{"id":3017,"date":"2014-07-11T09:57:35","date_gmt":"2014-07-11T07:57:35","guid":{"rendered":"http:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=3017"},"modified":"2016-01-27T10:37:13","modified_gmt":"2016-01-27T09:37:13","slug":"muschel-am-parkrand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/campus\/muschel-am-parkrand\/","title":{"rendered":"\u00bbMuschel am Parkrand\u00ab"},"content":{"rendered":"<p>Die Travertinfassaden der Geb\u00e4ude auf dem Campus Westend glimmen sanft im warmen Licht der Nachmittagssonne. Uwe Dettmar hat wie immer seine Kamera \u00fcber die Schulter geh\u00e4ngt und streift auf der Suche nach Motiven \u00fcber den Campus. \u201eDie Zentralperspektive, die Symmetrie der Bauten, alles passt harmonisch zusammen\u201c, sagt Uwe Dettmar und schaut pr\u00fcfend in den Sucher der Kamera.<\/p>\n<p>\u201eObwohl das Gel\u00e4nde auf dem Rei\u00dfbrett entstanden ist, sieht es so aus, als sei alles im Laufe der Jahre gewachsen. Sogar die alten B\u00e4ume konnte man erhalten. Der Campus liegt wie eine sch\u00f6ne Muschel am Rande des Gr\u00fcneburgparks.\u201c Seit 24 Jahren ist der freie Fotograf f\u00fcr die Goethe-Universit\u00e4t im Einsatz und ist damit zum visuellen Chronisten der Universit\u00e4t geworden.<\/p>\n<p>Etliche Forscher hat er schon portraitiert, unz\u00e4hlige Veranstaltungen dokumentiert \u2013 fr\u00fcher noch auf dem Campus in Bockenheim. Heute ist er oft und gerne auf dem Campus Westend unterwegs, dessen Umbauarbeiten er auch fotografisch begleitet hat. Seine Arbeit hat ihn dabei an Orte gef\u00fchrt, die heute Geschichte sind.<\/p>\n<p>\u201eIm f\u00fcnften Stock des Poelzig-Baus hatte die CIA einen mit Stahlplatten abgedichteten, abh\u00f6rsicheren Raum\u201c, erz\u00e4hlt Dettmar. \u201eHinter dem Casino war damals noch ein Sportplatz, auf dem Gel\u00e4nde dahinter die Kasernen der Soldaten. Im Querbau des Hauptgeb\u00e4udes gab es eine Squashhalle. Heute ist darin die doppelgeschossige Bibliothek der Germanisten untergebracht.\u201c<\/p>\n<p>Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges nutzen die amerikanischen Streitkr\u00e4fte und der CIA den ehemaligen Sitz des I.G.-Farben-Konzerns als Hauptquartier. Nach der deutschen Wiedervereinigung zogen die USA 1995 ihre Truppen aus Deutschland ab, das ehemalige Hauptquartier fiel wieder an die deutsche Regierung zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Auf Anregung des damaligen Universit\u00e4tspr\u00e4sidenten Werner Mei\u00dfner erwarb das Land Hessen 1996 das Gel\u00e4nde mit der Absicht, dort einen neuen Campus f\u00fcr die geisteswissenschaftlichen Institute der Goethe-Universit\u00e4t zu errichten, die Sommersemester 2001 Einzug halten konnten.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich zum Poelzig-Bau konnte die hessische Landesregierung 2005 das knapp 40,77 Hektar gro\u00dfe Grundst\u00fcck entlang der Hansaallee zwischen der bestehenden Parkanlage und der L\u00fcbecker Stra\u00dfe, am Rand des bereits bestehenden Campusgel\u00e4ndes zus\u00e4tzlich erstehen. Hier sollte auf Wunsch der hessischen Landesregierung der \u201emodernste Campus Europas\u201c entstehen.