{"id":34528,"date":"2019-01-02T08:28:46","date_gmt":"2019-01-02T07:28:46","guid":{"rendered":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=34528"},"modified":"2018-12-21T15:31:49","modified_gmt":"2018-12-21T14:31:49","slug":"experten-fuer-krieg-und-frieden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/studium\/experten-fuer-krieg-und-frieden\/","title":{"rendered":"Experten f\u00fcr Krieg und Frieden"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_34529\" aria-describedby=\"caption-attachment-34529\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-34529\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/blog_UR_NMUN-HSFK.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"277\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/blog_UR_NMUN-HSFK.jpg 650w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/blog_UR_NMUN-HSFK-300x208.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-34529\" class=\"wp-caption-text\">Die Goethe-Universit\u00e4t sendet einmal im Jahr eine Delegation zur NMUN nach New York.<\/figcaption><\/figure>\n<p><em><strong>Unter den sechs Standorten in Deutschland, an denen man studieren kann, warum Kriege entstehen und was Frieden sichert, bietet Frankfurt durch enge Kooperation mit der TU Darmstadt und der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK) ein besonders breites Spektrum.<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Der Bologna-Reform ist es zu verdanken, dass wir neue, interdisziplin\u00e4re Masterstudieng\u00e4nge entwickeln konnten\u201c, erkl\u00e4rt Tanja Br\u00fchl, bis vor Kurzem Vizepr\u00e4sidentin der Goethe-Universit\u00e4t und Professorin am gr\u00f6\u00dften Institut f\u00fcr Politikwissenschaft in Deutschland. Am Entstehen des Masterstudiengangs \u201eInternationale Studien\/ Friedens- und Konfliktforschung\u201c hat sie 2007\/8 ma\u00dfgeblich mitgewirkt.<\/p>\n<p>\u201eHeute k\u00f6nnen wir uns vor Bewerbungen nicht retten\u201c, sagt sie. 500 bis 600 Studierende bewerben sich jedes Wintersemester um die 60 Studienpl\u00e4tze, die meisten davon mit Politikwissenschaft im Haupt- oder Nebenfach. Was sie motiviert, sind aus Br\u00fchls Erfahrung vor allem zwei Dinge: \u201eSie m\u00f6chten empirisch verstehen, wie sich Kriege entwickeln und welche Faktoren Frieden beg\u00fcnstigen. Oder haben den normativen Ansatz, die Welt besser zu machen. Beides ist legitim.\u201c<\/p>\n<h3>Starke Partner<\/h3>\n<p>Die Friedensforschung sei eine junge Disziplin, die erst in den 60er-Jahren entstand. Von Anfang an habe die Goethe-Universit\u00e4t eng kooperiert mit dem Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung. \u201eAls der Wunsch nach einem entsprechenden Studienangebot aufkam, konnten wir die HSFK gl\u00fccklicherweise einbinden.\u201c Das sei f\u00fcr ein Forschungsinstitut eher ungew\u00f6hnlich.<\/p>\n<p>Mit dem Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Theorie internationaler Beziehungen, normative Grundlagen der Weltordnung, Globalisierungsprozesse, internationale Akteure und viele Bausteine mehr soll sich der Blick weiten, sollen die Studierenden die F\u00e4higkeit zu einer differenzierten Analyse von inner- und zwischenstaatlichen Konflikten sowie einer reflektierten Entwicklung von Strategien der Konfliktregelung und Friedensf\u00f6rderung gewinnen.<\/p>\n<p>Wahlpflichtmodule, in denen die Rechts- und Wirtschaftswissenschaften sowie Ingenieur- und Naturwissenschaften mitwirken, sind Teil des Masterstudiengangs. \u201eUm den Studiengang richtig einzigartig zu machen, fehlte uns damals nur noch die naturwissenschaftliche Friedensforschung, wie sie an der TU Darmstadt vertreten wird. Wichtig ist uns nat\u00fcrlich auch die Einbindung der politikwissenschaftlichen Expertise der Darmst\u00e4dter Kolleg*innen\u201c, sagt Tanja Br\u00fchl.