{"id":30048,"date":"2018-07-09T18:43:08","date_gmt":"2018-07-09T16:43:08","guid":{"rendered":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=30048"},"modified":"2018-07-09T18:43:08","modified_gmt":"2018-07-09T16:43:08","slug":"nicht-nur-nachts-im-museum-der-studiengang-curatorial-studies-im-portraet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/studium\/nicht-nur-nachts-im-museum-der-studiengang-curatorial-studies-im-portraet\/","title":{"rendered":"Nicht nur nachts im Museum: Der Studiengang Curatorial Studies im Portr\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p><em><strong> <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-30050\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/blog_UR_curatorial-studies01.jpg\" alt=\"\" width=\"750\" height=\"350\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/blog_UR_curatorial-studies01.jpg 750w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/blog_UR_curatorial-studies01-300x140.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 750px) 100vw, 750px\" \/>Seit acht Jahren bietet die Goethe-Universit\u00e4t in Kooperation mit der international renommierten St\u00e4delschule und sechs Museen einen der wenigen Masterstudieng\u00e4nge in Deutschland an, der auf eine T\u00e4tigkeit als Museumskurator, Ausstellungsmacher oder Kunstkritiker vorbereitet.<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Wer in Frankfurt Curatorial Studies w\u00e4hlt, findet in der Stadt mit mehr als 30 Museen, der Touristenattraktion Museumsufer und ihren weithin beachteten Ausstellungen viele Anschauungsobjekte, aber auch Praktikumspl\u00e4tze. Durch feste Kooperationspartner bietet der Masterstudiengang engen Kontakt zur St\u00e4delschule und zu Kuratoren aus sechs Museen.<\/p>\n<p>Dennoch bedurfte es viel Eigeninitiative, um den Kooperationsstudiengang im Wintersemester 2010\/11 aus der Taufe zu heben. Die Kunsthistorikerin Stefanie Heraeus hatte die richtige Eingebung, als sie bei einem Aufenthalt in den USA, wo Curatorial Studies viel verbreiteter sind, auf Frankfurt schaute: \u201eWir haben auf kleinstem Raum eine international ausgerichtete Museumsszene, eine Universit\u00e4t mit breitem wissenschaftlichen Zugang und eine der renommiertesten Kunstschulen.\u201c<\/p>\n<p>Aus ihrer Sicht waren das die perfekten Zutaten f\u00fcr ein neues berufsbildendes Studienangebot. \u201eMit vielen Idealen bin ich an die Sache herangegangen, kannte keinen aus der Kunstszene, habe aber einfach alle angesprochen.\u201c Daniel Birnbaum, damals Leiter der St\u00e4delschule, sagte sofort zu und \u00f6ffnete damit weitere T\u00fcren: St\u00e4del Museum, Liebieghaus Skulpturensammlung, MMK Museum f\u00fcr Moderne Kunst Frankfurt, Historisches Museum Frankfurt, Weltkulturen Museum und Portikus wurden Partner.<\/p>\n<p>\u201eNur an der Uni gab es noch etwas Skepsis wegen der ungewohnten Praxisn\u00e4he. Doch Kunsthistoriker Thomas Kirchner, damals Professor in Frankfurt, heute Direktor des Deutschen Forums f\u00fcr Kunstgeschichte in Paris, und Univizepr\u00e4sident Manfred Schubert-Zsilavecz gaben gr\u00fcnes Licht. \u201eVon Beginn an stie\u00dfen wir auf breites Interesse. Ein Drittel der rund 15 Pl\u00e4tze, die wir jedes Jahr vergeben, belegen internationale Studierende.\u201c<\/p>\n<p>Bei der gew\u00fcnschten Vorbildung stellen sich die Curatorial Studies bewusst breit auf. Bewerben k\u00f6nnen sich junge Leute mit Bachelor in Kunstgeschichte, Philosophie, Geschichte, Ethnologie oder Arch\u00e4ologie. Sie alle lernen, Kunst zu bewerten, einzuordnen und spannendende Ausstellungen zu konzipieren und organisieren. F\u00fcr erste eigene Versuche haben die Studierenden sogar einen eigenen Ausstellungsraum unweit des R\u00f6mers.<\/p>\n<p>Im ersten Jahr kommen sie in Kontakt mit den kooperierenden Museen, werden eingebunden in Diskussionen um die Konzeption und Realisierung von Ausstellungen und Sammlungspr\u00e4sentationen. F\u00fcr Lena Steinkampf, die \u00fcber ein Praktikum bei der Kestner Gesellschaft in Hannover nach dem Philosophiestudium auf die kuratorische Arbeit aufmerksam wurde, \u201eein gro\u00dfes Privileg\u201c.