{"id":2601,"date":"2014-12-05T11:00:54","date_gmt":"2014-12-05T10:00:54","guid":{"rendered":"http:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=2601"},"modified":"2016-01-18T11:17:42","modified_gmt":"2016-01-18T10:17:42","slug":"technische-und-menschliche-assistenten-im-alter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/forschung\/technische-und-menschliche-assistenten-im-alter\/","title":{"rendered":"Technische und menschliche Assistenten im Alter"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_2602\" aria-describedby=\"caption-attachment-2602\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2602 size-medium\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/blog_unireport_assistenten-300x200.jpg\" alt=\"Die Roboter-Robbe Paro; Foto: Klaus Ditte\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/blog_unireport_assistenten-300x200.jpg 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/blog_unireport_assistenten.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2602\" class=\"wp-caption-text\">Die Roboter-Robbe Paro; Foto: Klaus Ditte<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der demographische Wandel, das Altern der Gesellschaft, aber auch ein gestiegenes Bewusstsein daf\u00fcr, dass auch im Alter Partizipation und Teilhabe an Gesellschaft sichergestellt werden muss, bilden den Hintergrund des gerade er\u00f6ffneten Frankfurter Forums f\u00fcr interdisziplin\u00e4re Alternsforschung (FFIA). Zwei laufende Projekte, einmal aus dem Bereich \u201eIndividuelle und r\u00e4umliche Fragen des Alterns\u201c und \u201eRechtliche und ethische Fragen des Alterns\u201c sollen im Folgenden exemplarisch vorgestellt werden.<\/p>\n<h3>Hilfe durch emotionale Roboter<\/h3>\n<p>Die zunehmende Alterung der Gesellschaft ist bereits heute nicht zu \u00fcbersehen. Auch die Zahl an Hochaltrigen (\u00e4lter als 85 \u2013 90 Jahre) nimmt stark zu. Der Unterst\u00fctzungsbedarf gerade bei der letztgenannten Altersgruppe ist immens, Pflege- und Betreuungspersonal auf lange Sicht \u2013 der Beruf Altenpfleger ist nicht sehr attraktiv \u2013 kaum in ausreichender Zahl vorhanden.<\/p>\n<p>Ob und in welcher Form technische L\u00f6sungen helfen k\u00f6nnen, untersucht Prof. Monika Knopf, Entwicklungspsychologin an der Goethe-Universit\u00e4t, in einem vom BMBF-gef\u00f6rderten Projekt \u201eERimAlter\u201c. An dem interdisziplin\u00e4ren Projekt sind neben Psychologen auch Erziehungswissenschaftler, Mediziner und Vertreter aus den Bereichen Pflege und Technik aus der Frankfurt University of Applied Sciences beteiligt.<\/p>\n<p>Digitale Technologie, so die \u00dcberlegung, kann auch im emotional-menschlichen Bereich unterst\u00fctzen. PARO hei\u00dft eine Roboter-Robbe, die zuk\u00fcnftig in Altenheimen erprobt werden soll. Deren Preis von ca. 5.000 Euro liegt recht hoch, sodass sich kaum Einzelpersonen ein solches Ger\u00e4t anschaffen werden. \u201eDas Ger\u00e4t hat eine Kuscheltieroptik mit Kunstfell und reagiert auf Ber\u00fchrung, auditive und visuelle Reize\u201c, erl\u00e4utert Monika Knopf.<\/p>\n<p>Es reagiert nicht nur, sondern ist begrenzt lernf\u00e4hig und kommuniziert auch aktiv mit der Person und kann somit m\u00f6glicherweise bei Einsamkeit, Langeweile oder auch Schmerzen f\u00fcr Trost, Ablenkung und Linderung sorgen. Die Idee, Robotik in der Altenpflege einzusetzen, stammt aus Japan, wo ein \u00e4hnlicher demographischer Wandel zu beobachten ist. Allerdings, konzediert Monika Knopf, ist dort aufgrund anderer kultureller Pr\u00e4gungen der Umgang mit k\u00fcnstlichen Dialogpartnern nichts Au\u00dfergew\u00f6hnliches; nicht von ungef\u00e4hr stammt das digitale Kinderspielzeug Tamagotchi aus Japan.