{"id":2288,"date":"2014-12-05T10:47:21","date_gmt":"2014-12-05T09:47:21","guid":{"rendered":"http:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=2288"},"modified":"2016-01-10T22:01:19","modified_gmt":"2016-01-10T21:01:19","slug":"klischees-unterm-weihnachtsbaum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/forschung\/klischees-unterm-weihnachtsbaum\/","title":{"rendered":"Klischees unterm Weihnachtsbaum"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_2291\" aria-describedby=\"caption-attachment-2291\" style=\"width: 350px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/blog_forschung-Weihnachtsklischees.jpg\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2291\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/blog_forschung-Weihnachtsklischees-300x164.jpg\" alt=\"Das Netzwerkdiagramm zeigt die Beziehung zwischen Weihnachtsevents und ihren Teilnehmern. An den Kernelementen ist die engere Familie beteiligt. Je entfernter die Beziehung, umso weniger gemeinsame Ereignisse stehen f\u00fcr weihnachtliche Treffen zur Verf\u00fcgung. Die Verbindung zwischen Weihnachtselementen und Teilnehmern ist umso dicker gezeichnet, je \u00f6fter diese in den Interviews genannt wurde. \" width=\"350\" height=\"191\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/blog_forschung-Weihnachtsklischees-300x164.jpg 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/blog_forschung-Weihnachtsklischees-768x420.jpg 768w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/blog_forschung-Weihnachtsklischees-1024x560.jpg 1024w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/blog_forschung-Weihnachtsklischees.jpg 1500w\" sizes=\"(max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2291\" class=\"wp-caption-text\">Das Netzwerkdiagramm zeigt die Beziehung zwischen Weihnachtsevents und ihren Teilnehmern. An den Kernelementen ist die engere Familie beteiligt. Je entfernter die Beziehung, umso weniger gemeinsame Ereignisse stehen f\u00fcr weihnachtliche Treffen zur Verf\u00fcgung. Die Verbindung zwischen Weihnachtselementen und Teilnehmern ist umso dicker gezeichnet, je \u00f6fter diese in den Interviews genannt wurde.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Suche nach Weihnachtsgeschenken gestaltet sich jedes Jahr aufs Neue anstrengend. M\u00f6glichst pers\u00f6nlich sollte es sein, vielleicht gar etwas Selbstgemachtes und blo\u00df nicht das Gleiche wie schon letztes Weihnachten. Manch ein Schenkender wendet sich voller Verzweiflung an die Internetgemeinde. Nun dort findet man keineswegs das erhoffte pers\u00f6nliche Geschenk f\u00fcr den Papa. Genau im Gegenteil: Da engelchen83 und wichtel91 den Beschenkten \u00fcberhaupt nicht kennen, l\u00e4sst sich hier beobachten, welche Geschenke der abstrakten Rolle des Vaters zugeordnet werden.<\/p>\n<p>Aus insgesamt 2000 Geschenkvorschl\u00e4gen f\u00fcr Mutter, Vater, Freundin und Freund lie\u00df sich aufzeigen, welche Vorstellungen mit diesen Rollen verbunden sind. Betrachtet man die Geschenkideen f\u00fcr Eltern, dann zeigt sich, dass diese immer noch dem traditionellen Familienbild verhaftet sind. M\u00fcttern wird unterstellt, dass sie sich nach gemeinsamer Zeit mit ihren Kindern sehnen und wenn das nicht geht, dann muss wenigstens der Fotokalender unter den Weihnachtsbaum. Sehr h\u00e4ufig werden zudem Wellness und Kosmetik empfohlen.<\/p>\n<p>Aus Sicht der Forennutzer begie\u00dfen V\u00e4ter den Feierabend mit Alkohol und verbringen die Freizeit bevorzugt mit ihren Autos. Au\u00dferdem werden Geschenke f\u00fcr sportliche Aktivit\u00e4ten vorgeschlagen. Oft werden zudem technisches Spielzeug und Fanartikel empfohlen. Die Geschenkvorschl\u00e4ge f\u00fcr V\u00e4ter sind deutlich vielf\u00e4ltiger als f\u00fcr M\u00fctter.