{"id":37832,"date":"2019-06-12T15:20:05","date_gmt":"2019-06-12T13:20:05","guid":{"rendered":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=37832"},"modified":"2019-06-12T15:20:08","modified_gmt":"2019-06-12T13:20:08","slug":"tradition-und-vielfalt-die-soziologie-im-jubilaeumsjahr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/studium\/tradition-und-vielfalt-die-soziologie-im-jubilaeumsjahr\/","title":{"rendered":"Tradition und Vielfalt: Die Soziologie im Jubil\u00e4umsjahr"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter is-resized\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/blog_UR_soziologie.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-37835\" width=\"650\" height=\"450\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/blog_UR_soziologie.jpg 650w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/blog_UR_soziologie-300x208.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><figcaption>1919 wurde der erste Lehrstuhl f\u00fcr Soziologie mit Franz Oppenheimer besetzt. Das Institut f\u00fcr Soziologie an der Goethe-Universit\u00e4t ist heute einer der\ngr\u00f6\u00dften universit\u00e4ren Standorte soziologischer Lehre und Forschung in Deutschland. Blick in die Bereichsbibliothek Sozialwissenschaften und Psychologie.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><strong><em>Fach feiert sein Hundertstes: ein \u00dcberblick \u00fcber heutige Schwerpunkte.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Jubil\u00e4umsjahr \u201e100 Jahre Soziologie\u201c findet nicht nur die  Vortragsreihe \u00fcber den Zeitraum vom 1. April 2019 bis 31. M\u00e4rz 2020  statt, sondern die einzelnen Forschungsschwerpunkte organisieren dar\u00fcber  hinaus eine Vielzahl von Begleitveranstaltungen. Das Institut  organisiert sich in sieben Forschungsschwerpunkten. In ihrer Gesamtheit  dokumentieren die Schwerpunkte die Vielfalt soziologischer Forschung an  der Goethe-Universit\u00e4t. Dies gilt f\u00fcr die grundlagentheoretischen  Orientierungen ebenso wie f\u00fcr die methodischen Ans\u00e4tze und die  Forschungsfelder. Die Schwerpunkte schlagen wiederum Br\u00fccken zu  verschiedenen anderen Disziplinen: angefangen mit den  Politikwissenschaften am gleichen Fachbereich, der Philosophie in der  Tradition der Frankfurter Schule sowie der Kultur- und  Sozialanthropologie. <\/p>\n\n\n\n<p>Die konzeptionelle Breite des Faches wird im  Schwerpunkt<strong> Soziologische Theorie, Geschichte der Soziologie und  Wissenschaftstheorie<\/strong> reflektiert. Dies beginnt ganz wesentlich bei  Einblicken in die soziologischen Klassiker*innen etwa bei der  historischen Aufarbeitung der \u201eSoziologie in Frankfurt\u201c oder dem \u201eLeben  und Werk Franz Oppenheimers\u201c sowie der Herausgabe der methodologischen  Schriften Max Webers im Rahmen der Max-Weber-Gesamtausgabe.  Begleitveranstaltungen wenden sich entsprechend solchen Themen zu: \u201eDie  andere Frankfurter Schule: Karl Mannheim und die Frankfurter Soziologie  der 1930er Jahre\u201c, aber auch das autonome Tutorium: \u201eFriedrich Pollock \u2013  Marxistische Schriften\u201c. Ein Vortrag wird sich im Januar 2020 mit der  Soziologie an der Goethe-Universit\u00e4t im Nationalsozialismus  auseinandersetzen und in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Philosophie  und Geschichtswissenschaften sowie dem Institut f\u00fcr Sozialforschung  (IfS) angeboten. