{"id":34691,"date":"2018-12-18T12:22:48","date_gmt":"2018-12-18T11:22:48","guid":{"rendered":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=34691"},"modified":"2018-12-18T09:22:58","modified_gmt":"2018-12-18T08:22:58","slug":"wissenschaftstag-4genderstudies-interview-mit-vizepraesident-prof-rolf-van-dick","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/studium\/wissenschaftstag-4genderstudies-interview-mit-vizepraesident-prof-rolf-van-dick\/","title":{"rendered":"Wissenschaftstag #4genderstudies \/ Interview mit Vizepr\u00e4sident Prof. Rolf van Dick"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_34698\" aria-describedby=\"caption-attachment-34698\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-34698\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/blog_genderstudies_vandick.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"277\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/blog_genderstudies_vandick.jpg 650w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/blog_genderstudies_vandick-300x208.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-34698\" class=\"wp-caption-text\">Prof. Rolf van Dick, Vizepr\u00e4sident der Goethe-Universit\u00e4t, Foto: CGC\/Mandy Gratz<\/figcaption><\/figure>\n<p>Am 18. Dezember 2018 findet zum zweiten Mal der Wissenschaftstag #4genderstudies statt. Ziel ist es, kurz und knapp verst\u00e4ndlich zu machen, was Gender Studies sind und tun. Unter dem #4genderstudies und mit Statements wird aufgezeigt, was Geschlechterforschung leistet und warum Geschlechterperspektiven f\u00fcr die Gesellschaft als Ganzes von Bedeutung sind. Geschlechterforschung steht unter Druck \u2013 Geschlechterforscher*innen sind zunehmend Hetzkampagnen und Angriffen ausgesetzt, in Ungarn wurde das Studienfach gar verboten.<\/p>\n<p>Das betrifft auch die Goethe-Universit\u00e4t: denn das <a href=\"http:\/\/www.cgc.uni-frankfurt.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Cornelia Goethe Centrum<\/a> f\u00fcr Frauenstudien und die Erforschung der Geschlechterverh\u00e4ltnisse kooperiert u.a. im Rahmen des Erasmusprogramm mit der Central European University in Budapest. Der Wissenschaftstag stellt eine Antwort auf diese Entwicklungen dar. Er bietet au\u00dferdem die M\u00f6glichkeit, Gender Studies zu unterst\u00fctzen \u2013 auch wenn es sich nicht um die eigene Forschungsperspektive oder das eigene Forschungsfeld handelt. Denn: welche Forschungsrichtung wird es als n\u00e4chstes treffen?<\/p>\n<h3>Interview mit Prof. Rolf van Dick, Vizepr\u00e4sident der Goethe-Universit\u00e4t<\/h3>\n<p><em><strong>CGC: Prof. van Dick, Sie sind an der Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt seit diesem Jahr auch Vizepr\u00e4sident f\u00fcr Internationalisierung, Nachwuchs, Diversit\u00e4t und Gleichstellung. Am 18.12.2018 findet zum zweiten Mal der Wissenschaftstag #4genderstudies statt. Welche Bedeutung hat die Geschlechterforschung f\u00fcr Ihre Arbeit?<\/strong><\/em><\/p>\n<p><strong>Prof. Rolf van Dick:<\/strong> F\u00fcr meine Aufgabe als Vizepr\u00e4sident und meine Zust\u00e4ndigkeit im Gleichstellungsb\u00fcro ist es mir ein Anliegen zu schauen, ob wir nicht mehr Frauen f\u00f6rdern k\u00f6nnen, dort &#8211; wo sie gef\u00f6rdert werden m\u00fcssen. Ich finde, dass das Kaskadenmodell ein gutes Modell f\u00fcr die F\u00f6rderung des wissenschaftlichen Nachwuchses an der Uni Frankfurt ist. Das Modell besagt, dass der angezielte Frauenanteil jeder wissenschaftlichen Karrierestufe durch den bereits bestehenden Anteil von Frauen in der direkt darunter liegenden Karrierestufe bestimmt wird. Das