{"id":26276,"date":"2018-03-05T15:34:51","date_gmt":"2018-03-05T14:34:51","guid":{"rendered":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=26276"},"modified":"2018-03-06T08:27:17","modified_gmt":"2018-03-06T07:27:17","slug":"deutsche-klimatagung-an-der-goethe-universitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/forschung\/deutsche-klimatagung-an-der-goethe-universitaet\/","title":{"rendered":"Deutsche Klimatagung an der Goethe-Universit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_26277\" aria-describedby=\"caption-attachment-26277\" style=\"width: 750px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-26277 size-full\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/blog_klimatagung.jpg\" alt=\"\" width=\"750\" height=\"450\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/blog_klimatagung.jpg 750w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/blog_klimatagung-300x180.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 750px) 100vw, 750px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-26277\" class=\"wp-caption-text\">Foto: DKRS\/CMEMS<\/figcaption><\/figure>\n<p><em><strong>Mehr als 150 f\u00fchrende Forscher treffen sich vom 5. bis 8. M\u00e4rz auf dem Campus Westend zu einer der wichtigsten Klimaforschungs-Konferenzen im deutschsprachigen Raum. Themen sind aktuelle Fragen zur globalen Erw\u00e4rmung und die neuesten Ergebnisse der Fernerkundung.<\/strong><\/em><!--more--><\/p>\n<p>Unter Fernerkundung fallen Messdaten, die per Satelliten, von Flugzeugen oder vom Boden z.B. mit Radar und Laser gewonnen werden. Sie bieten der Wissenschaft eine nie dagewesene F\u00fclle von Informationen \u00fcber den Zustand unseres Planeten, die es erlaubt, Zusammenh\u00e4nge in unserer Atmosph\u00e4re sowie das globale Klimasystem zu verstehen und zuk\u00fcnftige Entwicklungen genauer absch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen. Auch die Planung von geeigneten Ma\u00dfnahmen zum Erhalt des Erdsystems wird dadurch erleichtert.<\/p>\n<h3>Klimarelevante Emissionen sind nun weltweit sichtbar<\/h3>\n<p>\u201eNur mit Hilfe der Fernerkundung k\u00f6nnen die wesentlichen L\u00fccken der klassischen Beobachtungsmethoden geschlossen werden.\u201c, so Gudrun Rosenhagen, Zweite Vorsitzende der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft (DMG). Ihrer Einsch\u00e4tzung nach waren die Erkenntnisse aus der Fernerkundung noch nie so gro\u00df wie heute: \u201eMit den gewonnen Daten ergibt sich eine fast l\u00fcckenlose Beobachtung unseres Planeten. Wesentliche Verursacher von Emissionen sind aus dem Weltall erkennbar. Hierzu z\u00e4hlen die nat\u00fcrlichen Methanquellen ebenso, wie die Emissionen von Fabriken und Schiffen. Die Fernerkundung ist das zentrale Instrument der Beobachtung unseres Klimasystems in fast allen Bereichen geworden.&#8220;<\/p>\n<h3>Blitz- und Hagelschlag in Hessen<\/h3>\n<p>Prof. Dr. Bodo Ahrens vom Institut f\u00fcr Atmosph\u00e4re und Umwelt der Goethe-Universit\u00e4t erforscht die H\u00e4ufigkeit und Intensit\u00e4t von kleinr\u00e4umigen Wetterextremen wie Starkniederschl\u00e4gen, Hagel- und Blitzschlag. Heute stehen Fernerkundungsdatens\u00e4tze f\u00fcr hochaufgel\u00f6ste Klima\u00e4nderungsmodellsimulationen zur Verf\u00fcgung. Zwar gibt es noch keine endg\u00fcltigen Resultate, aber in der Tendenz werden Blitz- und Hagelschlag k\u00fcnftig in Hessen weniger h\u00e4ufig auftreten, wie Ahrens auf der Pressekonferenz zum Auftakt der Klimatagung berichtete.<\/p>\n<p>Klimatologisch relevante Fernerkundungsdatens\u00e4tze sind auch eine neue Chance aber auch eine neue Herausforderung in der universit\u00e4ren Lehre: einerseits erm\u00f6glichen die neuen Datens\u00e4tze anschauliche bewegte Bilder der Atmosph\u00e4re, wie sonst nur mit Modellsimulationen m\u00f6glich sind, andererseits ist das Lehrspektrum und der technische Aufwand in der Lehre deutlich gestiegen. Ahrens forderte deshalb, die Forschungsf\u00f6rderung im Bereich der Fernerkundung f\u00fcr die Klimatologie zu intensivieren.