{"id":2295,"date":"2014-12-05T12:18:15","date_gmt":"2014-12-05T11:18:15","guid":{"rendered":"http:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=2295"},"modified":"2016-01-27T15:04:06","modified_gmt":"2016-01-27T14:04:06","slug":"english-no-problem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/forschung\/english-no-problem\/","title":{"rendered":"English &#8211; no problem?"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_2304\" aria-describedby=\"caption-attachment-2304\" style=\"width: 751px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/blog_forschung-Englischproblem.jpg\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2304\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/blog_forschung-Englischproblem.jpg\" alt=\"Spitzenreiter unter den deutschen Gro\u00dfst\u00e4dten: Laut der Studie EF ENGLISH PROFICIENCY INDEX beherrschen Frankfurter besonders gut Englisch. www.ef.de\/epi Foto: Dettmar\" width=\"751\" height=\"290\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/blog_forschung-Englischproblem.jpg 1000w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/blog_forschung-Englischproblem-300x116.jpg 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/blog_forschung-Englischproblem-768x296.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 751px) 100vw, 751px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2304\" class=\"wp-caption-text\">Spitzenreiter unter den deutschen Gro\u00dfst\u00e4dten: Laut der Studie EF ENGLISH PROFICIENCY INDEX beherrschen Frankfurter besonders gut Englisch. www.ef.de\/epi Foto: Dettmar<\/figcaption><\/figure>\n<p>Wenn der Finanzwissenschaftler Alfons Weichenrieder sich anschaut, wie viele Lehrveranstaltungen er und seine Kollegen am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften schon auf Englisch halten, ist der Prodekan f\u00fcr Internationale Angelegenheiten hochzufrieden: \u201eWir haben die volkswirtschaftlichen Masterund die Graduiertenprogramme komplett auf Englisch umgestellt und bieten auch in h\u00f6heren Semestern der Bachelorprogramme immer mehr auf Englisch an.\u201c<\/p>\n<p>Daf\u00fcr gibt es viele pragmatische Gr\u00fcnde: \u201eWenn wir nicht attraktiv sind f\u00fcr die Studierenden ausl\u00e4ndischer Partnerunis, k\u00f6nnen auch wir unseren Studierenden keinen Austausch erm\u00f6glichen.\u201c Die Wissenschaftssprache f\u00fcr Wirtschaft sei l\u00e4ngst Englisch, die Lehrenden dementsprechend ge\u00fcbt und international aufgestellt und der angels\u00e4chsischen Literatur kann Weichenrieder \u2013 auch aus Perspektive der Studierenden &#8211; viel abgewinnen: \u201eSie ist sehr direkt, weniger gedrechselt und einfach zu verstehen.\u201c<\/p>\n<h3>Wer die Wahl hat, entscheidet sich f\u00fcr Deutsch?<\/h3>\n<p>Dass ihm, der schon in Oxford und Princeton lehrte, seine Vorlesung \u201eFundamentals of public policy\u201c leicht von der Hand geht, glaubt man gern. Was aber ist mit den Studierenden?<\/p>\n<p>\u201eIch glaube, dass sie heute weniger Probleme mit Englisch haben als noch vor 20 Jahren, weil einige schon w\u00e4hrend der Schulzeit ins Ausland gehen und begreifen, dass heute vieles auf Englisch stattfindet\u201c, sagt Weichenrieder. Er gibt aber zu, dass &#8211; wenn eine Veranstaltung parallel in Englisch und Deutsch angeboten wird &#8211; die deutsche besser besucht ist.