{"id":3056,"date":"2014-05-30T11:59:43","date_gmt":"2014-05-30T09:59:43","guid":{"rendered":"http:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=3056"},"modified":"2016-01-27T14:19:40","modified_gmt":"2016-01-27T13:19:40","slug":"tigermuecken-und-ambrosia-pollen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/forschung\/tigermuecken-und-ambrosia-pollen\/","title":{"rendered":"Tigerm\u00fccken und Ambrosia-Pollen"},"content":{"rendered":"<p>Ein milder Winter hat dazu gef\u00fchrt, dass recht fr\u00fch Bl\u00fctezeit und Pollenflug eingesetzt haben. Auch einige heimische Insekten haben sich st\u00e4rker vermehrt. Doch wie sieht es aus mit neuen \u201ePlagegeistern\u201c wie exotischen Stechm\u00fccken oder eingewanderten Pflanzen wie der Beifu\u00dfambrosie? Welche Gefahren lauern, was kann man gegen ein weiteres Vordringen invasiver Arten tun?<\/p>\n<p>Die Experten vom LOEWE Biodiversit\u00e4t und Klima Forschungszentrum BiK-F, Prof. Sven Klimpel und Dr. Oliver Tackenberg, geben Auskunft.<\/p>\n<p><strong>Muss man mit mehr Stechm\u00fccken in diesem Sommer rechnen, auch mit mehr der eingewanderten Arten?<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_3057\" aria-describedby=\"caption-attachment-3057\" style=\"width: 150px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a class=\"dt-single-image\" href=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/A1_Foto_Klimpel.jpg\" rel=\"attachment wp-att-3057\" data-dt-img-description=\"\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-3057\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/A1_Foto_Klimpel-225x300.jpg\" alt=\"A1_Foto_Klimpel\" width=\"150\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/A1_Foto_Klimpel-225x300.jpg 225w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/A1_Foto_Klimpel-768x1024.jpg 768w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/A1_Foto_Klimpel.jpg 960w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-3057\" class=\"wp-caption-text\">Prof. Sven Klimpel; Foto: BiK-F<\/figcaption><\/figure>\n<p>Prof. Sven Klimpel: Heimische Stechm\u00fccken profitieren vom milden Winter. Ist es dann im Fr\u00fchjahr und Fr\u00fchsommer noch relativ feucht und warm, sind das ideale Bedingungen, um sich lokal explosionsartig zu vermehren. Der Klimawandel vergr\u00f6\u00dfert daneben langfristig den potenziellen Lebensraum von exotischen, invasiven Verwandten. Die absehbar bedeutendste Rolle in Europa spielen dabei Invasoren wie die Asiatische Tigerm\u00fccke (Aedes albopictus), Asiatische Buschm\u00fccke (Ochlerotatus japonicus) und die Gelbfieberm\u00fccke (Aedesaegypti). Es ist wahrscheinlich, dass beide Arten weiter nach Norden vordringen und sich somit in Europa weiter ausbreiten. Wichtig bei derartigen Betrachtungen ist der Einfluss von abiotischen und biotischen Faktoren \u2013 die u. a. zu einem dramatischen lokalen Massenauftreten von einheimischen M\u00fcckenarten f\u00fchren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Treten die neuen M\u00fcckenarten an bestimmten Orten besonders h\u00e4ufig auf, welche Stellen sollte man meiden, wie kann man sich sch\u00fctzen?<\/strong><\/p>\n<p>Klimpel: Beliebte Brutgebiete von (eingewanderten) Stechm\u00fccken sind u. a. stehende Kleinstgew\u00e4sser. Obwohl f\u00fcr Deutschland bisher keine etablierte Population der Asiatischen Tigerm\u00fccke bekannt ist, legen unsere Modellierungen eine baldige klimatische Eignung weiter Landesteile f\u00fcr eine potenzielle Besiedlung durch diese invasive Art nahe. Auch die Frage der Niederschl\u00e4ge der Zukunft in Deutschland sind f\u00fcr Asiatische Tigerm\u00fccken dabei von geringerer Bedeutung, da die Insekten in den neu besiedelten Gebieten prim\u00e4r in anthropogenen Kleinstgew\u00e4ssern wie z. B. Blumentopfuntersetzer, Friedhofsvasen, weggeworfenen Plastikflaschen, Getr\u00e4nkedosen oder alten Autoreifen br\u00fcten. Dadurch finden die M\u00fccken im M\u00fcll und in G\u00e4rten urbaner R\u00e4ume ideale Lebensbedingungen und \u00fcberdauern trocken-hei\u00dfe oder kalte Perioden problemlos in der unterirdischen Kanalisation bzw. in H\u00f6hlen. Die Asiatische Buschm\u00fccke ist beispielsweise derzeit in Baden-W\u00fcrttemberg, Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen etabliert. Asiatische Tigerm\u00fccken wurden immer wieder in S\u00fcddeutschland gefunden, eigene Populationen sind jedoch noch nicht nachgewiesen.<\/p>\n<p><strong>Wie gro\u00df ist die konkrete Gefahr, die von (neuen) M\u00fcckenarten ausgeht, hinsichtlich Infektionskrankheiten?