{"id":43501,"date":"2020-04-16T15:37:00","date_gmt":"2020-04-16T13:37:00","guid":{"rendered":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=43501"},"modified":"2022-04-10T15:21:58","modified_gmt":"2022-04-10T13:21:58","slug":"corona-krise-was-sagt-die-wissenschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/forschung\/corona-krise-was-sagt-die-wissenschaft\/","title":{"rendered":"Corona-Krise \u2013 was sagt die Wissenschaft?"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>Expertinnen und Experten der Goethe-Universit\u00e4t mit Einsch\u00e4tzungen und Prognosen<\/strong>.<\/em><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/blog_UR_Corona.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-43549\" width=\"278\" height=\"192\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/blog_UR_Corona.jpg 650w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/blog_UR_Corona-300x208.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 278px) 100vw, 278px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Nicht nur medizinische Einsch\u00e4tzungen der COVID-19-Pandemie sind im Augenblick stark gefragt. Wie sieht es aber mit einer rechtlichen Einsch\u00e4tzung der Kontaktsperre aus? Was sagt die \u00d6konomie zu den erwartenden wirtschaftlichen Folgen? Wie reagieren Menschen auf die fehlenden Sozialkontakte, wie hat man in der Geistesgeschichte \u00fcber solche Ausnahmesituationen nachgedacht? Wir haben einige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Goethe-Universit\u00e4t aus verschiedenen Disziplinen dazu befragt.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/UR_Corona_vanDick.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-43510\" width=\"120\" height=\"120\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/UR_Corona_vanDick.jpg 181w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/UR_Corona_vanDick-150x150.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 120px) 100vw, 120px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><em>Prof. Dr. Rolf van Dick, <br>Sozialpsychologe und Vizepr\u00e4sident der Goethe-Universit\u00e4t<\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:15px\" class=\"has-background has-very-light-gray-background-color\">F\u00fcr die jetzige Situation gibt es im Nachkriegsdeutschland keine  Erfahrungswerte. Man sollte aber nicht untersch\u00e4tzen, wie rasch sich  Menschen an neue Situationen anpassen. Wenn wir uns au\u00dferhalb der Arbeit  nur noch zu zweit drau\u00dfen aufhalten d\u00fcrfen, werden wir nach zwei Wochen  nicht mehr st\u00fcndlich dar\u00fcber nachdenken, dass wir eigentlich lieber zu  viert unterwegs w\u00e4ren. Derzeit ist ja viel von \u201eSocial Distancing\u201c die  Rede \u2013 davon, physisch Distanz zu halten. Soziale N\u00e4he dagegen ist in  Krisenzeiten wichtiger denn je. Meine Forschungen und die von Kollegen  haben in den vergangenen Jahren immer wieder gezeigt, dass es uns hilft,  Krisen zu bew\u00e4ltigen und gesund zu bleiben, wenn wir uns in Gruppen  zusammenschlie\u00dfen. Wir nennen das \u201esocial cure\u201c \u2013 Menschen haben im Lauf  der Evolution gelernt, dass sie nur so \u00fcberleben k\u00f6nnen. Das steckt  tief in unseren Genen. Jeder von uns hat ein starkes Bed\u00fcrfnis, irgendwo  dazuzugeh\u00f6ren \u2013 das zeigt sich in Krisen noch deutlicher. Wir f\u00fchren  auch aktuell \u2013 unterst\u00fctzt von den Freunden und F\u00f6rderern der  Goethe-Universit\u00e4t \u2013 eine international angelegte Studie durch, um dies  in der momentanen Situation genauer zu erforschen. Auf der anderen Seite  richtet sich in einer solchen Situation der Fokus auch st\u00e4rker auf die  pers\u00f6nlichen Bed\u00fcrfnisse, und dann tritt Egoismus zutage. Beide  Tendenzen schlie\u00dfen einander nicht aus: Ich kann durchaus solidarisch  handeln und mich f\u00fcnf Minuten sp\u00e4ter als Egoist erweisen und einen  Hamsterkauf t\u00e4tigen. Die solidarische Stimmung k\u00f6nnte sich \u00e4ndern, wenn  es zu Versorgungsengp\u00e4ssen kommt oder zu vielen Toten infolge der  Infektionen. Dann k\u00f6nnte entscheidend sein, wie in den Medien berichtet  wird \u2013 sowohl in Zeitungen und Fernsehen als auch in den Sozialen  Netzwerken. Seri\u00f6s kann man \u00fcber die gesellschaftlichen Verwerfungen der  Corona-Krise erst sprechen, wenn wir wissen, wie gro\u00df die \u00f6konomischen  Folgen tats\u00e4chlich sind. Wir k\u00f6nnen vielleicht aus der Krise lernen.  