<\/p>\n<p>Daher setzt sich die Fachschaft Wiwi f\u00fcr die Erhaltung der Wahlfreiheit zwischen Deutsch und Englisch ein: \u201eWer Wirtschaftswissenschaften studiert, ist darauf vorbereitet, dass er Englischkenntnisse haben muss und wir finden es auch gut, wenn Professoren aus dem Ausland zu uns kommen und ihre Vorlesung auf Englisch halten. Aber nach M\u00f6glichkeit sollte es immer Alternativ-Veranstaltungen, \u00dcbungen und Tutorien auf Deutsch geben\u201c, erkl\u00e4rt Bachelorstudent Yannic Ambach-Opitz. \u201eJeder sollte die Chance auf ein deutsches Angebot haben. Dabei denken wir auch an die Studierenden aus dem Ausland, die Deutsch als Zweitsprache hatten.\u201c<\/p>\n<p>Aus seiner Praxis als Studienberater am Fachbereich 1-5 kann Marco Blasczyk nicht zur\u00fcckmelden, dass Vorlesungen oder Texte in Englisch Studierende abschrecken oder vor gro\u00dfe Probleme stellen. \u201eAuch Studierende h\u00f6herer Semester sind bei uns deswegen noch nicht vorstellig geworden\u201c, sagt Blasczyk.<\/p>\n<p>Nur eine Gruppe, das ist bekannt, habe unter der Anglisierung zu leiden: Bildungsausl\u00e4nder wie Osteurop\u00e4er, die nicht Englisch, sondern beispielsweise Deutsch als Zweitsprache erlernt haben. \u201eDa 80 bis 90 Prozent unserer Literatur auf Englisch verfasst ist, kann ich es ihnen aber leider nicht ersparen, sich mit der Sprache vertraut zu machen. Egal, in welcher Sprache ich lehre\u201c, erkl\u00e4rt Rolf van Dick, Professor f\u00fcr Sozialpychologie.<\/p>\n<p>Als Pionier an seinem Fachbereich begann er schon 2006 damit, in Englisch zu lehren, erhob per Fragebogen die Akzeptanz und blieb dabei. \u201eDie Studierenden der Arbeits- und Organisationspsychologie wollen sp\u00e4ter in internationalen Konzernen oder Beratungen arbeiten und finden es toll, in Veranstaltungen schon einmal ihr Englisch einzusetzen.\u201c<\/p>\n<h3>Englisch \u2013 in den Naturwissenschaften schon Routine?<\/h3>\n<p>[dt_quote type=&#8220;pullquote&#8220; font_size=&#8220;h4&#8243; background=&#8220;fancy&#8220; layout=&#8220;left&#8220; size=&#8220;3&#8243;]\u201eEinige Studieninteressierte lassen sich dadurch ganz vom Studium abhalten.&#8220;[\/dt_quote]<\/p>\n<p>Blick zum Campus Riedberg: Dass in den Naturwissenschaften schon lange nichts mehr ohne Englisch geht, ist bekannt. \u201eDie Fachliteratur ist zu 99 Prozent in Englisch verfasst und bei internationalen Forschungsvorhaben ist die Gesch\u00e4ftssprache Englisch\u201c, erkl\u00e4rt Prodekan Clemens Glaubitz vom Fachbereich Chemie, Biochemie, Pharmazie.<\/p>\n<p>Dennoch dominieren in den Grundstudieng\u00e4ngen deutsche Veranstaltungen. \u201eW\u00fcrden wir prim\u00e4r auf internationale Bewerber setzen, w\u00fcrden wir nat\u00fcrlich alles auf Englisch anbieten. Da die Grundstudieng\u00e4nge aber mit inl\u00e4ndischen Studierenden \u00fcberlaufen sind, kommt dieser Aspekt erst bei Masterstudieng\u00e4ngen und Promotionen zum Tragen\u201c, sagt Glaubitz. Nach seiner Beobachtung bringen die meisten Studierenden gute Vorkenntnisse mit und wachsen in die Anforderungen hinein.<\/p>\n<p>Doch manchen Abiturienten mit Berufswunsch Chemielehrer, Apotheker oder Physiker kann die Vorstellung, im Studium zweisprachig agieren zu m\u00fcssen, ganz sch\u00f6n schocken, wei\u00df Ulrike Helbig. Sie ist mit ihrer Kollegin Susanne Mompers am Campus Riedberg f\u00fcr Sch\u00fclermarketing und Studienberatung in den naturwissenschaftlichen F\u00e4chern zust\u00e4ndig: \u201eEinige Studieninteressierte lassen sich dadurch ganz vom Studium abhalten, andere sagen, dass sie dann erst f\u00fcr ein Jahr ins englischsprachige Ausland gehen wollen und die meisten hoffen, dass sie irgendwie durchkommen.