{"id":39265,"date":"2019-09-25T12:09:44","date_gmt":"2019-09-25T10:09:44","guid":{"rendered":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=39265"},"modified":"2019-09-25T12:09:45","modified_gmt":"2019-09-25T10:09:45","slug":"wissenschaftsrat-empfiehlt-ausbau-der-friedensforschung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/hochschule\/wissenschaftsrat-empfiehlt-ausbau-der-friedensforschung\/","title":{"rendered":"Wissenschaftsrat empfiehlt Ausbau der Friedensforschung"},"content":{"rendered":"<p>Hessen ist ein starker Standort der Friedens- und Konfliktforschung. Dies best\u00e4tigt jetzt ein Gutachten des Wissenschaftsrats. Die Konferenz der hessischen Hochschulpr\u00e4sidien begr\u00fc\u00dft die Ergebnisse \u2013 und die Empfehlung, in bestimmten Forschungsbereichen noch einen Ausbau anzustreben. <\/p>\n\n\n\n<p>In den Anfangsjahren war die Friedens- und Konfliktforschung alles andere als ein anerkanntes Forschungsfeld, stand sie bei vielen Entscheidern doch unter einem gewissen Ideologievorbehalt. Doch das ist l\u00e4ngst vorbei. Auf Wunsch des Deutschen Bundestages hat das Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung (BMBF) den Wissenschaftsrat Ende 2016 darum gebeten, das Forschungsfeld gr\u00fcndlich zu evaluieren \u2013 und zwar unter Ber\u00fccksichtigung von sowohl universit\u00e4rer als auch au\u00dferuniversit\u00e4rer Forschung. Heraus kam ein 178 Seiten starker Text, der die Situation genau beschreibt und bewertet.  <\/p>\n\n\n\n<p>\u201e\u00dcberzeugende Leistungen\u201c erbringe die deutsche Friedens- und Konfliktforschung, hei\u00dft es im Gutachten des Wissenschaftsrates. In Hessen sei das Forschungsfeld \u2013 neben Hamburg und Berlin \u2013 besonders gut ausgebaut und mit der Verankerung an vier Universit\u00e4ten und dem Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK) breit aufgestellt. Dennoch gibt es noch Optimierungsm\u00f6glichkeiten. <\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie Hessischen Universit\u00e4ten haben eine hoch anerkannte Expertise in der Friedens- und Konfliktforschung aufgebaut\u201c, sagt Prof. Birgitta Wolff, Sprecherin der Konferenz Hessischer Hochschulpr\u00e4sidien und Pr\u00e4sidentin der Goethe-Universit\u00e4t. Durch die Verzahnung der verschiedenen Studieng\u00e4nge untereinander und die enge Kooperation mit der HSFK entst\u00fcnden gro\u00dfe disziplinen\u00fcbergreifende Synergieeffekte. Nachbesserungsbedarf konstatiert das Gutachten vor allem im Bereich der naturwissenschaftlich-technischen Friedens- und Konfliktforschung. In Darmstadt gibt es eine Professur im Fachbereich Informatik, die sich mit dem Themenkreis Krieg und Frieden befasst. Das sei noch ausbauf\u00e4hig, finden die Gutachter. \u201eHessen ist nun gefordert, die bislang einzige Professur, die dieser Thematik gewidmet ist, durch mindestens eine weitere Stelle zu erg\u00e4nzen\u201c, so Wolff. Hierzu, so Wolff weiter, wolle man in der Region auch das Gespr\u00e4ch mit der HSFK \u00fcber eine weitere gemeinsame Initiative suchen. <\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie Friedens- und Konfliktforschung leistet in Forschung und Lehre einen unverzichtbaren Beitrag zum Verst\u00e4ndnis und zur Bearbeitung gro\u00dfer gesellschaftlicher Herausforderungen. Indem sie Ursachen, Dynamiken und Folgen von Konflikten und Gewalt sowie die Voraussetzungen f\u00fcr deren Beilegung und die Stabilisierung friedlicher Verh\u00e4ltnisse untersucht, befasst sie sich mit essentiellen Fragen inner- und zwischenstaatlichen Zusammenlebens. Sie ist in beispielhafter Weise im Wissenstransfer engagiert und steht vor allem mit der Politik, aber auch mit zivilgesellschaftlichen Organisationen in engem Austausch\u201c, hei\u00dft es im Gutachten. Neben der Vernetzung in Deutschland werden auch europ\u00e4ische und internationale Kooperation positiv hervorgehoben, einschlie\u00dflich derer mit Universit\u00e4ten in (Post-)Konfliktregionen, wie sie vom Zentrum f\u00fcr Konfliktforschung in Marburg betrieben werden.  <\/p>\n\n\n\n<p>Den Universit\u00e4ten in Frankfurt, Darmstadt, Marburg und Gie\u00dfen bescheinigt der Bericht eine \u201eausgepr\u00e4gte personale Verdichtung\u201c. Der Wissenschaftsrat unterst\u00fctze die Bestrebungen nachdr\u00fccklich, die Zusammenarbeit der entsprechenden universit\u00e4ren und au\u00dferuniversit\u00e4ren Einrichtungen vor Ort bzw. in der Region weiter zu intensivieren und institutionell zu festigen. Aktuell ist dies f\u00fcr die Universit\u00e4ten Marburg und Gie\u00dfen durch den SFB \u201eDynamiken der Sicherheit\u201c und die Arbeitsgruppe \u201eMigration und Menschenrecht\u201c gegeben. Dass die Goethe-Universit\u00e4t, die TU Darmstadt und die HSFK ein Konzept erarbeiten, das die Fortf\u00fchrung ihrer langj\u00e4hrigen Forschungskooperation \u00fcber das Auslaufen des Exzellenzclusters \u201eNormative Ordnungen\u201c hinaus zum Ziel hat, begr\u00fc\u00dfe