bedeutet, dass wir uns die Repr\u00e4sentanz von Frauen auf der jeweils niedrigeren Qualifikationsebene ansehen \u2013 also von den Studierenden zu den Doktorandinnen, von den Doktorandinnen zu den Habilitandinnen und so weiter \u2013 und wenn wir an bestimmten Stellen Br\u00fcche wahrnehmen, also dass das Verh\u00e4ltnis in ein Ungleichgewicht ger\u00e4t, dort ansetzen. Das hei\u00dft, dass wir uns damit befassen, welche Ursachen diesem Ungleichgewicht zugrunde liegen und was wir ver\u00e4ndern k\u00f6nnen, um wieder zu einem Gleichgewicht zu kommen. In diesem Bereich wird an der Goethe Universit\u00e4t viel getan. Aber wir k\u00f6nnen nat\u00fcrlich auch immer besser werden.<\/p>\n<p><strong><em>Wie sieht das konkret aus?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Zum Beispiel betreiben wir aktive Rekrutierung. Hier m\u00fcssen die Fachbereiche bei Berufungsverfahren offen legen, wie sie sich um weibliche Kandidatinnen bem\u00fcht haben. Aktive Ansprache von Frauen belohnen wir mit der M\u00f6glichkeit, Mittel f\u00fcr Reisekosten oder \u00e4hnliches f\u00fcr die Bewerberinnen bei uns abzurufen. Mit solchen kleinen Sachen k\u00f6nnen wir bereits viel erreichen. Es geht dabei aber auch immer um fordern und f\u00f6rdern. Wenn man es nicht aktiv unterst\u00fctzt, wenn man diese Ans\u00e4tze nicht auch mit Mitteln hinterlegt, dann passiert leider wenig. Die Bereitstellung von Mitteln ist nat\u00fcrlich ein Signal des Pr\u00e4sidiums, dass wir es mit dem Thema Gleichstellung ernst meinen. Mit meinem Amtsantritt habe ich nicht nur die Bereiche Gleichstellung, Diversit\u00e4t und Early Career Research, sondern auch den Bereich Internationalisierung \u00fcbernommen. Diese Bereiche haben sehr viel miteinander zu tun. An wen kann sich zum Beispiel eine weibliche Doktorandin aus dem Ausland wenden? An das Goethe Welcome Center? An das International Office? Geht sie zu GRADE? Oder geht sie, wenn sie ein Problem hat, ins Gleichstellungsb\u00fcro? Daher m\u00fcssen wir perspektivisch die Kernaufgaben der Abteilungen bzw. Institutionen und deren m\u00f6gliche Synergieeffekte im Blick halten.<\/p>\n<p><strong><em>Neben Ihrer T\u00e4tigkeit als Vizepr\u00e4sident sind Sie seit 2006 Professor f\u00fcr Sozialpsychologie an der Goethe-Universit\u00e4t. Welche Rolle spielen die Gender Studies in Ihrer wissenschaftlichen Auseinandersetzung?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>In meiner Forschung in der Abteilung f\u00fcr Sozialpsychologie interessiert mich die Genderforschung \u00fcberall dort, wo wir \u00fcber Diversit\u00e4t und F\u00fchrung sprechen. Wir haben zum einen eine ganze Reihe von Studien zum Thema Diversit\u00e4t in Gruppen durchgef\u00fchrt. Geschlecht ist immer eine Dimension von Diversit\u00e4t. Zum anderen haben wir uns damit besch\u00e4ftigt, wie stark Frauen motiviert sind, F\u00fchrungspositionen einzunehmen. In unseren Untersuchungen, z.B. mit Studierenden und Besch\u00e4ftigten, haben wir festgestellt, dass Frauen etwas weniger motiviert sind, F\u00fchrungsrollen einzunehmen als M\u00e4nner. Wir sehen die Ursache daf\u00fcr in Sozialisationspraktiken und \u2013prinzipien: Kleine M\u00e4dchen werden in der Regel nicht durch ihr Umfeld auf F\u00fchrungsaufgaben vorbereitet. Wir glauben, dass das Thema Macht f\u00fcr Frauen eher negativ besetzt ist, w\u00e4hrend es f\u00fcr M\u00e4nner positiv besetzt ist. Kleine Jungs werden zum Beispiel dazu ermutigt, sich durchzusetzen. Diese Unterschiede verschwinden auch nicht ohne weiteres, wenn man tolerante Eltern hat oder selber als Eltern tolerant ist, da Sozialisation in einem gr\u00f6\u00dferen Kontext stattfindet. Gleichzeitig haben wir aber auch Studien durchgef\u00fchrt, in denen wir zeigen konnten, dass bereits das Zeigen von Bildern von erfolgreichen Frauen im Rahmen von Pr\u00e4sentationen zum Thema F\u00fchrungskr\u00e4fte den Genderbias beeinflusst.