<\/p>\n<p>Die Partner-Universit\u00e4t bereichert den Studiengang um Themen wie technikbedingte Konflikte durch den Umgang mit nuklearer und biotechnologischer Forschung und Technologie, Klimapolitik oder den Zusammenhang von Internationaler Entwicklungszusammenarbeit und Technologieeinsatz. Das Konzept sieht vor, dass mindestens sechs Lehrveranstaltungen an der Universit\u00e4t Frankfurt und vier an der Technischen Universit\u00e4t Darmstadt besucht werden.<\/p>\n<p>Angenehmer Nebeneffekt: Die Studierenden sind an beiden Unis eingeschrieben und profitieren so nicht nur von geballtem Wissen, sondern auch doppeltem Zugang zu Bibliotheken oder Partneruniversit\u00e4ten im Ausland. Das ist in diesem Studiengang sehr hilfreich, denn \u00fcber 50 Prozent der Studierenden machen ein Auslandssemester oder waren zuvor im Ausland.<\/p>\n<h3>Lust am Debattieren<\/h3>\n<p>\u201eIch sage den Erstsemestern immer, sie sollen sich ihre Sitznachbarin oder ihren Sitznachbarn noch einmal gut anschauen, weil jede Person sich ihr eigenes Profil baut und sie sich m\u00f6glicherweise so schnell nicht wiedersehen\u201c, sagt Br\u00fchl. Zu den Voraussetzungen z\u00e4hlt sie neben einem guten Bachelorabschluss, profunden Englischkenntnissen und einem \u00fcberzeugenden Motivationsschreiben vor allem Neugier, Lust am Lesen (\u201ees geht darum, viele Theorien aufzuarbeiten\u201c) und Lust am Debattieren.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich findet auch die Tagespolitik regelm\u00e4\u00dfig Eingang in die Debatten. \u201eWir haben unruhige Zeiten. Das globale Kr\u00e4ftegleichgewicht verschiebt sich etwa durch das Erstarken Chinas. Und durch soziale Medien dringt vieles ungefiltert und einseitig zu den Menschen durch.\u201c Wie man bei kontroversen Themen die Perspektiven anderer Nationalit\u00e4ten einnimmt und Pro und Contra sorgsam abw\u00e4gt, geh\u00f6rt zu den erw\u00fcnschten Lernzielen im Studium.<\/p>\n<p>Besonders gut transportiert dies das internationale Rollenspiel \u201eNational Model UN\u201c, bei dem studentische Delegationen der Goethe-Uni schon h\u00e4ufig Preise gewonnen haben. Am Standort New York simulieren Uni-Teams aus vielen L\u00e4ndern echte UNO-Debatten, indem sie im Plenum die Interessen eines bestimmten Landes vertreten. \u201eWir vertreten diesmal gemeinsam mit der University of Texas Frankreich\u201c, sagt Br\u00fchl.<\/p>\n<p>Es sei eine besondere Herausforderung, den amerikanischen Studierenden n\u00e4herzubringen, wie die EU funktioniert. \u201eEinmal waren wir die Islamische Republik Iran und mussten lernen, \u00fcber die Frauenrechte ganz anders zu diskutieren, als wir das mit unserer westlichen Denke normalerweise tun\u201c, erinnert sich Br\u00fchl. Man nimmt was f\u00fcrs Leben mit, ist sie sicher.<\/p>\n<p>Die Mischung aus Faktenwissen \u00fcber das Land, Einblicke in die UNO und interkulturellem Lernen sei so gro\u00dfartig, dass ehemalige Delegierte eine \u00e4hnliche Veranstaltung f\u00fcr Studierende in Frankfurt etabliert haben: MainMUN. Seit dem Winter 2005 verwandelt sich der Campus Westend der Goethe-Universit\u00e4t j\u00e4hrlich f\u00fcr vier Tage in diplomatisches Parkett.<\/p>\n<p>Die Konferenz f\u00fcr rund 200 Delegierte aus ganz Europa samt Rahmenprogramm, zu dem Expert*innenrunden, prominente Gastredner*innen \u2013 die genderneutrale Sprache ist den Poltikwissenschaftlern wichtig \u2013 und Abendveranstaltungen geh\u00f6ren, werden von einem Team Studierender ehrenamtlich organisiert und durchgef\u00fchrt. Diese Erfahrung kann, genauso wie das zweimonatige Pflichtpraktikum, dabei helfen, beruflich Fu\u00df zu fassen.<\/p>\n<p>Die M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Absolventen und Absolventinnen bewertet Br\u00fchl als sehr gut. \u201eWir bilden nicht f\u00fcr einen bestimmten Berufsweg aus. Unsere Absolvent*innen k\u00f6nnen bei vielen Arbeitgebern unterkommen.\u201c Die Liste reiche von der Gesellschaft f\u00fcr Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und der Kreditanstalt f\u00fcr Wiederaufbau (KfW) im Rhein-Main-Gebiet \u00fcber internationale Organisationen wie UNO, EU, die ausw\u00e4rtigen \u00c4mter aller L\u00e4nder und diverse NGOs bis zu Bildungstr\u00e4gern, Medien und Parteien.