Vielleicht wird es nochmals einen Schub in der Digitalisierung geben,  was zum Beispiel die Lehre und Zusammenarbeit an Universit\u00e4ten auch  dauerhaft modernisieren kann. Und auch f\u00fcr die deutsche Wirtschaft  k\u00f6nnte die Krise in einigen Monaten Chancen er\u00f6ffnen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/UR_Corona_Wieland.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-43513\" width=\"120\" height=\"120\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/UR_Corona_Wieland.jpg 182w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/UR_Corona_Wieland-150x150.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 120px) 100vw, 120px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><em>Prof. Dr. Volker Wieland,<br>\u00d6konom, Mitglied des Sachverst\u00e4ndigenrats <br>zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung<\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:15px\" class=\"has-background has-text-align-right has-very-light-gray-background-color\">Aus wirtschaftlicher Sicht bringt die Corona-Krise in jedem Fall  eine schwere Rezession. Welche Auswirkungen diese Rezession hat und  welche Ma\u00dfnahmen helfen k\u00f6nnen, haben wir mit dem Sachverst\u00e4ndigenrat  zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in einem  Sondergutachten dargestellt. Bisher gibt es noch kaum aktuelle Daten und  die Unsicherheit ist sehr gro\u00df. Deshalb haben wir unterschiedliche  Szenarien analysiert. Zun\u00e4chst geht es darum, das Gesundheitssystem in  die Lage zu versetzen, kranke Menschen angemessen zu versorgen und die  Ausbreitung des Virus zu begrenzen. Wenn dazu ein Stillstand von f\u00fcnf  Wochen n\u00f6tig ist, gefolgt von zwei Wochen Erholung, verursacht dies  einen Einbruch der Wirtschaft im zweiten Quartal, vergleichbar mit der  Finanzkrise 2009. F\u00fcr das ganze Jahr gerechnet w\u00fcrde das  Bruttoinlandsprodukt (BIP) um etwa 2,8 Prozent schrumpfen. Dies ist das  Basisszenario, dem wir im Sachverst\u00e4ndigenrat die h\u00f6chste  Wahrscheinlichkeit zumessen. Je l\u00e4nger der Stillstand andauert, um so  grunds\u00e4tzlicher sind auch die Ver\u00e4nderungen in der Wirtschaftsstruktur.  Bei unserem ersten Risikoszenario mit sieben Wochen Stillstand und drei  bis vier Wochen Erholung \u2013 einem Kurvenverlauf vergleichbar mit einem  ausgepr\u00e4gtem V \u2013 bricht die Wirtschaftsleistung st\u00e4rker ein. Folge w\u00e4re  ein Einbruch des BIP von 4,5 Prozent im Jahresdurchschnitt.  Aufholeffekte w\u00fcrden jedoch im kommenden Jahr f\u00fcr ein deutliches  Wachstum sorgen. Sollten die Ma\u00dfnahmen \u00fcber den Sommer hinaus andauern,  was einem Verlauf in Form eines langen U entspr\u00e4che, k\u00f6nnte dies zu  gr\u00f6\u00dferen Insolvenzen und Entlassungen f\u00fchren. Die gro\u00dfe Unsicherheit  w\u00fcrde auch weitere Investitionen von Unternehmen ausbremsen und  Verbraucher vor K\u00e4ufen zur\u00fcckschrecken lassen. Auch in diesem Fall w\u00fcrde  das Wachstum 2020 deutlich einbrechen, aber auch im kommenden Jahr  w\u00fcrde die Wirtschaft nur sehr verhalten wachsen. Es ist deshalb wichtig  f\u00fcr die Regierung, in solch einer Extremsituation die Kontrolle zu  behalten und in Absprache mit Epidemiologen und Virologen eine  Ausstiegstrategie zu planen. Die jetzt anlaufenden  \u00dcberbr\u00fcckungsma\u00dfnahmen wie Kurzarbeit, B\u00fcrgschaften, Kredite, direkte  Zahlungen und Steuerstundungen sind sinnvoll.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/UR_Corona_Eckert.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-43504\" width=\"120\" height=\"120\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/UR_Corona_Eckert.jpg 181w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/UR_Corona_Eckert-150x150.