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Breite der Forschungsans\u00e4tze umfasst die Abteilung  <strong>Methoden der empirischen Sozialforschung<\/strong>. Das Methodenspektrum reicht  von rekonstruktiven und hermeneutisch-qualitativen bis hin zu  deduktiv-nomologischen und statistisch- quantitativen Ans\u00e4tzen. Das  hei\u00dft praktisch: Geforscht wird mit Frageb\u00f6gen und Leitfadeninterviews,  mit amtlichen Statistiken, aber auch mit ethnografischen  Feldforschungen, Diskursdaten oder biographischen Erz\u00e4hlungen. Der  Methodenschwerpunkt ist im Begleitprogramm mit der Vortragsreihe InFER  Colloquium vertreten. Hier werden Einblicke in aktuelle Analyse- und  Methodenfragen der standardisierten Sozialforschung, insbesondere der  soziologischen Statistik, gegeben. Nicht ausschlie\u00dflich mit Fragen der  Forschungsanlage befasst sich eine \u201eZukunftswerkstatt\u201c. Hier diskutieren  Statusgruppen-\u00fcbergreifend Mitglieder des Instituts f\u00fcr Soziologie \u00fcber  M\u00f6glichkeiten seiner Weiterentwicklung in Forschung wie Lehre  angesichts aktueller gesellschaftlicher Herausforderungen. <\/p>\n\n\n\n<p>Im  Schwerpunkt <strong>Sozialstruktur, soziale Ungleichheit und Bildung<\/strong> geht es um  Beziehungen zwischen Gruppen, ihre sozialen Positionen und die daran  gekoppelten Lebenschancen. Der Forschungsschwerpunkt erforscht, auf  welcher Weise gesellschaftliche Institutionen wie das Wirtschaftssystem,  das Recht, der Arbeitsmarkt, die Sozialpolitik oder das Bildungswesen  ungleiche Verteilungen von Ressourcen und Chancen erzeugen. In der  zentralen Vortragsreihe wird etwa der Zusammenhang von sozialem Status  und rechtspopulistischen Gesinnungen untersucht. Weitere Vortr\u00e4ge  befassen sich mit der kulturellen Vermittlung sozialer Ungleichheit etwa  in Deutungsmustern, Mitgliedschaftskategorisierungen oder auch  Stigmatisierungen. <\/p>\n\n\n\n<p>Hier finden sich \u00dcberg\u00e4nge zum vierten  Themenschwerpunkt, der mit der Relation aus Subjekt und Gesellschaft in  Frankfurt Tradition hat: <strong>Mikrosoziologie, Sozialpsychologie und Kultur<\/strong>.  Aber es ist nicht Traditionspflege, die hier vorherrscht. Der Blick auf  die Mikroverh\u00e4ltnisse hat in den letzten Jahrzehnten, ausgehend vom  \u201elinguistic turn\u201c aus der Sprachpragmatik, wesentliche Innovationen  befeuert: den \u201einterpretative turn\u201c und den \u201ePraxisturn\u201c. Zentrales  Anliegen der Mitglieder des Schwerpunktes ist die Analyse der  Mikrofundierung und der psychosozialen Effekte von Vergesellschaftung.  Die Forschung wird in enger Zusammenarbeit mit dem  Sigmund-Freud-Institut (SFI) und dem Institut f\u00fcr Sozialforschung (IfS)  durchgef\u00fchrt. Hier bietet der Schwerpunkt einige Begleitveranstaltungen  an: \u201ePrismen \u2013 IfS bei marx &amp; co\u201c; \u201eVater \u2013 Mutter \u2013 Kind \u2013 Hat die  familiale Triade als Sozialisationsmodell ausgedient?\u201c oder der geplante  Workshop \u201eNormativit\u00e4t und Kritik in der Feldforschung\u201c. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Abteilung  <strong>Wirtschaft \u2013 Arbeit \u2013 Organisation<\/strong> widmet sich grundlegenden und  aktuellen sozialwissenschaftlichen Fragestellungen im Kontext  globalisierten Wirtschaftens. Hier verzahnen sich die klassischen Felder  der Wirtschafts-, Arbeitsund Organisationssoziologie. Die sozialen und  institutionellen Voraussetzungen des Marktgeschehens finden ebenso  Interesse wie Fragen der politischen \u00d6konomie. Es geht um Finanz- und  Arbeitsm\u00e4rkte ebenso wie um nachhaltiges Wirtschaften mit den  kulturellen, moralischen und politischen Implikationen von Konsum und  Innovation. Eher arbeitssoziologische Fragestellungen beziehen sich auf  den aktuellen Wandel der Arbeit, auf ver\u00e4nderte Produktionsbedingungen  oder auch die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung. Die Erosion der  Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben, der Niederschlag von  Prekarisierung auf die Arbeitsbiografien oder die Globalisierung der  Ausbeutungsverh\u00e4ltnisse schlagen den Bogen zu aktuellen Krisen der  Arbeitsgesellschaft. Hier ist es die hochwertige Vortragsreihe  \u201eKritische Soziologie\u201c, die wesentliche Fragen dieses