<\/p>\n<h3>Das Geheimnis hinter dem Zaun<\/h3>\n<figure id=\"attachment_3019\" aria-describedby=\"caption-attachment-3019\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-3019 size-medium\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/blog_unireport_dettmar-300x225.png\" alt=\"Uwe Dettmar; Foto: G\u00e4rtner\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/blog_unireport_dettmar-300x225.png 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/blog_unireport_dettmar.png 400w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3019\" class=\"wp-caption-text\">Uwe Dettmar; Foto: G\u00e4rtner<\/figcaption><\/figure>\n<p>F\u00fcr die Bebauung des neuen Areals wurde ein st\u00e4dtebaulicher Realisierungswettbewerb ausgeschrieben, bei dem der Entwurf des Frankfurter Architekten Ferdinand Heide \u00fcberzeugte.<\/p>\n<p>Die Aspekte, die Heide in seinem Entwurf wichtig waren, sind Kommunikation, Interaktion und die Integration des Areals in den Stadtteil. \u201eEine idealtypische Universit\u00e4t im angels\u00e4chsischen Stil ist integriert in den Raum, der sie umgibt\u201c, sagt Ferdinand Heide.<\/p>\n<p>Die Umrahmung des Areals durch zwei gro\u00dfe Verkehrsstra\u00dfen, die Hansaallee im Nordosten und die Miquelallee im Osten des Gel\u00e4ndes, machte die Integration des Terrains stadtplanerisch allerdings zu keiner leichten Aufgabe.<\/p>\n<p>Auf der Nord-S\u00fcd und Ost-West-Achse sorgen nun Durchgangswege \u00fcber den Campus f\u00fcr die Verzahnung mit der Stadtstruktur. An der westlichen Seite grenzt das Gel\u00e4nde an den Rand des Gr\u00fcneburgparks.<\/p>\n<p>Dieser wird durch Freifl\u00e4chen und ein Wegenetz, das aus dem Park in den Campus hineinf\u00fchrt, mit dem Universit\u00e4tsgel\u00e4nde verbunden. Lediglich die Geb\u00e4udekanten des House of Finance und des RuW sowie abgesetzte Gr\u00fcnfl\u00e4chen bilden eine optische Abgrenzung zum Gr\u00fcneburgpark, so dass die Seite vom Park her durchl\u00e4ssig und frei begehbar ist.<\/p>\n<p>\u201eDer Campus im Westend hatte durch die r\u00e4umliche Begrenzung von Anfang an ganz andere Grundvoraussetzungen als der Campus in Bockenheim\u201c, sagt Architekt Heide. \u201eDoch das macht den Campus Westend auch zu einem ganz besonderen Ort in Frankfurt.\u201c<\/p>\n<p>F\u00fcr ihn als Architekten war die gro\u00dfe Herausforderung, dem Raum mit der Gestaltung eine unverwechselbare Identit\u00e4t zu verleihen. \u201eDie flie\u00dfenden Strukturen der Stadt der 60er Jahre sind nicht mehr das, was man sich heute als urbanen Raum vorstellt\u201c, sagt Heide.<\/p>\n<p>\u201eOrte mit einem eigenen typischen Profil sind klar erkennbar und haben eine nach au\u00dfen hin definierte Form, die nicht in den st\u00e4dtischen Strukturen untergeht. Dazu geh\u00f6rt eben auch eine gewisse Form der Abgrenzung.\u201c Die Umz\u00e4unung um das Gel\u00e4ndes des Poelzig- Baus wirken dem aus Sicht des Architekten nicht entgegen:<\/p>\n<p>\u201eWenn man von der F\u00fcrstenbergerstra\u00dfe zum Campus hochschaut und das Geb\u00e4ude \u00fcber den Zaun mit der Hecke hervorblitzen sieht, verleiht das dem Ort doch etwas Geheimnisvolles, das es zu entdecken gilt.