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 120px) 100vw, 120px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><em>Prof. Dr. Sandra Eckert, <\/em><br><em>Politikwissenschaftlerin<\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:15px\" class=\"has-background has-very-light-gray-background-color\">Wir sind in Europa mit einer nie dagewesenen Ausnahmesituation  konfrontiert. Ihre Konsequenzen werden weit \u00fcber jene der Wirtschafts-  und Finanzkrise, die Europa in diesem Jahrtausend bereits ersch\u00fcttert  hat, hinausgehen. Entscheidungstr\u00e4ger stehen vor der Herausforderung,  drastische Ma\u00dfnahmen zu ergreifen und zu rechtfertigen. Das  gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben fast vollst\u00e4ndig  auszusetzen, kann, ja darf in einer Demokratie keine leichte  Entscheidung sein. Ebenso wenig darf es in einem vereinten Europa eine  leichte Entscheidung sein, Grenzen zu schlie\u00dfen und damit Grundfesten  des Einigungsprozesses, n\u00e4mlich die Personenfreiz\u00fcgigkeit oder den  freien Warenverkehr, auszusetzen. Es war die Rede davon, dass der Virus  keinen Reisepass besitze \u2013 und dennoch wurde unilateral in den  Mitgliedstaaten gehandelt, ohne eine gemeinsame Abstimmung abzuwarten.  Handlungsf\u00e4higkeit zu beweisen, ist in diesen Tagen die politische  W\u00e4hrung, denn Abwarten kostet Menschenleben. Vielerorts wird dabei eine  Kriegsrhetorik bem\u00fcht, um au\u00dfergew\u00f6hnliche Ma\u00dfnahmen zu legitimieren.  Als Rechtfertigungsdiskurs geeigneter erscheint mir hingegen das  Einfordern von Empathie \u2013 Empathie f\u00fcr diejenigen, die dem Virus und  seinen Folgen schutzloser ausgesetzt sind, und zwar auf individueller,  gesamtgesellschaftlicher und europ\u00e4ischer Ebene. Allerdings ist Empathie  voraussetzungsvoll. Sie erfordert das Vertrauen in das  verantwortungsvolle Handeln anderer, in das verantwortungsvolle Handeln  der eigenen Regierung, und das gegenseitige Einstehen in Europa. Die  ersten beiden Voraussetzungen sind in den europ\u00e4ischen Staaten nicht  gleicherma\u00dfen ausgepr\u00e4gt, was zumindest teilweise die nationalen  Unterschiede im Krisenmanagement erkl\u00e4rt. Ob und in welchem Ausma\u00df die  dritte Voraussetzung, das Vertrauen in den Zusammenhalt in Europa,  best\u00e4rkt werden kann, wird entscheidend von den weiteren gemeinsamen  Ma\u00dfnahmen auf europ\u00e4ischer Ebene abh\u00e4ngen. Die Ansteckungsgefahr in  Europa ist ernst zu nehmen: im direkten Wortsinn wie im \u00fcbertragenen,  \u00f6konomischen Sinne.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/UR_Corona_Volkmann.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-43511\" width=\"120\" height=\"120\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/UR_Corona_Volkmann.jpg 181w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/UR_Corona_Volkmann-150x150.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 120px) 100vw, 120px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><em>Prof. Dr. Uwe Volkmann,<\/em><br><em>Rechtswissenschaftler<\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:15px\" class=\"has-background has-text-align-right has-very-light-gray-background-color\">Die Corona-Krise oder besser die Art und Weise ihrer politischen  Bew\u00e4ltigung fordert unsere bisherigen Vorstellungen vom Staats-und  Verfassungsrecht in einer Weise heraus, die in der Geschichte der  Bundesrepublik ohne Beispiel ist. Weite Teile der Grundrechtsordnung der  Bundesrepublik sind um der Erreichung eines als alternativlos  ausgegebenen Ziels bis auf weiteres au\u00dfer Kraft gesetzt, und dies, wie  bereits die bisherige Diskussion herausgearbeitet hat, auf  ausgesprochenen d\u00fcnner und m\u00f6glicherweise auch gar nicht ausreichender  rechtlicher Grundlage. Dazu kommen institutionelle Machtverschiebungen  zwischen Parlament und Exekutive, die ebenfalls intensiver Diskussion  bed\u00fcrften. Eine solche Diskussion findet allerdings bislang nicht oder  nur in begrenztem