{"id":3867,"date":"2016-02-08T16:45:54","date_gmt":"2016-02-08T15:45:54","guid":{"rendered":"http:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=3867"},"modified":"2016-02-26T10:10:08","modified_gmt":"2016-02-26T09:10:08","slug":"das-licht-nachrichtendienst-der-sterne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/forschung\/das-licht-nachrichtendienst-der-sterne\/","title":{"rendered":"Das Licht \u2013 Nachrichtendienst der Sterne"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_4633\" aria-describedby=\"caption-attachment-4633\" style=\"width: 768px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-4633\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/blog_forschung-reifarth-aufmacher-1.jpg\" alt=\"Abb. 1: Beeindruckende Sternentstehungsregionen aus Rot leuchtendem Wasserstoffgas im Sternbild Fuhrmann am Nordhimmel. Foto: Mario Weigand\" width=\"768\" height=\"459\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/blog_forschung-reifarth-aufmacher-1.jpg 768w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/blog_forschung-reifarth-aufmacher-1-300x179.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-4633\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 1: Beeindruckende Sternentstehungsregionen aus Rot leuchtendem Wasserstoffgas im Sternbild Fuhrmann am Nordhimmel. Foto: Mario Weigand<\/figcaption><\/figure>\n<p>Das Sternenlicht verr\u00e4t viel \u00fcber die Entstehung der Elemente, das Alter und die zuk\u00fcnftige Entwicklung des Universums. Aber Astrophysiker richten ihren Blick nicht nur in den Nachthimmel. Frankfurter Physiker simulieren Rote Riesen im Labor und stellen damit etablierte Theorien auf den Pr\u00fcfstand.<\/p>\n<p>Die Sonne ist unser n\u00e4chster Stern und bildet das Zentrum unseres Planetensystems. Im Innern der Sonne verschmelzen jede Sekunde mehr als 500 Milliarden Kilogramm des leichtesten Elements Wasserstoff zum n\u00e4chstschwereren Element Helium. Dieser Fusionsprozess setzt Energie in Form von Licht frei, das ins All abgestrahlt wird. Auf der Erde erreicht uns pro Quadratmeter eine Leistung von etwa 1,4 Kilowatt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_3879\" aria-describedby=\"caption-attachment-3879\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-3879 size-medium\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/blog_forschung-reifarth-2-300x153.jpg\" alt=\"Elemente in der Sternatmosph\u00e4re absorbieren Licht bestimmter Frequenzen, so dass L\u00fccken in Form schwarzer Linien im Spektrum entstehen. (c) M. Weigand\/ N. A. Sharp\" width=\"300\" height=\"153\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/blog_forschung-reifarth-2-300x153.jpg 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/blog_forschung-reifarth-2.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3879\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 2: Elemente in der Sternatmosph\u00e4re absorbieren Licht bestimmter Frequenzen, so dass L\u00fccken in Form schwarzer Linien im Spektrum entstehen. (c) M. Weigand\/ N. A. Sharp<\/figcaption><\/figure>\n<p>Wenn wir das Licht der Sonne zerlegen, erhalten wir einen wundersch\u00f6nen Regenbogen. Bei genauer Analyse des Spektrums von Rot bis Blau zeigt sich, dass es L\u00fccken aufweist, die sogenannten Fraunhofer-Linien (Abb. 2). Die Erkl\u00e4rung daf\u00fcr fanden im 19. Jahrhundert der Chemiker Robert Bunsen und der