{"id":4131,"date":"2016-02-16T15:04:31","date_gmt":"2016-02-16T14:04:31","guid":{"rendered":"http:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=4131"},"modified":"2016-02-16T15:04:31","modified_gmt":"2016-02-16T14:04:31","slug":"rheinzufluss-mit-tropischen-parasiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/forschung\/rheinzufluss-mit-tropischen-parasiten\/","title":{"rendered":"Rheinzufluss mit tropischen Parasiten"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_4143\" aria-describedby=\"caption-attachment-4143\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4143 size-medium\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/blog_forschung_a_nigrofacsicata-300x216.jpg\" alt=\"F\u00fchlt sich im nordrhein-westf\u00e4lischen Gillbach wohl: Der Zebrabuntbarsch Amatitlania nigrofasciata. \u00a9 Senckenberg\" width=\"300\" height=\"216\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/blog_forschung_a_nigrofacsicata-300x216.jpg 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/blog_forschung_a_nigrofacsicata.jpg 416w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-4143\" class=\"wp-caption-text\">F\u00fchlt sich im nordrhein-westf\u00e4lischen Gillbach wohl: Der Zebrabuntbarsch Amatitlania nigrofasciata. \u00a9 Senckenberg<\/figcaption><\/figure>\n<p>Wenn ein Braunkohlewerk einen Bach erw\u00e4rmt, f\u00fchlen sich nicht nur eingewanderte tropische Fische und ihre Parasiten dort wohl. Auch nicht-heimische Parasiten, die eine potentielle Gefahr f\u00fcr die heimische Fischwelt darstellen, verbreiten sich. Das haben Wissenschaftler der Goethe-Universit\u00e4t und der Senckenberg Gesellschaft f\u00fcr Naturforschung bei der Untersuchung eines nordrheinwestf\u00e4lischen Bachs festgestellt.<\/p>\n<p>Der Gillbach nahe K\u00f6ln erinnert nicht gerade an das tropische Flair Guatemalas \u2013 dennoch hat sich in dem etwa 3 Meter breiten und 30 bis 90 Zentimeter tiefen Flie\u00dfgew\u00e4sser eine exotische Fischfauna ausgebildet. Dass die Fische dort \u00fcberleben und sich sogar fortpflanzen, liegt an dem etwa 30 Grad Celsius warmen K\u00fchlwasser des Braunkohlekraftwerks Niederau\u00dfem, das in den Gillbach eingeleitet wird. So hat das Gew\u00e4sser, das \u00fcber die Erft in den Rhein m\u00fcndet, sogar im Winter eine Temperatur von durchschnittlich 19 Grad Celsius. Prof. Sven Klimpel vom Senckenberg Biodiversit\u00e4t und Klima Forschungszentrum und der Abteilung f\u00fcr <a href=\"http:\/\/www.bio.uni-frankfurt.de\/43925886\/ak-klimpel\" target=\"_blank\">Integrative Parasitologie und Zoophysiologie<\/a> der Goethe Universit\u00e4t erkl\u00e4rt:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eWir haben im Gillbach neben Guppys und Antennenwelsen die Buntbarschart Amatitlania nigrofasciata gefangen und untersucht. Diese ist urspr\u00fcnglich in Mittelamerika heimisch. Die Fische wurden wohl von Aquariumsbesitzern im Gew\u00e4sser ausgesetzt und haben sich dort vermehrt. Weltweit wurden so 115 S\u00fc\u00dfwasserfischarten verschleppt \u2013 in Deutschland sind es immerhin 5 von 15 nicht-heimischen Arten. Limnische Gew\u00e4ssersysteme geh\u00f6ren zu den am st\u00e4rksten anthropogen beeinflussten und bedrohten \u00d6kosystemen weltweit. Uns hat daher interessiert, wie sich so ein k\u00fcnstlich geschaffener Warmwasserlebensraum auf die Flora und Fauna auswirkt und welche Risiken hiermit verbunden sind.