\u201c<\/p>\n<h3>Brave Studenten spr\u00fchen nicht<\/h3>\n<figure id=\"attachment_3020\" aria-describedby=\"caption-attachment-3020\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-3020 size-medium\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/blog_unireport_malkrab-kip-300x225.png\" alt=\"Eine alteingesessene Westendlerin: Sylwia Malkrab-Kip; Foto: G\u00e4rtner\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/blog_unireport_malkrab-kip-300x225.png 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/blog_unireport_malkrab-kip.png 400w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3020\" class=\"wp-caption-text\">Eine alteingesessene Westendlerin: Sylwia Malkrab-Kip; Foto: G\u00e4rtner<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die S\u00fcdseite der Universit\u00e4t zu F\u00fc\u00dfen des Eingangsportals an der F\u00fcrstenbergerstra\u00dfe ist die Seite des Campusgel\u00e4ndes, die unmittelbar an den belebten Stadtteil des n\u00f6rdlichen Westends anschlie\u00dft.<\/p>\n<p>Nur einen Stra\u00dfenzug von der Bushaltestelle vor dem Eingangsportal entfernt, liegt die Buchhandlung Marx &amp; Co. im Gr\u00fcneburgweg. Irmgard Irle ist ehemalige Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin der Autorenbuchhandlung.<\/p>\n<p>Sie ist mittlerweile im Ruhestand, hilft aber noch regelm\u00e4\u00dfig im Laden mit. Seitdem sie 1983 die Buchhandlung im Westend er\u00f6ffnet hat, verfolgt sie das tagt\u00e4gliche Treiben im Stadtteil. Von der Universit\u00e4t ist trotz der 13 Jahre, in denen die geisteswissenschaftlichen Fakult\u00e4ten schon im Poelzig-Bau untergebracht sind, allerdings nicht viel zu sp\u00fcren.<\/p>\n<p>\u201eAls damals klar wurde, dass die Universit\u00e4t hierherziehen w\u00fcrde, hatten die Westendler wahnsinnige Angst vor randalierenden Studenten, die ihre H\u00e4user mit Graffitis bemalen w\u00fcrden\u201c, sagt sie und r\u00fcckt sich die Brille zurecht. \u201eNun, diese Bef\u00fcrchtung hat sich nicht bewahrheitet.<\/p>\n<p>Der Campus ist immer noch in einwandfreiem Zustand und man merkt fast gar nichts von den Studenten. Die sind heutzutage aber auch viel braver als fr\u00fcher.\u201c Einige ihrer Kunden leben schon seit vielen Jahren im Stadtteil und k\u00f6nnen sich noch sehr gut an die Zeiten erinnern, als von einer Universit\u00e4t in der Nachbarschaft noch nicht im Entferntesten die Rede war.<\/p>\n<p>\u201eEine meiner Kundinnen hat schon hier gewohnt, als die Amerikaner in den Poelzig-Bau eingezogen sind\u201c, sagt Irmgard Irle. \u201e Damals war das ganze Gel\u00e4nde noch zug\u00e4nglich und ihre Kinder konnten im Brunnen vor dem Casino planschen.\u201c Mit dem Anschlag des \u201eKommandos Petra Schelm\u201c der Roten Armee Fraktion 1972, bei dem ein amerikanischer Oberstleutnant ums Leben kam, \u00e4nderte sich das.<\/p>\n<p>Das Gel\u00e4nde wurde ringsherum abgez\u00e4unt und zum milit\u00e4rischen Sperrgebiet erkl\u00e4rt. \u201eDer Zaun, den man heute noch um das Gel\u00e4nde sieht, stammt noch aus dieser Zeit\u201c, sagt Irmgard Irle. \u201eZum Stadtteil hin wirkt der Campus dadurch wie ein abgeschlossenes Gebiet. Wenn man es nicht besser w\u00fcsste, k\u00f6nnte man meinen, man darf dort gar nicht rein.