Ma\u00dfe statt, weil die gegenw\u00e4rtige Politik von weiten  Teilen der Bev\u00f6lkerung mitgetragen wird und insgesamt eine Auffassung  vorherrscht, nach der der Zweck die Mittel am Ende schon heiligen wird  und angesichts der ungeheuren Dimension der Gefahr insbesondere  juristische Bedenken leicht als kleinlich erscheinen. Gerade in  Krisenzeiten erweist sich allerdings die Einhaltung  verfassungsrechtlicher Verfahren und Formen in dem unter den Bedingungen  der Krise m\u00f6glichen Ma\u00df als unabdingbar. In demokratischer Hinsicht  bedeutet dies vor allem, dass die Parlamente als die vom Volk  unmittelbar legitimierten Organe so weit wie m\u00f6glich in die  grundlegenden Entscheidungen eingebunden werden m\u00fcssen; entgegen der  gel\u00e4ufigen Rhetorik des Not- oder Ausnahmezustands kann dieser eben  nicht dauerhaft die Stunde der Exekutive sein. In rechtsstaatlicher  Hinsicht bedarf es hinreichend klarer und bestimmt gefasster Erm\u00e4chtigungsgrundlagen, die auch die Grenzen des jeweiligen  Regierungshandelns erkennen lassen. Zuletzt ist es unter Gesichtspunkten  der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit eine durchaus offene Frage, wie lange auch  unter den Bedingungen einer schweren Gefahr f\u00fcr h\u00f6chste Rechtsg\u00fcter das  gegenw\u00e4rtige Notstandsregime aufrechterhalten werden kann.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/UR_Corona_Stuermer.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-43509\" width=\"120\" height=\"120\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/UR_Corona_Stuermer.jpg 180w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/UR_Corona_Stuermer-150x150.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 120px) 100vw, 120px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><em>PD Dr. Martin St\u00fcrmer, <\/em><br><em>Lehrbeauftragter f\u00fcr Virologie <\/em><br><em>und Leiter eines Medizinlabors<\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:15px\" class=\"has-background has-very-light-gray-background-color\">Die aktuelle SARS-CoV-2-Pandemie hat weltweit und entsprechend auch  in Deutschland zu massiven Einschr\u00e4nkungen des \u00f6ffentlichen Lebens  gef\u00fchrt. Neben der Erforschung des f\u00fcr uns alle neuen Erregers mit  Hinblick auf tieferes Verst\u00e4ndnis der Vermehrung und Verbreitung sowie  Entwicklung und Erprobung von Impfstoffen und Medikamenten spielt die  fl\u00e4chendeckende Durchf\u00fchrung von Testungen eine entscheidende Rolle f\u00fcr  die Frage, in welcher Form bestehende Ma\u00dfnahmen fortgef\u00fchrt bzw.  modifiziert werden k\u00f6nnen. Bez\u00fcglich Medikamente werden aktuell  Substanzen in klinischen Studien getestet, die f\u00fcr andere Indikationen  zugelassen bzw. erprobt wurden. Erste Ergebnisse werden f\u00fcr Ende April  erwartet, so dass gegebenenfalls schon ab Sommer schwer erkrankte  Patienten therapiert werden k\u00f6nnen. Die Zulassung eines Impfstoffes ist  vermutlich nicht mehr in diesem Jahr, sondern eher Anfang\/Mitte 2021 zu  realisieren. Aktuell werden in Deutschland mehr als 350 000 PCR-Tests  auf SARS-CoV-2 durchgef\u00fchrt, diese Zahl ist jedoch im Rahmen einer  fl\u00e4chendeckenden Testung weiterhin zu niedrig. Allerdings befinden sich  die meisten Laboratorien an der Obergrenze ihrer Kapazit\u00e4ten, so dass  entweder Modifikationen der bestehenden Teste oder alternative  Testans\u00e4tze wie z. B. Antigen-Schnellteste ben\u00f6tigt werden. Eine solche  Modifikation in Form der Pooltestung ist k\u00fcrzlich vom Blutspendedienst  in Zusammenarbeit mit dem Institut f\u00fcr Medizinische Virologie  ver\u00f6ffentlich worden, dadurch kann bei der zurzeit relativ niedrigen  Positivrate ein deutlich h\u00f6herer Probendurchsatz erm\u00f6glicht werden.  