<\/p>\n<p>Veranstaltungen an der Universit\u00e4t dienen der Vertiefung des Fachwissens. Ferner werden Kriterien und Kategorien der Kunstkritik sowie theoretische Grundlagen in Kunsttheorie und \u00c4sthetik diskutiert und die Geschichte des Museums und des Ausstellungswesens vermittelt. Lena Steinkampf nutzt gerade ihre Chance, ein Seminar der Feuilleton-Leiterin der S\u00fcddeutschen Zeitung, Catrin Lorch, zu belegen.<\/p>\n<p>\u201eWir werden journalistische Texte verfassen und so das Feld der Ausstellungskritik n\u00e4her kennenlernen.\u201c Im zweiten und dritten Semester erarbeitet jeder Jahrgang als Gruppe mit Lehrenden aus Universit\u00e4t und kooperierenden Museen ein konkretes kuratorisches Projekt. \u201eMein Jahrgang ist gerade in der Planung und es zeichnen sich schon jetzt die vielen Handlungsfelder ab, die wir \u00fcbernehmen m\u00fcssen\u201c, berichtet Steinkampf.<\/p>\n<h3>St\u00e4delschule als zweiter Standort<\/h3>\n<p>2013 kuratierten die Studierenden in Kooperation mit dem MMK Museum f\u00fcr Moderne Kunst Frankfurt ein Performance- und Filmprogramm f\u00fcr einen Penetr\u00e1vel von H\u00e9lio Oiticica. 2014 erarbeiteten sie die Kabinettausstellung Vergessene K\u00f6rper: Helmut Kolle und Max Beckmann in Kooperation mit dem St\u00e4del Museum, 2015 die Ausstellungsserie Doppelzimmer f\u00fcr die 3\u00bd der KW Institute for Contemporary Art Berlin.<\/p>\n<p>2016 kuratierten sie die Gruppenausstellung After facts \u2013 Pudding Explosion rearticulated in einer leer stehenden Frankfurter Apotheke und 2017 die Fotografie-Ausstellung \u201eThe Biography of Things\u201c in Zusammenarbeit mit der Deutsche B\u00f6rse Photography Foundation und der Klasse von Martin Liebscher der Hochschule f\u00fcr Gestaltung (HfG) Offenbach am Main.<\/p>\n<p>F\u00fcr Kontakt zu bildenden K\u00fcnstlern und Architekten sorgt die St\u00e4delschule als zweiter Standort des Lehrangebots \u00fcber gemeinsame Lehrveranstaltungen und die gemeinsame Nutzung der R\u00e4umlichkeiten. \u201eDas bringt einen ganz anderen Diskurs in unser Lehrangebot.\u201c Auch das reichhaltige Vortragsprogramm dort lockt. \u201eFast jeden Abend findet etwas statt. Daraus entwickeln sich sehr intensive Kontakte auch au\u00dferhalb des Lehrplans.\u201c<\/p>\n<p>Internationale Gastprofessoren weiten in der St\u00e4delschule und an der Goethe-Uni den Blick der Studierenden. Gutes Englisch ist insofern Voraussetzung. \u201eIch habe die Zeit mit den Studierenden in Frankfurt genossen. Das war eine der besten und aufmerksamsten Gruppen, die ich je erlebt habe\u201c, lobte neulich Julia Bryan-Wilson, Professorin f\u00fcr Modern and Contemporary Art aus Berkeley.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-30055\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/blog_UR_curatorial-studies03.jpg\" alt=\"\" width=\"750\" height=\"350\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/blog_UR_curatorial-studies03.jpg 750w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/blog_UR_curatorial-studies03-300x140.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 750px) 100vw, 750px\" \/>Ben Livne Weitzman kam extra aus Tel Aviv, wo er Geisteswissenschaften und Kunst studierte, nach Frankfurt: \u201eAnders als andere Kuratorenstudieng\u00e4nge hat dieser hier zwei Eltern: Goethe-Uni und St\u00e4delschule. Damit bietet er eine einzigartige Schnittstelle zwischen Kunstgeschichte und bildender Kunst, zwischen theoretischem Diskurs und einem bodenst\u00e4ndigeren kreativen Ansatz, zwischen deutscher Universit\u00e4t und internationaler orientierter Kunstschule.\u201c<\/p>\n<p>Da er sich selbst k\u00fcnstlerisch mit Fotografie und Videokunst besch\u00e4ftigt, sch\u00e4tzt\u00a0er, dass die Betonung eher auf Theorie und Konzept liegt als auf Management und Verwaltung. Auch der interdisziplin\u00e4re Ansatz erwies sich als fruchtbar: \u201eWir wollten keineswegs nur Kunstgeschichte-Studierende ansprechen und auch den Blick nicht wie alle anderen nur auf die Gegenwart richten\u201c, erkl\u00e4rt Stefanie Heraeus.<\/p>\n<p>Von daher habe man bewusst das Historische Museum und das Museum f\u00fcr Weltkulturen in den Studiengang einbezogen. \u201eWir freuen uns sehr \u00fcber Bewerber aus den benachbarten F\u00e4chern.