{"id":3572,"date":"2016-02-03T12:28:45","date_gmt":"2016-02-03T11:28:45","guid":{"rendered":"http:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=3572"},"modified":"2016-02-26T09:57:16","modified_gmt":"2016-02-26T08:57:16","slug":"schoenheit-unter-der-lupe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/gesellschaft\/schoenheit-unter-der-lupe\/","title":{"rendered":"Sch\u00f6nheit unter der Lupe"},"content":{"rendered":"<p>[vc_row][vc_column][vc_column_text]Was gef\u00e4llt Menschen und warum? Ein R\u00e4tsel, \u00fcber das die Philosophie schon seit Menschengedenken sinniert. In Frankfurt gibt es seit 2013 ein Max-Planck-Institut (MPI) f\u00fcr empirische \u00c4sthetik, das die verschiedensten Disziplinen zusammenbringt, um diese und andere Fragen der Rezeptions\u00e4sthetik des menschlichen Geschmacks zu beantworten \u2013 zum Teil in enger Zusammenarbeit mit der Goethe-Universit\u00e4t.<\/p>\n<p>Musik h\u00f6ren im Dienste der Wissenschaft \u2013 das ist offenbar f\u00fcr viele Zeitgenossen eine attraktive Vorstellung. Auch wenn der Verdienst mit 10 Euro pro Stunde eher \u00fcberschaubar ist: Das Max-Planck-Institut f\u00fcr empirische \u00c4sthetik hat selten Schwierigkeiten, gen\u00fcgend Studienteilnehmer zu finden.<\/p>\n<p>Welche Schl\u00fcsselerlebnisse machen Menschen f\u00fcr ihren Musikgeschmack verantwortlich? Welche Musik m\u00f6gen sie \u00fcberhaupt nicht und warum? Und warum macht Sport mit Musik mehr Spa\u00df? Um diese Fragen geht es zum Beispiel Forschungsprojekten der Abteilung Musik, die \u2013 wie es sich f\u00fcr empirische Studien geh\u00f6rt \u2013 auf Mitwirkende angewiesen sind.<\/p>\n<h3>Sch\u00f6nheit liegt im Auge des Betrachters<\/h3>\n<p>Das Max-Planck-Institut ist in drei Abteilungen gegliedert: Die Abteilung Sprache und Literatur leitet Prof. Winfried Menninghaus; er hat den Forschungsansatz der empirischen \u00c4sthetik in die Literaturwissenschaft getragen. Direktor der Abteilung Neurowissenschaften ist Prof. David Poeppel. Und die Abteilung Musik f\u00fchrt Dr. Melanie Wald-Fuhrmann.<\/p>\n<p>\u201eSch\u00f6nheit liegt im Auge des Betrachters\u201c \u2013 diese Erkenntnis, die dem Griechen Thukydides (ca. 454 v. Chr. bis ca. 396 v. Chr.) zugeschrieben wird, k\u00f6nnte als Ausgangsthese der Forschung gelten, die am Max-Planck-Institut f\u00fcr empirische \u00c4sthetik betrieben wird: \u201eSch\u00f6nheit ist keine Eigenschaft von Objekten. Uns geht es darum, welche Menschen auf welche Weise auf unterschiedliche \u00e4sthetische Reize reagieren\u201c, erkl\u00e4rt Dr. Melanie Wald-Fuhrmann.<\/p>\n<p>Welche Rolle spielen Geschlecht und Alter, Sozialisation und Bildungsgrad bei der \u00e4sthetischen Wahrnehmung und Bewertung? Psychologie, Soziologie, Poetik, Musikwissenschaft, Ethnologie, Neurowissenschaften: verschiedene Disziplinen befassen sich auf ihre Weise mit dieser Fragestellung. Ihre Ans\u00e4tze zusammenzubringen und die Anstrengungen zu b\u00fcndeln, das ist das Ziel des nunmehr vierten und j\u00fcngsten Max-Planck-Instituts in Frankfurt.<\/p>\n<p>Um Grundlagenforschung geht es und nicht etwa darum, Handlungsanleitungen f\u00fcr Kunstschaffende oder Werbestrategen zu formulieren. 90 Mitarbeiter hat das Institut derzeit insgesamt, 20 davon sind in der Abteilung Musik t\u00e4tig. \u201eWir haben Musikwissenschaftler aller Couleur, aber auch Psychologen, Neurowissenschaftlerinnen, Linguisten \u2013 und zwei Tonmeister\u201c, sagt Wald-Fuhrmann, die zuvor Professorin f\u00fcr Musiksoziologie und historische Anthropologie der Musik an der Berliner Humboldt-Universit\u00e4t war.<\/p>\n<p>Der Aufbau einer neuen Forschungseinrichtung hat die heute 36-J\u00e4hrige nach Frankfurt gelockt, von Anfang an habe sie sich sehr wohlgef\u00fchlt. \u201eDie Bedingungen hier sind ideal und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit ist gro\u00df\u201c, lobt sie. Zum Beispiel auf Seiten der Goethe-Universit\u00e4t. Ein Kooperationsvertrag ist derzeit in Vorbereitung. Angedacht ist ein Austausch mit den Musikwissenschaftlern, Literaturwissenschaftlern, Ethnologen, Soziologen, Psychologen, Neurowissenschaftlern, Filmwissenschaftlern und den Kunsthistorikern.