{"id":24931,"date":"2018-02-01T13:08:02","date_gmt":"2018-02-01T12:08:02","guid":{"rendered":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=24931"},"modified":"2018-02-01T13:08:02","modified_gmt":"2018-02-01T12:08:02","slug":"koennen-nationale-egoismen-ueberwunden-werden-rueckblick-auf-podiumsdiskussion-zur-zukunft-der-eurozone","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/veranstaltungen\/koennen-nationale-egoismen-ueberwunden-werden-rueckblick-auf-podiumsdiskussion-zur-zukunft-der-eurozone\/","title":{"rendered":"K\u00f6nnen nationale Egoismen \u00fcberwunden werden? \/ R\u00fcckblick auf Podiumsdiskussion zur Zukunft der Eurozone"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_24936\" aria-describedby=\"caption-attachment-24936\" style=\"width: 450px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-24936\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/blog_UR_eurozone.jpg\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"312\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/blog_UR_eurozone.jpg 650w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/blog_UR_eurozone-300x208.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-24936\" class=\"wp-caption-text\">Dr. Daniel R\u00f6der, Prof. Hans-Helmut Kotz, Prof. Ulrike Gu\u00e9rot, Prof. Sandra Eckert, Dr. Johannes Lindner und Prof. Sandra Seubert (v.l.n.r.).<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der Brexit, die Fl\u00fcchtlingskrise und ein Rechtsruck in einigen L\u00e4ndern der EU haben das Thema Europa ganz hoch auf die politische Agenda gesetzt. Ein Podium mit Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Gesellschaft diskutierte nun \u00fcber die Herausforderungen des Projekts Europa in unruhigen Zeiten.<\/p>\n<p>Moderatorin Prof. Sandra Eckert, Politikwissenschaftlerin an der Goethe-Universit\u00e4t und Organisatorin der Veranstaltungsreihe \u201eEuropa in Frankfurt\u201c, fragte einleitend, ob Europa 10 Jahre nach der Finanz- und Staatsschuldenkrise wieder \u201ewetterfest\u201c sei. Prof. Hans- Helmut Kotz, \u00d6konom an der Goethe-Universit\u00e4t, verneinte die Frage; vor allem der Dissens zwischen Franzosen und Deutschen hinsichtlich der Diagnose der EUKrise sei eine gro\u00dfe Belastung.<\/p>\n<p>Wie man beispielsweise mit regionalen Ungleichgewichten umgehen solle, sei strittig. \u201eIch war damals aus politischen Gr\u00fcnden f\u00fcr die Einf\u00fchrung des Euro, aus makro\u00f6konomischer Perspektive hingegen skeptisch\u201c, so Kotz. Dr. Johannes Lindner, Leiter der Abteilung EU-Institutionen und -Foren bei der Europ\u00e4ischen Zentralbank (EZB), hob die symbolische Bedeutung des Euro hervor; nicht zuletzt sei Marine Le Pen bei der Wahl in Frankreich unter anderem f\u00fcr ihre ambivalente Haltung gegen\u00fcber der gemeinsamen W\u00e4hrung abgestraft worden.<\/p>\n<p>Hingegen habe das Vertrauen in die europ\u00e4ischen Institutionen, auch in die EZB, in der Krise durchaus gelitten. Man sei aber mit der Bankenunion bereits auf einem guten Weg. Auch der Wirtschaftsaufschwung mache sich augenblicklich in der ganzen Eurozone bemerkbar, so Lindner. Wichtig sei es jetzt, dass sich die Politik auf einen schrittweisen Prozess der weiteren Vertiefung der Wirtschafts- und W\u00e4hrungsunion einige.<\/p>\n<p>Prof. Sandra Seubert, Politikwissenschaftlerin an der Goethe-Universit\u00e4t, richtete den Blick auf das \u201epolitische Vakuum\u201c. Die EZB zwinge bisweilen den Europ\u00e4ischen Gerichtshof, Entscheidungen zu treffen, die eigentlich die Politik auf den Weg bringen m\u00fcsse. Zwar k\u00e4men beim B\u00fcrger, wie beispielsweise mit den im letzten Jahr entfallenden Roaming- Geb\u00fchren, langsam auch die Vorteile der EU an.<\/p>\n<p>Aber die Idee einer europ\u00e4ischen B\u00fcrgerschaft sei l\u00e4ngst noch nicht verwirklicht. Bei der letzten Bundestagswahl habe Europa kaum eine Rolle gespielt, erst der franz\u00f6sische Pr\u00e4sident Macron habe daf\u00fcr gesorgt, dass auch in Deutschland wieder dar\u00fcber diskutiert werde, so Seubert. Dr. Daniel R\u00f6der, Mitinitiator und Vorsitzender des Vorstands von PULSE OF EUROPE e. V., sieht das Schicksal Europas auf engste mit dem Euro verbunden; seiner Ansicht nach hat nicht zuletzt die deutsche Austerit\u00e4tspolitik in vielen L\u00e4ndern Ressentiments gegen\u00fcber einer europ\u00e4ischen Wirtschaftspolitik erzeugt.