{"id":34633,"date":"2018-12-13T11:18:54","date_gmt":"2018-12-13T10:18:54","guid":{"rendered":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=34633"},"modified":"2018-12-13T11:18:54","modified_gmt":"2018-12-13T10:18:54","slug":"zahnschmelz-untersuchungen-zeigen-was-urmenschen-am-malawi-see-assen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/forschung\/zahnschmelz-untersuchungen-zeigen-was-urmenschen-am-malawi-see-assen\/","title":{"rendered":"Zahnschmelz-Untersuchungen zeigen, was Urmenschen am Malawi-See a\u00dfen"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_34634\" aria-describedby=\"caption-attachment-34634\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-34634\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/blog_pm_zahnschmelzuntersuchungen_malawi_rift_view_fschrenk.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"277\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/blog_pm_zahnschmelzuntersuchungen_malawi_rift_view_fschrenk.jpg 650w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/blog_pm_zahnschmelzuntersuchungen_malawi_rift_view_fschrenk-300x208.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-34634\" class=\"wp-caption-text\">Der Lebensraum der untersuchten Homini heute, im Hintergrund der Malawisee, Foto: Friedemann Schrenk<\/figcaption><\/figure>\n<p>Sich von regionalen und saisonalen Produkten zu ern\u00e4hren, war f\u00fcr den Urmenschen allt\u00e4glich. Dabei waren die fr\u00fchen Urmenschenarten <em>Homo rudolfensis<\/em> und die \u201eNu\u00dfknacker-Menschen\u201c <em>Paranthropus boisei<\/em>, die vor 2,4 Millionen Jahren in Malawi lebten, \u00fcberraschend anpassungsf\u00e4hig. Wie ein Forscherteams der Goethe-Universit\u00e4t und der Senckenberg Gesellschaft f\u00fcr Naturforschung jetzt anhand von fossilem Zahnschmelz herausgefunden hat, \u00e4nderten die fr\u00fchen Urmenschen ihren Speiseplan gem\u00e4\u00df regionaler Ressourcen. Diese Flexibilit\u00e4t hat zu ihrer erfolgreichen Ausbreitung beigetragen. Die Ergebnisse aus dem s\u00fcd\u00f6stlichen Afrika schlie\u00dfen eine bedeutende Wissensl\u00fccke, berichten die Forscher in der aktuellen Ausgabe der \u201eProceedings of the National Academy of Sciences\u201c.<\/p>\n<p>Wer wissen will, was unsere Vorfahren vor rund 4 bis 1,4\u00a0 Millionen Jahren a\u00dfen, kann auf Daten aus Fossilien-Fundst\u00e4tten im ostafrikanischen Graben im heutigen Kenia und \u00c4thiopien zur\u00fcckgreifen sowie auf Funde in s\u00fcdafrikanischen H\u00f6hlen. Zwischen den beiden Regionen liegen rund 3000 Kilometer. Wovon sich die Urmenschen in diesem Teil der \u201eWiege der Menschheit\u201c ern\u00e4hrten, war bislang nicht bekannt.<\/p>\n<p>Ein Forscherteam der Goethe-Universit\u00e4t und der Senckenberg Gesellschaft f\u00fcr Naturforschung hat zur L\u00f6sung dieses R\u00e4tsels fossilen Zahnschmelz von drei <em>Homo rudolfensis<\/em> und <em>Paranthropus boisei<\/em>-Individuen untersucht, die vor circa 2,4 Millionen Jahren an den Ufern des Malawisees lebten. Zahnschmelz ist die best\u00e4ndigste Substanz von Wirbeltieren. Selbst nach Jahrmillionen l\u00e4sst sich aus dessen Kohlenstoff und Sauerstoff-Isotopenzusammensetzung rekonstruieren, was das Individuum gegessen hat. Geochemische Analysen erm\u00f6glichen es, die aufgenommenen Anteile von Pflanzen mit verschiedenen Photosynthesewegen zu unterscheiden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_34635\" aria-describedby=\"caption-attachment-34635\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption alignright\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-34635\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/blog_pm_zahnschmelzuntersuchungen_unterkiefer_homorudolfensis_malawi_hessischeslandesmuseum.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"277\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/blog_pm_zahnschmelzuntersuchungen_unterkiefer_homorudolfensis_malawi_hessischeslandesmuseum.jpg 650w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/blog_pm_zahnschmelzuntersuchungen_unterkiefer_homorudolfensis_malawi_hessischeslandesmuseum-300x208.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-34635\" class=\"wp-caption-text\">Unterkiefer eines 2,4 Millionen Jahre alten Homo rudolfensis, Fundst\u00e4tte Uraha nahe des Malawisee, Foto: Hessisches Landesmuseum<\/figcaption><\/figure>\n<p>\u201eDie von uns untersuchten <em>Homo rudolfensis<\/em> und <em>Paranthropus boisei<\/em> haben sich insgesamt zu 60 bis 70 Prozent von C3-Photosynthese-Pflanzen ern\u00e4hrt, die innerhalb des Grabensystems vorkamen. Das waren vermutlich vornehmlich Teile von B\u00e4umen, beispielsweise deren Fr\u00fcchte, Bl\u00e4tter und Knollen. Es wurden betr\u00e4chtlich weniger Pflanzenbestandteile verzehrt, die heute in offenen afrikanischen Savannen dominieren, n\u00e4mlich Pflanzen die C4-Photosysnthese betreiben. Ein untersuchtes <em>Homo rudolfensis<\/em>-Individuum hat sogar fast ausschlie\u00dflich C3-Pflanzenmaterial zu sich genommen\u201c, erkl\u00e4rt die Leiterin der Studie, Dr. Tina L\u00fcdecke, Senckenberg Biodiversit\u00e4t und Klima Forschungszentrum.