<\/p>\n<p><strong><em>In den Bereichen, in denen Sie an der Goethe Universit\u00e4t t\u00e4tig sind, spielen die Gender Studies offenbar eine<\/em><\/strong><br \/>\n<strong><em>wichtige Rolle. Aber welche Bedeutung hat dieses Thema f\u00fcr die gesamte Universit\u00e4t?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Innerhalb des Pr\u00e4sidiums bin ich auch f\u00fcr das Cornelia Goethe Centrum zust\u00e4ndig. Daher war ich auch beim 20-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um des Centrums im letzten Jahr zu Gast. Es ist beachtlich, was dort mit vergleichsweise wenig Mitteln auf die Beine gestellt wird. Ich finde die dortige Vielfalt an F\u00e4cherkulturen toll. Besonders gef\u00e4llt mir, dass nicht nur Frauen engagiert sind, sondern auch M\u00e4nner, wenn auch nicht viele. Das Frankfurter Cornelia Goethe Centrum und die Frankfurter Gender Studies sind international sichtbar. Die Forschung der CGC-Mitglieder hilft uns auf vielf\u00e4ltige Weise bei unserer Arbeit. Aus meiner Perspektive ist das CGC in erster Linie nat\u00fcrlich eine Forschungsplattform und das ist gut so. Je mehr man sich heute vernetzt, je mehr man Fragestellungen interdisziplin\u00e4r erarbeitet, je mehr man sich Rat und Unterst\u00fctzung holen kann, umso besser ist die Forschung. Au\u00dferdem gibt es den B.A.-Nebenfachstudiengang Gender Studies. Mit dem breiten, interdisziplin\u00e4ren Studienangebot erreichen wir eine gro\u00dfe Anzahl von Studierenden, die sich f\u00fcr das Thema interessieren.<\/p>\n<p>Das finde ich wichtig, weil ich zunehmend wahrnehme, dass sich ein Klima in der Gesellschaft breit macht, in dem Bemerkungen wieder hoff\u00e4hig werden, die noch vor wenigen Jahren nicht toleriert worden w\u00e4ren. In Deutschland wird das z.B. durch PEGIDA und in der Partei Alternative f\u00fcr Deutschland (AfD) sichtbar. Aber man kann diese Entwicklung durchaus auch an der Goethe-Universit\u00e4t sp\u00fcren. Dem versuchen wir von Seiten des Gleichstellungsb\u00fcros aktiv zu begegnen, beispielsweise mit unserer aktuellen Kampagne \u201elaut*stark sexualisierter Gewalt und Diskriminierung entgegentreten\u201c. Es geht darum hinzuschauen und etwas zu tun, wenn man etwas beobachtet. Ich denke, dass das auch auf alle anderen Bereiche ausgeweitet werden muss. Wir sollten hier ein Klima schaffen, in dem alle respekt- und verantwortungsvoll miteinander umgehen, wie es auch im Leitbild unserer Universit\u00e4t formuliert ist. Wir m\u00fcssen da einfach vorsichtig sein. Wenn man Kollegen und Kolleginnen hat, die sich mit solchen Themen professionell und wissenschaftlich besch\u00e4ftigen, wie die Mitglieder des Cornelia Goethe Centrums, dann ist es nat\u00fcrlich an der ein oder anderen Stelle leichter, mit solchen Herausforderungen umzugehen.<\/p>\n<p><em><strong>Die Goethe Universit\u00e4t, insbesondere das Cornelia Goethe Centrum und der Fachbereich Gesellschaftswissenschaften pflegen enge Kooperationsbeziehungen mit der Central European University (CEU) in Budapest, Ungarn. Aufgrund starken politischen Drucks muss die CEU ihren Standort in Ungarn aufgeben und wird ihre Aktivit\u00e4ten im kommenden Jahr nach Wien verlagern. Wie beurteilen Sie diese aktuellen Entwicklungen?