{"id":3480,"date":"2016-02-03T09:07:29","date_gmt":"2016-02-03T08:07:29","guid":{"rendered":"http:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=3480"},"modified":"2016-02-03T09:22:03","modified_gmt":"2016-02-03T08:22:03","slug":"schoene-eisige-bedingungen-inuit-forschergruppe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/forschung\/schoene-eisige-bedingungen-inuit-forschergruppe\/","title":{"rendered":"Sch\u00f6ne eisige Bedingungen &#8211; INUIT-Forschergruppe"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>Forscher der Goethe-Universit\u00e4t und der TU Darmstadt analysieren in der DFG-Forschergruppe INUIT\u00a0jahreszeitliche und geographische Unterschiede von Eiskeimen \u2013 ein Beitrag zum besseren Verst\u00e4ndnis von Ver\u00e4nderungen des Erdklimas.<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Das Panorama ist bombastisch. Wie eine Arche, gestrandet in einem Meer aus Eis und Schnee, liegt die Forschungsstation auf der felsigen Spitze des Jungfraujoch. Das Dach Europas in der Schweiz, fast 3.500 Meter hoch, 100 bis 200 Tage im Jahr von kalten Wolken umh\u00fcllt. F\u00fcr Meteorologen, Wetter-, Wolken- und Klimaforscher das Paradies, \u201eein reizvoller Standort mit einmaligen Bedingungen\u201c, schw\u00e4rmt Professor Martin Ebert vom <a href=\"http:\/\/www.geo.tu-darmstadt.de\/iag\/index.de.jsp\" target=\"_blank\">Institut f\u00fcr Angewandte Geowissenschaften an der Technischen Universit\u00e4t Darmstadt<\/a>. Wissenschaftler aus der ganzen Welt treffen sich auf dem Gipfel, auch Martin Ebert war schon mehrfach dort. Meist, um Proben zu nehmen. Mit einem Stahlrohr, einer Art Staubsauger, holt er dann die Partikel aus der Luft ins Labor, die er f\u00fcr seine Arbeit daheim in Darmstadt braucht.<\/p>\n<p>Der 45-J\u00e4hrige ist eigentlich promovierter Chemiker, hat an der TU studiert und kam \u00fcber die Materialwissenschaften im Jahr 2000 an das Institut f\u00fcr Geowissenschaften in der Darmst\u00e4dter Schnittspahnstra\u00dfe. Eine Erfahrung in Interdisziplinarit\u00e4t, die ihm heute f\u00fcr das INUIT-Projekt sehr n\u00fctzlich ist. Ebert arbeitet zusammen mit seinem Kollegen, dem TU-Professor Stephan Weinbruch, und dem Meteorologen Dr. Heinz Bingemer von der Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt an einem der neun Teilprojekte der Eiskeim-Forschungsgruppe.<\/p>\n<h3>Viel Feldarbeit<\/h3>\n<figure id=\"attachment_3498\" aria-describedby=\"caption-attachment-3498\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-3498 size-medium\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/blog_forschung-rmu-inuit_MG_9719-Kopie-300x183.jpg\" alt=\"Martin Ebert und Konrad Kandler bei der Voranalyse der Eiskeimproben. Foto: Chris Hartung\" width=\"300\" height=\"183\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/blog_forschung-rmu-inuit_MG_9719-Kopie-300x183.jpg 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/blog_forschung-rmu-inuit_MG_9719-Kopie.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3498\" class=\"wp-caption-text\">Martin Ebert und Konrad Kandler bei der Voranalyse der Eiskeimproben. Foto: Chris Hartung<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Darmst\u00e4dter und Frankfurter Forscher wollen die jahreszeitlichen und geographischen Unterschiede bei der Konzentration, Zusammensetzung und den Quellen von Eiskeimen bestimmen. Das bedeutet viel Feldarbeit beispielsweise auf besagtem Jungfraujoch in der Schweiz, aber auch auf dem Kleinen Feldberg im Taunus, in luftigen H\u00f6hen oder ganz nah am Boden. Daf\u00fcr nehmen sie jeweils Proben von einigen hundert Litern Luft und analysieren im Labor, wie viele der darin enthaltenen winzigen Staubpartikel \u2013 Aerosole \u2013 sp\u00e4ter auf dem Objekttr\u00e4ger die Eiskristalle gebildet haben, die als Niederschlag die Wolke verlassen.<\/p>\n<p>Die Frankfurter Kollegen haben einen Eiskeimz\u00e4hler mit Namen FRIDGE entwickelt, der die Aerosolpartikel einsammelt. Mit Spezialkamera und Elektronen-Mikroskopie k\u00f6nnen an der TU die chemische Zusammensetzung, die toxische oder auch die Strahleneigenschaften der Partikel bestimmt werden. Welche Partikel l\u00f6sen die Eisbildung aus? \u201eBis auf wenige Mikrometer genau k\u00f6nnen wir die Stelle in der Frankfurter Probe anpeilen, wo Eiskristalle entstanden sind\u201c, sagt Ebert. Bodenstaub- Partikel (Silikate) haben gro\u00dfe Bedeutung, \u201edas haben wir bereits herausgefunden\u201c, verr\u00e4t der TU-Professor. Vor allem sind es bestimmte Tonminerale und Feldsp\u00e4te. \u201eWir kommen Schritt f\u00fcr Schritt n\u00e4her\u201c, so Ebert. Obwohl die Ergebnisse von Feldversuchen oftmals stark divergieren k\u00f6nnen. \u201eScharfe, pr\u00e4zise Ergebnisse sind schwer zu bekommen\u201c, sagt der Geowissenschaftler.