{"id":2851,"date":"2016-01-21T12:34:31","date_gmt":"2016-01-21T11:34:31","guid":{"rendered":"http:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=2851"},"modified":"2016-01-21T15:07:06","modified_gmt":"2016-01-21T14:07:06","slug":"licht-und-psyche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/forschung\/licht-und-psyche\/","title":{"rendered":"Licht und Psyche"},"content":{"rendered":"<p><strong>Intuitiv m\u00f6chte man meinen, viel Licht ist gut f\u00fcr die Seele und zu wenig schlecht. Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht. \u00dcber die komplexen Zusammenh\u00e4nge zwischen Licht und seelischen Erkrankungen.<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fchrt zu wenig Lichteinstrahlung dazu, dass man sich deprimiert f\u00fchlt? Jedem f\u00e4llt da sofort die mittlerweile zu zweifelhaftem medialem Ruhm gelangte \u00bbWinterdepression\u00ab ein. Und sind nicht auch die Skandinavier anf\u00e4lliger f\u00fcr Depressionen? Es w\u00e4re doch kein Wunder, wo es doch dort ein halbes Jahr lang fast nachtdunkel sein kann? Die Richtung stimmt, doch die Zusammenh\u00e4nge sind komplexer. Sowohl Stimmungserkrankungen als auch das Aufmerksamkeits-Defizit-\/Hyperaktivit\u00e4ts-Syndrom (ADHS) sind unter anderem durch ver\u00e4nderte Lichteinstrahlung bedingt.<\/p>\n<h3>ADHS und Stimmungserkrankungen<\/h3>\n<p>Bei der Entstehung von ADHS scheint Licht in zweifacher Weise beteiligt zu sein. Der erste, sehr verbl\u00fcffende Befund wurde vor zwei Jahren ver\u00f6ffentlicht (Arns et al., Biol Psychiat 2013). Es konnte in drei Datens\u00e4tzen mit mehreren Tausend Patienten aus zehn L\u00e4ndern gezeigt werden, dass eine h\u00f6here Intensit\u00e4t der Sonnenlichteinstrahlung (Kilowattstunden pro Quadratmeter und Tag) vor der Entstehung von ADHS sch\u00fctzt. W\u00e4hrend als Grund auch unterschiedliche diagnostische Gepflogenheiten in den verschiedenen L\u00e4ndern ins Feld gef\u00fchrt werden k\u00f6nnten, ist das innerhalb der USA eher unwahrscheinlich \u2013 aber auch dort zeigt sich dieses Muster (Abb. 1). Der genaue\u00a0Mechanismus, \u00fcber den h\u00f6here Sonnenlichteinstrahlung vor ADHS sch\u00fctzt, ist noch unklar.<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_2856\" aria-describedby=\"caption-attachment-2856\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><a class=\"dt-single-image\" href=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/blog_forschung-ff-licht-reif-abb1a.jpg\" rel=\"attachment wp-att-2856\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-2856\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/blog_forschung-ff-licht-reif-abb1a-300x201.jpg\" alt=\"Pr\u00e4valenz von ADHD in Prozent in verschiedenen Staaten der USA. [1]\" width=\"300\" height=\"201\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/blog_forschung-ff-licht-reif-abb1a-300x201.jpg 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/blog_forschung-ff-licht-reif-abb1a.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2856\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 1a: Pr\u00e4valenz von ADHD in Prozent in verschiedenen Staaten der USA. [1]<\/figcaption><\/figure>Daneben gibt es aber auch noch einen ganz anderen, heutzutage sehr aktuellen Zusammenhang zwischen ADHS und Licht: Smartphones, Tablets und LCD-Bildschirme emittieren blaues Licht, das auf die circadiane Uhr einwirkt. Der \u00fcberm\u00e4\u00dfige \u2013 heutzutage aber schon fast normale \u2013 Gebrauch dieser Ger\u00e4te zu sp\u00e4ter Stunde bringt die Innere Uhr durcheinander. Das hat besonders bei ADHS-Patienten nachteilige Folgen, da bei ihnen von Natur aus schon eine St\u00f6rung dieses Mechanismus vorliegt. Deshalb gilt: Bei ADHS haben iPhone &amp; Co. nachts Pause!