{"id":2804,"date":"2015-06-10T15:11:35","date_gmt":"2015-06-10T13:11:35","guid":{"rendered":"http:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=2804"},"modified":"2016-01-26T17:19:49","modified_gmt":"2016-01-26T16:19:49","slug":"wege-aus-der-harmoniefalle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/menschen\/wege-aus-der-harmoniefalle\/","title":{"rendered":"Wege aus der Harmoniefalle"},"content":{"rendered":"<p><em>Entgrenzung und Ersch\u00f6pfung liegen im Berufsalltag oft nahe beieinander. Wer nicht lernt, seine eigenen Grenzen zu erkennen und diese angemessen zu kommunizieren, ist hier besonders gef\u00e4hrdet. Wie das Nein-Sagen gelingen kann, ohne sich ins berufliche Abseits zu katapultieren, war Thema am 12. M\u00e4rz, als Gleichstellungsb\u00fcro und der Arbeitskreis \u201eSonstige\u201c \u2013 eine Interessensvertretung der administrativ-technischen Mitarbeiterinnen \u2013 zu ihrer Veranstaltung anl\u00e4sslich des Internationalen Frauentags einluden. Fast 50 Frauen aus Zentralverwaltung und Fachbereichen kamen an diesem Nachmittag im PA-Geb\u00e4ude auf dem Campus Westend zusammen, informierten sich \u00fcber das Thema und diskutierten engagiert miteinander. Den Impulsvortrag hielt Psychologin und Business Coach Cornelia van den Hout. GoetheSpektrum sprach mit ihr \u00fcber Grenzziehung, Harmoniesucht und Selbstmanagement.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>GoetheSpektrum:<\/strong> <strong>Frau van den Hout, stimmt es, dass vor allem Frauen ein Problem mit dem Nein-Sagen haben?<\/strong><\/em><\/p>\n<figure id=\"attachment_3006\" aria-describedby=\"caption-attachment-3006\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-3006 size-medium\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/blog_menschen-harmonie-300x225.jpg\" alt=\"Psychologin und Business Coach Cornelia van den Hout aus Oberursel; Foto: privat\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/blog_menschen-harmonie-300x225.jpg 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/blog_menschen-harmonie.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3006\" class=\"wp-caption-text\"><\/strong> <strong><strong><em>Psychologin und Business Coach Cornelia van den Hout aus Oberursel; Foto: privat<\/em><\/strong><\/strong><\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Cornelia van den Hout:<\/strong> Eindeutig ja, denn auch heute noch werden die M\u00e4dchen eher dazu erzogen, Verbindungen zu kn\u00fcpfen, sozial zu sein und f\u00fcr andere zu sorgen, w\u00e4hrend den Jungs beigebracht wird, dass sie sich durchsetzen sollen und sich die H\u00f6rner absto\u00dfen d\u00fcrfen\u2013 da hat sich leider nicht viel ver\u00e4ndert. Hinzu kommt, dass auch heute noch M\u00fctter dazu angehalten werden, zumindest teilweise zuhause zu bleiben. So geraten sie unter anderem in finanzielle Abh\u00e4ngigkeit, sodass sie sich nicht mehr trauen, Grenzen zu setzen \u2013 im Job wie zuhause.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><em>Was passiert Besch\u00e4ftigten, die nicht lernen, im Beruf Grenzen zu setzen?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Zu der Menge der zu bew\u00e4ltigenden Arbeit kommt heute das Ph\u00e4nomen der st\u00e4ndigen Erreichbarkeit hinzu. Das f\u00fchrt bei vielen Menschen dazu, dass sie keine Ruhephasen mehr haben. Erste Symptome daf\u00fcr, dass ein Burnout drohen k\u00f6nnte, sind dann Reizbarkeit, Schlafst\u00f6rungen, Unausgeglichenheit, R\u00fcckzug. Geht man dar\u00fcber einfach hinweg, kann es zu psychischen Problemen, aus denen dann auch k\u00f6rperliche Krankheit und Zusammenbruch folgen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong><em>Gleichzeitig m\u00f6chte sich kaum jemand vorwerfen lassen, lediglich Dienst nach Vorschrift zu leisten. Wo verl\u00e4uft die Grenze zwischen dem berechtigten Setzen von Grenzen und m\u00f6glicher Arbeitsverweigerung?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Es geht nicht darum, seine Arbeit nicht machen zu wollen, sondern darum, darauf hinzuweisen, wenn es zu viel wird. Ich glaube dabei stark an die Form. Wenn zum Beispiel eine Chefin ihre Mitarbeiterin bittet: \u201eMachen Sie das jetzt noch schnell\u201c und diese wei\u00df, dass es zu viel wird, kann sie freundlich sagen: \u201eWenn ich das jetzt noch mache, was darf ich daf\u00fcr hintenan stellen?