Physiker Gustav Kirchhoff, als sie die Wechselwirkung von Licht und Gasen untersuchten. Dabei stellten sie fest, dass jedes Gas, beziehungsweise jedes Element, Licht charakteristischer Wellenl\u00e4ngen absorbiert, so dass im Spektrum L\u00fccken entstehen. Aus den L\u00fccken im Sonnenspektrum kann man daher im Umkehrschluss die chemische Zusammensetzung der Sonnenoberfl\u00e4che bestimmen. Dies f\u00fchrte zur Entdeckung des bis dahin auf der Erde unbekannten \u00bbSonnenelements\u00ab Helium. Heute wissen wir, dass alle Sterne zu etwa 75 Prozent aus Wasserstoff und 25 Prozent aus Helium bestehen.<\/p>\n<h3>Inventur im Sonnensystem<\/h3>\n<p>Die Elementh\u00e4ufigkeiten im Sonnensystem k\u00f6nnen wir anhand von Position und St\u00e4rke der Linien (L\u00fccken) des Sonnenspektrums bestimmen. Unverf\u00e4lschte Informationen vom Beginn des Sonnensystems liefern uns au\u00dferdem Meteoriten. Die Sonne und die Planeten sind aus einer Staubwolke entstanden. Gleichzeitig formten sich auch kleinere Materiebrocken. In ihnen ist die urspr\u00fcngliche Zusammensetzung der Elemente konserviert. Einige dieser Brocken durchdringen die Atmosph\u00e4re und erreichen den Erdboden. Dann sprechen wir von Meteoriten. Diese Gesteine k\u00f6nnen wir im Labor untersuchen und die Elementh\u00e4ufigkeiten bestimmen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_3864\" aria-describedby=\"caption-attachment-3864\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a class=\"dt-single-image\" href=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/blog_forschung-Reifarth-Grafik-3.jpg\" rel=\"attachment wp-att-3864\" data-dt-img-description=\"Die solare H\u00e4ufigkeit derElemente. Grafik: AG Reifarth\"><img decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-3864\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/blog_forschung-Reifarth-Grafik-3-300x167.jpg\" alt=\"Die solare H\u00e4ufigkeit der Elemente. Grafik: AG Reifarth\" width=\"300\" height=\"167\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/blog_forschung-Reifarth-Grafik-3-300x167.jpg 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/blog_forschung-Reifarth-Grafik-3.jpg 610w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-3864\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 3: Die solare H\u00e4ufigkeit der Elemente. Grafik: AG Reifarth<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die h\u00e4ufigsten Elemente im Sonnensystem sind Wasserstoff und Helium. Bis zum schwersten stabilen Element Bismut fallen die H\u00e4ufigkeiten um viele Gr\u00f6\u00dfenordnungen ab. Ebenso f\u00e4llt auf, dass die stark gebundenen Elemente der Eisengruppe (um die Massenzahl 56 herum) um Gr\u00f6\u00dfenordnungen h\u00e4ufiger als die umliegenden Elemente sind (Abb. 3).<\/p>\n<h3>Die Sterne am Nachthimmel<\/h3>\n<p>Ein genauer Blick an den Nachthimmel offenbart, dass die Sterne nicht alle gleich sind. Mit blo\u00dfem Auge k\u00f6nnen wir Sterne unterschiedlicher Farben erkennen: von Rot bis Gelb, \u00fcber Wei\u00df bis hin zu Blau (Abb. 1). Die Farbe verr\u00e4t uns eine Eigenschaft des Sterns, die Oberfl\u00e4chentemperatur. Ein k\u00fchler Stern sendet vorwiegend rotes Licht aus, ein sehr hei\u00dfer Stern hingegen eher blaues Licht. Informationen \u00fcber die Gr\u00f6\u00dfe eines Sterns erhalten wir aus der Temperatur und der Leuchtkraft (abgestrahlte Energie pro Zeit): Ein blauer (hei\u00dfer) Stern mit kleiner Leuchtkraft muss sehr klein sein, ein roter (k\u00fchler) Stern mit gro\u00dfer Leuchtkraft sehr gro\u00df.