Antigen-Schnellteste haben den Vorteil, dass sie ohne gro\u00dfen  Laboraufwand sehr schnell Ergebnisse liefern, haben aber oft das Problem  der zu geringen Sensitivit\u00e4t, daher ist aktuell auch kein solcher Test  verf\u00fcgbar. Die Testung auf Antik\u00f6rper wird in den n\u00e4chsten Wochen eine  zunehmende Rolle in der Diagnostik einnehmen, um die tats\u00e4chliche Anzahl  der Infizierten besser einsch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen. Letztendlich ist es noch  zu fr\u00fch f\u00fcr eine Absch\u00e4tzung, wann und in welcher Form die aktuellen  Ma\u00dfnahmen angepasst bzw. beendet werden, aber die oben genannten  Entwicklungen werden das definitiv beeinflussen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/UR_Corona_Seel.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-43508\" width=\"120\" height=\"120\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/UR_Corona_Seel.jpg 180w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/UR_Corona_Seel-150x150.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 120px) 100vw, 120px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><em>Prof. Dr. Martin Seel,<\/em><br><em>Philosoph<\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:15px\" class=\"has-background has-text-align-right has-very-light-gray-background-color\">Auf dem Zimmer bleiben: Wenn die Zeiten sich \u00e4ndern, \u00e4ndert sich  auch die Bedeutung mancher \u00fcberlieferten S\u00e4tze. Sie k\u00f6nnen dann als  Kommentare zu Situationen gelesen werden, die ihre Verfasser nicht im  Blick haben konnten. So steht es in diesem Tagen mit einem ber\u00fchmten, in  der Mitte des 17. Jahrhunderts notierten Gedanken von Blaise Pascal:  \u201eWenn ich mich zuweilen daran gemacht habe, die verschiedenen rastlosen  Bewegungen der Menschen zu betrachten, und die Gefahren und M\u00fchen, denen  sie sich bei Hof, im Krieg aussetzen, wo so viele Leidenschaften, k\u00fchne  und oft unrechte Unternehmungen usw. entstehen, habe ich oft gesagt,  dass das ganze Ungl\u00fcck des Menschen einzig davon kommt, nicht ruhig in  einem Zimmer bleiben zu k\u00f6nnen.\u201c Das liest sich fast wie eine amtliche  Warnung in Zeiten der grassierenden Corona-Epidemie \u2013 aber doch nur  fast. Denn Pascal empfiehlt die existenzielle Quarant\u00e4ne nicht als  vor\u00fcbergehende Notma\u00dfnahme, sondern wie ein Allheilmittel gegen das  \u201eUngl\u00fcck\u201c der Menschen. Wir m\u00fcssten uns daher gl\u00fccklich sch\u00e4tzen,  endlich auf dem Zimmer bleiben zu d\u00fcrfen. Nur den wenigsten aber geht es  so. Viele haben kein Zimmer, das ihnen Raum zur inneren Einkehr bietet,  und jemand muss schlie\u00dflich die Besorgungen erledigen. In Ruhe auf dem  Zimmer zu bleiben, ist au\u00dferdem in Zeiten des multimedialen  Vernetztseins auch nicht mehr das, was es einmal war. F\u00fcr Ablenkung ist  gesorgt. F\u00fcr Pascal hingegen war der Hang des Menschen zu Spa\u00df und Spiel  ein Zeichen des Elends einer gottvergessenen Lebensf\u00fchrung. \u201eDie  Menschen besch\u00e4ftigen sich damit, hinter einem Ball oder einem Hasen  herzujagen; das ist sogar das Vergn\u00fcgen der K\u00f6nige.\u201c Sollen wir also in  unseren R\u00fcckzugsgebieten auf derlei Vergn\u00fcgungen verzichten? K\u00f6nnen wir  das \u00fcberhaupt wollen? K\u00f6nnen wir auf das Widerspiel von Bewegtsein und  Bewegung verzichten? Es ist Pascal selbst, der seine Diagnose auf eine  beunruhigende Weise einschr\u00e4nkt. \u201eUnsere Natur liegt in der Bewegung,  die vollst\u00e4ndige Ruhe ist der Tod.\u201c<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/UR_Corona_Andresen.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-43503\" width=\"120\" height=\"120\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/UR_Corona_Andresen.jpg 179w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/UR_Corona_Andresen-150x150.