\u201c Dann ist die Vorgesetzte gefordert zu priorisieren. Reagiert die Mitarbeiterin dagegen nur mit einem: \u201eWie soll ich das denn jetzt noch schaffen?\u201c, kommt das nat\u00fcrlich nicht so gut an. Man braucht schon etwas Fingerspitzengef\u00fchl und sollte darauf achten, wie das, was ich sage, bei meinem Gegen\u00fcber ankommen k\u00f6nnte. Es gibt einfach unterschiedliche Wahrnehmungen \u2013 der andere h\u00f6rt nicht unbedingt das, was ich sagen m\u00f6chte.<\/p>\n<p><strong><em>Wenn ich doch ungewollt Ja zu einem zus\u00e4tzlichen Arbeitsauftrag gesagt habe \u2013 gibt es ein Zur\u00fcck ohne \u201eGesichtsverlust\u201c?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Definitiv. Erstens glaube ich an eine Fehlerkultur: Es ist gut, Fehler zu machen \u2013 sie sind ein guter Weg, um zu lernen. Und dann: Wenn ich spontan zugestimmt habe und hinterher merke, dass dies nicht passt, kann ich dies genauso artikulieren und sagen: \u201eMir ist nach nochmaligen Nachdenken bewusst geworden, dass dies schwer f\u00fcr mich m\u00f6glich ist \u2013 wie w\u00e4re es mit folgender Alternative?\u201c Dabei ist es wichtig, bei sich zu bleiben und klar und eindeutig zu formulieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><em>Wie lernt man, seine eigenen Grenzen besser zu erkennen?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr die heutige junge Generation wird dies wahrscheinlich noch schwerer werden, weil die \u00dcberforderung durch die Medien hinzukommt. Denn unsere Grenzen zu erkennen lernen wir am besten durch Innehalten. Es hilft oft schon, f\u00fcr kurze Zeit die Augen zu schlie\u00dfen und Ruhe zuzulassen. Auch das Bauchgef\u00fchl ist meistens ein guter Indikator daf\u00fcr, ob etwas zu viel wird. Vor schwierigen Entscheidungen kann es auch helfen, einmal kurz rauszugehen und etwas anderes zu machen, um den Kopf klar zu bekommen. Ansonsten ist ein gutes Zeitmanagement wichtig, um meine Auslastung verl\u00e4sslich einsch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen. Daf\u00fcr muss ich zum einen meine Aufgaben priorisieren und meinen Tag strukturieren, indem ich morgens meine To-dos plane, abends pr\u00fcfe, was liegen geblieben ist und das auf den n\u00e4chsten Tag \u00fcbertrage. Ich empfehle au\u00dferdem immer, dass Arbeitnehmer sich nach Absprache mit ihrer F\u00fchrungskraft zwei Stunden am Tag ohne Telefon oder andere Unterbrechungen nehmen sollten, damit sie in dieser Zeit konzentriert arbeiten k\u00f6nnen. Das ist viel effektiver, als st\u00e4ndig hin und her zu springen. Ein gutes Zeitmanagement setzt Selbstmanagement voraus, und wenn ich mich entsprechend organisiere, belasten mich Gedanken \u00fcber die Arbeit des kommenden Tages auch nicht, wenn ich abends im Bett liege.<\/p>\n<p><strong><em>Eine weitere Herausforderung gerade f\u00fcr Frauen ist h\u00e4ufig der Wunsch nach Harmonie: Wie schafft man es, \u201eHarmoniesucht\u201c zu \u00fcberwinden und berufliche Auseinandersetzungen nicht pers\u00f6nlich zu nehmen?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Vorab: Niemand das Recht, sich im Ton zu vergreifen gegen\u00fcber Kolleginnen und Kollegen oder Mitarbeitende. Ein Problem, das Frauen oft haben, ist, dass sie von ihrer Umwelt immer geliebt werden wollen \u2013 das ist den meisten M\u00e4nnern nicht so wichtig. Die Sehnsucht nach Harmonie m\u00fcssen wir aber nicht \u00fcberwinden. Wir k\u00f6nnen sie erreichen, indem wir klar und eindeutig kommunizieren. Wenn alle klar, freundlich und kompetent sagen, was sie wollen und was sie nicht wollen, ist die Folge meist authentische Harmonie. Denn dann gibt es kein \u201eHintenrum\u201c und weniger Konkurrenz. Ein guter Weg dahin ist, offen etwas anzusprechen: \u201eDu bist gerade dabei, in mein Arbeitsgebiet einzugreifen, ich m\u00f6chte das nicht.\u201c Oder: \u201eH\u00f6r zu, du hast deinen Urlaub auf meinem eingetragen \u2013 wie regeln wir das?\u201c Es gibt f\u00fcr alles eine L\u00f6sung, aber daf\u00fcr muss man miteinander sprechen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Entgrenzung und Ersch\u00f6pfung liegen im Berufsalltag oft nahe beieinander. Wer nicht lernt, seine eigenen Grenzen zu erkennen und diese angemessen zu kommunizieren, ist hier besonders gef\u00e4hrdet. 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