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Wie das Wissenschaftlerteam in der k\u00fcrzlich erschienenen Ausgabe des Fachjournals \u201eParasitology Research\u201c berichtet, hat es insgesamt 77 Fische an zwei Probennahmestellen auf Parasiten und ihre Nahrungs\u00f6kologie untersucht \u2013 in Quelln\u00e4he und in etwa 3 Kilometer Entfernung zum warmen Zufluss. In ihrer Studie konnten die Forscher so erstmalig den tropischen Zebrabuntbarsch <em>Amatitlania nigrofasciata<\/em> als h\u00e4ufig befallenen End- und Zwischenwirt f\u00fcr heimische, aber auch nicht-heimische subtropische und tropische Parasitenarten definieren. Besonders h\u00e4ufig fanden die Forscher den urspr\u00fcnglich aus Asien stammenden Fadenwurm <em>Camallanus cotti<\/em> in den untersuchten Fischen. Dieser ist aus der Aquaristik todbringender Parasit bekannt. \u201eBeunruhigender Weise zeigen unsere Stichproben, dass auch heimische Fische wie D\u00f6bel oder Gr\u00fcndling bereits von dem tropischen Parasiten befallen werden. Ob der Wurm auch beispielsweise die k\u00fchleren Wassertemperaturen des Rheins \u00fcbersteht, k\u00f6nnen wir zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht sagen\u201c, erg\u00e4nzt Klimpel.<\/p>\n<figure id=\"attachment_4144\" aria-describedby=\"caption-attachment-4144\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-4144 size-medium\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/blog_forschung-s-e-_171-300x199.jpg\" alt=\"Tropische parasit\u00e4re Fadenw\u00fcrmer und ein einheimischer Kratzer im Magen eines Fisches. \u00a9 Senckenberg\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/blog_forschung-s-e-_171-300x199.jpg 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/blog_forschung-s-e-_171.jpg 450w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-4144\" class=\"wp-caption-text\">Tropische parasit\u00e4re Fadenw\u00fcrmer und ein einheimischer Kratzer im Magen eines Fisches. \u00a9 Senckenberg<\/figcaption><\/figure>\n<p>In den M\u00e4gen der eingeschleppten Buntbarsche fanden sich neben Insekten- und Pflanzenresten auch auffallend viele Schuppen heimischer Fischarten. \u201eWir f\u00fchren das auf die aggressive Brutpflege von <em>Amatitlania nigrofasciata<\/em> zur\u00fcck\u201c, sagt Klimpel. Die tropischen Fische verteidigen ihren Nachwuchs in dem sie andere Fische durch Rammst\u00f6\u00dfe vertreiben und anschlie\u00dfend deren Schuppen fressen.<\/p>\n<p>\u201eDer Gillbach bildet mit seinem stets warmen Wasser ein Reservoir f\u00fcr nicht- heimische Krankheitserreger und damit ein Einfallstor in weitere Flie\u00dfgew\u00e4sser. Insgesamt hat unsere Studie gezeigt, dass sich in langj\u00e4hrigen, k\u00fcnstlich erschaffenen Warmwasserhabitaten nicht nur eine tropische Fauna etablieren kann, sondern dass sich dort gleichzeitig auch das Gef\u00fcge von Krankheitserregern, wie beispielsweise Parasiten, ver\u00e4ndert\u201c, fasst Klimpel zusammen.<\/p>\n<p>Zuk\u00fcnftig k\u00f6nnte der Gillbach auch als Modellsystem f\u00fcr die Ver\u00e4nderung von Faunengemeinschaften im Kontext des globalen Klimawandels dienen \u2013 dort kann \u201elive\u201c beobachtet werden, wie sich h\u00f6here Temperaturen und invasive Arten auf die heimische Artenvielfalt auswirken.<br \/>\n[dt_call_to_action content_size=&#8220;small&#8220; background=&#8220;fancy&#8220; line=&#8220;true&#8220; animation=&#8220;fadeIn&#8220;]<br \/>\n<strong>Publikation<\/strong>: Sebastian Emde, Judith Kochmann, Thomas Kuhn, Dorian D. D\u00f6rge, Martin Plath, Friedrich W. Miesen &amp; Sven Klimpel (2015): Cooling water of power plant creates \u201chot spots\u201d for tropical fishes and parasites. Parasitology Research January 2016, Volume 115, Issue 1, pp 85-98. DOI 10.1007\/s00436-015-4724-4. <a href=\"http:\/\/link.springer.com\/article\/10.1007%2Fs00436-015-4724-4\" target=\"_blank\">Abstract<\/a><br \/>\n[\/dt_call_to_action]<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.senckenberg.de\/root\/index.php?page_id=5206&amp;PHPSESSID=d45cg2dq73ailtcuaqsidvlla4&amp;year=0&amp;kid=2&amp;id=3915\" target=\"_blank\">Pressemitteilung Senckenberg Gesellschaft f\u00fcr Naturforschung<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn ein Braunkohlewerk einen Bach erw\u00e4rmt, f\u00fchlen sich nicht nur eingewanderte tropische Fische und ihre Parasiten dort wohl. 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