<\/p>\n<p>Bei der gro\u00dfen Gruppe der Stimmungserkrankungen\u00a0sticht im Zusammenhang mit Licht die jahreszeitlich bedingte (\u00bbsaisonale\u00ab) Depression (englisch: seasonal affective disorder, SAD) heraus. Deren typisches Merkmal ist das Auftreten im Herbst oder Winter, mit spontaner Remission im Fr\u00fchjahr. H\u00e4ufig finden sich atypische Symptome wie vermehrtes Verlangen nach Kohlenhydraten oder Tagesm\u00fcdigkeit; die depressive Verstimmung ist dagegen oft nur mittelgradig ausgepr\u00e4gt. Bei diesem saisonalen Muster liegt es nahe, die ge\u00e4nderten Lichtbedingungen als Ursachen anzusehen, wobei es nat\u00fcrlich noch andere Mechanismen geben k\u00f6nnte \u2013 wie Temperatur und Nahrungsangebot. Dennoch gilt die l\u00e4ngere Dunkelphase als der wahrscheinlichste Kandidat f\u00fcr die umgangssprachlich als \u00bbWinterdepression\u00ab bezeichnete Stimmungserkrankung. Es zeigt sich auch ein deutlicher Nord-S\u00fcd-Gradient hinsichtlich der Anf\u00e4lligkeit gegen\u00fcber der SAD: So liegt die Rate dieser Erkrankung in Alaska bei fast 10 Prozent der Bev\u00f6lkerung, in Florida dagegen bei 1,5 Prozent.<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_2857\" aria-describedby=\"caption-attachment-2857\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a class=\"dt-single-image\" href=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/blog_forschung-ff-licht-reif-abb1b.jpg\" rel=\"attachment wp-att-2857\"><img decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-2857\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/blog_forschung-ff-licht-reif-abb1b-300x225.jpg\" alt=\"Sonneneinstrahlung \u00fcber die gesamten USA, gemessen in KWh. [1]\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/blog_forschung-ff-licht-reif-abb1b-300x225.jpg 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/blog_forschung-ff-licht-reif-abb1b.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2857\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 1b: Sonneneinstrahlung \u00fcber die gesamten USA, gemessen in KWh. [1]<\/figcaption><\/figure>Ein nicht geringer Anteil der SAD entf\u00e4llt nach neueren Studien interessanterweise auf eine saisonal verlaufende bipolar affektive St\u00f6rung (fr\u00fcher \u00bbmanisch-depressive Erkrankung \u00ab) mit einer depressiven Auslenkung im Herbst\/Winter und einer hypomanen Phase (leicht gehobene Grundstimmung) im Fr\u00fchjahr. Aber auch dar\u00fcber hinaus hat Licht eine wichtige Rolle in der Entstehung der bipolaren Erkrankung. In einer weltweiten Serie von Untersuchungen, an der ein Team der Frankfurter Universit\u00e4tsklinik f\u00fcr Psychiatrie ebenfalls beteiligt war, konnte gezeigt werden, dass das Ersterkrankungsalter der bipolaren St\u00f6rung in den Regionen am niedrigsten war, in denen es den gr\u00f6\u00dften monatlichen Zuwachs der Sonneneinstrahlung gibt (zum Beispiel Mexiko oder Norwegen); (Bauer et al., 2012 und 2014). Auch eine geringere t\u00e4gliche Sonnenscheinzeit am Geburtsort f\u00fchrt zu einer fr\u00fcheren Ersterkrankung (Bauer et al., 2015) (Abb. 2). Die Lichteinstrahlung scheint also schon recht fr\u00fch im Leben das Erkrankungsrisiko zu beeinflussen, vor allem bei den Patienten, die ein genetisches Risiko f\u00fcr diese Erkrankung aufweisen.