<\/p>\n<h3>Die Waldgrenze wandert nach Norden<\/h3>\n<p>Zu den bisher wenig beachteten Daten, die mit Satellitenbeobachtungen gewonnen werden, z\u00e4hlen auch Daten der belebten Umwelt mit ihren verschiedenen Lebensr\u00e4umen, der Biosph\u00e4re. Dieser Lebensraum stellt eine Schl\u00fcsselkomponente des Klimasystems dar. In den vergangenen 50 Jahren hat die starke Beschleunigung aller m\u00f6glichen klimatischen Entwicklungen (von der Zunahme der Treibhausgase bis zum Abschmelzen von Gletschern und Polkappen) dazu gef\u00fchrt, dass die Aussterberate von Tieren, Pflanzen und Insekten um den Faktor 100 bis 1000 zugenommen hat. Das f\u00fchrt auch zu einem Verlust der \u00d6kosystem-Dienstleistungen \u2013 beispielsweise der Best\u00e4ubung von Bl\u00fcten durch Insekten.<\/p>\n<p>Durch die Erkundung mit Satelliten lassen sich hier in bisher nicht da gewesener Vollst\u00e4ndigkeit Aussagen \u00fcber die Entwicklung ableiten. \u201eDie Beobachtung der Biosph\u00e4re durch Fernerkundung ist heute entscheidend f\u00fcr die Analyse des laufenden Verlustes von W\u00e4ldern und biologischer Vielfalt. So sehen wir erstmalig l\u00fcckenlos, wie die Pflanzenwelt im globalen Ma\u00dfstab auf die globale Erw\u00e4rmung reagiert. Wir sch\u00e4tzen die Entwicklung heute anders ein, als noch vor 20 oder 30 Jahren\u201c, so Prof. Dr. Dr. hc. Volker Mosbrugger. Generaldirektor, Senckenberg Gesellschaft f\u00fcr Naturforschung.<\/p>\n<p>Als Beispiele nennt Mosbrugger das \u201eSahara Greening\u201c oder ein Vordringen der arktischen und alpinen Baumgrenze. Wichtig sei die Fernerkundung aber auch f\u00fcr das Geo-Engineering, was bedeutet, die Folgen von einschneidenden Ver\u00e4nderungen wie den Bau des Nicaragua-Kanals f\u00fcr das Erdsystem absch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eWenn man die Erde als Patienten sieht, dann ist die Fernerkundung ein sehr genaues System f\u00fcr die Diagnose, das uns erlaubt, auch die Konsequenzen von Eingriffen vorher absch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen\u201c, so Mosbrugger.<\/p><\/blockquote>\n<h3>Pinguine, Gletscher und der Meeresspiegel<\/h3>\n<p>In der Antarktis konnten Auswertungen von Satellitendaten die Auswirkungen des Klimawandels auf das marine \u00d6kosystem des S\u00fcdozeans zeigen. Hierzu wurden u.a. mit Hilfe der Erdbeobachtungssatelliten Sentinel-2 Pinguinpopulationen ausgez\u00e4hlt und verfolgt, die als Indikator f\u00fcr m\u00f6gliche klimabedingte Ver\u00e4nderungen verwendet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Gletscher reagieren auf die globale Erw\u00e4rmung. Satellitendaten zeigen, dass sich \u00fcber 80 Prozent der weltweiten Gletscher zur\u00fcckziehen. \u201eSie sind aber nicht nur ein wesentlicher Faktor im Klimasystem, sie fungieren auch als Trinkwasserreservoire f\u00fcr gro\u00dfe Teile der Menschheit. Ihr R\u00fcckzug w\u00e4hrend des vergangenen Jahrhunderts ist nicht nur ein Zeichen f\u00fcr den stattfindenden Klimawandel und beeinflusst den globalen Meeresspiegelanstieg, sondern wirkt sich auch entscheidend auf regionale Wasserkreisl\u00e4ufe aus\u201c, so Rosenhagen. Mit Satellitendaten k\u00f6nnen vorhandene L\u00fccken im umfangreichen internationalen historischen Datenbestand geschlossen werden, der im Rahmen des Forschungsprojektes \u201eGlobal Terrestrial Network for Glaciers\u201c (GTN-G) aufgearbeitet wird.<\/p>\n<p>Bis in die 1990iger Jahre waren Pegeldaten die weltweit die einzige Grundlage f\u00fcr die Bestimmung des Meeresspiegels. Heute kann man mit Satellitendaten fl\u00e4chendeckend die \u00c4nderungen des Meeresspiegels absch\u00e4tzen. Im Pazifik steigt er teilweise \u00fcber 1,2 Zentimetern pro Jahr an, was von h\u00f6chster Relevanz f\u00fcr die Absch\u00e4tzung der zuk\u00fcnftigen Existenz zahlreicher Inseln in dieser Region ist. Doch gibt es auch Meeresbereiche mit nur sehr geringem Anstieg oder sogar leicht abnehmender Tendenz.