, berichtet Hermes. Ausnahmen seien Ring- oder Antrittsvorlesungen, auch Vortr\u00e4ge im Rahmen von Habilitationsverfahren, bei denen dann alle gemeinsam diskutierten. Aber, so Hermes: \u201eWir sitzen f\u00fcr mein Empfinden zu viel in verwaltenden Gremien, sind zu viel mit Organisationsfragen besch\u00e4ftigt, und der Anteil wissenschaftlicher Gespr\u00e4che unter Kolleginnen und Kollegen ist zu niedrig.\u201c<\/p>\n<p>Intensiv gepflegt wird aber der Dialog mit der B\u00fcrgerschaft \u2013 etwas, das wieder typisch f\u00fcr Frankfurt ist. Sehr viele Veranstaltungen sind \u00f6ffentlich. Am \u201eTag der Rechtspolitik\u201c etwa kommen engagierte B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger gerne in die Universit\u00e4t; k\u00f6nnen dann zum Beispiel mit dem Justizminister oder einem Richter des Bundesverfassungsgerichts diskutieren. \u201eBeim vorletzten Tag ging es um den \u201aWutb\u00fcrger\u2018 \u2013 da waren etliche Vertreter von B\u00fcrgerinitiativen da, die ihre Anliegen auch engagiert vorgetragen haben. Das ist dann schon sehr b\u00fcrgernah\u201c, erz\u00e4hlt Pelster.<\/p>\n<p>[dt_call_to_action content_size=&#8220;small&#8220; background=&#8220;plain&#8220; line=&#8220;true&#8220; style=&#8220;1&#8243; animation=&#8220;fadeIn&#8220;]<\/p>\n<p><strong>Fachbereich 01 auf einen Blick<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>34 Professuren<\/li>\n<li>4.302 Studierende<\/li>\n<li>Leibniz-Preistr\u00e4ger: 1991: Michael Stolleis (\u00d6ffentliches Recht und Neuere Rechtsgeschichte)<br \/>\n2014: Armin von Bogdandy (Honorarprofessor Rechtswissenschaft MPI f\u00fcr ausl\u00e4ndisches \u00f6ffentliches Recht und V\u00f6lkerrecht Heidelberg)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der FB 01 ist beteiligt am Exzellenzcluster \u201eHerausbildung normativer Ordnungen\u201c, am LOEWE-Schwerpunkt \u201eAu\u00dfergerichtliche &amp; gerichtliche Konfliktl\u00f6sung\u201c, weitere Kooperationen u.a. mit dem Max-Planck-Institut f\u00fcr europ\u00e4ische Rechtsgeschichte, dem LOEWE-Center \u201eSustainable Architecture for Finance in Europe\u201c, Wilhelm-Merton-Zentrum f\u00fcr europ\u00e4ische Integration und internationale Wirtschaftsordnung, Institut f\u00fcr Europ\u00e4ische Gesundheitspolitik und Sozialrecht, Interdisziplin\u00e4ren Zentrum f\u00fcr Ostasienstudien, Institute for Monetary and Financial Stability, Institute for Law and Finance, International Center for Insurance Regluation, Cornelia Goethe-Zentrum f\u00fcr Frauenstudien und die Erforschung der Geschlechterverh\u00e4ltnisse sowie dem Institut f\u00fcr Sozialforschung.<\/p>\n<p><strong>Studierende k\u00f6nnen aus 6 Schwerpunktbereichen w\u00e4hlen: <\/strong>Internationalisierung und Europ\u00e4isierung des Rechts, Unternehmen und Finanzen (Law and Finance), Grundlagen des Rechts, Verfassung, Verwaltung, Regulierung,\u00a0Arbeit, Soziales, Lebenslagen, Kriminalwissenschaften<\/p>\n<p>ERASMUS-Kooperationen mit 14 internationalen Hochschulen; Studienprogramm in franz\u00f6sischer Sprache in Kooperation mit der Universit\u00e9 Lumi\u00e8re Lyon 2.<\/p>\n<p>Vertreterinnen und Vertreter des Fachbereichs haben immer wieder bedeutende \u00f6ffentliche \u00c4mter bekleidet: So kam mit Prof. Spiros Simitis der erste hessische Datenschutzbeauftragte von der Goethe-Universit\u00e4t, Prof. Manfred Zuleeg war Richter am Europ\u00e4ischen Gerichtshof und Prof. Winfried Hassemer war Vizepr\u00e4sident des Bundesverfassungsgerichts. Prof. Ute Sacksofsky ist aktuell Vizepr\u00e4sidentin des Staatsgerichtshofs des Landes Hessen.<\/p>\n<p>[\/dt_call_to_action]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was ist \u201etypisch Frankfurt\u201c bei den Gesellschaftswissenschaftlern, Physikern, Historikern oder Medizinern? In einer neuen Serie stellen wir die Fachbereiche der Goethe-Universit\u00e4t im Kurzprofil vor. 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