<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_2859\" aria-describedby=\"caption-attachment-2859\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><a class=\"dt-single-image\" href=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/blog_forschung-ff-licht-reif-abb2-1.jpg\" rel=\"attachment wp-att-2859\"><img decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-2859\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/blog_forschung-ff-licht-reif-abb2-1-300x235.jpg\" alt=\"Durchschnittliche Sonneneinstrahlung in Trondheim (Breitengrad 64 N), Kansas City (Breitengrad 39,1 N) und \u00e4quatornahen Breiten.. [2]\" width=\"300\" height=\"235\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/blog_forschung-ff-licht-reif-abb2-1-300x235.jpg 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/blog_forschung-ff-licht-reif-abb2-1.jpg 383w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2859\" class=\"wp-caption-text\">Durchschnittliche Sonneneinstrahlung in Trondheim (Breitengrad 64 N), Kansas City (Breitengrad 39,1 N) und \u00e4quatornahen Breiten.. [2]<\/figcaption><\/figure>Bei der \u00bbnormalen\u00ab, nichtsaisonalen unipolaren Depression scheint Licht dagegen keine so gro\u00dfe Rolle zu spielen, auch gibt es keine Hinweise auf ein aussagekr\u00e4ftiges geografisches Muster. Die M\u00e4r des depressiven Skandinaviers ist eben genau das: eine M\u00e4r. Vielmehr scheinen genetische Hintergrundeffekte eine Rolle zu spielen; so ist die Suizidrate (als Anhaltspunkt f\u00fcr depressive Erkrankungen) in Finnland beinahe doppelt so hoch wie im nicht minder kalten und im Winter dunklen Island. Eine im Durchschnitt geringere Suizidrate in Regionen in der N\u00e4he des \u00c4quators l\u00e4sst sich jedoch nicht leugnen.<\/p>\n<p>[dt_call_to_action content_size=&#8220;small&#8220; background=&#8220;fancy&#8220; line=&#8220;true&#8220; animation=&#8220;fadeIn&#8220;]<br \/>\nAUF DEN PUNKT GEBRACHT<\/p>\n<ul>\n<li>Eine h\u00f6here Intensit\u00e4t des Sonnenlichts am Geburtsort verringert das Risiko, an einer bipolaren St\u00f6rung oder ADHS zu erkranken.<\/li>\n<li>Bei Patienten mit ADHS und bipolar affektiven Erkrankungen besteht eine genetische Disposition zu einer leicht \u00a0ver\u00e4nderten molekularen Uhr. Wird diese dann noch zus\u00e4tzlich durch ver\u00e4nderte Beleuchtungsmuster, zu wenig Licht oder Licht zur falschen Zeit desynchronisiert (beispielsweise durch das blaue Licht von Tablets oder Smartphones), tr\u00e4gt dies zum Erkrankungsrisiko bei.<\/li>\n<li>Lichttherapie ist eine ungef\u00e4hrliche und nebenwirkungsarme effektive Behandlungsmethode bei saisonalen Depressionen, vermutlich ist sie auch unterst\u00fctzend wirksam bei nichtsaisonalen Depressionen und ADHS.<\/li>\n<\/ul>\n<p>[\/dt_call_to_action]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Molekulare Mechanismen<\/h3>\n<p>Wie im Artikel \u00bb<a href=\"http:\/\/www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de\/59324112\/FoFra_2015_2_Licht_und_innere_Uhr_Das_Licht_und_die_innere_Uhr.pdf\">Das Licht und die Innere Uhr<\/a>\u00ab von Prof. Horst-Werner Korf ausgef\u00fchrt, wirkt Licht vor allem auf die Synchronisation der \u00bbmolekularen Uhr\u00ab, die auf einem komplexen Zusammenspiel der Expression unterschiedlicher Gene beziehungsweise Proteine (CLOCK, BMAL, PER, CRY, ARNTL und so weiter) beruht. Interessanterweise konnte in mehreren Studien gezeigt werden, dass diese molekulare Uhr bei ADHS wie auch bei der bipolaren Erkrankung gest\u00f6rt ist \u2013 \u00a0sowohl funktionell als auch auf genetischer Ebene: Es wurden zum Beispiel genetische Varianten der genannten Molek\u00fcle beschrieben, die h\u00e4ufiger bei Patienten als bei Kontroll-Personen gefunden werden konnten. Dies k\u00f6nnte nun den Mechanismus erkl\u00e4ren, wie Licht und die genannten Erkrankungen zusammenh\u00e4ngen: Bei den Patienten besteht eine genetische Disposition zu einer leicht ver\u00e4nderten molekularen Uhr. Wird diese dann noch zus\u00e4tzlich durch ver\u00e4nderte Beleuchtungsmuster \u2013 zu wenig Licht, Licht zur falschen Zeit oder aber durch andere chronobiologische Variablen, \u00a0zum Beispiel Wechselschichtarbeit oder Zeitverschiebung \u2013 desynchronisiert, f\u00fchrt dies \u00fcber noch unbekannte weitere Mechanismen zur Erkrankung. Nur bei gegebener Veranlagung kann Licht also krank machen. Es kann aber auch heilen, wie der n\u00e4chste Absatz zeigt.