<\/p>\n<p>[dt_call_to_action content_size=&#8220;small&#8220; background=&#8220;plain&#8220; line=&#8220;true&#8220; style=&#8220;1&#8243; animation=&#8220;fadeIn&#8220;]<\/p>\n<h3><strong>Weihnachten \u2013 Soziologisch gegen den Strich geb\u00fcrstet <\/strong><\/h3>\n<p>Was schenken wir unseren Lieben? Wie unehrlich sind wir an Weihnachten? Wie ver\u00e4ndern sich Traditionen, wenn junge Familien beginnen, ihr eigenes Weihnachten zu gestalten? Mit wem kommen wir anl\u00e4sslich der Feiertage in Kontakt? Diesen Fragen ist eine Lehrforschungsgruppe des Fachbereichs Gesellschaftswissenschaften unter Anleitung von Prof. Christian Stegbauer nachgegangen. Hierf\u00fcr wurden 32 qualitative Interviews durchgef\u00fchrt und 2000 Geschenkvorschl\u00e4ge aus Hilfeforen im Internet ausgewertet. Mit der Datensammlung wurde bereits im Sommer begonnen. Jetzt liegen erste Ergebnisse vor.<\/p>\n<p>[\/dt_call_to_action]<\/p>\n<p>Spannend an den Geschenkvorschl\u00e4gen f\u00fcr Freundin und Freund ist, dass hier nicht die Geschlechterrollen im Vordergrund stehen, sondern die Beziehung. In der Vorstellung der User ist die ideale Freundin sch\u00f6n und sexy \u2013 was in Vorschl\u00e4gen f\u00fcr Dessous und Kosmetik zum Ausdruck kommt. Der Freund wird eher als schlecht gekleidet, Computer spielend und sportlich dargestellt. Die Geschenkeberater im Internet stellen sich die beiden Partner als sehr ineinander verliebt vor. Deshalb beziehen sich fast alle Geschenk\u00fcberlegungen auf gemeinsame Aktivit\u00e4ten: Urlaub, St\u00e4dtetrip, romantisches Abendessen, Kuscheln, Sex.<\/p>\n<p>Eine alternative Idee ist das Bedrucken mit Fotos von Tassen, T-Shirts, Mousepads etc., wodurch die Angebetete oder der Traumprinz an den oder die andere immer erinnert werden soll. W\u00e4hrend die Beziehung zu Vater und Mutter kaum zu l\u00f6sen ist, muss die Paarbeziehung gepflegt werden, damit sie nicht einfach eines Tages wieder zerbricht. \u00dcbrigens m\u00fcsste sich das Vorurteil \u201eFrauen verstehen nichts von Technik\u201c eher auf M\u00fctter beziehen, denn Freundinnen, wird der Umgang mit Technik durchaus zugetraut. M\u00f6glicherweise deutet sich hier ein ver\u00e4ndertes Rollenbild an.<\/p>\n<h3>Zeit des Schenkens und des L\u00fcgens?<\/h3>\n<p>Jedes Jahr die h\u00e4ssliche Krawatte, der Krimi mit den ungeliebten Klischees oder die Marmelade, die nicht gegessen wird. Wir bekommen immer wieder schon bekannte Geschenke \u2013 gerade auch weil es schwer f\u00e4llt, die Wahrheit dar\u00fcber zu sagen. Wenn man ein Geschenk beanstandet, so wirkt dies wie eine Kritik am Schenkenden. Das Geschenk auszuschlagen w\u00fcrde die Beziehung in Frage stellen.<\/p>\n<p>Zum Teil erkl\u00e4rt sich das daraus, dass Geschenke eine doppelte Bedeutung besitzen: Einerseits die Gabe als Handlung, die damit die Anerkennung des Beschenkten, sowie die Beziehung zwischen den Beiden ausweist und festigt, andererseits der Inhalt, das, was nach dem Auspacken \u00fcbrig bleibt. Eine Zur\u00fcckweisung w\u00fcrde auch die Intention, die mit dem Geschenk verbunden ist, betreffen. Die Interviewten sagten, dass je nach Beziehung mehr an Wahrheit gewagt werden k\u00f6nne; wenn es sich um eine sehr enge Beziehung handelt, ist man eher bereit, Kritik zu \u00fcben, dann aber nicht im Moment der Bescherung.<\/p>\n<p>Offen ist man eher hinter dem R\u00fccken der Schenkenden, wodurch es mit dieser Person zu einer Art von Komplott kommt, was die Beziehung zum Mitwisser festigt. \u00dcberspitzt k\u00f6nnte man sagen, dass fortgesetzte Unwahrheit eine R\u00fcckkehr zur Wahrheit immer mehr verhindert \u2013 und am Ende fast alle \u00fcber die Unzufriedenheit Bescheid wissen, nur der Schenkende nicht. Damit es nach M\u00f6glichkeit nicht so weit kommt, gibt es vor allem f\u00fcr Kinder Wunschlisten, die das Danebengreifen bei Geschenken ein wenig eind\u00e4mmen k\u00f6nnen.<\/p>\n<h3>Die Macht der M\u00fctter<\/h3>\n<p>Jedes Weihnachtsfest, in jeder Familie ist unterschiedlich. Das wird zur Herausforderung, wenn zwei Partner sich zum ersten Mal dazu entschlie\u00dfen, Weihnachten gemeinsam zu verbringen. Untersucht wurde wie junge Paare aus den verschiedenen Weihnachtselementen, die sie aus ihren Herkunftsfamilien kennen, ein gemeinsames Weihnachtsfest entwerfen.<\/p>\n<p>Was gibt es zu essen? Wann gibt es Geschenke? Gehen wir zum Gottesdienst? Das Ergebnis zeigt, dass vor allem Kinder einen Umbruch im Denken \u00fcber Weihnachten und die Durchf\u00fchrung weihnachtlicher Rituale ausl\u00f6sen.