{"id":3569,"date":"2016-02-24T11:00:26","date_gmt":"2016-02-24T10:00:26","guid":{"rendered":"http:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=3569"},"modified":"2024-12-11T10:54:58","modified_gmt":"2024-12-11T09:54:58","slug":"digitale-skripte-unter-beschuss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/studium\/digitale-skripte-unter-beschuss\/","title":{"rendered":"Digitale Skripte unter Beschuss"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_3570\" aria-describedby=\"caption-attachment-3570\" style=\"width: 200px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-3570 size-medium\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/blog_unireport_digitale-skripte-200x300.jpg\" alt=\"Vom elektronischen Vorlesungsskript bald wieder zur\u00fcck zur Kopiervorlage? Foto: Lecher\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/blog_unireport_digitale-skripte-200x300.jpg 200w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/blog_unireport_digitale-skripte.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3570\" class=\"wp-caption-text\">Vom elektronischen Vorlesungsskript bald wieder zur\u00fcck zur Kopiervorlage? Foto: Lecher<\/figcaption><\/figure>\n<p><em><strong>Zur\u00fcck zur Kopiervorlage? Wenn die Einzelabrechnung f\u00fcr digitale Quellen kommt, droht dem Lehrbetrieb eine komplexe Verg\u00fctungspraxis.<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Elektronische Vorlesungsskripte geh\u00f6ren ganz sicher zu den digitalen Errungenschaften, um die Eltern mit Uni-Vergangenheit ihre Kinder heute beneiden. Wie lange sie auf B\u00fccher und Ordner mit Kopiervorlagen oder im Copy-Shop standen, ist unvergessen. M\u00f6glich, dass aktuell Studierende bald die gleichen Erfahrungen machen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Die Gro\u00dfz\u00fcgigkeit, mit der Hochschullehrer bislang interessante Buchkapitel und Artikel f\u00fcr ihre Studierenden elektronisch verf\u00fcgbar machten, ist in Gefahr, falls jede fremde Quelle k\u00fcnftig einzeln gemeldet und bezahlt werden muss. Genau eine solche Einzelabrechnung hat die Verwertungsgesellschaft VG Wort erstritten, die die Rechte von \u00fcber 400.000 Autoren und 9.500 Verlagen vertritt.<\/p>\n<p>\u201eWenn sie im n\u00e4chsten Jahr kommt, muss sp\u00e4testens dann jeder Dozent absolut sattelfest darin sein, was genau er in welchem Umfang hochladen darf, und wie er Seminargruppen und -zeitr\u00e4ume limitiert, sonst wird es sehr sehr teuer\u201c, sagt Dr. Jeannette Schmid, die beim HRZ die Lernplattform OLAT betreut. \u201eDer Regelfall sollten sowieso Links zu E-Books und E-Zeitschriften der UB sein, f\u00fcr die wir ohnehin schon Lizenzen haben.\u201c<\/p>\n<p>Auch Studierende ermahnt sie zur Sorgfalt: \u201eHeruntergeladene Quellen d\u00fcrfen nicht an Dritte weitergegeben werden.\u201c Nur noch in diesem Jahr soll als \u00dcbergangsl\u00f6sung die bislang recht einfache Verg\u00fctungspraxis an Hochschulen gelten: Danach k\u00f6nnen die L\u00e4nder als Finanziers der Hochschulen die Urheberrechte von Autoren und Verlagen bei der VG Wort pauschal entgelten, da die Wissenschaft von einer Ausnahmeregel des Urheberrechtsgesetzes profitiert: dem eigentlich recht knappen und gut lesbaren \u00a752a.