{"id":24227,"date":"2017-12-22T15:25:49","date_gmt":"2017-12-22T14:25:49","guid":{"rendered":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=24227"},"modified":"2023-02-23T15:19:19","modified_gmt":"2023-02-23T14:19:19","slug":"projekt-zur-nok-kultur-geht-in-die-endrunde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/forschung\/projekt-zur-nok-kultur-geht-in-die-endrunde\/","title":{"rendered":"Projekt zur Nok-Kultur geht in die Endrunde"},"content":{"rendered":"<figure class=\"wp-block-image alignleft is-resized wp-image-24228\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/beitrag_nok-kultur_7.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-24228\" width=\"376\" height=\"260\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/beitrag_nok-kultur_7.jpg 650w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/beitrag_nok-kultur_7-300x208.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 376px) 100vw, 376px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Im Zentrum eine Terrakotta-Deponierung, die von weiteren Deponierungen und von als Gr\u00e4ber interpretierten Steinsetzungen mit ganzen Gef\u00e4\u00dfen umgeben ist (Ifana 3). (Foto: Breunig)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Erforschung der Nok-Kultur an der Goethe-Universit\u00e4t kann weitergehen: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat jetzt den F\u00f6rderantrag des Afrika-Arch\u00e4ologen Prof. Peter Breunig und der Arch\u00e4obotanikerin Prof. Katharina Neumann angenommen. Nun stehen nochmal rund 1,5 Millionen Euro zur Verf\u00fcgung, um das Projekt, das die 2500 Jahre alte Kultur im westafrikanischen Nigeria untersucht, bis 2020 abzuschlie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit 2009 erforscht das auf insgesamt zw\u00f6lf Jahre konzipierte Langfrist-Vorhaben die nigerianische Nok-Kultur in ihren wesentlichen Aspekten. Vor Ort arbeiten die Frankfurter Wissenschaftler mit nigerianischen Kollegen zusammen \u2013 und haben auch zahlreiche einheimische Helfer besch\u00e4ftigt. Zwischenzeitlich war das DFG-Projekt der gr\u00f6\u00dfte Arbeitgeber in der Umgebung. Prospektionen, Ausgrabungen und umfangreiche Datenanalysen liefern bedeutende Beitr\u00e4ge zu Chronologie, Siedlungswesen, Wirtschaftsweise und Umwelt, Eisenmetallurgie, materieller Kultur und Verbreitungsgebiet.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright is-resized wp-image-24229\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/beitrag_nok-kultur_1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-24229\" width=\"445\" height=\"308\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/beitrag_nok-kultur_1.jpg 650w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/beitrag_nok-kultur_1-300x208.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 445px) 100vw, 445px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Im Zentrum eine Terrakotta-Deponierung, die von weiteren Deponierungen und von als Gr\u00e4ber interpretierten Steinsetzungen mit ganzen Gef\u00e4\u00dfen umgeben ist (Ifana 3). (Foto: Breunig)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>\u201eEs ist schon etwas ganz Besonderes, wenn man als Arch\u00e4ologe mit einer so breiten F\u00f6rderung \u00fcber Jahre hinweg mit einem gro\u00dfen Team so umfangreiche Forschungen betreiben kann\u201c, freut sich Peter Breunig \u00fcber die vorweihnachtliche frohe Botschaft, dass das Projekt bis zum Abschluss finanziert wird. Und auch inhaltlich ist das Nok-Projekt herausragend: Es d\u00fcrfte weltweit kaum ein anderes Vorhaben geben, das angetreten ist, um eine komplette arch\u00e4ologische Kultur zu erforschen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft is-resized wp-image-24232\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/beitrag_nok-kultur_8.