<\/p>\n<p>Interessieren sich junge Paare zun\u00e4chst kaum f\u00fcr Weihnachten, so gewinnt das Weihnachtsfest durch Kinder wieder an Bedeutung. In dieser Situation ist es notwendig, die unterschiedlichen Rituale aus den Herkunftsfamilien zusammen zu bringen. Durch gemeinsame Aushandlung entsteht eine neue, ganz eigene Tradition. Dabei spielt vor allem die Mutter eine herausragende Rolle. Sie initiiert die Gestaltung des Festes und dessen Bestandteile.<\/p>\n<p>Diese Beobachtung unterst\u00fctzt die Vermutung, dass die Macht dar\u00fcber, wie das Weihnachtsfest begangen wird, fest in Frauenhand liegt. Diese Rolle scheint trotz Emanzipation und Umdenken in Fragen der Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern gerade an Weihnachten unver\u00e4nderlich zu sein.<\/p>\n<h3>Sinnentleerte Rituale<\/h3>\n<p>Wie beschrieben entwickeln Familien ihre eigene Weihnachtskultur. Allerdings bleibt die Frage nach dem \u201eWarum\u201c der Br\u00e4uche offen, niemand fragt mehr danach. Wer wei\u00df schon, warum wir an den vier Adventssonntagen Kerzen anz\u00fcnden? Man kann hier von einer Sinnentleerung der Rituale sprechen: jeder macht\u2019s, doch kaum einer wei\u00df warum.<\/p>\n<p>Dies ist allerdings unerheblich, denn die Bedeutungsaufladung der Rituale entscheidet nicht dar\u00fcber, ob diese stattfinden. Vielmehr entscheidet die Konstellation der teilnehmenden Personen dar\u00fcber, welche Br\u00e4uche durchgef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Sind zum Beispiel Kinder im Haus, gibt es das volle Weihnachtsprogramm, vom Besuch des Weihnachtsmarktes \u00fcber die Nikolausfeier bis zum gemeinsamen Pl\u00e4tzchen backen. Werden die Kleinen \u00e4lter und verlassen die elterliche Obhut, geht man lockerer mit den Ritualen um.<\/p>\n<h3>Alle Jahre wieder \u2013 Unfreiwilliges Wiedersehen<\/h3>\n<p>Die Untersuchung der verschiedenen Events rund um Weihnachten zeigt auf, mit wem man sich zu welchem Anlass trifft (siehe Netzwerkgraphik). Je n\u00e4her sich die Personen der Kernfamilie stehen, an umso mehr Weihnachtselementen nehmen diese gemeinsam teil.<\/p>\n<p>Weihnachtszeit steht aber auch f\u00fcr die unfreiwillige Pflege von Beziehungen. Anstandsbesuche und obligatorische Betriebsweihnachtsfeiern kennt wohl jeder. Solche unfreiwilligen Kontakte, denen man nur schwer entrinnen kann, haben aber auch ihr Gutes. Sie versorgen einen mit neuen Informationen. Den unvermeidlichen Events zur Weihnachtszeit l\u00e4sst sich so auch etwas Positives abgewinnen: Als sprudelnde Informationsquelle zum Jahresende, die einen mit dem neuesten Klatsch und Tratsch versorgt.<\/p>\n<p>Die soziologische Netzwerkforschung sagt, dass uns die Menschen, mit denen wir uns nur selten treffen, mit Informationen versorgen, an die wir sonst nur sehr schwer herankommen k\u00f6nnen. Es kann gut sein, dass wir so f\u00fcr uns wichtige Neuigkeiten entdecken. Die Untersuchungen zeichnen ein Weihnachtsfest, welches in Traditionen erstarrt ist und insbesondere traditionelle Geschlechter- und Familienrollen eher festigt, als in Frage stellt.<\/p>\n<p>[dt_call_to_action content_size=&#8220;normal&#8220; background=&#8220;plain&#8220; line=&#8220;true&#8220; style=&#8220;1&#8243; animation=&#8220;fadeIn&#8220;]<\/p>\n<p><em><strong>Autoren:<\/strong> Mara Kische; Denise Schmelzer; Peter Stumm; Christina Andree; Daniel Marciniak; Svenja Krummnow; Christoph Heckwolf; Valeska Ober-Jung; Sarah Simon; Mareike Seipel; Natascha Schmidt; Daniela Knob; Alice Neblik; Shalini Tirputhee; Lukas Tron; Marc-Christian Sch\u00e4fer; Christian Stegbauer.<\/em><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000; font-family: Calibri;\">Mehr Informationen zu dem Projekt finden Sie unter: <a href=\"http:\/\/weihnachtssoziologie.wordpress.com\/\" target=\"_blank\">http:\/\/weihnachtssoziologie.wordpress.com\/<\/a><\/span><\/p>\n<p>[\/dt_call_to_action]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Suche nach Weihnachtsgeschenken gestaltet sich jedes Jahr aufs Neue anstrengend. 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