<\/p>\n<h3>Proben aus dem Eismeer<\/h3>\n<p>Weitere Proben kommen demn\u00e4chst ins Labor. Immer dann, wenn beispielsweise das Forschungsschiff \u201ePolarstern\u201c ins Eismeer aufbricht und die Wissenschaftler \u00fcber den Wellen Aerosole einfangen. Die Goethe-Universit\u00e4t unterh\u00e4lt aber auch eine Kooperation mit einem schwedischen Institut, das am Mount Kenia in Ostafrika in 3.500 Metern H\u00f6he Messungen vornimmt. \u201eDie bringen uns ein bisschen Luft mit\u201c, erz\u00e4hlt Heinz Bingemer. Mit vielleicht ganz anderen Aerosolen darin, als am Jungfraujoch oder dem Kleinen Feldberg.<br \/>\n[dt_call_to_action content_size=&#8220;small&#8220; background=&#8220;fancy&#8220; line=&#8220;true&#8220; animation=&#8220;fadeIn&#8220;]<\/p>\n<h3>Internationale Forschergruppe INUIT<\/h3>\n<p>Wolken bestimmen ma\u00dfgeblich den Wasserhaushalt der Erde sowie das Wetter und auch die Klimaforschung. Nicht jede Wolke bringt Regen oder Schnee. Eiskeime spielen bei der Entstehung von Niederschlag die entscheidende Rolle. Diese speziellen Aerosole, winzige Staubpartikel in der Luft, erm\u00f6glichen erst die Tropfen- und Eisbildung in Wolken. Nur Eispartikel k\u00f6nnen so gro\u00df anwachsen, dass sie schwer genug sind, um aus der Wolke als Regen, Graupel, Hagel oder Schnee herauszufallen.<\/p>\n<p>Die internationale Forschergruppe INUIT (Ice Nuclei Reseach Unit) untersucht Aerosole und den komplexen Vorgang der Eisbildung in der Atmosph\u00e4re. Gef\u00f6rdert wird das Projekt nunmehr zum zweiten Mal f\u00fcr drei Jahre mit rund drei Millionen Euro von der Deutschen Forschungsgesellschaft (DFG). An den neun Teilprojekten sind rund 50 deutsche und ein israelischer Forscher in Labor- und Feldversuchen beteiligt, darunter Meteorologen, Physiker, Biologen, Chemiker oder auch Geowissenschaftler.<\/p>\n<p>Partner sind die die Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt, die TU Darmstadt, die Johannes Gutenberg-Universit\u00e4t Mainz, das Max-Planck-Institut f\u00fcr Chemie Mainz, das Institut f\u00fcr Troposph\u00e4ren-Forschung Leipzig, das Karlsruher Institut f\u00fcr Technologie (KIT), die Universit\u00e4t Bielefeld und das Weizmann-Institut f\u00fcr Wissenschaften nahe Tel Aviv in Israel.<br \/>\n[\/dt_call_to_action]<\/p>\n<figure id=\"attachment_3486\" aria-describedby=\"caption-attachment-3486\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-3486 size-medium\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/blog_forschung-rmu-inuit-Curtius-Joachim-300x206.jpg\" alt=\"Joachim Curtius. 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Aber es ist ein \u00e4u\u00dferst komplexes wissenschaftliches Thema, denn es gibt sehr unterschiedliche Eiskeime, zum Beispiel bestimmte biologische Proteine, Mineralstaubpartikel aus Feldspat oder besonders por\u00f6se Substanzen. Chemiker, Physiker, Mineralogen, Biologen und Atmosph\u00e4renforscher m\u00fcssen daher sehr eng zusammen arbeiten, um die Prozesse zu verstehen, die bei der Kristallbildung ablaufen und die verschiedenen Typen von Eiskeimen zu charakterisieren.&#8220;<\/p>\n<blockquote><p>\u201eIn der Forschergruppe INUIT wird die Expertise zum Thema \u201eEiskeime\u201c sehr effizient geb\u00fcndelt. Durch das Projekt ergibt sich ein schneller \u00a0Wissensaustausch und eine hervorragende Zusammenarbeit der Gruppen von den verschiedenen Universit\u00e4ten und Forschungsinstituten. So k\u00f6nnen sehr komplexe Messungen realisiert werden, bei denen mehrere Gruppen mit ihren Spezialger\u00e4ten gemeinsame Messungen durchf\u00fchren. Eine derartige Fokussierung der Aktivit\u00e4ten zum Thema Eiskeime in der Atmosph\u00e4re ist weltweit einmalig.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>\u201eIn der Forschergruppe INUIT werden Prozessuntersuchungen im Labor, Beobachtungen in der Atmosph\u00e4re unter realen Bedingungen sowie Modellrechnungen vorgenommen. Diese verschiedenen Bereiche kooperieren eng miteinander und erg\u00e4nzen sich optimal. So werden viele Synergien \u00a0gehoben.\u201c<\/p>\n<p>[<em>Autorin: Astrid Ludwig<\/em>]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Forscher der Goethe-Universit\u00e4t und der TU Darmstadt analysieren in der DFG-Forschergruppe INUIT\u00a0jahreszeitliche und geographische Unterschiede von Eiskeimen \u2013 ein Beitrag zum besseren Verst\u00e4ndnis von Ver\u00e4nderungen des Erdklimas. 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