<\/p>\n<p>Ob die Akzeptanz f\u00fcr emotionale Roboter in Deutschland \u00e4hnlich hoch sein kann, muss erst noch getestet werden. Die ersten Ergebnisse signalisieren, so Knopf, eine moderate Zustimmung, die sich im Verlauf eines gestuften, immer konkreter werdenden Interviews noch verbesserte. Die Gruppe der \u201efitten \u00e4lteren Menschen\u201c (70 \u2013 80 Jahre) gab allerdings an, sich ein solches Ger\u00e4t aktuell nicht anschaffen zu wollen; eine Nutzung in einem m\u00f6glichen Krankheitsfall wurde jedoch nicht ausgeschlossen.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich sch\u00e4tzt diese Personengruppe die Bedeutung eines zweiten technischen Artefakts ein, dessen Akzeptanz durch das Projekt ebenso getestet werden soll. \u201eEine Art Skype auf R\u00e4dern, ein bewegliches Ger\u00e4t mit Bildschirm, das die Echtzeit-Kommunikation mit Familie und Freunden erm\u00f6glicht; ebenso k\u00f6nnen sich aber auch \u00c4rzte und Pfleger auf digitalem Weg einen Eindruck vom Zustand des Patienten verschaffen\u201c, erl\u00e4utert Monika Knopf.<\/p>\n<h3>Der Entscheidungs-Assistent<\/h3>\n<p>Auf einem ganz anderen Feld ist das von der VW Stiftung gef\u00f6rderte Projekt EmMa unterwegs: Das von der Psychologin Dr. Julia Haberstroh geleitete Projekt kn\u00fcpft an die UN-Behindertenrechtskonvention an, nach der Staaten daf\u00fcr Sorge tragen m\u00fcssen, dass Menschen mit Behinderung ihr Recht auf Selbstbestimmung maximal wahrnehmen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Auch Demenz gilt rechtlich als Behinderung. \u201eObwohl auch Deutschland die Konvention unterschrieben hat, gibt es bislang keine geeigneten Ma\u00dfnahmen, um die Anforderungen der Konvention zu erf\u00fcllen\u201c, betont Julia Haberstroh. EmMa m\u00f6chte hier Abhilfe schaffen und Ma\u00dfnahmen zur assistierten Entscheidung f\u00fcr Menschen mit Demenz zur Verf\u00fcgung stellen.<\/p>\n<p>Bislang ist g\u00e4ngige Praxis, dass Patienten, denen die Einwilligungsf\u00e4higkeit abgesprochen wurde, ein Betreuer oder Bevollm\u00e4chtigter zur Seite gestellt wird, der die Entscheidung stellvertretend \u00fcbernimmt. Davon will (und muss) man nun wegkommen: weg von der Stellvertretung hin zu einer Assistenz. \u201eStatt dem Patienten die generelle Handlungsf\u00e4higkeit abzusprechen, muss jede Entscheidung f\u00fcr oder gegen eine medizinische Behandlung speziell und neu gepr\u00fcft und unterst\u00fctzt werden\u201c, erl\u00e4utert die Expertin auf dem Gebiet der Kommunikation mit Demenzkranken.<\/p>\n<p>Jeweils angepasst werden m\u00fcssen Formen der Vermittlung von Informationen, da bei Patienten mit Demenzerkrankungen die verbale Kommunikation oftmals gest\u00f6rt ist. \u201eUnsere bisherige Forschung weist darauf hin, dass u. a. die Zuhilfenahme von Ged\u00e4chtnisst\u00fctzen, Visualisierungen und besonderen Sprachstilen hilfreich sein kann.\u201c Es bedarf einer verbalen und non-verbalen Vereinfachung, ohne allerdings in den ber\u00fcchtigten \u201ababy-talk\u2018 zu verfallen:<\/p>\n<p>\u201eDer ist nicht geeignet, weil er von den Patienten zurecht als kr\u00e4nkend, frustrierend und demotivierend wahrgenommen werden kann\u201c, erkl\u00e4rt Haberstroh. Um die von der UN-Behindertenrechtskonvention geforderte Assistenz f\u00fcr Menschen mit Demenz leisten zu k\u00f6nnen, bedarf es Kenntnisse \u00fcber die individuellen Bed\u00fcrfnisse der Person. Hierf\u00fcr bleibt den \u00c4rzten im stressigen Alltag oft nicht die n\u00f6tige Zeit.