<\/p>\n<h3>Licht als Therapie<\/h3>\n<figure id=\"attachment_2855\" aria-describedby=\"caption-attachment-2855\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a class=\"dt-single-image\" href=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/blog_forschung-ff-licht-reif-aufmacher.jpg\" rel=\"attachment wp-att-2855\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-2855\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/blog_forschung-ff-licht-reif-aufmacher-300x164.jpg\" alt=\"Lichttherapie hilft bei Winterdepression. Foto: Uwe Dettmar\" width=\"300\" height=\"164\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/blog_forschung-ff-licht-reif-aufmacher-300x164.jpg 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/blog_forschung-ff-licht-reif-aufmacher.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2855\" class=\"wp-caption-text\">Lichttherapie hilft bei Winterdepression. Foto: Uwe Dettmar<\/figcaption><\/figure>\n<p>\u00bbTherapeutisches Licht\u00ab (<em>Bright Light Therapy<\/em>, BLT) wird \u00fcblicherweise durch eine helle Lichtquelle (10.000 Lux) appliziert, und zwar f\u00fcr circa 30 Minuten bei offenen Augen im Abstand von 50 bis 60 Zentimeter zur Lichtquelle. Dieses \u00a0Licht ist bei der saisonalen Depression eine g\u00e4ngige, hilfreiche und auch von den Kassen \u00fcbernommene Behandlungsmethode. Aber auch bei der nichtsaisonalen Depression kann BLT hilfreich sein. Die Studienlage ist allerdings noch recht d\u00fcnn, so dass in der (sich aktuell in Revision befindlichen) Nationalen Versorgungsleitlinie noch keine Empfehlung hierf\u00fcr ausgesprochen wird. Die alleinige Verwendung von BLT ist vermutlich wenig effektiv, allerdings scheint dieses therapeutische Licht den Effekt antidepressiver Medikation zu unterst\u00fctzen: Die Besserung verl\u00e4uft rascher und profunder (zumBeispiel G\u00fczel \u00d6zdemir et al., J Clin Psychiatry 2015). Da die publizierten Studien bislang positiv sind und BLT so gut wie keine Nebenwirkungen hat, wird diese Therapieform auch routinem\u00e4\u00dfig in der Frankfurter Universit\u00e4tsklinik eingesetzt.<\/p>\n<p>Auch bei ADHS gibt es eine \u2013 wenngleich kleine \u2013 Studie zur Lichttherapie bei Erwachsenen. Hier wurde die Lichttherapie ebenfalls morgens durchgef\u00fchrt, und es zeigt sich, dass dadurch die ADHS-Kernsymptome gebessert werden. Es wird spekuliert, ob die Verbesserung auch dem Zusammenhang zwischen Sonnenlicht-Intensit\u00e4t und ADHS-Pr\u00e4valenz zugrunde liegt \u2013 sozusagen mehr Sonnenlicht als nat\u00fcrliche BLT. Die Grundidee ist, dass die Anlage zur Erkrankung im gleichen Prozentsatz wie unter licht\u00e4rmeren Verh\u00e4ltnissen zwar da ist, die Symptome aber durch die nat\u00fcrliche Lichttherapie nicht zum Ausbruch kommen beziehungsweise gehemmt werden. Hier besteht jedoch noch gro\u00dfer Forschungsbedarf, weshalb im n\u00e4chsten Jahr ein internationales Forschungskonsortium unter Leitung unserer Klinik den therapeutischen Effekt von Licht bei ADHS genauer untersuchen wird.<\/p>\n<h3>Fazit<\/h3>\n<p>Die Rolle von Licht bei psychiatrischen Erkrankungen ist also vielschichtig. \u00dcber seine Rolle als Synchronisator der Inneren Uhr interagiert es mit einem komplexen molekularen Mechanismus, der \u2013 m\u00f6glicherweise schon genetisch bedingt \u2013 bei Stimmungserkrankungen und ADHS gest\u00f6rt ist. Kontrollierte Lichtapplikation tr\u00e4gt dann aber auch wieder zu einer Synchronisation der Inneren Uhr bei, was man sich therapeutisch zunutze machen kann. Weitere Studien sind aber dringend n\u00f6tig, um Licht in das Dunkel der Pathogenese psychischer Erkrankungen zu bringen \u2013 im wahrsten Sinne des Wortes!