<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Van Dick: Ich verfolge nicht nur als Vizepr\u00e4sident, sondern auch als Wissenschaftler und interessierter B\u00fcrger, die Entwicklungen in Ungarn mit gro\u00dfer Sorge. Orban ist dort bereits seit zehn Jahren an der Macht, er ist aber leider keine Ausnahme. Auch in anderen L\u00e4ndern sind rechtspopulistische und rechtsextreme Parteien auf dem Vormarsch. Wenn man sich beispielsweise die \u00c4u\u00dferungen anguckt, die im Rahmen der Migrationsthematik 2015\/16 in Polen, Slowenien und Tschechien get\u00e4tigt wurden. Oder wie viel Gl\u00fcck wir hatten, dass in Frankreich Macron statt Frau LePen gew\u00e4hlt wurde. Wie viel Gl\u00fcck wir hatten, dass in den Niederlanden nicht die Rechtsextremen die Wahl gewonnen haben und dass in \u00d6sterreich mit Ach und Krach der gr\u00fcne Pr\u00e4sidentschaftskandidat in der Stichwahl dann doch noch knapp vorne lag. Es handelt sich um ein gesamteurop\u00e4isches Problem. Es ist wichtig, dass wir Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler uns klar positionieren. Wenn so etwas wie mit der CEU passiert, dann sollten wir uns \u00fcberlegen, wie wir die Zusammenarbeit ausrichten, um ihnen an ihrem neuen Standort in Wien zur Seite zu stehen.<\/p>\n<p>Wir sollten wie im Fall des Brexits, aber auch der T\u00fcrkei Br\u00fccken bauen und nicht abbrechen. Stipendien f\u00fcr Studierende und Lehrende wie das Philipp Schwartz-Stipendium f\u00fcr gef\u00e4hrdete Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind in meinen Augen ein geeignetes Mittel. Man kann \u00fcberlegen, ob solche Initiativen zum Beispiel auf Ungarn ausgeweitet werden k\u00f6nnen. Wichtig ist, dass wir Stellung beziehen und uns \u00fcberlegen, wie Partnerschaften, die wir hatten, haben oder neu eingehen, dazu beitragen, Regime zu unterst\u00fctzen, die wir nicht unterst\u00fctzen wollen. Gleichzeitig m\u00fcssen wir uns fragen, wie Partnerschaften einzelnen Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen behilflich sind, die unter diesen Regimen leiden. Das ist eine schwierige Frage, die nicht f\u00fcr alle gleich beantwortet werden kann. Ich w\u00fcrde auf keinen Fall sagen, dass wir nicht mit Universit\u00e4ten in diesen L\u00e4ndern zusammenarbeiten sollten, weil das die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler allein l\u00e4sst. Auf der anderen Seite muss man schauen, ob es sich um einen Austausch von Studierenden und Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen handelt, der wirklich mit Praxis gelebt wird, oder ob es sich um einen Austausch handelt, der letztlich nur ein Aush\u00e4ngeschild f\u00fcr Akteure ist, die wir nicht unterst\u00fctzen wollen.<\/p>\n<p><strong><em>W\u00e4hrend in Ungarn die Gender Studies als Studiengang abgeschafft wurden, finden auch in Deutschland\u00a0<\/em><\/strong><strong><em>Angriffe auf das Fach statt. Ob es dabei um die Wissenschaftlichkeit geht, die der Disziplin abgesprochen wird,\u00a0<\/em><\/strong><strong><em>oder um die Bedrohung von Wissenschaftler*innen geht, die Gender Studies stehen unter Druck. Wie reagiert die\u00a0<\/em><\/strong><strong><em>Goethe-Universit\u00e4t auf solche Angriffe und mit welcher Unterst\u00fctzung k\u00f6nnen die Gender Studies hier rechnen?