<\/p>\n<h3>Wir Kinder des Kosmos<\/h3>\n<p>Die Elemente leichter als Kohlenstoff (Wasserstoff, Helium, Lithium, Beryllium und Bor) wurden schon unmittelbar nach dem Urknall vor etwa 13,8 Milliarden Jahren gebildet. Die Elemente von Kohlenstoff bis Eisen werden im zunehmend hei\u00dfer werdenden Innern von Sternen durch die Verschmelzung von leichteren Elementen erzeugt. Diese Fusionsprozesse bilden die fundamentale Energiequelle der Sterne und bestimmen ihre Entwicklung. Dabei werden mehrere aufeinanderfolgende Brennphasen durchlaufen: Im Wasserstoffbrennen wird Helium erzeugt, das in der n\u00e4chsten Phase, dem Heliumbrennen, zu Kohlenstoff fusioniert. Leichte Sterne wie die Sonne k\u00f6nnen keine weitere Brennphase z\u00fcnden. Dass in unserem Sonnensystem trotzdem schwerere Elemente vorhanden sind, liegt daran, dass diese schon in der Staubwolke waren, aus der es vor etwa 4,5 Milliarden Jahren entstanden ist.<\/p>\n<p>[dt_call_to_action content_size=&#8220;small&#8220; background=&#8220;fancy&#8220; line=&#8220;true&#8220; animation=&#8220;fadeIn&#8220;]<\/p>\n<h4>Auf den Punkt gebracht<\/h4>\n<ul>\n<li>Aus dem Licht der Sterne k\u00f6nnen wir auf ihre Eigenschaften und Vorg\u00e4nge in ihrem Innern schlie\u00dfen.<\/li>\n<li>Sterne verschmelzen die meiste Zeit ihres Lebens das leichteste Element Wasserstoff zum n\u00e4chst schwereren Element Helium. In den Sp\u00e4tphasen der Sternentwicklung werden Elemente schwerer als Eisen erzeugt.<\/li>\n<li>Astrophysiker simulieren die Elemententstehung in Sternen am PC. Die Ergebnisse von Labormessungen gehen in die Simulationen ein. Ziel ist es, die H\u00e4ufigkeiten der Elemente im Sonnensystem zu reproduzieren.<\/li>\n<li>Kernphysikalische Messungen erm\u00f6glichen die Altersbestimmung des Universums und verraten, wie die Zukunft des Universums aussieht.<\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"color: #000000; font-family: Times New Roman; font-size: medium;\">[\/dt_call_to_action]<\/span><\/p>\n<p>Elemente, die schwerer sind als Kohlenstoff, entstehen in Sternen, die mehr als achtmal schwerer sind als die Sonne. Auf das \u00a0Neonbrennen folgt das Sauerstoffbrennen und schlie\u00dflich das Siliziumbrennen. Dabei entsteht das am st\u00e4rksten gebundene Element Eisen. Um die schweren Elemente bis hin zu Bismut zu erzeugen, muss Energie aufgewendet werden. Das Licht der Sterne zeigt uns, in welcher Sternentwicklungsphase schwere Elemente erzeugt werden. Nehmen wir zum Beispiel das Element Technetium. Es zerf\u00e4llt nach einigen Millionen Jahren. Im Sonnensystem, und damit auch auf der Erde, kommt Technetium nicht vor, weil das bei der Entstehung der Erde vorhandene Material in den vergangenen vier Milliarden Jahren seit der Entstehung unseres Planeten zerfallen ist. Mitte des 20. Jahrhunderts aber entdeckte der Physiker Paul Willard Merrill den Fingerabdruck von Technetium in den Spektren von Roten Riesen. Da Rote Riesen schon einige Milliarden Jahre alte Sterne sind, m\u00fcssen sie das Element Technetium also frisch erzeugen.