\u201c<\/p>\n<p>Was die kulturaffinen Westendler die gef\u00fchlten Barrieren aber durchbrechen l\u00e4sst, sind die Veranstaltungen der B\u00fcrger- Universit\u00e4t oder die zahlreichen Kunstausstellungen, die regelm\u00e4\u00dfig auf dem Campusgel\u00e4nde stattfinden. Vor allem die Frankfurter Poetikvorlesungen, die jedes Jahr renommierte Autoren und damit auch ein interessiertes Publikum auf den Campus holen, hinterlassen auch im angrenzenden Westend ihre Spuren.<\/p>\n<p>\u201eOft kommen Leute, die auf dem Campus gerade eine Veranstaltung besucht haben, ganz inspiriert in den Laden, um auf dem Nachhauseweg noch nach den Werken der Autoren zu schauen, die sie gerade geh\u00f6rt haben\u201c, sagt Irmgard Irle.<\/p>\n<p>\u201eInsgesamt habe ich den Eindruck, dass es die B\u00fcrger aus dem Westend auf den Campus zieht, die Studierenden aber nicht unbedingt in den Stadtteil. Bisher hat sich hier trotz der vielen Studierenden jedenfalls nicht viel ver\u00e4ndert.\u201c<\/p>\n<h3>Auf ausgetretenen Pfaden<\/h3>\n<p>Italienische Restaurants, Manik\u00fcrstudios, Psychotherapiepraxen \u2013 bisher hat die Anwesenheit der Universit\u00e4t kaum Spuren hinterlassen. Das Viertel bietet f\u00fcr Studierende allerdings wenig Anreiz f\u00fcr einen Eroberungsfeldzug. Wenig einladend sind die hochpreisigen Bars, zu gro\u00df die H\u00fcrden der \u00fcppigen Mietpreise, um selbst ein eigenes Caf\u00e9 zu er\u00f6ffnen.<\/p>\n<p>Die meisten Studierenden streben von der U-Bahnhaltestelle Holzhausenstra\u00dfe gezielt auf den Campus. \u201eWir nennen es die Ameisenstra\u00dfe\u201c, sagt Uwe Schirmer, Mitarbeiter des Kopierladens Copy Burg an der Bremer Stra\u00dfe, der schon oft verwundert den Zug der Studierenden betrachtet hat, der zielstrebig und immer den selben Pfaden folgend durch Holzhausenstra\u00dfe und Hansaallee \u00fcber den Bremer Platz dem Campus entgegenstrebt.<\/p>\n<p>Die Copy Burg ist einer der wenigen L\u00e4den im Stadtteil, der durch ein gezielt auf Studierende ausgerichtetes Angebot von dem Standort in Campusn\u00e4he profitieren kann. \u201eWie oft haben sich hier schon neue Nachbarn vorgestellt, die einen Imbiss er\u00f6ffnet haben\u201c, sagt er. Sie hatten sich von dem Standort nahe dem Campus guten Umsatz versprochen, sind aber nach kurzer Zeit untergegangen.<\/p>\n<p>\u201eDie Versorgung auf dem Campus ist so gut, dass die Studenten gar keinen Bedarf haben, in der Mittagspause ins Viertel zu gehen\u201c, sagt Uwe Schirmer. \u201eDer Campus ist ein kompakter, in sich abgeschlossener Organismus, der den Stadtteil drau\u00dfen nicht braucht.\u201c<\/p>\n<h3>Die Grenze im Kopf<\/h3>\n<figure id=\"attachment_3021\" aria-describedby=\"caption-attachment-3021\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-3021 size-medium\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/blog_unireport_fussgaenger-300x225.png\" alt=\"\u201eAmeisenstra\u00dfe\u201c an der Hansaallee; Foto: D. Frank\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/blog_unireport_fussgaenger-300x225.png 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/blog_unireport_fussgaenger.png 400w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3021\" class=\"wp-caption-text\">\u201eAmeisenstra\u00dfe\u201c an der Hansaallee; Foto: D. Frank<\/figcaption><\/figure>\n<p>Sylwia Malkrab-Kip sieht das ganz anders. Die PR-Beraterin lebt seit 27 Jahren im Westend und engagiert sich seit vielen Jahren im Ortsbeirat f\u00fcr die Stadtteile Bockenheim und Westend.