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-24232\" width=\"403\" height=\"279\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/beitrag_nok-kultur_8.jpg 650w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/beitrag_nok-kultur_8-300x208.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 403px) 100vw, 403px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Nok-Terrakotta kurz nach der Bergung (Ifana 3). (Foto: Breunig)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die etwa 1500 Jahre umfassende Nok-Kultur, die nach dem kleinen Dorf Nok nord\u00f6stlich der Hauptstadt Abuja benannt ist, beginnt um 1500 vor Christus \u2013 auch das eine Erkenntnis aus dem Projekt. Damals lebten die Menschen in einfachen b\u00e4uerlichen Gemeinschaften, deren wichtigste Kulturpflanze die Perlhirse war. Die kunstvollen Terrakottafiguren, f\u00fcr die die Nok-Kultur auch au\u00dferhalb der arch\u00e4ologischen Fachwelt bekannt ist, treten 600 Jahre sp\u00e4ter, n\u00e4mlich um 900 vor Christus, auf. Viele von ihnen waren schon vor Beginn der Frankfurter Arbeiten durch Raubgrabungen ans Licht gekommen, begehrte Objekte auf dem internationalen Kunstmarkt. \u201eDie aus gebranntem Ton hergestellten Plastiken verk\u00f6rpern die \u00e4lteste gro\u00dfformatige Figuralkunst im subsaharischen Afrika\u201c, erkl\u00e4rt der Forscher.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright is-resized wp-image-24233\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/beitrag_nok-kultur_3.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-24233\" width=\"432\" height=\"299\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/beitrag_nok-kultur_3.jpg 650w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/beitrag_nok-kultur_3-300x208.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 432px) 100vw, 432px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Das gesamte Grabungsteam im August 2016. Beteiligte Wissenschaftler der Goethe Universit\u00e4t: Prof. Dr. Peter Breunig, Dr. Alexa H\u00f6hn, Dr. Gabriele Franke, Tanja M\u00e4nnel M.A. (Foto: Breunig)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Wozu dienten diese Terrakotten, die teils Menschen, teils Tiere darstellen? Zu welchem Zweck wurden sie vor 2500 Jahren hergestellt? Das war eine der zentralen Fragen in den vergangenen neun Jahren. Die Forscher vermuteten, dass die Figuren eine Rolle im Bestattungsritus spielten. Und tats\u00e4chlich lie\u00dfen sich im Umkreis der Terrakotten an einigen Fundstellen auch Gr\u00e4ber nachweisen, in Ifana rund 20 St\u00fcck. \u201eHeute noch gibt es in Westafrika den Brauch, von verstorbenen W\u00fcrdentr\u00e4gern ein Abbild in Ton zu fertigen und es auf das Grab zu stellen. Wenn die Figuren verwittern, werden sie gesammelt beigesetzt\u201c, sagt Prof. Breunig. M\u00f6glicherweise war es damals schon genauso.<\/p>\n\n\n\n<p>Dar\u00fcber hinaus konnten die Frankfurter Forscher viele andere wichtige Erkenntnisse gewinnen: \u201eWir wissen, wie die Menschen gesiedelt haben, wie ihre Keramik aussah, dass es Wanderhandwerker waren, die die Terrakotten gefertigt haben\u201c, so Breunig. Und aufgrund der engen Zusammenarbeit mit Arch\u00e4obotanikerin Prof. Katharina Neumann wei\u00df man zudem, was die Menschen gegessen haben und wie sich die Landschaft um sie herum im Lauf der Zeit ver\u00e4ndert hat. Um 400 v. Chr. beginnt der Niedergang der Nok-Kultur, bis sp\u00e4testens zur Zeitenwende verschwinden Terrakotten und Nok-Keramik.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft is-resized wp-image-24234\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/beitrag_nok-kultur_9.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-24234\" width=\"415\" height=\"287\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/beitrag_nok-kultur_9.jpg 650w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/beitrag_nok-kultur_9-300x208.