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 120px) 100vw, 120px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><em>Prof. Dr. Sabine Andresen, <\/em><br><em>Kindheitsforscherin und Vorsitzende der Unabh\u00e4ngigen Kommission <\/em><br><em>zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs<\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:15px\" class=\"has-background has-very-light-gray-background-color\">Sie habe ihren Kindern gesagt, dies sei wie Krieg ohne Bomben. Diese  drastische Charakterisierung der Situation, die eine Mutter gegen\u00fcber  ihren drei Kindern w\u00e4hlt, gibt beispielhaft wieder, wie gro\u00df der Druck  von Eltern ist, ihren Kindern die Gefahr durch das Corona-Virus zu  vermitteln. Zu Narrativen des Krieges greift auch die Politik, um der  Bev\u00f6lkerung die Einschnitte und Ma\u00dfnahmen nahezubringen. M\u00fctter und  V\u00e4ter sind besonders herausgefordert, denn sie m\u00fcssen daf\u00fcr sorgen, dass  der mit der Pandemie neu aufgerufene Generationenvertrag \u201evor Ort\u201c  verstanden und umgesetzt wird. Doch auch Erwachsenen fehlt meist der  \u00dcberblick und so stellt sich die Frage, wie Kinder und Jugendliche die  angebotenen Erkl\u00e4rungen h\u00f6ren, was sie empfinden, wenn sie die  Gro\u00dfeltern nicht mehr sehen oder besuchen d\u00fcrfen. Welche Gedanken gehen  ihnen durch ihren Kopf, welche Gef\u00fchle entstehen, welche Bilder machen  sie sich von ihrer Welt? Manche Kinder werden explizit um Erkl\u00e4rungen  bitten, andere hingegen bleiben schweigsam. Kinder haben ein gutes  Gesp\u00fcr, was sie gegen\u00fcber Eltern und anderen Erwachsenen thematisieren  k\u00f6nnen und was sie besser nicht ansprechen. Wie so oft in der Erziehung  geht es auch derzeit im Alltag zwischen Kindern und Erwachsenen um eine  gute Balance. Die letzten Wochen haben also das Familienleben auf den  Kopf gestellt und der Druck, unterschiedliche Bed\u00fcrfnisse und  widerspr\u00fcchliche Interessen auszubalancieren, lastet auf vielen  Familienmitgliedern. So wird die Betreuung von Kindern durch die  Gro\u00dfeltern, die zuvor oft selbstverst\u00e4ndlich und zur Aufrechterhaltung  des Familienlebens notwendig war, pl\u00f6tzlich zum Risiko. Und so kommen  vielleicht auch Kinder in die Situation, der im Pflegeheim isolierten  Gro\u00dfmutter am Telefon erkl\u00e4ren zu m\u00fcssen, warum ein Treffen, gar eine  Umarmung nicht m\u00f6glich sind. Diesen vielf\u00e4ltigen Beitr\u00e4gen, die Krise zu  bew\u00e4ltigen, gilt es in der Forschung nun nachzugehen. In der  Kooperation zwischen Kindheits- und Alternsforschung sprechen wir von  \u201elinking ages\u201c, in der \u00dcbergangsforschung von \u201elinked lives\u201c. Aus dieser  Perspektive wird deutlich, wie systemrelevant (Gro\u00df-)M\u00fctter und  (Gro\u00df-)V\u00e4ter derzeit sind.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/UR_Corona_Oswald.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-43507\" width=\"120\" height=\"120\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/UR_Corona_Oswald.jpg 181w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/UR_Corona_Oswald-150x150.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 120px) 100vw, 120px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><em>Prof. Dr. Frank Oswald, Alternswissenschaftler<\/em><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/UR_Corona_Wanka.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-43512\" width=\"120\" height=\"120\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/UR_Corona_Wanka.jpg 183w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/UR_Corona_Wanka-150x150.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 120px) 100vw, 120px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><em>Dr. Anna Wanka, Soziologin<\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:15px\" class=\"has-background has-text-align-right has-very-light-gray-background-color\">Aus Sicht \u00e4lterer Menschen stellt sich die Krise ebenfalls als  problematisch dar. Grunds\u00e4tzlich ist aber festzustellen, dass in der  \u00f6ffentlichen Berichterstattung v\u00f6llig unhinterfragt ein R\u00fcckfall  stattfindet in eine negative, einseitige und diskriminierende  Verallgemeinerung aller \u201eAlten\u201c als Risikogruppe. So haben wir alte  Menschen zuletzt in den 80 er Jahren des letzten Jahrhunderts gesehen,  so verwandelt sich ein Schutzmotiv in \u201eAgeism\u201c, also Diskriminierung  aufgrund des kalendarischen Alters. Ebenso unverantwortlich ist es,  seitens \u00e4lterer