<\/p>\n<p>[dt_call_to_action content_size=&#8220;small&#8220; background=&#8220;fancy&#8220; line=&#8220;false&#8220; animation=&#8220;fadeIn&#8220;]<\/p>\n<h4>Fragen an Martin von Langenthal, Student des Masterstudienganges ISFK:<\/h4>\n<p><em><strong>Warum haben Sie sich f\u00fcr den Studiengang entschieden?<\/strong> <\/em><\/p>\n<p>Die Gr\u00f6\u00dfe des Instituts in Frankfurt, die Einbindung der HSFK und die Kooperation mit der TU Darmstadt breiten ein sehr gro\u00dfes fachliches Spektrum aus, in dem man sich relativ frei spezialisieren kann. Das ist in meinen Augen deutschlandweit einzigartig und ich bin immer wieder froh, daran teilhaben zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><em><strong>Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?<\/strong> <\/em><\/p>\n<p>Meine Erfahrungen mit dem ISFK Master sind ganz \u00fcberwiegend positiv. Nat\u00fcrlich sind die Seminare im Master fordernder als im Bachelor, das empfinde ich als sehr positiv, da in meinen Augen mit den gestiegenen Anforderungen auch z.B. die Qualit\u00e4t von Diskussionen in Seminaren steigt. Die hohen Anforderungen f\u00fchren auch dazu, dass die ganz \u00fcberwiegende Mehrheit der Studierenden den Master nicht in Regelstudienzeit abschlie\u00dft. Nat\u00fcrlich ist auch der ISFK Master davon betroffen, dass die Studierendenzahl immer weiter zunimmt. Ernsthafte Probleme, einen Platz in einem Seminar, an dem ich teilnehmen wollte, zu bekommen, hatte ich noch nicht. Lehrveranstaltungen am FB 03 sind meist f\u00fcr ganz unterschiedliche Studieng\u00e4nge ge\u00f6ffnet, aber ich glaube, die Studierenden des ISFK Masters haben unter den Dozenten einen sehr guten Ruf, was sicherlich auch den Auswahlkriterien f\u00fcr den Master geschuldet ist. Meiner eigenen subjektiven Wahrnehmung nach sind es dann auch oft ISFK-Studierende, die Leistungstr\u00e4ger in Lehrveranstaltungen sind. Abschlie\u00dfend m\u00f6chte ich noch hervorheben, dass das Verh\u00e4ltnis unter den ISFKlern sehr gut ist. Da die Anzahl der Studierenden im Master \u00fcberschaubar ist und jedes Jahr nur eine geringe Anzahl neu anf\u00e4ngt, kennt und sch\u00e4tzt man sich gegenseitig.<\/p>\n<p><em><strong>Wem w\u00fcrden Sie den Studiengang empfehlen, wem nicht?<\/strong> <\/em><\/p>\n<p>Die Empfehlung f\u00fcr den Studiengang ergibt sich aus dem fachlichen Interesse. Im Vergleich zu weniger spezialisierten Master-Angeboten befasst man sich nat\u00fcrlich viel umfangreicher mit Fragen der Internationalen Beziehungen und der Friedens- und Konfliktforschung. Wer sich f\u00fcr solche Fragestellungen interessiert, ist genau richtig im ISFK Master. Diese Spezialisierung empfindet manch anderer vielleicht aber auch als Einschr\u00e4nkung, dem der Studiengang dann nicht empfohlen werden kann. Wer gerne quantitativ arbeiten m\u00f6chte, ist vermutlich auch nicht zu hundert Prozent richtig in dem Master. Quantitative Expertise wird zwar hoch gesch\u00e4tzt, die meisten Dozenten haben aber selbst einen eher qualitativen Schwerpunkt und die Weiterentwicklung der eigenen Kenntnisse der quantitativen Forschung muss dementsprechend weitgehend im Selbststudium erfolgen. Wenn man sich zwischen den wenigen Friedens- und Konfliktforschungsmastern in Deutschland entscheiden m\u00f6chte, sollte man immer die inhaltliche Schwerpunktsetzung der Universit\u00e4ten im Kopf behalten.<\/p>\n<p>[\/dt_call_to_action]<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>[Autorin: Julia Wittenhagen]<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Dieser Artikel ist in der Ausgabe 6.18 des UniReport erschienen.\u00a0<a href=\"http:\/\/www.unireport.info\/75287628\/unireport_6-18.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">PDF-Download \u00bb<\/a><\/em><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unter den sechs Standorten in Deutschland, an denen man studieren kann, warum Kriege entstehen und was Frieden sichert, bietet Frankfurt durch enge Kooperation mit der TU Darmstadt und der Hessischen 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