<\/p>\n<p>\u201eDie Deutschen sollten lieber ihre \u201aZuchtmeisterhaltung\u2018 ablegen\u201c, so R\u00f6der. Wie k\u00f6nne man nationale Egoismen \u00fcberwinden, wie die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger noch st\u00e4rker f\u00fcr die europ\u00e4ische Idee begeistern, fragte Moderatorin Sandra Eckert die Politikwissenschaftlerin und aktuelle Alfred-Grosser-Gastprofessorin Ulrike Gu\u00e9rot. \u201eDie B\u00fcrger sind gar nicht das Problem\u201c, unterstrich Gu\u00e9rot, vielmehr seien es nationale Politiker, die um ihre Macht f\u00fcrchteten.<\/p>\n<p>Die europ\u00e4ische Idee werde bereits seit den 90er Jahren vor allem unter Kostenaspekten diskutiert und kritisiert; was es aber koste, den europ\u00e4ischen Einigungsprozess wieder zur\u00fcckzufahren, werde dagegen nicht er\u00f6rtert. F\u00fcr Hans-Helmut Kotz ist die Gleichheit der Lebensverh\u00e4ltnisse, wie sie im deutschen Grundgesetz in Artikel 72 verankert ist, auf europ\u00e4ischer Ebene eine Illusion.<\/p>\n<p>Die Vereinigten Staaten von Amerika seien ein Beispiel daf\u00fcr, wie unterschiedlich sich in einem gro\u00dfen Staatengebilde die Lebensverh\u00e4ltnisse entwickeln k\u00f6nnten. Der L\u00e4nderfinanzausgleich, der in Deutschland funktioniere, sei in dieser Form, dies belegten Untersuchungen, nicht auf die Europ\u00e4ische Union anwendbar. Sandra Seubert sieht einen Grund f\u00fcr eine mangelnde politische Konvergenz auch in der fehlenden europaweiten \u00d6ffentlichkeit; die thematische Behandlung Europas sei insgesamt immer noch sehr national gepr\u00e4gt.<\/p>\n<p>In Deutschland habe man aber immerhin seit der Wahl Macrons ein gr\u00f6\u00dferes Verst\u00e4ndnis f\u00fcr franz\u00f6sische Interessen und Befindlichkeiten. Ulrike Gu\u00e9rot hielt dagegen, dass es auch in Deutschland keine bundesweite \u00d6ffentlichkeit gebe; der Rheinl\u00e4nder interessiere sich im Prinzip auch nicht f\u00fcr Belange der Bayern. Entscheidend sei aber, dass Deutschland eine Rechtsgemeinschaft darstelle, mit einer normativen Gleichheit der B\u00fcrger.<\/p>\n<p>In L\u00e4ndern wie Ungarn und Polen sei man entt\u00e4uscht dar\u00fcber, dass die Einf\u00fchrung des Euro dort von Br\u00fcssel so lange aufgeschoben werde, und appellierte daher an den politischen Gestaltungswillen: Der Vertrag von Maastricht sei 1992 unterzeichnet worden, zehn Jahre sp\u00e4ter bereits die gemeinsame W\u00e4hrung eingef\u00fchrt worden. \u201eDie \u00d6konomie darf beim Projekt Europa nicht ausschlaggebend sein\u201c, forderte Gu\u00e9rot abschlie\u00dfend.<\/p>\n<p>[dt_call_to_action content_size=&#8220;small&#8220; background=&#8220;fancy&#8220; line=&#8220;true&#8220; style=&#8220;1&#8243; animation=&#8220;fadeIn&#8220;]<\/p>\n<p><strong>Die Podiumsdiskussion<\/strong> fand statt im Rahmen der Lehrveranstaltungsserie \u201e<strong>Europa in Frankfurt<\/strong>\u201c, die als innovatives Lehrkonzept mit Praxisbezug und Kontakt zur Stadtgesellschaft durch die Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main gef\u00f6rdert wird. Zudem ist die Diskussion Teil der Reihe \u201eEuropaDialoge\/ Dialogues d\u2019Europe\u201c, gemeinsam veranstaltet vom Forschungskolleg Humanwissenschaften und dem Deutsch-Franz\u00f6sischen Institut der Geschichts- und Sozialwissenschaften der Goethe-Universit\u00e4t (IFRA).<\/p>\n<p>[\/dt_call_to_action]<\/p>\n<p><strong><em>Dieser Artikel ist in der Ausgabe 1.18 (<\/em><\/strong><a href=\"http:\/\/www.uni-frankfurt.de\/70273796\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong><em>PDF-Download<\/em><\/strong><\/a><strong><em>)<\/em><\/strong><strong><em> des UniReport erschienen.<\/em><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Brexit, die Fl\u00fcchtlingskrise und ein Rechtsruck in einigen L\u00e4ndern der EU haben das Thema Europa ganz hoch auf die politische Agenda gesetzt. 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