Menschen das Risiko mit Verweis auf biographisch  durchlebte Krisen (z. B. im Krieg) zu untersch\u00e4tzen und sich selbst  Gefahren auszusetzen. Zudem ergeben sich Herausforderungen im Austausch  mit anderen Generationen. Dazu geh\u00f6rt neben der Organisation  nachbarschaftlicher Hilfe die Aufgabe, soziale N\u00e4he durch Technik auf  Distanz herzustellen. F\u00fcr hochbetagte alleinlebende \u00e4ltere Menschen  erh\u00f6hen sich das Risiko von Einsamkeit, Depressivit\u00e4t und die  Suizidgefahr, besonders bei psychischen Vorbelastungen. Die vermehrte  Isolation \u00e4lterer Menschen hat nicht nur Folgen f\u00fcr sie selbst, sie  macht auch die Leistungen sichtbar, die sie ansonsten f\u00fcr die  Gesellschaft erbringen \u2013 von Enkelbetreuung bis ehrenamtlichem  Engagement. Bereits ein Drittel der hessischen Tafeln wurde geschlossen,  weil der Gro\u00dfteil der ehrenamtlichen Helfer*innen als \u201e\u00e4ltere Menschen\u201c  zur Risikogruppe geh\u00f6rt. Ein weiteres Thema, schon vor Corona, ist die  m\u00f6glichst fr\u00fche Vermeidung von Gewalt in der h\u00e4uslichen Pflege. Dazu  liegen aus einem Projekt der Goethe-Universit\u00e4t konkrete Empfehlungen  f\u00fcr Praxis und Gesetzgebung vor. Kritische Pflegesituationen versch\u00e4rfen  sich aber nochmals mutma\u00dflich durch die Begrenztheit auf das Private,  ohne dass angemessen geholfen werden kann. Im Bereich der Heimversorgung  spitzt sich die Lage zu durch Aufnahmestopps, Segregation und  mangelhafte Ausr\u00fcstung. Zwar ist das n\u00e4herr\u00fcckende Lebensende im Heim  ohnehin ein Thema, aber die Lage versch\u00e4rft sich durch Hilflosigkeit im  Umgang mit Isolation und Einsamkeit am Lebensende. Erschwerend ist  zudem, dass sich Menschen mit Demenz die Notwendigkeit einer  k\u00f6rperlichen Distanzierung nicht erschlie\u00dft und sie Zuwendung brauchen.  Ganz zu schweigen von fehlenden (ethischen) Regelungen zu N\u00e4he und  Distanz am Lebensende (nicht nur bei an COVID-19 Sterbenden).<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/UR_Corona_Mueller.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-43506\" width=\"120\" height=\"120\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/UR_Corona_Mueller.jpg 182w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/UR_Corona_Mueller-150x150.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 120px) 100vw, 120px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><em>Prof. Dr. J\u00fcrgen M\u00fcller, <\/em><br><em>Historiker<\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:15px\" class=\"has-background has-very-light-gray-background-color\">Derzeit wird h\u00e4ufig an die sogenannte Spanische Grippe erinnert, die  am Ende des Ersten Weltkriegs auftrat, sich in mehreren Wellen \u00fcber  alle Kontinente verbreitete und nach Sch\u00e4tzungen zwischen 20 und 50  Millionen Todesopfer forderte. Diese Pandemie ist wie die Pest im  Sp\u00e4tmittelalter noch im kollektiven historischen Ged\u00e4chtnis pr\u00e4sent,  w\u00e4hrend etwa die schweren Choleraepidemien des 19. Jahrhunderts  weitgehend vergessen sind. Die Spanische Grippe unterscheidet sich von  der aktuellen Pandemie dadurch, dass ihr vor allem Menschen im Alter  zwischen 20 und 40 Jahren zum Opfer fielen. Ein weiterer Unterschied  liegt darin, dass die Spanische Grippe auf eine vom langen Krieg  ersch\u00f6pfte Bev\u00f6lkerung traf, was m\u00f6glicherweise eine Erkl\u00e4rung f\u00fcr ihre  besonders hohe Letalit\u00e4t ist. Das Coronavirus breitet sich demgegen\u00fcber  mit enormer Geschwindigkeit auch in Gesellschaften aus, die weder unter  Mangelern\u00e4hrung noch in besonderem Ma\u00dfe unter anderen physischen  Defiziten leiden. Diese Gesellschaften haben keine Erfahrungen mit  hochinfekti\u00f6sen Krankheiten, gegen die es bislang keine medikament\u00f6se  Therapie und keinen Impfstoff gibt. Dies ist gewiss ein Grund f\u00fcr die  gro\u00dfe Verunsicherung einer Bev\u00f6lkerung, die in den letzten Jahrzehnten  davon ausgehen konnte, jenseits von individuellen Krankheiten keinem  unkontrollierbaren, umfassenden