{"id":40083,"date":"2019-11-07T10:15:00","date_gmt":"2019-11-07T09:15:00","guid":{"rendered":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=40083"},"modified":"2019-11-07T11:04:27","modified_gmt":"2019-11-07T10:04:27","slug":"der-neue-masterstudiengang-arzneimittelforschung-im-portraet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/studium\/der-neue-masterstudiengang-arzneimittelforschung-im-portraet\/","title":{"rendered":"Der neue Masterstudiengang Arzneimittelforschung im Portr\u00e4t"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"650\" height=\"450\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Unbenannt-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-40084\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Unbenannt-1.jpg 650w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Unbenannt-1-300x208.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><figcaption>Foto: Ilse Z\u00fcndorf<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Lehre und Forschung, das ist es, was eine Uni ausmacht \u2013 das trifft sowohl auf die Goethe-Universit\u00e4t als auch auf jede andere Alma Mater zu. In der Ausbildung von Pharmazeutinnen und Pharmazeuten gibt die Approbationsordnung f\u00fcr Apotheker allerdings einen extrem verdichteten Studienplan vor, in dem Forschung nur in geringem Umfang vorkommt. F\u00fcr die Lehrenden der Pharmazie war das der Anlass, den neuen, forschungsorientierten Masterstudiengang Arzneimittelforschung ins Leben zu rufen, der vor einem Jahr, mit dem Beginn des Wintersemesters 2018\/19, gestartet ist. <\/p>\n\n\n\n<p> Seither steht der Studiengang zwei Gruppen von Studierenden offen: Pharmazeutinnen und Pharmazeuten, die schon fertigstudiert und das zweite Staatsexamen abgelegt haben, sowie Naturwissenschaftlerinnen und Naturwissenschaftlern, die einen \u201epharmazienahen\u201c Studiengang mit dem Bachelor abgeschlossen haben. \u201eAlso beispielsweise biomedizinische Chemie oder unter Umst\u00e4nden sogar Biophysik\u201c, erl\u00e4utert die Koordinatorin des Studiengangs, Dr. Bettina Hofmann, \u201eeinen Astrophysiker oder eine Festk\u00f6rperchemikerin k\u00f6nnten wir hingegen nicht zulassen, weil da einfach zu viele Grundlagen f\u00fcr die Arzneimittelforschung fehlen.\u201c <\/p>\n\n\n\n<p>Und Robert F\u00fcrst, Professor f\u00fcr Pharmazeutische Biologie und akademischer Leiter des Studienganges, erg\u00e4nzt: \u201eWobei man bei den vielen unterschiedlichen Bachelorstudieng\u00e4ngen immer genau hinschauen muss, wie nah sie tats\u00e4chlich an der Arzneimittelforschung sind.\u201c Die Zulassung k\u00f6nne zum Beispiel zusammen mit der Empfehlung ausgesprochen werden, doch noch diese oder jene erg\u00e4nzende Lehrveranstaltung zu besuchen, und in manchen F\u00e4llen werde die Zulassung nur unter der Auflage erteilt, dass der oder die Studierende mit dieser Vorlesung oder jenem Kurs die Wissensl\u00fccken schlie\u00dfe. <\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr jede der beiden Gruppen von Studierenden gibt es ein eigenes Curriculum: Den Absolventinnen und Absolventen naturwissenschaftlicher Bachelorstudieng\u00e4nge werden zun\u00e4chst in der Grundlagenphase diejenigen pharmazeutischen Kompetenzen vermittelt, die f\u00fcr die Arzneimittelforschung wichtig sind und die Pharmazie-Studierende bis zu ihrem zweiten Staatsexamen schon erworben haben: Arzneistoffund Arzneimittelanalytik, Biochemie und Molekularbiologie, Pharmakologie\/Toxikologie, Pharmazeutische und Medizinische Chemie, Pharmazeutische Technologie sowie Pharmazeutische Biologie.  <\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><br><strong>Eigenst\u00e4ndiges Forschen<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>An den Grundlagenabschnitt schlie\u00dft sich f\u00fcr beide Gruppen identisch die zweisemestrige Forschungsphase des Studienganges \u201eArzneimittelforschung\u201c an, bestehend aus zwei sechsw\u00f6chigen Forschungspraktika, Kursen zur aktuellen Wirkstoff- und Arzneimittelentwicklung und zu \u201eLegal Aspects\u201c sowie der ein Semester dauernden Masterarbeit. Weil Pharmazeutinnen und Pharmazeuten die Grundlagen schon in ihrem Studium bis zum zweiten Staatsexamen gelernt haben, steigen sie gleich in diese Forschungsphase ein. \u201eUnser Studiengang ist ja ganz klar auf die Forschung ausgerichtet. Um unseren Studierenden einen m\u00f6glichst reibungslosen Einstieg in den Forschungsbetrieb zu erm\u00f6glichen, holen wir jeden einzelnen von ihnen auf dem Niveau ab, wo er oder sie nach dem bisherigen Studium steht\u201c, erl\u00e4utert Koordinatorin Hofmann. <\/p>\n\n\n\n<p>In den Forschungspraktika, die an der Goethe-Universit\u00e4t stattfinden, werden die Studierenden in einen der Arbeitskreise aufgenommen, in denen Promovierende, Postdocs, Habilitierende und ein Hochschullehrer oder eine Hochschullehrerin an pharmazeutischen Fragestellungen forschen. Dort arbeiten die Studierenden selbstst\u00e4ndig \u2013 wenngleich nat\u00fcrlich unter Anleitung \u2013 an einer konkreten Teilforschungsaufgabe, die sich im Rahmen eines gr\u00f6\u00dferen Forschungsprojekts stellt, etwa einer Promotion oder Habilitation. \u201eIn den Kursen zur aktuellen Wirkstoff- und Arzneimittelentwicklung passen wir au\u00dferdem das Curriculum st\u00e4ndig an neue Entwicklungen an. Wir laden Dozenten von Hochschulen und aus der Industrie ein, aus Deutschland und aus dem Ausland, damit sie unseren Studierenden \u00fcber ihre derzeitige Forschung berichten, so dass sich unsere Absolventinnen und Absolventen am Ende ihres Studiums mit ihren Kenntnissen stets auf der H\u00f6he der Zeit befinden\u201c, sagt Hofmann. <\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIm Pharmaziestudium hingegen kommt die topaktuelle Forschung im Allgemeinen zu kurz\u201c, f\u00e4hrt sie fort. \u201eAngesichts der riesigen Stoffmenge ist dort einfach kaum Zeit f\u00fcrs Forschen, und au\u00dferdem soll ein Pharmaziestudium ja auch auf die T\u00e4tigkeit in der Apotheke vorbereiten.\u201c Die Forschung an und die Entwicklung von Arzneimitteln finde hingegen eher in den Labors von Universit\u00e4ten, Forschungsinstituten und Pharmaunternehmen statt. \u201eDie Forschungspraktika geben mir in dem Masterstudiengang die M\u00f6glichkeit, eigenst\u00e4ndig zu arbeiten und mein Studium gr\u00f6\u00dftenteils selbst zu gestalten\u201c, sagt Max Berg, der sich entschieden hat, sein Pharmaziestudium durch den f\u00fcr ihn zweisemestrigen Masterstudiengang \u201eArzneimittelforschung\u201c zu erg\u00e4nzen. Er f\u00fcgt hinzu: \u201eDas hat mir im eher \u201averschulten\u2019 Pharmaziestudium ein bisschen gefehlt.\u201c Au\u00dferdem k\u00f6nne er als Pharmazeut die sechsmonatige Masterarbeit als Teil seines praktischen Jahres anrechnen lassen, das die Approbationsordnung f\u00fcr Apotheker im Anschluss an das 2. Staatsexamen vorsehe, f\u00fcgt Studiengangskoordinatorin Hofmann hinzu und merkt an: \u201eAuf diese Weise k\u00f6nnen Pharmazeutinnen und Pharmazeuten im Endeffekt einen zus\u00e4tzlichen Masterabschluss in Arzneimittelforschung erwerben, wenn sie gerade mal f\u00fcr ein halbes Jahr l\u00e4nger an der Uni bleiben.\u201c <\/p>\n\n\n\n<p>Eines der beiden Forschungspraktika, die f\u00fcr diesen Masterstudiengang vorgeschrieben sind, m\u00fcssen die Studierenden an der Goethe-Universit\u00e4t absolvieren \u2013 das andere kann zum Beispiel auch in einem (deutschen oder ausl\u00e4ndischen) Unternehmen der Pharmaindustrie absolviert werden. Und weil sich die Studierenden auf der Grundlage ihrer Forschungspraktika f\u00fcr das Themengebiet entscheiden, in dem sie ihre Masterarbeit anfertigen wollen, stellen sie mit der Wahl der Praktikumspl\u00e4tze im Allgemeinen schon die Weichen f\u00fcr den Beginn ihrer Forscherlaufbahn. Zwar ist es m\u00f6glich, dass beide Forschungspraktika in der gleichen Disziplin pharmazeutischer Forschung absolviert werden (Pharmakologie, Klinische Pharmazie, Pharmazeutische Chemie, Pharmazeutische Technologie, Pharmazeutische Biologie). \u201eAber wir raten unseren Studierenden stark dazu, sich auszuprobieren und Erfahrungen in zwei unterschiedlichen Disziplinen zu sammeln&#8220;, wendet F\u00fcrst ein, \u201edamit sie eine fundierte Entscheidung f\u00fcr das Thema ihrer Masterarbeit treffen k\u00f6nnen.