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Es ist schwierig an dieser Stelle f\u00fcr die gesamte Universit\u00e4t zu sprechen. Nat\u00fcrlich entwickeln wir Ideen und Haltungen im Pr\u00e4sidium. Dabei vertritt das Pr\u00e4sidium die Position, dass die Wissenschaftsfreiheit \u00fcber allem steht. Das hei\u00dft, dass sich hier grunds\u00e4tzlich jeder und jede so austauschen kann, wie es wissenschaftlich angemessen ist, unabh\u00e4ngig davon, welcher Standpunkt vertreten wird. Damit macht man es nat\u00fcrlich nie allen recht. Das Pr\u00e4sidium muss sich deswegen auch immer wieder der Kritik aussetzen. Pers\u00f6nlich bin ich teilweise schockiert davon, wenn ich im Bekanntenkreis Statements h\u00f6re, die Fakten hinterfragen, von denen ich nie geglaubt h\u00e4tte, dass sie hinterfragt w\u00fcrden, zum Beispiel in einer Diskussion um den Gender Pay Gap. Anlass war eine Meldung in der Zeitung, dass der Gender Pay Gap in Deutschland noch deutlich \u00fcber dem europ\u00e4ischen Durchschnitt liege. Ich dachte, ich m\u00fcsse in dieser Diskussion nicht die Existenz dieser Lohndifferenz diskutieren, sondern warum wir in Deutschland einen so viel h\u00f6heren Gehaltsunterschied haben. Ich bin dann aber auf v\u00f6lliges Unverst\u00e4ndnis gesto\u00dfen und es wurde \u00fcberhaupt angezweifelt, dass es einen Gender Pay Gap gibt.<\/p>\n<p>Jeder kannte dann eine Frau, die besonders hart verhandelt oder besonders viel verdient. Da ersetzen Anekdoten die Wissenschaft. Ich habe Sorge, dass Fake News und Fake Science etwas bef\u00f6rdern, was wir als Universit\u00e4t nicht wollen k\u00f6nnen. Deswegen sollten wir das Cornelia Goethe Centrum und die Gender Studies weiter unterst\u00fctzen, damit im wissenschaftlichen Diskurs Material und Forschungsergebnisse produziert werden, die dann zumindest inneruniversit\u00e4r nicht mehr infrage gestellt werden. Ob wir damit immer die \u00d6ffentlichkeit erreichen? Das Problem bei diesem wie bei vielen anderen Themen ist, dass nicht alle, die wir erreichen wollen, in unsere Veranstaltungen kommen. Deswegen ist es interessant, wenn wir innerhalb der Universit\u00e4t entsprechende Kampagnen machen, also innerhalb der Universit\u00e4t informieren. Wenn dann anschlie\u00dfend im UniReport berichtet wird, kann man Menschen zum Nachdenken bringen, die eben nicht unbedingt im Bachelor Gender Studies studieren.<\/p>\n<p><em><strong>Nachdem wir viel \u00fcber die gegenw\u00e4rtige Situation gesprochen haben: Was w\u00fcrden Sie sich f\u00fcr die Geschlechterforschung an der Gothe Universit\u00e4t in Zukunft w\u00fcnschen?<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde mir w\u00fcnschen, dass es in den n\u00e4chsten zwanzig Jahren mindestens so gut weiter geht wie in den letzten 21 Jahren. Nat\u00fcrlich ver\u00e4ndern sich die Frauenforschung und die Gender Studies auch mit dem Kontext und \u00fcber die Jahre. Bestimmte Themen, die in den 60er Jahren eingefordert und hart erk\u00e4mpft werden mussten, musste man vor zehn Jahren nicht mehr thematisieren. Gleichzeitig sehen wir in den letzten zehn Jahren wieder Themen aufkommen, die wir l\u00e4ngst \u00fcberwunden geglaubt haben. Wenn ich mir zum Beispiel Germany\u2019s Next Topmodel oder den Bachelor angucke, dann erschreckt mich, zu sehen, wer das alles guckt und wie breit so etwas diskutiert wird &#8211; und zwar nicht mit einer kritischen oder ablehnenden Haltung. Deshalb wird es immer Themen geben, die wichtig sind. Die Geschlechterforschung ist ein Thema, was nie ausgeforscht sein wird und wo wir noch ganz viel zu tun haben. Das wird letztlich auch innerhalb der Universit\u00e4t immer Thema bleiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>[Das Interview f\u00fchrten<br \/>\nMandy Gratz und Franziska Vaessen,<br \/>\nCornelia Goethe Centrum]<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 18. Dezember 2018 findet zum zweiten Mal der Wissenschaftstag #4genderstudies statt. Ziel ist es, kurz und knapp verst\u00e4ndlich zu machen, was Gender Studies sind und tun. 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