Schwerpunktes ins  Begleitprogramm tr\u00e4gt. <\/p>\n\n\n\n<p>Einen anderen Fragenkomplex bearbeitet die  Abteilung <strong>Gender, Diversit\u00e4t und Migration<\/strong>: Wie ver\u00e4ndern sich die  gesellschaftlichen Geschlechterordnungen? Wie werden Unterscheidungen  zwischen \u201eWir\u201c und den \u201eAnderen\u201c gepr\u00e4gt und durchgesetzt? Wie  entwickeln sich Identit\u00e4ten im Kontext globalisierter Migration? Aber  auch: Welchen Einfluss haben die neuen Biotechnologien auf die  tradierten Vorstellungen von Verwandtschaft und Zugeh\u00f6rigkeit? Die  Abteilung mobilisiert Theorien, Konzepte und verschiedene  Forschungsstrategien (von Ethnografien bis Diskursanalysen), um diesen  Vermachtungen auf den Grund zu gehen. Die Mitglieder bringen neueste  Erkenntnisse aus der Geschlechterforschung, der feministischen  Philosophie, den \u201ePostcolonial Studies\u201c oder der K\u00f6rpersoziologie  zusammen \u2013 und platzieren die Soziologie wiederum in einen spannenden  transdisziplin\u00e4ren Zusammenhang. Dokumentiert wird diese  Forschungsarbeit in einer eigenen Working Paper Series. Das Cornelia  Goethe Centrum (CGC) wird hier wichtige Veranstaltungen, etwa im Rahmen  des CGC-Colloquiums, zum Begleitprogramm beitragen. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Abteilung <strong>Wissen  \u2013 Technik \u2013 Umwelt<\/strong> schlie\u00dflich befasst sich mit Wissensformen,  epistemischen Kulturen und ihren praktischen Grundlegungen. Hier geht es  um Voraussetzungen und Wirkungsweisen von Technologien und Techniken  sowie ihrer Umweltbez\u00fcge. Die Abteilung ist eingebettet in die  transdisziplin\u00e4re Wissenschafts- und Technikforschung, die Wissens- und  Umweltsoziologie sowie die Sozialphilosophie. Als  Diskussionszusammenhang konfrontiert der Forschungsschwerpunkt eine  Bandbreite analytischer und methodischer Herangehensweisen:  konfliktheoretische, praxeologische, ph\u00e4nomenologische,  poststrukturalistische und auch neomaterialistische Orientierungen.  Gemeinsam mit dem Institut f\u00fcr Europ\u00e4ische Ethnologie wurde in diesem  Kontext der M.A. \u201eScience and Technology Studies (S&amp;TS)\u201c entwickelt  und etabliert. Ein \u00e4hnlich ausgerichtetes Graduiertenkolleg soll folgen.  Eine St\u00e4rkung erfuhren die Frankfurter S&amp;TS durch einen  ERC-F\u00f6rderung des Projektes \u201eSuspended Life: Exploring Cryopreservation  Practices in Contemporary Societies\u201c (CRYOSOCIETIES). Im Rahmen der  Begleitveranstaltungen wird es u. a. einen Vortrag zur \u201eSpeculative  Logic of Capitalism\u201c geben. <\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:right\"><em>Thomas Scheffer &amp; Heike Langholz <\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-background has-very-light-gray-background-color\">Das  Institut hat extra zum Jubil\u00e4um eine Webseite eingerichtet. Unter  <a href=\"https:\/\/hundertjahresoziologie.uni-frankfurt.de\/events\">https:\/\/hundertjahresoziologie.uni-frankfurt.de\/events<\/a> lassen sich alle  Veranstaltungen wie das Beiprogramm abfragen. Die ersten Veranstaltungen  haben bereits gezeigt, dass diese Bem\u00fchungen honoriert werden. Das  Interesse an der Universit\u00e4t und in der B\u00fcrgergesellschaft ist  beachtlich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Dieser Artikel ist in der&nbsp;<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/www.unireport.info\/78423060.pdf\" target=\"_blank\">Ausgabe 3.19 des UniReport&nbsp;<\/a>erschienen.<\/em><\/strong><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fach feiert sein Hundertstes: ein \u00dcberblick \u00fcber heutige Schwerpunkte. Im Jubil\u00e4umsjahr \u201e100 Jahre Soziologie\u201c findet nicht nur die Vortragsreihe \u00fcber den Zeitraum vom 1. April 2019 bis 31. 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