<\/p>\n<p>Etwa die H\u00e4lfte der Elemente, die schwerer als Eisen sind, wird im sogenannten s-Prozess erzeugt. Dieser Prozess startet bei Eisen und produziert sukzessive die schwereren Kerne. Um den Ablauf des Prozesses zu verstehen, muss man sich die Elemente genau anschauen: Eisen beispielsweise besteht aus 26 Protonen. Hinzu kommen unterschiedliche Anzahlen von Neutronen. Diese verschiedenen Varianten eines Kerns nennt man Isotope. Das h\u00e4ufigste Eisenisotop Eisen-56 besitzt 30 Neutronen. Aber auch Eisenkerne mit 28, 31 und 32 Neutronen sind stabil. Alle anderen Kombinationen von 26 Protonen und X Neutronen sind nicht stabil, was bedeutet, dass diese Kerne nach einer bestimmten Zeit zerfallen. Genauso verh\u00e4lt es sich auch f\u00fcr die anderen Elemente. Die meisten Elemente haben mehr als eine stabile Zusammensetzung im Kern.<\/p>\n<figure id=\"attachment_3866\" aria-describedby=\"caption-attachment-3866\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><a class=\"dt-single-image\" href=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Grafik4_Reifath.jpg\" rel=\"attachment wp-att-3866\" data-dt-img-description=\"Nuklidkarte. Stabile Kerne sind in schwarz dargestellt, instabile Kerne in Rot, Blau und Grau. Rechts: Ausschnittaus der Nuklidkarte rund um Krypton (Kr), Rubidium (Rb) und Strontium (Sr). Grafik: AG Reifarth \"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-3866\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Grafik4_Reifath-300x128.jpg\" alt=\"Nuklidkarte. Stabile Kerne sind in schwarz dargestellt, instabile Kerne in Rot, Blau und Grau. Rechts: Ausschnitt aus der Nuklidkarte rund um Krypton (Kr), Rubidium (Rb) und Strontium (Sr). Grafik: AG Reifarth \" width=\"300\" height=\"128\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Grafik4_Reifath-300x128.jpg 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Grafik4_Reifath.jpg 611w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-3866\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 4: Nuklidkarte. Stabile Kerne sind in schwarz dargestellt, instabile Kerne in Rot, Blau und Grau. Rechts: Ausschnitt aus der Nuklidkarte rund um Krypton (Kr), Rubidium (Rb) und Strontium (Sr). Grafik: AG Reifarth<\/figcaption><\/figure>\n<p>In einem Roten Riesen sind freie Neutronen vorhanden. Diese k\u00f6nnen zum Beispiel auf einen Kryptonkern treffen und eingefangen werden (Abb. 4). So entsteht der n\u00e4chstschwere Kryptonkern. Jeder Kern f\u00e4ngt etwa einmal alle zehn Jahre ein Neutron ein. Nach einem oder mehreren Neutroneneinf\u00e4ngen wird schlie\u00dflich ein instabiler Kern erzeugt, der zum n\u00e4chstschweren Element, in diesem Fall Rubidium, zerf\u00e4llt. Der Rubidiumkern kann wiederum Neutronen einfangen. Auf diese Weise werden sukzessive schwerere Elemente bis hin zu Bismut erzeugt.<\/p>\n<h3>Sterne im Labor<\/h3>\n<p>Im Innern von Sternen herrschen unvorstellbar hohe Temperaturen von bis zu einigen Milliarden Grad Celsius. Die freien Neutronen haben bei diesen Temperaturen eine gro\u00dfe Geschwindigkeit. Trotzdem ist es leicht, diese schnellen Neutronen in Teilchenbeschleunigern zu erzeugen und in irdischen Laboren zu untersuchen. Erst die genaue Kenntnis der Wahrscheinlichkeit und H\u00e4ufigkeit einer Reaktion als Funktion der Temperatur und der Dichte im Stern erlaubt quantitative R\u00fcckschl\u00fcsse auf die Vorg\u00e4nge im Inneren der Sterne.