<\/p>\n<p>Er gestattet die genehmigungsfreie \u201e\u00f6ffentliche Zug\u00e4nglichmachung\u201c von Texten f\u00fcr Unterricht und Forschung unter einigen Bedingungen wie: abgegrenzter Teilnehmerkreis, kleine Teile eines Werks, nicht-kommerzielle Nutzung, angemessene Verg\u00fctung und der Wettbewerbsklausel, dass der Verlag kein ad\u00e4quates eigenes Angebot geschaffen hat. Um die pr\u00e4zise Auslegung jeder dieser Bedingungen ist schon vor Gericht gestritten worden:<\/p>\n<p>So gelten 12 Prozent, maximal 100 Seiten als Obergrenze f\u00fcr \u201ekleine Teile\u201c eines Werks. Aktuell aber steht das Geld im Fokus: Geht es nach der VG Wort, ist die \u201eangemessene Bezahlung\u201c nur noch dann gew\u00e4hrleistet, wenn jeder hochgeladene Buchauszug oder Artikel von Fremdautoren einzeln abgerechnet wird. \u201eWas da auf uns zurollt, ist eine mittlere Katastrophe\u201c, warnt Schmid, weil es technisch sehr aufw\u00e4ndig sei, urheberrechtsgesch\u00fctzte Texte automatisch korrekt zu identifizieren, um sie als Sammelmeldung an VG Wort weitergeben zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\u201ePro Semester werden mehr als 1500 neue Kurse auf OLAT eingerichtet. Manche Lehrende missverstehen die Plattformen als Archiv und laden mehr als 100 Texte in einem einzigen Kurs hoch\u201c, umrei\u00dft sie die Datenmassen. L\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llig sei daher ein neues Bewusstsein daf\u00fcr, \u201edass jede PDF die Universit\u00e4t potentiell Geld kostet\u201c. Aufw\u00e4ndige Einzelabrechnung Recht bekam die VG Wort in einem BGH-Urteil von 2013, das die Einzelabrechnung zur Auflage macht.<\/p>\n<p>Also wurde an der Universit\u00e4t Osnabr\u00fcck im Wintersemester 2014\/15 eine aufw\u00e4ndige Machbarkeitsstudie dazu durchgef\u00fchrt, wie sich die Einzelabrechnung der bislang pauschal abgerechneten Nutzung von Ausz\u00fcgen aus B\u00fcchern und Zeitschriften in digitalen Lernumgebungen in der Lehre auswirken w\u00fcrde. Daf\u00fcr wurde eigens eine Software programmiert, mit der die Lehrenden ein Semester lang jede relevante digitale Quelle samt bibliographischer Angaben erfassten.<\/p>\n<p>Wenig \u00fcberraschend zeigte sich, dass 40 Prozent der Lehrenden w\u00e4hrend des Pilotprojektes weniger Material hochluden. Knapp zwei Drittel der Studierenden gaben an, dass sie einen sehr viel h\u00f6heren Aufwand bei der Literaturbeschaffung hatten, weil sie wie anno dazumal bei den Eltern ablief. Insgesamt wurde der organisatorische Aufwand von der Hochschule als unangemessen hoch bewertet und als Alternative zur Pauschalverg\u00fctung abgelehnt.<\/p>\n<p>\u201eSeitdem w\u00e4chst der Widerstand gegen die Einzelabrechnung\u201c, beobachtet Alexander Peukert, der als Professor f\u00fcr B\u00fcrgerliches Recht und Wirtschaftsrecht mit Schwerpunkt im internationalen Immaterialg\u00fcterrecht am Exzellenzcluster Normative Ordnungen der Goethe-Universit\u00e4t Experte f\u00fcr Urheberrecht ist. \u201eDieses Rechtsgebiet unterliegt gro\u00dfen Wandlungen. F\u00fcr uns ist es sehr spannend, zu schauen, wie sich generell die M\u00f6glichkeiten der Digitalisierung mit dem Urheberrecht in Einklang bringen lassen\u201c, sagt er.<\/p>\n<p>Im Bildungsbereich sei es eine politische Entscheidung, ob die Rechte der Autoren, zu denen ja auch viele Lehrende selbst geh\u00f6ren, Vorrang vor einem wirksamen digitalen Unterrichtsystems haben d\u00fcrfen. \u201eDiese Entscheidung ist noch nicht gefallen. Ich w\u00fcrde mir w\u00fcnschen, dass die Universit\u00e4ten, auch die Goethe-Universit\u00e4t, diese Diskussion engagierter f\u00fchren und sich daf\u00fcr einsetzen, dass es nicht zur Einzelabrechnung von gesetzlich eigentlich erlaubten Internetnutzungen kommt\u201c, sagt er.