<\/strong><\/p>\n<p>Klimpel: Im Jahr 2001 starben laut Sch\u00e4tzungen der Weltgesundheitsorganisation ca. 14,9 Millionen Menschen an Infektionskrankheiten. In den Industriel\u00e4ndern konnten im 20. Jahrhundert viele Infektionskrankheiten durch verbesserte Lebensbedingungen und Hygiene sowie den medizinischen Fortschritt zur\u00fcckgedr\u00e4ngt werden. Seit einigen Jahrzehnten spielen hier jedoch neu oder wieder auftretende Infektionskrankheiten und durch Vektoren, wie beispielsweise Stechm\u00fccken, \u00fcbertragene Krankheiten eine zunehmende Rolle. Neu einwandernde Arten wie die Tigerm\u00fccken sind ideale Tr\u00e4ger(Vektoren) von Viren, die das West-Nil-Fieber oder das Dengue-Fieber verursachen. In den kommenden Dekaden wird laut unseren Prognosen die Verbreitung von durch Vektoren \u00fcbertragenen Infektionskrankheiten (Vector-Borne Infectious Diseases = VBID) verst\u00e4rkt zunehmen. Um ein derartiges Risiko besser absch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen, arbeiten wir an einem bundesweiten Stechm\u00fccken-Monitoring.<\/p>\n<p><strong>Wie stark ist die Beifu\u00dfambrosie mittlerweile in unseren Breitengraden vertreten, sp\u00fcren Allergiker bereits die Anwesenheit der aggressiven Pollen?<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_3060\" aria-describedby=\"caption-attachment-3060\" style=\"width: 150px\" class=\"wp-caption alignright\"><a class=\"dt-single-image\" href=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/A1_Tackenberg_MG_0596-MEDIUM.jpg\" rel=\"attachment wp-att-3060\" data-dt-img-description=\"\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-3060\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/A1_Tackenberg_MG_0596-MEDIUM-200x300.jpg\" alt=\"A1_Tackenberg_MG_0596 MEDIUM\" width=\"150\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/A1_Tackenberg_MG_0596-MEDIUM-200x300.jpg 200w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/A1_Tackenberg_MG_0596-MEDIUM-768x1152.jpg 768w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/A1_Tackenberg_MG_0596-MEDIUM-683x1024.jpg 683w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-3060\" class=\"wp-caption-text\">Dr. Oliver Tackenberg; Foto BiK-F<\/figcaption><\/figure>\n<p>Dr. Oliver Tackenberg: Die urspr\u00fcnglich aus Nordamerika stammende Beifu\u00dfambrosie kommt in Deutschland noch eher selten vor. Sie ist aber im S\u00fcdosten Europas schon ein fester Bestandteil der Vegetation. Wie unsere Forschung zeigt, sind die europ\u00e4ischen Samen der Pflanze zudem nicht nur deutlich gr\u00f6\u00dfer, sie keimen auch wesentlich h\u00e4ufiger als diejenigen aus amerikanischen Populationen. Das Temperaturspektrum, in dem sie keimen k\u00f6nnen, ist breiter und die Keimgeschwindigkeit ist auch h\u00f6her. Europ\u00e4ische Jungpflanzen sind auch frosttoleranter, was eine Ausbreitung in<br \/>\nn\u00f6rdlichere Regionen beg\u00fcnstigen d\u00fcrfte.<\/p>\n<p><strong>Wann fliegen die Pollen der Ambrosia-Pflanze?<\/strong><\/p>\n<p>Tackenberg: Beifu\u00dfambrosie-Pollen fliegen im Sp\u00e4tsommer und lange bis in den Herbst hinein. Neben dem Wann ist vor allem das Wo entscheidend. Die Pflanze wird unseren Studien zufolge in den kommenden Jahren ihr Areal mit hoher Wahrscheinlichkeit erheblich erweitern, wenn man sie nicht bek\u00e4mpft. Dabei kommt ihr nicht nur die Ausbreitung der Samen durch den Menschen und der Klimawandel, sondern auch die bereits genannten evolution\u00e4ren Ver\u00e4nderungen, die die Pflanze konkurrenzf\u00e4higer machen, zugute. Experten gehen davon aus, dass durch Ambrosia-Allergien zus\u00e4tzliche<br \/>\nKosten f\u00fcr das Gesundheitswesen von bis zu 1,19 Milliarden Euro pro Jahr entstehen werden.<\/p>\n<p><strong>K\u00f6nnen auch B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger etwas gegen die Ausbreitung der Ambrosia-Pflanze tun?<\/strong><\/p>\n<p>Tackenberg: Allergie- und Asthmaverb\u00e4nde raten, die G\u00e4rten vor der Bl\u00fcte der Pflanze, insbesondere im Sommer, regelm\u00e4\u00dfig auf deren Vorkommen zu kontrollieren und sie gegebenenfalls mitsamt der Wurzel auszurei\u00dfen und im M\u00fcll zu entsorgen. Mit Blick auf die m\u00f6glichen Gesundheitssch\u00e4den brauchen wir jedoch auch eine konzertierte, nationale Bek\u00e4mpfungsstrategie, wie sie in der Schweiz existiert. Dort ist jeder einzelne B\u00fcrger, aber auch die Beh\u00f6rden gesetzlich verpflichtet, Vorkommen der Pflanze zu melden und zu bek\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>[dt_call_to_action content_size=&#8220;small&#8220; background=&#8220;fancy&#8220; line=&#8220;true&#8220; animation=&#8220;fadeIn&#8220;]<\/p>\n<p>Weitere Infos unter: <a href=\"http:\/\/www.bik-f.de\/\" target=\"_blank\">http:\/\/www.bik-f.de\/ <\/a><\/p>\n<p>[\/dt_call_to_action]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein milder Winter hat dazu gef\u00fchrt, dass recht fr\u00fch Bl\u00fctezeit und Pollenflug eingesetzt haben. Auch einige heimische Insekten haben sich st\u00e4rker vermehrt. 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