<\/p>\n<p>Die Assistenz ist daher in der Praxis oft Aufgabe der Angeh\u00f6rigen, Bevollm\u00e4chtigten und Betreuer, denen ebenfalls oft die Zeit fehlt. Um beispielsweise von der Betreuung leben zu k\u00f6nnen, werden manchmal unm\u00f6gliche Klientenzahlen aufgenommen \u2013 von bis zu 80 Klienten pro Berufsbetreuer h\u00f6rt man in drastischen F\u00e4llen. Angeh\u00f6rige von Demenzkranken k\u00f6nnen oft mit mehr Zeit und Wissen \u00fcber die Vorlieben und W\u00fcnsche des Betroffenen assistieren.<\/p>\n<p>Besonders schwierig gestaltet sich jedoch die Betreuung der zunehmenden Zahl an alleinlebenden Menschen mit Demenz. Das Projekt EmMa hat den Anspruch, dass die entwickelten assistierenden Ma\u00dfnahmen ohne viel Zeitaufwand sowohl von \u00c4rzten als auch von Betreuern, Bevollm\u00e4chtigten und Angeh\u00f6rigen praxistauglich umgesetzt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>[dt_call_to_action content_size=&#8220;small&#8220; background=&#8220;plain&#8220; line=&#8220;true&#8220; style=&#8220;1&#8243; animation=&#8220;fadeIn&#8220;]<\/p>\n<h3>FFIA \u2013 Frankfurter Forum f\u00fcr interdisziplin\u00e4re Alternsforschung<\/h3>\n<p>Wie l\u00e4sst sich das Leben im Alternsverlauf gestalten und meistern, was m\u00fcssen Individuen und Gesellschaft lernen und leisten, um erfolgreich, zufrieden und w\u00fcrdevoll zu altern? Diesen Fragen widmet sich das im Oktober 2014 an der Frankfurter Goethe-Universit\u00e4t er\u00f6ffnete Forum. Ziel ist die Erforschung von Bedingungen guten Alterns, von Alternsprozessen und von Alternsfolgen aus lebens-, kultur- und sozialwissenschaftlichen Perspektiven zur F\u00f6rderung der Lebensqualit\u00e4t im hohen Alter.<\/p>\n<p>Das Forum m\u00f6chte Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen zusammenbringen, die zum Thema Altern aus verschiedenen Disziplinen forschen, neue interdisziplin\u00e4re Projekte bean tragen und durchf\u00fchren und den wissenschaftlichen Nachwuchs f\u00f6rdern. Beteiligt sind zun\u00e4chst die universit\u00e4ren Fachbereiche Rechtswissenschaften, Gesellschaftswissenschaften, Erziehungswissenschaften, Medizin, Psychologie und Sportwissenschaften.<\/p>\n<p>Die Finanzierung des FFIA wird zun\u00e4chst \u00fcber eine Laufzeit von 5 Jahren durch eine F\u00f6rderung der BHF-Bank-Stiftung (Frankfurt a. M.) erm\u00f6glicht. Zur Realisierung von Einzelprojekten wird eine F\u00f6rderung bei variablen \u00f6ffentlichen und privaten Drittmittelgebern eingeworben.<\/p>\n<p><strong>Kontakt<br \/>\n<\/strong> Prof. Dr. Frank Oswald, Fachbereich Erziehungswissenschaften und Sprecher der Initiativgruppe; Tanja M\u00fcller, Koordinatorin. Tel. (069) 798-36398; <a href=\"mailto:oswald@em.uni-frankfurt.de\">oswald@em.uni-frankfurt.de<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.uni-frankfurt.de\/ffia\">www.uni-frankfurt.de\/ffia<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>[\/dt_call_to_action]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der demographische Wandel, das Altern der Gesellschaft, aber auch ein gestiegenes Bewusstsein daf\u00fcr, dass auch im Alter Partizipation und Teilhabe an Gesellschaft sichergestellt werden muss, bilden den Hintergrund des gerade 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