Lebensrisiko ausgesetzt zu sein. Auch  schien es unvorstellbar, dass das gewohnte soziale Leben und die  Wirtschaft in k\u00fcrzester Zeit zum Erliegen kommen k\u00f6nnten. Das ist eine  historisch gesehen sehr seltene Situation gewesen, die nun offenbar der  Vergangenheit angeh\u00f6rt. Man muss bef\u00fcrchten, dass in unserer  globalisierten und hochmobilen Welt \u00e4hnliche Pandemien \u00f6fter auftreten  k\u00f6nnen. Dies sollte den Ansto\u00df dazu geben, Fehlentwicklungen im Bereich  des Gesundheitswesens (Privatisierungen, Unterfinanzierung,  Personalnotstand) zu korrigieren, denn ohne eine leistungsf\u00e4hige  medizinische Infrastruktur w\u00e4ren wir den Pandemien genauso hilflos  ausgeliefert wie die Gesellschaften in fr\u00fcheren Epochen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/UR_Corona_Gugutzer.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-43505\" width=\"120\" height=\"120\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><em>Prof. Dr. Robert Gugutzer, <br>Sportwissenschaftler<\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:15px\" class=\"has-background has-text-align-right has-very-light-gray-background-color\">Der Sport in der Corona-Krise: Im Umgang mit der Corona-Krise  offenbart der Spitzensport im Moment zwei Gesichter: Ein  z\u00f6gerlich-ignorantes auf der einen, ein  solidarisch-zivilgesellschaftliches auf der anderen Seite. Ersteres  zeigt vor allem das Internationale Olympische Komitee (IOC) mit seinem  Pr\u00e4sidenten Dr. Thomas Bach, das zweite eine Vielzahl an Athletinnen und  Athleten. W\u00e4hrend das IOC eher widerwillig und erst am 24. M\u00e4rz die  Verschiebung der Olympischen Sommerspiele 2020 in Tokio bekanntgab,  haben sich zahlreiche Sportlerinnen und Sportler deutlich fr\u00fcher als  \u201em\u00fcndige Athleten\u201c erwiesen und ihr Veto gegen die Spiele eingelegt.  Dar\u00fcber hinaus unterst\u00fctzen viele Sportlerinnen und Sportler die  Bev\u00f6lkerung durch praktische Hilfen (Eink\u00e4ufe f\u00fcr alte Menschen in  Superm\u00e4rkten, Mitarbeit bei Tafeln, Blutspenden etc.) und auf  finanzielle Weise (Spendeninitiativen wie #WeKickCorona). Die Diskrepanz  zwischen dem Anspruch einer moralischen Vorbildfunktion und dem  Vorantreiben seiner Kommerzialisierung, die f\u00fcr den Spitzensport  kennzeichnend ist, diese Janusk\u00f6pfigkeit wird in einer Krisenzeit wie  der aktuellen ganz besonders deutlich. Tatsache ist aber auch, dass der  Spitzensport unter den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise zu  leiden haben wird. Selbst finanzkr\u00e4ftige Sportarten wie der Profifu\u00dfball  werden diese Krise nicht unbeschadet \u00fcberstehen. Das wird vor allem  jene nationalen Ligen treffen, die besonders stark von TV-Geldern  abh\u00e4ngig sind. So deutet sich bereits jetzt an, dass die exorbitanten  Abl\u00f6sesummen und Jahresgeh\u00e4lter f\u00fcr Fu\u00dfballspieler der Vergangenheit  angeh\u00f6ren werden. Aber auch Sportarten, die nicht im Rampenlicht der  Fernsehsender stehen und daher st\u00e4rker von staatlichen F\u00f6rdergeldern  abh\u00e4ngig sind, werden mit finanziellen Einschr\u00e4nkungen zu rechnen haben.  All dies wird auch soziale Folgen haben, etwa f\u00fcr den Nachwuchssport,  wenn Vereine \u00dcbungsleiterstellen streichen m\u00fcssen und  Trainingsm\u00f6glichkeiten nicht mehr gegeben sind. F\u00fcr den Sport hei\u00dft es  derzeit eben auch: \u201eCorona kicks us.\u201c<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p> <strong><em>Dieser Artikel ist in der&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.unireport.info\/87452345.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\" (\u00f6ffnet in einem neuem Tab)\">Ausgabe 2.20 des UniReport<\/a>&nbsp;erschienen.<\/em><\/strong> <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Expertinnen und Experten der Goethe-Universit\u00e4t mit Einsch\u00e4tzungen und Prognosen. Nicht nur medizinische Einsch\u00e4tzungen der COVID-19-Pandemie sind im Augenblick stark gefragt. 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