<\/p>\n<p>Seit vielen Jahren setzt sie sich gegen Luxussanierungen und Wohnraumzweckentfremdung ein und findet, dass die Stimme der Studierenden in der Gestaltung des Stadtteils durchaus von N\u00f6ten ist.<\/p>\n<p>\u201eEinmal im Monat veranstaltet der Ortsbeirat eine B\u00fcrgerfragestunde\u201c, sagt Sylwia Malkrab-Kip. \u201eIch w\u00fcrde mir w\u00fcnschen, dass sich auch die Studierenden daran beteiligen und uns darauf hinweisen, was man aus ihrer Sicht ver\u00e4ndern m\u00fcsste.<\/p>\n<p>Wohnraum, Verkehrsf\u00fchrung, Infrastruktur um den Campus herum sind wichtige Themen, aber wenn es keinen Austausch gibt, k\u00f6nnen wir nicht wissen, was sich die Studierenden w\u00fcnschen.\u201c<\/p>\n<p>Besonders das Thema Wohnraum steht auf der pers\u00f6nlichen Agenda von Sylwia Malkrab-Kip ganz weit oben. Im Mai hat sie einen Antrag f\u00fcr studentische Wohnungen in leerstehenden Verwaltungsgeb\u00e4uden im Westend bei der Stadt eingereicht.<\/p>\n<p>\u201eDas Westend hat viel Leerstand und es w\u00e4re nicht richtig, wieder B\u00fcror\u00e4ume daraus zu machen, wenn man einen Campus in unmittelbarer Nachbarschaft hat\u201c, sagt sie und schiebt ihr Fahrrad \u00fcber den Innenhof des Universit\u00e4tsgel\u00e4ndes.<\/p>\n<p>\u201eWenn man es den Studierenden nicht erm\u00f6glicht, in und um den Campus herum zu wohnen, wird sich die Grenze im Kopf nicht aufl\u00f6sen.\u201c Gerade im Stadtteil Westend hat der Kampf um mehr Wohnraum Tradition.<\/p>\n<p>Aus Protest gegen den F\u00fcnffingerplan, der ausgehend von der Alten Oper den Ausbau von B\u00fcrofl\u00e4chen im Westend vorsah, kam es 1970 zu Protesten und den ersten Hausbesetzungen. Das Haus im Gr\u00fcneburgweg 113 wurde ausschlie\u00dflich von Studierenden der Goethe-Universit\u00e4t besetzt.<\/p>\n<p>\u201eGerade die Wohnraumfrage ist ein Thema, f\u00fcr das sich Studierende und B\u00fcrger gemeinsam einsetzen m\u00fcssten\u201c, sagt Sylwia Malkrab-Kip und l\u00e4sst sich auf einer der Holzb\u00e4nke im Sommergarten nieder. \u201eAber der Zeitgeist hat sich ver\u00e4ndert, die Studierenden heute sind viel leistungsorientierter. Von daher passt der neue Campus sehr gut. Hier kann man sich in aller Ruhe auf sein Studium konzentrieren.\u201c<\/p>\n<p>Als alteingesessene Westendlerin wei\u00df sie den Campus als willkommene Erweiterung des Gr\u00fcneburgparks zu nutzen. Gemeinsam mit Freunden trifft sich sie einmal pro Woche im koreanischen Garten zum Boulespielen und danach f\u00fcr ein gemeinsames Bier im Sommergarten auf dem angrenzenden Campus.<\/p>\n<p>\u201eDas hier ist eine echte Bereicherung\u201c, schw\u00e4rmt sie und lehnt sich entspannt auf der Holzbank zur\u00fcck. Neben der angenehmen Parkerweiterung w\u00fcrde sie sich allerdings w\u00fcnschen, dass die Universit\u00e4t auch im Stadtteil selbst pr\u00e4senter w\u00e4re.