<\/p>\n<p>Erh\u00f6hter Beratungsbedarf bei den Lehrenden Derweil sorgt die Unsicherheit, wie die Gerichte letztlich entscheiden, beim Lehrpersonal der Goethe-Universit\u00e4t f\u00fcr Unruhe. Justiziarin Brigitte Fink wird h\u00e4ufig um Rat gefragt: \u201eDie gerichtliche Entscheidung und die dazu erfolgten \u00f6ffentlichen Mitteilungen haben bereits zu einem deutlich erh\u00f6hten Beratungsbedarf in urheberrechtlichen Fragen bei den Lehrenden gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Derzeit bleibt es zwar bei der bisherigen Handhabung der Verwendung von Lehrmaterialien im Rahmen des \u00a752a UrhG, aber sp\u00e4testens wenn der Semesterapparat f\u00fcr das n\u00e4chste Wintersemester erstellt wird, wollen die Lehrenden Klarheit haben\u201c, wei\u00df sie. Beim studiumdigitale geh\u00f6ren rechtliche Fragen beim E-Learning zum Dauerthema von Schulungen und Selbstlernmodulen wie der Lernbar.<\/p>\n<p>\u201eDennoch ist die Unsicherheit in keinem Bereich der Wissenschaft so gro\u00df wie beim Urheberrecht\u201c, beobachtet Informatikprofessor Detlev Kr\u00f6mker, der dem Uni-Dienstleister vorsteht. \u201eAlle wollen sich korrekt verhalten, aber in der Uni gelten andere Regeln als in der Schule oder der VHS. Und wenn ich Material f\u00fcr eine privat bezahlte Weiterbildung nutze, ist wieder alles anders.<\/p>\n<p>Hinzu kommt, dass Regelungen nur zwei bis drei Jahre gelten und sich f\u00fcnf Minuten vor Fristablauf \u00e4ndern\u201c, sagt er. \u201eAufgrund der Komplexit\u00e4t und politischen Unbest\u00e4ndigkeit finden viele meiner Kollegen das Urheberrecht ziemlich unappetitlich.\u201c Kr\u00f6mkers \u00dcberzeugung: \u201eDie Wissenschaft ist auf Austausch angewiesen. Jede Einschr\u00e4nkung konterkariert Wissenschaft.<\/p>\n<p>Je strenger die Verlage und Verwertungsgesellschaften aber ihre Quellen kontrollieren, desto mehr Eigentore schie\u00dfen sie\u201c, sagt er. \u201eDenn dann werden immer mehr Wissenschaftler ihre Werke ganz bewusst mit freiem Zugang ins Netz stellen.\u201c Juraprofessor Peukert stimmt dem zu mit einem weiteren Argument:<\/p>\n<p>\u201eDie Preise f\u00fcr wissenschaftliche Datenbanken sind explodiert. Die \u00f6ffentliche Hand ist nicht mehr bereit, diese Anstiege mitzutragen.\u201c Von daher w\u00fcrde das Land Baden- W\u00fcrttemberg sein wissenschaftliches Personal an Hochschulen schon dazu anhalten, nach einer Embargofrist von einem Jahr \u201eseinen steuerfinanzierten wissenschaftlichen Output\u201c per Open Access zu ver\u00f6ffentlichen. \u201eDas M\u00fchsal der Einzelabrechnung erledigt sich damit ganz von allein.\u201c <em>[Autorin: Julia Wittenhagen]<\/em><\/p>\n<p>[dt_call_to_action content_size=&#8220;small&#8220; background=&#8220;fancy&#8220; line=&#8220;true&#8220; style=&#8220;1&#8243; animation=&#8220;fadeIn&#8220;]<\/p>\n<p><strong>Informationen zum Umgang mit urheberrechtsgesch\u00fctzten Texten<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.olat.uni-frankfurt.de\/anleitungen\">www.olat.uni-frankfurt.de\/anleitungen<\/a> insbesondere<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.rz.uni-frankfurt.de\/57918340\/Copyright_allgemein1.pdf\">www.rz.uni-frankfurt.de\/57918340\/Copyright_allgemein1.pdf<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.studiumdigitale.uni-frankfurt.de\/recht\/index.html\">www.studiumdigitale.uni-frankfurt.de\/recht\/index.html<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.virtuos.uni-osnabrueck.de\/forschung\/projekte\/pilotprojekt_ zum_52a_urhg.html\">www.virtuos.uni-osnabrueck.de\/forschung\/projekte\/pilotprojekt_ zum_52a_urhg.html<\/a><\/p>\n<p>[\/dt_call_to_action]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur\u00fcck zur Kopiervorlage? 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