<\/p>\n<p>Ein Forschungsschwerpunkt unserer Arbeitsgruppe f\u00fcr Experimentelle Astrophysik ist die Untersuchung von Neutroneneinfangreaktionen im s-Prozess. Instabile (radioaktive) Isotope sind dabei von besonderem Interesse. Wenn sie im Stern durch Neutroneneinfang produziert werden, k\u00f6nnen sie anschlie\u00dfend entweder erneut ein Neutron einfangen oder zerfallen. Der Reaktionspfad verzweigt sich an dieser Stelle (Verzweigungspunkt). Abh\u00e4ngig vom Reaktionspfad werden bestimmte Kerne mehr oder weniger h\u00e4ufig produziert: Eine gr\u00f6\u00dfere Zahl an freien Neutronen f\u00fchrt zum Beispiel zu einer vermehrten Produktion der Neutroneneinfangsprodukte.<\/p>\n<p>Untersuchungen an radioaktiven Kernen erfordern jedoch viel gr\u00f6\u00dfere experimentelle Anstrengungen als Experimente mit stabilen Kernen. Zum einen sind die Erzeugung des Probenmaterials und der Umgang damit wesentlich schwieriger. Zum anderen st\u00f6rt die von den radioaktiven Kernen ausgesandte Strahlung die Messung, weil sie die Signale der Reaktionsprodukte im Detektor \u00fcberlagert. Deshalb kann nur eine geringe Menge an Probenmaterial verwendet werden. Im Experiment kann dies nur durch entsprechend h\u00f6here Neutronenfl\u00fcsse ausgeglichen werden. An der im Bau befindlichen Frankfurter Neutronenquelle FRANZ entstehen derzeit weltweit einmalige Experimentierm\u00f6glichkeiten. Dies betrifft insbesondere die Anzahl der verf\u00fcgbaren Neutronen mit astrophysikalisch relevanten Energien.<\/p>\n<p>[dt_call_to_action content_size=&#8220;normal&#8220; background=&#8220;fancy&#8220; line=&#8220;true&#8220; animation=&#8220;fadeIn&#8220;]<\/p>\n<h4>Aufbau zur Messung von Neutroneneinfangreaktionen im Projekt NAUTILUS<\/h4>\n<p><a class=\"dt-single-image\" href=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/blog_forschung-reifarth-5.jpg\" rel=\"attachment wp-att-3882\" data-dt-img-description=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-3882 size-thumbnail\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/blog_forschung-reifarth-5-150x150.jpg\" alt=\"Aufbau zur Messung von Neutroneneinfangreaktionen im Projekt NAUTILUS. Grafik: Weigand\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Abb. 5.: Mithilfe eines Beschleunigers werden Protonen beschleunigt. Sie\u00a0durchqueren eine Lithiumschicht, wobei Neutronen entstehen. Die Kerne in der Probe, die Neutronen einfangen, gehen in einen angeregten Zustand \u00fcber.<\/p>\n<p>Sie geben die Energie anschlie\u00dfend durch Aussendung von Licht (\u03b3) wieder ab. Dieses Licht wird mit dem Detektor gemessen. Das erlaubt R\u00fcckschl\u00fcsse auf die erzeugten Kerne und die Anzahl der Reaktionen. Grafik: Mario Weigand<\/p>\n<p><span style=\"color: #000000; font-family: Times New Roman; font-size: medium;\">[\/dt_call_to_action]<\/span><\/p>\n<p>Im Rahmen des vom Europ\u00e4ischen Forschungsrat gef\u00f6rderten Projekts NAUTILUS (Nuclear Astrophysics Constraining Stellar Nucleosynthesis) wird die Probe deutlich n\u00e4her an der Neutronenquelle platziert als \u00fcblich. Bei k\u00fcrzerem Abstand erreichen wesentlich mehr der in alle Raumrichtungen fliegenden Neutronen die Probe. Somit kann bei gleicher Neutronenquellst\u00e4rke mit noch kleineren Probenmengen experimentiert werden.<\/p>\n<p>Das neue Verfahren soll am Beispiel des radioaktiven Krypton-85 demonstriert werden. Der Kern Krypton-85 ist ein Verzweigungspunkt im s-Prozess (Abb. 4) und von h\u00f6chstem astrophysikalischem Interesse. Da das Edelgas Krypton praktisch nur als Gas in Experimenten eingesetzt werden kann, ist die Herstellung gro\u00dfer Proben eine technologische Herausforderung.