\u201c Die Fachbereiche h\u00e4tten erfreulicherweise mit fachspezifischen Englischkursen reagiert im Rahmen des Programms &#8222;Starker Start&#8220;.<\/p>\n<p>Das b\u00f6se Erwachen in h\u00f6heren Semestern findet laut Ulrike Helbig denn auch weniger bei den Studierenden, sondern bei der Uni statt: \u201eEnglischsprachige Lehrveranstaltungen werden von den Studierenden nach M\u00f6glichkeit umgangen oder gemieden und die englischsprachigen Masterstudieng\u00e4nge werden so selten gew\u00e4hlt, dass sie ums \u00dcberleben k\u00e4mpfen oder eingestellt werden.\u201c Zu Recht, findet sie: \u201eDas Erlernen komplexer naturwissenschaftlicher Sachverhalte funktioniert am besten in der Muttersprache.\u201c<\/p>\n<p>So w\u00fcrde die Stoffwechselphysiologie, die an sich schon eine Herausforderung als Lernprozess sei, in Englisch gelehrt, eine \u00dcberforderung darstellen. \u201eDaher haben unsere Studierenden einen respektablen Grund, fremdsprachige Lehrveranstaltungen zu meiden.\u201c<\/p>\n<h3>Nur ein Modetrend?<\/h3>\n<p>Argumente f\u00fcrs Lehren, Lesen, Verstehen und Sprechen in der Muttersprache gibt es viele \u2013 von pragmatischen wie Arbeitserleichterung, Zeitersparnis, besserer Verst\u00e4ndlichkeit bis hin zu Identit\u00e4ts-, Kultur- und vor allem Qualit\u00e4tserhalt im Ausdruck. Manch einer wundert sich, wie leichtfertig diese Vorteile aufgegeben werden f\u00fcr den \u00fcbersetzungsfreien Transfer von Forschung in Lehre, die Minderheit ausl\u00e4ndischer Studierender und eine vermeintlich bessere \u201eEmployability\u201c.<\/p>\n<p>Ungekl\u00e4rt bleibt auch, wie gut es um die Zweisprachigkeit der Beteiligten (auch Lehrenden!) wirklich bestellt ist. Rund um das Thema gibt es in Deutschland l\u00e4ngst \u00f6ffentlich ausgetragene Debatten und Arbeitskreise, in denen die scheinbar r\u00fcckst\u00e4ndigen Deutsch-Bewahrer mit den scheinbar fortschrittlichen \u201eGlobalesisch\u201c-Radebrechern wetteifern.<\/p>\n<p>\u201eSolange man an Deutsch als Muttersprache festh\u00e4lt, kann doch eine Lehrveranstaltung auf Englisch nie so gut sein wie eine in meiner Muttersprache. Denn wer spricht schon zwei Sprachen gleich gut?\u201c, fragt sich Werner Plumpe, Professor f\u00fcr Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Goethe-Universit\u00e4t. \u201eIch bin doch kein Englischlehrer, sondern ein Wissenschaftler, der sich in h\u00f6chster Pr\u00e4zision ausdr\u00fccken m\u00f6chte\u201c, so Plumpe. Er betrachtet die Umstellung auf Englisch im Hochschullehrbetrieb als sch\u00e4dlichen Modetrend und geh\u00f6rt zu den wenigen, die sich damit offen gegen den Zeitgeist stellen: \u201eSie ist ein Angriff auf die Qualit\u00e4t der Wissenschaft.\u201c<\/p>\n<p>Sein Beispiel: \u201eWenn ich einen Vortrag halte \u00fcber den Zusammenhang zwischen kultureller Mentalit\u00e4t und \u00f6konomischen Alltagspraktiken im 17. Jahrhundert, dann m\u00f6chte ich nicht einen Teil meines Gehirns mit Wortsuche und \u00dcbersetzung belegen.\u201c Sonst sinke der wissenschaftliche Gehalt auf ein deutlich niedrigeres Niveau. Davon komme bei den Zuh\u00f6rern durch die Sprachbarriere vielleicht wiederum nur ein Teil an. \u201eAber vielleicht ist ein gewisse Verflachung und Standardisierung des Wissens ja das Ziel.