<\/p>\n<h3>Klima-Monitoring mit h\u00f6chster Pr\u00e4zision<\/h3>\n<p>Dr. Paul Becker, Vizepr\u00e4sident Deutscher Wetterdienst: \u201eSowohl Radardaten als auch Satellitenbeobachtungen erg\u00e4nzen die Messungen vor Ort und stellen so eine wesentliche Grundlage f\u00fcr die Verbesserung der Wettervorhersage dar. In Regionen mit nur einer geringen Dichte an Wetterstationen sind Fernerkundungsdaten mit Abstand die wichtigste Informationsquelle.\u201c Niederschlag, ob Regen oder Schnee, ist eine der wichtigsten Komponenten in unserem Klimasystem. Da er r\u00e4umlich und zeitlich sehr stark schwankt, ist er mit Messstationen nur punktuell, aber nicht fl\u00e4chendeckend messbar. Becker: \u201eDer Deutsche Wetterdienst liefert seit 2001 deutschlandweite Analysen des Niederschlags mit einer raum-zeitlichen Aufl\u00f6sung von einem Quadratkilometer und einer Stunde. Diese Messungen wurden an die direkten Messungen automatischer Regenmesser der Wetterstationen angeeicht, sodass wir heute einen besseren \u00dcberblick \u00fcber die r\u00e4umliche Verteilung und Intensit\u00e4t des Niederschlags haben, als jemals zuvor.\u201c<\/p>\n<h3>\u00a040 Jahre europ\u00e4ische Satellitenbeobachtungen<\/h3>\n<p>EUMETSAT ist von seinen 30 Mitgliedstaaten beauftragt, einen Beitrag zur operationellen Klima\u00fcberwachung inklusive der Analyse globaler Klimaver\u00e4nderungen zu leisten.<\/p>\n<p>\u201eDank Daten aus 40 Jahren der Beobachtung durch europ\u00e4ische Satelliten, kann EUMETSAT einen einzigartigen Beitrag zur Klimaforschung und wissenschaftlich basierten \u00dcberwachung des Klimawandels erbringen\u201c, so Alain Ratier, Generaldirektor EUMETSAT. \u201eEUMETSAT erreicht bereits heute einen Anteil von 26 Prozent an den weltweit aus Satellitenbeobachtungen bestehenden Klimadatens\u00e4tzen, die von Weltraumbeh\u00f6rden erstellt wurden oder in der nahen Zukunft zur Verf\u00fcgung stehen werden. Um der Wissenschaft validierte Klimadatens\u00e4tze zur Verf\u00fcgung zu stellen, werden historische Daten durch Rekalibration verbessert und durch kontrolliertes Prozessieren aufbereitet. Diese Datens\u00e4tze werden dann f\u00fcr Analysen der Klimavariabilit\u00e4t und des Klimawandels eingesetzt. Das Satellitendatenauswertungszentrum f\u00fcr Klima\u00fcberwachung, das vom DWD angef\u00fchrt wird, leistet einen gro\u00dfen und sehr wichtigen Beitrag auf diesem Gebiet\u201c.<\/p>\n<p>Bis zum 8. M\u00e4rz 2018 dauert die <a href=\"http:\/\/www.dkt-11.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">11. Deutsche Klimatagung <\/a>an, die von der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft (DMG) dieses Jahr mit der Goethe Universit\u00e4t Frankfurt als lokalem Veranstalter veranstaltet wird.<br \/>\n[dt_call_to_action content_size=&#8220;small&#8220; background=&#8220;fancy&#8220; line=&#8220;true&#8220; animation=&#8220;fadeIn&#8220;]<br \/>\nDie Deutsche Klimatagung (DKT) wurde 1989 als Deutsch-Deutsche Klimatagung von Prof. Hans von Storch (damals am Max-Planck-Institut f\u00fcr Meteorologie in Hamburg) und prof. Hans Graf (damals an der Humboldt-Universit\u00e4t in Berlin) ins Leben gerufen, um den Austausch zwischen Klimaforschern aus Ost und West zu f\u00f6rdern. Im Laufe der Jahre setzte die DKT immer wieder neue Akzente in der Klimaforschung und ist zur erfolgreichen Institution geworden. Die DKT ist seit 2013 eine Veranstaltung der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft und wird alle drei Jahre zusammen mit einem lokalen Gastgeber durchgef\u00fchrt.<br \/>\n[\/dt_call_to_action]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mehr als 150 f\u00fchrende Forscher treffen sich vom 5. bis 8. M\u00e4rz auf dem Campus Westend zu einer der wichtigsten Klimaforschungs-Konferenzen im deutschsprachigen Raum. 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