<\/p>\n<h3>Woher und wohin?<\/h3>\n<p>Wie alt ist unser Universum und wie entwickelt es sich? Unser heutiges Verst\u00e4ndnis beruht auf astronomischen Beobachtungen von Sternexplosionen eines bestimmten Typs, Supernovae vom Typ Ia. Diese Explosionen scheinen alle nach dem gleichen Mechanismus abzulaufen, denn das dabei ausgesendete Licht ist identisch. Deshalb bezeichnen wir sie als Standardkerzen. Analysieren wir das Licht und bestimmen die Entfernung dieser Sterne, k\u00f6nnen wir auf den Zeitpunkt der Explosion zur\u00fcckschlie\u00dfen und auch auf die Gr\u00f6\u00dfe des Universums zu diesem Zeitpunkt. Die Physiker Saul Perlmutter, Brian Schmidt und Adam Riess analysierten viele dieser Standardkerzen und kamen zu dem Schluss, dass sich das Universum immer schneller ausdehnt. Daf\u00fcr erhielten sie 2011 den Physik-Nobelpreis.<\/p>\n<p>Aber k\u00f6nnen wir uns wirklich auf diese Standardkerzen verlassen? Das Projekt NAUTILUS wird dies \u00fcberpr\u00fcfen, indem es das Alter des Universums unabh\u00e4ngig von Standardkerzen bestimmt. Es verwendet dazu radioaktive Kerne mit einer Halbwertszeit, die in etwa dem Alter des Universums entspricht, als eine Art Uhr. Wenn solche Kerne im fr\u00fchen Universum in einem Stern erzeugt worden sind, k\u00f6nnen wir einen Teil dieser Kerne heute noch messen und zur\u00fcckrechnen, wie viel Zeit seit dem Beginn der Nukleosynthese vergangen ist. Wir wissen, dass die Nukleosynthese 500 Millionen Jahre nach dem Urknall begann, als die ersten Sterne entstanden. Bestimmt man also den Beginn der Nukleosynthese, kann man daraus auf das Alter des Universums schlie\u00dfen.<\/p>\n<p>[dt_call_to_action content_size=&#8220;small&#8220; background=&#8220;fancy&#8220; line=&#8220;true&#8220; animation=&#8220;fadeIn&#8220;]<\/p>\n<h4>Wohin entwickelt sich das Universum?<\/h4>\n<p><a class=\"dt-single-image\" href=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/blog_forschung-reifarth-grafik-6.jpg\" rel=\"attachment wp-att-3893\" data-dt-img-description=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-3893 alignleft\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/blog_forschung-reifarth-grafik-6-300x191.jpg\" alt=\"Wohin entwickelt sich das Universum? Mario Weigand\" width=\"300\" height=\"191\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/blog_forschung-reifarth-grafik-6-300x191.jpg 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/blog_forschung-reifarth-grafik-6.jpg 556w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Seit dem Urknall dehnt sich das Universum aus. Die theoretischen Modelle der Kosmologie sagen verschiedene Szenarien f\u00fcr die Entwicklung des Universums voraus: Wird es unter der Kraftwirkung der Massen wieder zusammenfallen? Dehnt es sich mit konstanter Geschwindigkeit immer weiter aus? Oder dehnt es sich gar mit immer gr\u00f6\u00dferer Geschwindigkeit aus? Die Mitglieder der Arbeitsgruppe Experimentelle Astrophysik sind auf der Suche nach der Antwort: Mit kosmologischen \u00bbUhren\u00ab bestimmen sie, wann die ersten schweren Elemente in Sternen erzeugt wurden (Nukleosynthese). Daraus bestimmen sie das Alter des Universums und damit dessen Vergangenheit und Zukunft. Grafik: M. Weigand<\/p>\n<p><span style=\"color: #000000; font-family: Times New Roman; font-size: medium;\">[\/dt_call_to_action]<\/span><\/p>\n<p>Mit