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 415px) 100vw, 415px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Der deutsche Botschafter Bernhard Schlagheck (hier im Gespr\u00e4ch mit Prof. Peter Breunig) und einige Botschaftsmitarbeiter besuchten das Team auf der Grabung in Ifana 3. (Foto: M\u00e4nnel)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Seit Breunig und sein Mitarbeiter im Februar 2017 entf\u00fchrt worden waren, war das Team nur einmal in Afrika, hielt sich allerdings nur in der Hauptstadt auf. \u201eDie Feldforschung ist aber ohnehin abgeschlossen. Wir haben die n\u00e4chsten drei Jahre genug zu tun\u201c, erkl\u00e4rt Breunig. Der Fokus liege jetzt auf den abschlie\u00dfenden Untersuchungen und Publikationen zum Siedlungswesen, der Struktur und Chronologie der Fundstellen und der materiellen Kultur, sowie der Auswertung, Ordnung, langfristigen Sicherung und Zurverf\u00fcgungstellung der Daten. Angesichts der umfangreichen Ausgrabungen, der Menge an gewonnenen Daten, der angewandten modernen Methoden, der zahlreichen C14-Datierungen und der Breite an behandelten Themen z\u00e4hlt die Nok-Kultur dank des Projekts zu den am besten untersuchten arch\u00e4ologischen Komplexen in Westafrika.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Arch\u00e4obotanik unter Leitung von Prof. Neumann spielt dabei eine herausragende Rolle, ihr Ziel ist es, ein Modell f\u00fcr die Vegetationsentwicklung in der Nok-Region vom Beginn der Nok- Kultur um 1500 v. Chr. bis zu den ersten Jahrhunderten n. Chr. in Zusammenhang mit Ressourcen- und Landnutzung zu erarbeiten. Mit Hilfe pflanzlicher Makroreste und mit Analysen chemischer R\u00fcckst\u00e4nde in Keramik wird untersucht, wie sich die fr\u00fche Nok-Bev\u00f6lkerung an einen neuen Lebensraum angepasst hat, wie \u00dcbernutzung in der Middle Nok-Zeit (900 bis 400 vor Christus) zu einer Verschlechterung des Bodens gef\u00fchrt hat und welche Rolle dies beim Ende der Nok-Kultur nach 400 vor Christus gespielt haben k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Erste Untersuchungen zu dem Projekt hatten seit 2005 bereits im Rahmen der DFG-Forschergruppe \u201e\u00d6kologischer Wandel und kulturelle Umbr\u00fcche in West- und Zentralafrika\u201c stattgefunden. Kurz nach der Weltkonferenz der Afrika-Arch\u00e4ologie an der Goethe-Universit\u00e4t, die von Namadi Sambo, dem sp\u00e4teren Vizepr\u00e4sidenten Nigerias, er\u00f6ffnet wurde, ging das Langfrist-Projekt dann in die erste Runde. Einer der H\u00f6hepunkte war sicherlich die vielbeachtete Skulpturenausstellung \u201eNok \u2013 ein Ursprung afrikanischer Skulptur\u201c 2013\/14 im Frankfurter Liebieghaus, die ebenfalls von der DFG finanziert wurde. Die Exponate werden seit diesem Jahr unter dem Titel \u201eNOK Within the Context of Nigerian Art Traditions\u201c im Kaduna National Museum gezeigt. Auch alle Materialien, die zu Forschungszwecken nach Frankfurt kamen, werden an Nigeria zur\u00fcckgegeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Im letzten Projektabschnitt ist nun unter anderem ein Workshop geplant, der die Nok-Keramik in gr\u00f6\u00dferem westafrikanischen Zusammenhang stellen soll. Anhand von Vergleichen mit Keramik aus anderen Gegenden in Westafrika will man weitere Antworten finden auf die Frage, woher die Menschen gekommen sind und wie sie lebten.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Erforschung der Nok-Kultur an der Goethe-Universit\u00e4t kann weitergehen: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat jetzt den F\u00f6rderantrag des Afrika-Arch\u00e4ologen Prof. Peter Breunig und der Arch\u00e4obotanikerin Prof. Katharina Neumann angenommen. 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