<\/p>\n<p>[dt_call_to_action content_size=&#8220;small&#8220; background=&#8220;fancy&#8220; line=&#8220;true&#8220; animation=&#8220;fadeIn&#8220;]<\/p>\n<h3>Die Autoren<\/h3>\n<p><strong><a class=\"dt-single-image\" href=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/blog_forschung-ff-licht-reif-autoren.jpg\" rel=\"attachment wp-att-2865\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-2865 alignleft\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/blog_forschung-ff-licht-reif-autoren-300x176.jpg\" alt=\"blog_forschung-ff-licht-reif-autoren\" width=\"300\" height=\"176\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/blog_forschung-ff-licht-reif-autoren-300x176.jpg 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/blog_forschung-ff-licht-reif-autoren.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Prof. Dr. Andreas Reif<\/strong>, 44, ist seit August 2014 \u00c4rztlicher Direktor der Klinik f\u00fcr Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Universit\u00e4tsklinikums der Goethe-Universit\u00e4t. Seine klinisch-wissenschaftlichen Schwerpunkte sind affektive St\u00f6rungen und hierbei insbesondere die bipolar affektive St\u00f6rung sowie ADHS. Zur besseren Erforschung und Behandlung dieser Erkrankungen \u00fcber die gesamte Lebensspanne gr\u00fcndete er k\u00fcrzlich zusammen mit Prof. Dr. Christine Freitag, Direktorin der hiesigen Kinder- und Jugendpsychiatrie, sowie f\u00fcnf weiteren Kollegen das Deutsche Zentrum f\u00fcr Entwicklungspsychiatrie (D-ZEP).<br \/>\nandreas.reif@kgu.de<\/p>\n<p><strong>Dr. Christine Reif-Leonhard<\/strong>, 45, ist Fach\u00e4rztin f\u00fcr Psychiatrie und Psychotherapie sowie Neurologie und arbeitet als Ober\u00e4rztin in der Klinik f\u00fcr Psychiatrie der Universit\u00e4tsklinik Frankfurt. Sie leitet die Ambulanz der Klinik. Zu ihren klinischen Schwerpunkten geh\u00f6ren affektive St\u00f6rungen sowie die Gerontopsychiatrie, hier insbesondere die Depression im Alter.<br \/>\nchristine.reif-leonhard@kgu.de<br \/>\n[\/dt_call_to_action]<\/p>\n<p>[dt_call_to_action content_size=&#8220;small&#8220; background=&#8220;fancy&#8220; line=&#8220;true&#8220; animation=&#8220;fadeIn&#8220;]<\/p>\n<h4>Literatur<\/h4>\n<p>1 Arns M. et al. (2013), Geographic Variation in the Prevalence of Attention-Deficit\/Hyperactivity Disorder: The Sunny Perspective, Biol Psychiatry 74:585\u2013590.<br \/>\n2 Bauer M. et al. (2012), Impact of sunlight on the age of onset of bipolar disorder, Bipolar Disord. 14(6):654\u2013663.<br \/>\n3 Bauer M. et al. (2014), Relationship between sunlight and the age of onset of bipolar disorder: an international multisite study, J Affect Disord. 167:104\u2013111.<br \/>\n4 Bauer M. et al. (2015), Influence of light exposure during early life on the age of onset of bipolar disorder, J Psychiatr Res. May; 64:1\u20138.<br \/>\n5 G\u00fczel \u00d6zdemir et al. (2015), Comparison of venlafaxine alone versus venlafaxine plus bright light therapy combination for severe major depressive disorder, May; 76(5):e645\u201354.<br \/>\n[\/dt_call_to_action]<\/p>\n<p>Der Beitrag ist erschienen in Forschung Frankfurt 2\/2015. <a href=\"http:\/\/www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de\/59324102\/FoFra_2015_2_Licht_und_innere_Uhr_Licht_und_Psyche.pdf\">Licht und Psyche<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Intuitiv m\u00f6chte man meinen, viel Licht ist gut f\u00fcr die Seele und zu wenig schlecht. 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