seiner Halbwertszeit von 48 Milliarden Jahren ist der Kern Rubidium-87 ein vielversprechender Kandidat f\u00fcr eine solche kosmische Uhr. Der von uns untersuchte Kern Krypton-85 liegt unmittelbar auf dem Reaktionspfad zu Rubidium-87 und bestimmt dessen H\u00e4ufigkeit. Ist die Rate von Neutroneneinf\u00e4ngen an Krypton-85 sehr hoch, wird viel Rubidium-87 produziert. Ist die Rate hingegen klein, wird wenig Rubidium-87 produziert (Abb. 4). Das Projekt NAUTILUS wird diese Rate und damit das Alter des Universums bestimmen. Werden wir die Ergebnisse der Standardkerzen best\u00e4tigen oder erwartet uns eine \u00dcberraschung?<\/p>\n<p>[dt_call_to_action content_size=&#8220;small&#8220; background=&#8220;fancy&#8220; line=&#8220;true&#8220; animation=&#8220;fadeIn&#8220;]<\/p>\n<h4>Die Autoren<\/h4>\n<p><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-3876 size-thumbnail\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/blog_forschung-autorin-geobel-150x150.jpg\" alt=\"Kathrin G\u00f6bel. Foto: Dettmar\" width=\"150\" height=\"150\" \/>Dr. Kathrin G\u00f6bel<\/strong>, Jahrgang 1985, hat ihr Bachelor- und Masterstudium in Physik an der Goethe-Universit\u00e4t absolviert. Dabei hat sie sich auf die Themen Kernphysik und Astrophysik spezialisiert, die w\u00e4hrend der Promotion in der Experimentellen Astrophysik verschmolzen. Seit Mai 2015 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Arbeitsgruppe und Scientific Coordinator bei HIC for FAIR. Seit 2009 engagiert sich Kathrin G\u00f6bel im Physikalischen Verein. Sie organisiert die beliebten \u00bbfrankfurter science slams\u00ab. goebel@physik.uni-frankfurt.de<\/p>\n<p><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-3877 size-thumbnail alignright\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/blog_forschung-autor-reifarth-150x150.jpg\" alt=\"Ren\u00e9 Reifarth. Foto: Dettmar\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/strong><\/p>\n<p><strong>Prof. Dr. Ren\u00e9 Reifarth<\/strong>, Jahrgang 1973, verbrachte nach seiner Promotion an der Eberhard Karls Universit\u00e4t T\u00fcbingen zun\u00e4chst f\u00fcnf Jahre am Los Alamos National Laboratory in den USA. Als Leiter einer Helmholtz-Nachwuchsgruppe kehrte er 2007 nach Deutschland zur\u00fcck und forschte an der Goethe-Universit\u00e4t sowie an der Gesellschaft f\u00fcr Schwerionenforschung in Darmstadt. Seit 2010 ist er Professor am Institut f\u00fcr Angewandte Physik und derzeit Dekan des Fachbereichs Physik sowie Wissenschaftlicher Direktor von HIC for FAIR. 2014 erhielt er f\u00fcr das Projekt NAUTILUS den mit zwei Millionen Euro dotierten \u00bbConsolidator Grant\u00ab des Europ\u00e4ischen Forschungsrates. reifarth@physik.uni-frankfurt.de<\/p>\n<p><span style=\"color: #000000; font-family: Times New Roman; font-size: medium;\">[\/dt_call_to_action]<\/span><\/p>\n<p>Der Artikel ist erschienen in Forschung Frankfurt 2\/2015: <a href=\"http:\/\/www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de\/59324152\/FoFra_2015_2_Astrophysik_und_Atmosphaere_Das-Licht-Nachrichtendienst_der_Sterne.pdf\" target=\"_blank\">Das Licht &#8211; Nachrichtendienst der Sterne<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Sternenlicht verr\u00e4t viel \u00fcber die Entstehung der Elemente, das Alter und die zuk\u00fcnftige Entwicklung des Universums. 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