<\/p>\n<p>Wie das Team rekonstruiert hat, wuchsen im fr\u00fchen Pleistoz\u00e4n am Malawisee in \u00fcppiger Menge B\u00e4ume und andere C3-Pflanzen. Im Vergleich zu offeneren Lebensr\u00e4umen in Ostafrika f\u00fchrte hier ein k\u00fchleres und feuchteres Klima zur Ausbreitung von Baumsavannen. Zus\u00e4tzlich analysierte fossile Z\u00e4hne von umherziehenden Urpferden und Antilopen belegen, dass in gr\u00f6\u00dferer Entfernung vom Malawisee ausreichend C4-Pflanzenmaterial zur Verf\u00fcgung stand. Doch <em>Homo rudolfensis<\/em> und <em>Paranthropus boisei<\/em> zogen es nicht nur wegen des Zugangs zum Wasser vor, in Seen\u00e4he zu bleiben, sondern auch um von dessen lokalen Resourcen zu profitieren.<\/p>\n<p>Etwa zeitgleich zu den untersuchten <em>Homo rudolfensis<\/em> und <em>Paranthropus boisei<\/em> lebte weiter n\u00f6rdlich im ostafrikanischen Graben <em>Paranthropus aethiopicus<\/em>. Im Gegensatz zu den Malawisee-Anwohnern nahm er deutlich mehr C4-Pflanzen zu sich. Solche C4-Pflanzen waren in der trockenen Graslandschaft des ostafrikanischen Grabens, in der <em>Paranthropus aethiopicus<\/em> lebte, eher zur Hand. \u201eDas zeigt uns, dass einige der fr\u00fchen Urmenschen \u00fcberraschenderweise schon vor 2,4 Millionen Jahren in der Lage waren, ihre Ern\u00e4hrung auf ihre Umgebung auszurichten\u201c, kommentiert L\u00fcdecke.<\/p>\n<figure id=\"attachment_34639\" aria-describedby=\"caption-attachment-34639\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-34639\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/blog_pm_zahnlschmelzuntersuchungen_zahnreste_paranthropusbosei_malawi_hessischeslandesmuseum_300dpi_2.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"277\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/blog_pm_zahnlschmelzuntersuchungen_zahnreste_paranthropusbosei_malawi_hessischeslandesmuseum_300dpi_2.jpg 650w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/blog_pm_zahnlschmelzuntersuchungen_zahnreste_paranthropusbosei_malawi_hessischeslandesmuseum_300dpi_2-300x208.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-34639\" class=\"wp-caption-text\">Zahnreste des ungef\u00e4hr zur gleichen Zeit lebenden Paranthropus bosei, Fundst\u00e4tte Malema nahe des Malawisees, Foto: Hessisches Landesmuseum<\/figcaption><\/figure>\n<p>Zu diesem Befund passen auch bisherige Auswertungen von <em>Paranthropus<\/em>&#8211; und <em>Homo<\/em>-Vertretern, die vor zwei Millionen Jahren lebten und die dieses Verhalten fortf\u00fchrten. Wer in den s\u00fcdafrikanischen W\u00e4ldern lebte, ern\u00e4hrte sich weiter ma\u00dfgeblich von C3-Pflanzen. Ihre Verwandten im trockeneren Norden hingegen a\u00dfen zunehmend die dort wachsenden C4-Pflanzen, die auch heute noch f\u00fcr viele Bewohner der Erde Hauptnahrungsmittel sind.<\/p>\n<p>\u201eSoweit wir bisher wissen, gab es keine anderen Primaten, die ihre Ern\u00e4hrung so flexibel handhabten. Dass die fr\u00fchen Urmenschen ihren Speiseplan differenziert an verschiedene Umweltbedingungen anpassen konnten, war daher sicher einer der Schl\u00fcssel zum Erfolg auf dem Weg zu <em>Homo sapiens<\/em>\u201c, bilanziert Privatdozent Dr. Ottmar Kullmer, einer der Co-Autoren der Studie von der Goethe-Universit\u00e4t und vom Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum.<\/p>\n<p>[dt_call_to_action content_size=&#8220;small&#8220; background=&#8220;fancy&#8220; line=&#8220;true&#8220; animation=&#8220;fadeIn&#8220;]<\/p>\n<p><strong>Publikation:\u00a0<\/strong>L\u00fcdecke, T. et al. (2018): Dietary Versatility of Early Pleistocene Hominins. PNAS, doi: 10.1073\/pnas.1809439115;\u00a0<a href=\"https:\/\/www.pnas.org\/content\/early\/2018\/12\/05\/1809439115\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.pnas.org\/content\/early\/2018\/12\/05\/1809439115<\/a><\/p>\n<p>[\/dt_call_to_action]<\/p>\n<p><em><strong>Quelle: Pressemitteilung der Goethe-Uni vom 13. Dezember 2018<\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sich von regionalen und saisonalen Produkten zu ern\u00e4hren, war f\u00fcr den Urmenschen allt\u00e4glich. 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