\u201c \u201e&#8230;auch denjenigen Studierenden, die \u201aschon immer wussten\u2019, dass ihr Herz f\u00fcr eine ganz bestimmte Disziplin schl\u00e4gt\u201c, f\u00fcgt Hofmann hinzu. \u201eSp\u00e4ter im Job werden sie mit einiger Sicherheit auch mit den anderen Disziplinen in Kontakt kommen, da ist es hilfreich, schon im Studium \u00fcber den Tellerrand hinausgeschaut zu haben.\u201c <\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><br><strong>Famili\u00e4re Atmosph\u00e4re <\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>In dieser Hinsicht m\u00fcssen Hofmann und F\u00fcrst bei Eddy Presterl keine \u00dcberzeugungsarbeit mehr leisten. Presterl, der sein Biochemie-Studium in W\u00fcrzburg mit dem Bachelor abgeschlossen und sich dabei auf Onkologie konzentriert hat, m\u00f6chte mit dem Masterstudiengang \u201eArzneimittelforschung\u201c sein pharmazeutisches Spektrum erweitern: Im Bachelorstudium hat er sich mit den molekularen Ursachen von Krebs besch\u00e4ftigt. Und mithilfe der Arzneimittelforschung m\u00f6chte er sich jetzt auf die Suche nach den Therapiem\u00f6glichkeiten f\u00fcr diese Krankheit begeben. Jetzt, nachdem er die Grundlagenphase seines Masterstudienganges erfolgreich durchlaufen hat, wird er in seinem ersten Forschungspraktikum die Rolle des Signalmolek\u00fcls cGMP bei chronischen Schmerzen untersuchen, bevor er im M\u00e4rz\/April kommenden Jahres in seinem zweiten Forschungspraktikum und danach m\u00f6glicherweise auch in der Masterarbeit nach Therapien f\u00fcr die Krebserkrankung \u201eAkute lymphatische Leuk\u00e4mie\u201c sucht. <\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:left\">Von dem Studiengang Arzneimittelforschung ist Presterl vollkommen \u00fcberzeugt, sowohl von der Qualit\u00e4t der Lehrveranstaltungen, die an das bew\u00e4hrte System des Pharmaziestudiums ankn\u00fcpften, als auch vom Niveau der Forschung, die den Studierenden nahegebracht werde: \u201eDa ist Frankfurt mit der Goethe-Universit\u00e4t und mit Forschungseinrichtungen wie etwa den Max-Planck-Instituten und dem Buchmann-Institut einfach ein Top-Standort. Und die pharmazeutische Industrie ist im Rhein-Main-Gebiet ebenfalls stark vertreten.\u201c Auch die famili\u00e4re Atmosph\u00e4re und den engen Kontakt zu den Dozentinnen und Dozenten sch\u00e4tzt Presterl; zum Studium der Arzneimittelforschung werden (von derzeit mehr als zehnmal so vielen Bewerbern) gerade einmal f\u00fcnf Bachelorabsolventinnen und -absolventen zugelassen. Von ihrem dritten Semester an werden diese dann zusammen mit ebenfalls maximal f\u00fcnf ehemaligen Pharmazie-Studierenden unterrichtet. Statt die Grundlagenphase des Studienganges \u201eArzneimittelforschung\u201c zu durchlaufen, haben diese ja das zweite pharmazeutische Staatsexamen abgelegt, bevor sie mit den Forschungspraktika und der Masterarbeit in der Arzneimittelforschung beginnen. \u201eAu\u00dferdem wird es wohlwollend unterst\u00fctzt, wenn wir Studierenden uns freiwillig weiter qualifizieren\u201c, sagt Presterl, \u201eich konnte zum Beispiel eine zus\u00e4tzliche Veranstaltung im Patentrecht belegen, die mir bei einer sp\u00e4teren Berufst\u00e4tigkeit in der Arzneimittelforschung oder -entwicklung bestimmt zugutekommt.\u201c <\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:right\"><em>Stefanie Hense <\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-background has-very-light-gray-background-color\"><strong><a href=\"http:\/\/www.uni-frankfurt.de\/68192270\/Master_Arzneimittelforschung_AMF\">Weitere Infos zum Masterstudiengang<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Dieser Artikel ist in der&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.unireport.info\/82576924.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Ausgabe 5.19 des UniReport<\/a>&nbsp;erschienen.<\/em><\/strong><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lehre und Forschung, das ist es, was eine Uni ausmacht \u2013 das trifft sowohl auf die Goethe-Universit\u00e4t als auch auf jede andere Alma Mater zu. 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