<\/p>\n<p>Gemeinsame Projekte sind geplant, zum Beispiel in Zusammenhang mit einem LOEWE-Schwerpunkt. Die Abteilung Musik kooperiert bereits konkret mit der Goethe- Universit\u00e4t. Seit zwei Jahren gibt es ein trilaterales Kolloquium von MPI, Musikhochschule und Goethe-Uni. Vier- bis sechsmal pro Semester treffen sich Professoren, Studierende und Doktoranden zum fachlichen Austausch.<\/p>\n<p>\u201eAu\u00dferdem bereite ich mit Kollegen aus der Sinologie und Japanologie etwas zu \u201aKlassik\u2018 als internationaler Denkform vor\u201c, erkl\u00e4rt Wald-Fuhrmann, die vom Sommersemester an als Professorin an der Uni lehren wird. Schon jetzt beteiligt sich das MPI mit Lehrveranstaltungen und Forschungsseminaren am interdisziplin\u00e4ren Masterstudiengang \u00c4sthetik.<\/p>\n<h3>Wann wird geklatscht?<\/h3>\n<p>Die Forschungsumgebung am MPI ist gut durchdacht und ausgestattet: Seit Oktober gibt es in den R\u00e4umlichkeiten am Gr\u00fcneburgweg 14 ein eigenes Laboratorium f\u00fcr die Rezeptionsforschung. Das so genannte Art- Lab erlaubt, nicht nur die Wirkung von Musik auf den isolierten Einzelnen zu untersuchen, sondern auch ihre Wirkung in einer Live-Situation mit vielen Zuh\u00f6rern. So wird in einem Projekt der Konzertforschung das Ph\u00e4nomen Applaus untersucht:<\/p>\n<p>Wann entschlie\u00dft sich der Einzelne zu klatschen? Welche Rolle spielt Applaus insbesondere im klassischen Konzert, da Emotionen ja nur sehr beschr\u00e4nkt ge\u00e4u\u00dfert werden k\u00f6nnen? An die 50 Pl\u00e4tze gibt es im ArtLab, einem Auff\u00fchrungssaal mit variabler Raumakustik, einem Messsystem f\u00fcr physiologische Informationen und Selbstausk\u00fcnfte sowie Kameras zur Beobachtung von B\u00fchne und Publikumsbereich.<\/p>\n<p>Es besteht sogar die M\u00f6glichkeit, mit Labor-Messger\u00e4ten im Publikum und auf der B\u00fchne mittels Elektroenzephalografie (EEG) Hirnstr\u00f6me zu messen. Um verwertbare Erkenntnisse zu erzielen, m\u00fcssen zun\u00e4chst jedoch geeignete Methoden entwickelt bzw. bestehende Methoden verbessert werden. \u201eBisher hat man vor allem Erregungszust\u00e4nde gemessen, zum Beispiel anhand des Hautwiderstandes\u201c, erkl\u00e4rt die Musikwissenschaftlerin.<\/p>\n<p>Im ArtLab ist auch die Erfassung der Blickbewegungen m\u00f6glich sowie von Mimik, Gestik und anderen Verhaltensparametern. Eine besonders feine Messung erlauben Elektroden, die an die Gesichtsmuskulatur angeschlossen sind. Ohne Selbstausk\u00fcnfte der Studienteilnehmer geht es bislang allerdings nicht. \u201eWir werden nie zu einer endg\u00fcltigen Aussage dazu kommen, wie \u00c4sthetik funktioniert\u201c, sagt Wald-Fuhrmann.<\/p>\n<p>Daran k\u00f6nnten selbst ausgefeilte naturwissenschaftliche Untersuchungsmethoden nichts \u00e4ndern \u2013 zu komplex sind die Mechanismen, die zum Beispiel bei pers\u00f6nlichen Antipathien gegen eine bestimmte Musikart eine Rolle spielen. Simple Erkl\u00e4rungsans\u00e4tze wie der \u201emere-exposure- Effekt\u201c, wonach der blo\u00dfe mehrmalige Kontakt mit ein und demselben Objekt das Gefallen an ihm steigert, seien jedenfalls heute nicht mehr m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Der Forschungsansatz des Frankfurter Instituts st\u00f6\u00dft Wald- Fuhrmann zufolge international jedoch auf gro\u00dfe Aufmerksamkeit. \u201eDas Interesse am \u00c4sthetischen ist gro\u00df, es ist Teil unserer Identit\u00e4t\u201c, erkl\u00e4rt Wald-Fuhrmann. Auch deshalb habe man selten Probleme, gen\u00fcgend Studienteilnehmer zu finden.[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row][vc_column][\/vc_column][vc_column][\/vc_column][\/vc_row]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[vc_row][vc_column][vc_column_text]Was gef\u00e4llt Menschen und warum? Ein R\u00e4tsel, \u00fcber das die Philosophie schon seit Menschengedenken sinniert. 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