man besonders. Ein Baustein hierbei ist ein geplanter Leibniz-WissenschaftsCampus zu Transformationen politischer Gewalt, den HSFK, die Goethe-Universit\u00e4t und Justus-LiebigUniversit\u00e4t (JLU) j\u00fcngst beantragt haben. Ziel des Vorhabens wird es sein, Wandlungsprozesse politischer Gewalt zu erforschen, die Gefahren, die sich f\u00fcr das gesellschaftliche und zwischenstaatliche Zusammenleben ergeben, zu analysieren und Ideen zu entwickeln, wie politische Gewalt auch unter den ver\u00e4nderten technologischen und politischen Rahmenbedingungen des 21. Jahrhunderts langfristig eingehegt werden kann. Dabei k\u00f6nnen die hessischen Universit\u00e4ten auf internationale Erfahrungen zur\u00fcckgreifen: Die JLU ist Konsortialf\u00fchrerin des Deutsch-Kolumbianischen Friedensinstituts (Instituto CAPAZ). Das DAAD-gef\u00f6rderte Exzellenzzentrum in Forschung und Lehre soll zur Stabilisierung des Friedensprozesses in Kolumbien beitragen. <\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIn beeindruckend enger Abstimmung und Koordination\u201c, so hei\u00dft es im Gutachten, habe die Friedens- und Konfliktforschung in den vergangenen 20 Jahren spezifische Masterstudieng\u00e4nge etabliert, die sich gegenseitig erg\u00e4nzen. Sieben Masterstudieng\u00e4nge gibt es bundesweit, drei davon in Hessen. Die meisten Studieng\u00e4nge sind sozialwissenschaftlich gepr\u00e4gt. Beim politikwissenschaftlichen Kooperationsstudiengang \u201eInternationale Studien\/Friedens- und Konfliktforschung\u201c von Goethe-Universit\u00e4t, Technischer Universit\u00e4t (TU) Darmstadt und HSFK zum Beispiel gibt es Wahlpflichtf\u00e4cher wie Wirtschaftswissenschaften, Jura, Soziologie oder auch Informatik. An der Universit\u00e4t Marburg sind zwei interdisziplin\u00e4re Masterstudieng\u00e4nge beheimatet, die Module im V\u00f6lkerstrafrecht, der Sozialpsychologie und der Erziehungswissenschaften beinhalten. Gemeinsam mit der Universit\u00e4t Kent (UK) bietet das Marburger Zentrum f\u00fcr Konfliktforschung den einzigen europ\u00e4ischen Studiengang an. In diesen Studieng\u00e4ngen erwerben Studierende \u201eeinerseits fundierte Kenntnisse in einer Schwerpunktdisziplin und zugleich ein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die erforderliche Multiperspektivit\u00e4t der Fragestellungen und Zug\u00e4nge\u201c vermitteln, so der Wissenschaftsrat.  <\/p>\n\n\n\n<p>Die Nachfrage nach Studienpl\u00e4tzen ist gro\u00df: Auf 45 Pl\u00e4tze in Marburg und 60 Pl\u00e4tze in Frankfurt und Darmstadt etwa kommen bis zu 500 Bewerber. Den Zugang zu begrenzen, h\u00e4lt der Wissenschaftsrat jedoch f\u00fcr eine richtige Ma\u00dfnahme. Die Absolventen kommen jedenfalls gut unter: Viele gehen in die Entwicklungszusammenarbeit, zu Nicht-Regierungs<br> Organisationen (NGOs), zur Gesellschaft f\u00fcr Internationale Zusammenarbeit (GIZ), zu Einrichtungen der Vereinten Nationen oder in den Ausw\u00e4rtigen Dienst. Sogar in Banken sind Friedens- und Konfliktforscher immer wieder als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gern gesehen.  <\/p>\n\n\n\n<p>Positiv betont der Wissenschaftsrat zudem die an den deutschen Standorten betriebene Nachwuchsf\u00f6rderung. Im Erhebungszeitraum wurden die H\u00e4lfte aller Promotionen an drei Universit\u00e4ten abgeschlossen, zu denen auch Marburg und Frankfurt z\u00e4hlen. In seinen Empfehlungen weist das Gutachten jedoch auf die bislang fehlenden interdisziplin\u00e4ren Promotionsstudieng\u00e4nge im Bereich der Friedens- und Konfliktforschung hin. Dass Marburg und Gie\u00dfen ein gemeinsames Graduiertenkolleg planen, wird ausdr\u00fccklich hervorgehoben und dessen Weiterverfolgung wird angeraten.  <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-background has-small-font-size has-very-light-gray-background-color\"><strong>In der Konferenz Hessischer Universit\u00e4tspr\u00e4sidien (KHU)<\/strong> haben sich die f\u00fcnf Universit\u00e4ten des Landes Hessen zusammengeschlossen. Die Pr\u00e4sidien der Technischen Universit\u00e4t Darmstadt, der Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt, der Justus-Liebig-Universit\u00e4t Gie\u00dfen, der Universit\u00e4t Kassel und der Philipps-Universit\u00e4t Marburg tagen in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden. Die in der KHU organisierten Universit\u00e4ten nehmen gemeinsam Stellung zu aktuellen Entwicklungen der Hochschulpolitik insbesondere des Landes Hessen, aber auch zu bildungs- und forschungspolitischen Herausforderungen auf nationaler und europ\u00e4ischer Ebene. Das Ziel ist es, die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der f\u00fcnf hessischen Universit\u00e4ten zu sichern und auszubauen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hessen ist ein starker Standort der Friedens- und Konfliktforschung. Dies best\u00e4tigt jetzt ein Gutachten des Wissenschaftsrats. 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