<\/p>\n<p>\u201eSo eine Zeitung wie der UniReport k\u00f6nnte ja auch in den Caf\u00e9s im Westend ausliegen, dann k\u00f6nnten die B\u00fcrger mitlesen, was sich im Innern des Campus alles abspielt\u201c, sagt sie. Insgesamt schaut sie der Zukunft der nachbarschaftlichen Beziehungen von Campus und Westend aber optimistisch entgegen. \u201eAlles braucht eben seine Zeit.\u201c<\/p>\n<h3>\u201eDas m\u00fcssen wir uns nehmen\u201c<\/h3>\n<p>Es hat sich auch schon viel getan. Seit einiger Zeit schlagen die Buchverk\u00e4ufer, die mit ihrer Gebrauchtlekt\u00fcre eine echte Institution auf dem Bockenheimer Campus sind, auch auf dem Bremer Platz ihre St\u00e4nde auf und tragen damit Campusflair \u00fcber die Grenzen des Gel\u00e4ndes hinaus.<\/p>\n<p>In einem der Pf\u00f6rtnerh\u00e4uschen am Eingang zum Bremer Platz haben Studierende eine Campus-Trinkhalle er\u00f6ffnet. Und mit dem neuen Studierendenhaus, das voraussichtlich 2017 bezogen werden kann, wird auch wieder studentisch organisiertes Kulturleben auf dem Campus pr\u00e4senter werden. Die Bedingungen dazu sind gegeben.<\/p>\n<p>\u201eEs wird wie im Bockenheimer Studierendenhaus einen Festsaal geben und zus\u00e4tzlich einen echten Kinosaal\u201c, sagt Klemens Burk. Er studiert an der Goethe-Universit\u00e4t Physik, engagiert sich seit 2002 f\u00fcr die Pupille, das selbstverwaltete Kino auf dem Campus, und ist mittlerweile in dessen Vorstand.<\/p>\n<p>Die Pupille verk\u00f6rpert wie kaum ein anderes Angebot die Bedeutung, die der Campus f\u00fcr das kulturelle Leben im Stadtteil Bockenheim hatte. \u201eWir sehen uns nicht nur als ein Kino f\u00fcr Studenten, sondern erreichen mit unserem Programm ein Publikum aus der ganzen Stadt\u201c, sagt Klemens Burk. \u201eIch denke, dass uns unser Publikum auch im neuen Standort treu bleibt.\u201c<\/p>\n<p>Der Standort des neuen Studierendenhauses am n\u00f6rdlichen Ende des Campus ist nah an der U-Bahnstation Miquel-\/ Adickesallee gelegen, so dass die Pupille damit auch f\u00fcr die n\u00f6rdlicheren Stadtteile Dornbusch und Eschersheim interessant wird, in denen es kein Kino gibt. In Sachen Durchl\u00e4ssigkeit zwischen Stadt und Campus wird in den kommenden Jahren also noch einiges geschehen, denkt Klemens Burk. \u201eDas m\u00fcssen wir uns einfach nehmen.\u201c<\/p>\n<p>[dt_call_to_action content_size=&#8220;small&#8220; background=&#8220;plain&#8220; line=&#8220;true&#8220; style=&#8220;1&#8243; animation=&#8220;fadeIn&#8220;]<\/p>\n<p><strong> Die Autorin<\/strong><\/p>\n<p>Melanie G\u00e4rtner studierte von 2001 bis 2007 an der Goethe-Universit\u00e4t Ethnologie und Germanistik. Heute arbeitet sie als Filmemacherin und freie Journalistin. \uf086<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.m-eilenweit.de\">www.m-eilenweit.de<\/a><\/p>\n<p>[\/dt_call_to_action]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Travertinfassaden der Geb\u00e4ude auf dem Campus Westend glimmen sanft im warmen Licht der Nachmittagssonne. 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