\u201c<\/p>\n<h3>Nur eine Lingua Franca?<\/h3>\n<p>Was sagt ein Sprachprofi zu den verst\u00e4rkten Ambitionen von Medizinern, Chemikern und \u00d6konomen, zweisprachig zu forschen und zu lehren? Die Amerikanistikprofessorin Susanne Opfermann antwortet pragmatisch: \u201eWenn man Internationalit\u00e4t will, muss man auch entsprechende Angebote machen\u201c. Englisch als Lingua Franca sei nicht das Englisch, mit dem ihre Studierenden umgehen m\u00fcssen. \u201eEs ist Englisch auf simplem Niveau. Aber die Sprache bietet sich an, weil sie sich gut lernen l\u00e4sst und damit den Informationsaustausch weltweit m\u00f6glich macht\u201c, erkl\u00e4rt Opfermann. Daf\u00fcr m\u00fcsse man \u201em\u00f6glicherweise manchmal einen gewissen Komplexit\u00e4tsverlust am oberen Ende in Kauf nehmen.\u201c<\/p>\n<p>Der Wandel kam schnell: In Alter Geschichte publizierten Wissenschaftler bis vor hundert Jahren noch in Latein. Altgriechisch ist wichtig f\u00fcr das Quellenstudium. Spanisch, Italienisch, Franz\u00f6sisch und Englisch, um die Ver\u00f6ffentlichungen anderer Forscher lesen zu k\u00f6nnen, berichtet Geschichtsprofessor Frank Bernstein. \u201eIn den Geisteswissenschaften erschlie\u00dfen wir uns die Welt \u00fcber Sprache. Sie ist das elementarste Vehikel der Verst\u00e4ndigung mit ihrer Genauigkeit, rhetorischen Qualit\u00e4t, ihrem Nebensinn, ihrer Raffinesse.\u201c<\/p>\n<p>Daher warnt er davor, Anglisierung mit Internationalisierung zu verwechseln. \u201eDie St\u00e4rke einer Universit\u00e4t ist die Anerkennung von Diversit\u00e4t und Individualit\u00e4t der Fachkulturen.\u201c Momentan sei die englische Sprache in vielen Wissensbereichen der Filter, um international wahrgenommen zu werden. Aber als Historiker glaubt er an wellenf\u00f6rmige Entwicklungen: \u201eLangfristig werden sich nicht-englischsprachig aufgewachsene Menschen nicht so dominieren lassen.\u201c [Autorin: Julia Wittenhagen]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn der Finanzwissenschaftler Alfons Weichenrieder sich anschaut, wie viele Lehrveranstaltungen er und seine Kollegen am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften schon auf Englisch halten, ist der Prodekan f\u00fcr Internationale Angelegenheiten hochzufrieden: \u201eWir haben [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":2304,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_eb_attr":"","_price":"","_stock":"","_tribe_ticket_header":"","_tribe_default_ticket_provider":"","_ticket_start_date":"","_ticket_end_date":"","_tribe_ticket_show_description":"","_tribe_ticket_show_not_going":false,"_tribe_ticket_use_global_stock":"","_tribe_ticket_global_stock_level":"","_global_stock_mode":"","_global_stock_cap":"","_tribe_rsvp_for_event":"","_tribe_ticket_going_count":"","_tribe_ticket_not_going_count":"","_tribe_tickets_list":"[]","_tribe_ticket_has_attendee_info_fields":false,"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[27,10],"post_folder":[],"class_list":["post-2295","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-forschung","tag-internationales","tag-unireport"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.4 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>English - no problem? 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