\u201c Schlie\u00dflich w\u00fcrden bestimmte Themen von den Kulturwissenschaften genauso wie von der Kunst verarbeitet. \u201eDie kunsthistorische Sicht ist sehr von der europ\u00e4ischen und amerikanischen Perspektive gepr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Heute ist in vielen Museen aber der globale Blick Ausgangspunkt f\u00fcr die Geschichten, die durch die Exponate erz\u00e4hlt werden und m\u00f6glichst viele verschiedene Menschen ansprechen sollen.\u201c Das merke man beispielsweise am neu er\u00f6ffneten Historischen Museum in Frankfurt. \u201eEs ist ein Stadtmuseum. Aber wer ist die Stadt? Ihre internationalen Einwohner.\u201c<\/p>\n<p>Weitere Herausforderungen f\u00fcr angehende Kuratoren: die Digitalisierung und neue M\u00f6glichkeiten der Mediennutzung. Seit den 60er Jahren habe sich der Beruf des Kurators grundlegend ver\u00e4ndert: \u201eDie Institution Museum wurde infrage gestellt, die zeitgen\u00f6ssische Kunst hielt Einzug. Es ging nicht mehr nur um das Werk toter K\u00fcnstler. Die Auseinandersetzung mit lebenden K\u00fcnstlern gewann an Bedeutung.\u201c<\/p>\n<h3>Gro\u00dfes Interesse der Museen an Absolventen<\/h3>\n<p>F\u00fcr berufliche Orientierung sorgt ein zweimonatiges Praktikum, \u201ewelches manche Studierende auch \u00fcber eine l\u00e4ngere Zusammenarbeit mit wenigen Wochenstunden strecken\u201c, wei\u00df die Studiengangsleiterin Heraeus. Daraus sei schon so mancher Werkvertrag hervorgegangen. \u201eDie Museen sind sehr interessiert an unserem Studiengang und an unseren Absolventen\u201c, kann sie stolz berichten.<\/p>\n<p>\u201eWir haben fast keine Studienabbrecher und wer den Abschluss hat, kommt meist unter. Oft bekommen unsere Studierenden sogar vor der Masterarbeit schon ein Angebot.\u201c Dazu geh\u00f6rt Absolvent Sebastian Schneider, der als wissenschaftlicher Volont\u00e4r am Lenbachhaus in M\u00fcnchen angefangen hat zu arbeiten. Er f\u00fchlt sich durch das Studium gut vorbereitet und lobt die \u201egute Anbindung an Institutionen wie Museen und Kunsthochschule und den hohen Durchlauf an internationalen G\u00e4sten aus der Kunstwelt\u201c.<\/p>\n<p>Die Liste der Alumni in guten Positionen ist lang und tr\u00e4gt nat\u00fcrlich auch zum weiteren Gedeihen des Studiums bei. Julia Friedel etwa h\u00e4lt engen Kontakt zu den Studierenden. Sie arbeitet seit Ende 2016 als Kuratorin am Weltkulturen Museum in Frankfurt: \u201eEin Highlight des Masterstudiengangs war f\u00fcr mich das Modul \u201aCurators Series\u2018. Dieses Format erm\u00f6glichte uns Studierenden, uns mit Kuratoren der verschiedenen Frankfurter Museen auszutauschen, hinter die Kulissen von aktuellen Ausstellungen zu blicken und Konzepte zu diskutieren.\u201c<\/p>\n<p>Erst vor Kurzem war eine Gruppe der Curatorial Studies in ihrem Museum zu Gast, \u201eum gemeinsam \u00fcber unsere n\u00e4chste Ausstellung \u201aGesammelt. Gekauft. Geraubt? \u2013 Fallbeispiele aus kolonialem und nationalsozialistischem Kontext\u2018 zu sprechen, die ab 16. August 2018 zu sehen sein wird. Das Gespr\u00e4ch mit den Studierenden war f\u00fcr uns Kuratorinnen sehr bereichernd.\u201c<\/p>\n<p>Auf die gelungene Verzahnung von Theorie und Praxis und dem Standort Frankfurt als drittem Erfolgsfaktor kann Stefanie Heraeus stolz sein. So werden viel mehr Ressourcen genutzt als die Goethe-Universit\u00e4t jemals aufbieten k\u00f6nnte. \u201eDie Theater-, Film- und Medienwissenschaften und die Musikwissenschaften gehen einen \u00e4hnlichen Weg. Intern ist das f\u00fcr uns das Frankfurter Modell.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Autorin: Julia Wittenhagen<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Dieser Artikel ist in der Ausgabe 4.18 des UniReport erschienen.\u00a0<a href=\"http:\/\/www.uni-frankfurt.de\/72886998\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">PDF-Download \u00bb<\/a><\/strong><\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit acht Jahren bietet die Goethe-Universit\u00e4t in Kooperation mit der international renommierten St\u00e4delschule und sechs Museen einen der wenigen Masterstudieng\u00e4nge in Deutschland an, der auf eine T\u00e4tigkeit als Museumskurator, Ausstellungsmacher 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