{"id":45113,"date":"2020-09-10T09:11:46","date_gmt":"2020-09-10T07:11:46","guid":{"rendered":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=45113"},"modified":"2020-09-10T09:44:20","modified_gmt":"2020-09-10T07:44:20","slug":"goethe-vigoni-discorsi-die-flickenteppich-globalisierung-und-europas-chance-darin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/gesellschaft\/goethe-vigoni-discorsi-die-flickenteppich-globalisierung-und-europas-chance-darin\/","title":{"rendered":"Goethe-Vigoni Discorsi: Die Flickenteppich-Globalisierung \u2013 und Europas Chance darin"},"content":{"rendered":"<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1500\" height=\"650\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/beitragsbild_gross_christian-sewing_goethe-vigoni-discorsi.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-45749\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/beitragsbild_gross_christian-sewing_goethe-vigoni-discorsi.jpg 1500w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/beitragsbild_gross_christian-sewing_goethe-vigoni-discorsi-300x130.jpg 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/beitragsbild_gross_christian-sewing_goethe-vigoni-discorsi-1024x444.jpg 1024w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/beitragsbild_gross_christian-sewing_goethe-vigoni-discorsi-768x333.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1500px) 100vw, 1500px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><em><strong>Ein Beitrag von Christian Sewing <\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator is-style-dots\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><em><strong>Die Corona-Pandemie hat bereits tiefgreifende Folgen, aber sie wird die Weltwirtschaft nicht v\u00f6llig auf den Kopf stellen. Wichtige Trends, die sich bereits vor Corona abzeichneten, werden nicht gestoppt, sondern beschleunigt. F\u00fcr Europa ist das eine gro\u00dfe Herausforderung \u2013 aber auch eine Chance f\u00fcr einen Neustart.&nbsp;<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Wissenschaftler haben immer wieder vor den Gefahren einer Pandemie gewarnt. Und doch hat Covid-19 fast alle unvorbereitet getroffen. Binnen weniger Wochen sah unser Leben ganz anders aus als vorher \u2013 inklusive der Arbeitswelt.&nbsp; Dabei erscheint es mir bis heute sehr erstaunlich, wie schnell wir uns an eine neue Realit\u00e4t gew\u00f6hnt haben. Im M\u00e4rz spielte die Fu\u00dfball-Bundesliga noch, das Berliner Konzerthaus, wo wir wenig sp\u00e4ter unser 150-j\u00e4hriges Jubil\u00e4um feiern wollten, \u00f6ffnete praktisch Abend f\u00fcr Abend seine Pforten. Und in meinem Kalender standen immer noch viele Reisen. Dann, fast von einem Tag auf den anderen, eine ganz andere Realit\u00e4t: nur noch Videokonferenzen statt Besuche, B\u00fcrotage in Frankfurt statt N\u00e4chte im Flieger, und unsere Jubil\u00e4umsfeier mussten wir absagen. Es war der radikale Abschied von vielem, was bis dahin planbar schien. Wenn es alle trifft, ist auf einmal normal, was zuvor undenkbar wirkte.<\/p>\n\n\n\n<p>Und gleichzeitig erinnerte ich mich an die Finanzkrise 2008. In solchen Momenten geht man zur\u00fcck, versucht Parallelen zu finden, aber eben auch Unterschiede. Waren die Banken 2007 und 2008 Ausl\u00f6ser der Krise, k\u00f6nnen sie nun Teil der L\u00f6sung werden. Weil wir unsere Bilanzen erheblich gest\u00e4rkt haben und so Unternehmen \u00fcber die Krise helfen k\u00f6nnen. Weil wir mitten drin sind, das Herz-Kreislaufsystem der Wirtschaft. Weil wir der Politik helfen k\u00f6nnen zu erkennen, wo Hilfe ansetzen muss. Uns war schnell klar: Der Dialog zwischen Politik und Wirtschaft w\u00fcrde au\u00dfergew\u00f6hnlich wichtig sein. Deshalb haben wir unsere Unterst\u00fctzung angeboten. Und sie wurde gerne angenommen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei wussten Politiker und Notenbanker nur zu genau, was drohte, wenn sie nicht schnell handeln w\u00fcrden. Fast alle Regierungen und Notenbanken haben das Richtige getan, indem sie dem System Sauerstoff, sprich Geld, zugef\u00fchrt haben. Entschlossen und schnell. Das verdient Respekt. Deutschland war hier sicher ein Paradebeispiel.<\/p>\n\n\n\n<p>Was allerdings fehlte, war eine europ\u00e4ische Antwort auf die gesundheitlichen Herausforderungen der Pandemie. Europa hat hier zun\u00e4chst eine Chance verpasst. Die Chance, f\u00fcreinander einzustehen und wieder n\u00e4her aneinander zu r\u00fccken. Stattdessen dominierten gerade in der Anfangsphase die nationalen L\u00f6sungen \u2013 wenn wir von wenigen Hilfsaktionen absehen. Wir h\u00e4tten mehr Solidarit\u00e4t zeigen m\u00fcssen, als die Covid-19-Pandemie die Lombardei mit voller Wucht traf. Wir h\u00e4tten gemeinsam in Krankenhauskapazit\u00e4ten und Pr\u00e4vention investieren sollen \u2013 als Zeichen daf\u00fcr, dass wir ein Europa sind. Anschlie\u00dfend h\u00e4tten wir immer noch Zeit gehabt, um \u00fcber Eurobonds zu streiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Daraus muss Europa lernen und gemeinsam die zweite Phase anpacken. W\u00e4hrend die akute Corona-Bedrohung abflaut und die L\u00e4nder Europas unterschiedlich gut darauf reagiert haben, geht es nun darum, m\u00f6glichst schnell aus der Wirtschaftskrise herauszukommen. Es geht um Geld- und Fiskalpolitik. Aber auch darum, dass Europa sich den tiefgreifenden Trends stellt, die durch Corona noch beschleunigt werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das gilt zum Beispiel f\u00fcr die Globalisierung. Hier wurde in den vergangenen Monaten eine j\u00e4he Kehrtwende vorhergesagt \u2013 angesichts der Herausforderungen f\u00fcr Lieferketten und Absatzm\u00e4rkte. Ich sehe das anders: Nat\u00fcrlich werden manche Konzerne ihre Wertsch\u00f6pfungsketten neu ordnen, um sie weniger st\u00f6ranf\u00e4llig zu machen. Manche Gesch\u00e4ftsbeziehungen, die in der Pandemie zerbrochen sind, werden nicht wiederhergestellt werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Aber die internationale Arbeitsteilung an sich ist keine Mode-Erscheinung. Sie hat sich durchgesetzt, weil sie gewaltige wirtschaftliche Vorteile bringt. Weil Unternehmen erfolgreicher sind, die die jeweiligen Vorteile verschiedener Standorte nutzen. Weil die Globalisierung unterm Strich zu mehr Wohlstand f\u00fcr mehrere Milliarden Menschen gef\u00fchrt hat \u2013 auch wenn wir nicht besonders gut darin waren, diese Gewinne gerecht zu verteilen. Und weil die Globalisierung zu dem Lebensstil passt, den sich heute viele Menschen w\u00fcnschen. Dabei denke ich nicht nur an die globale Elite in Politik und Unternehmen, f\u00fcr die Internationalit\u00e4t der Normalfall ist. Gut gebildete junge Erwachsene sind zu Hause in einer digitalisierten Welt, sie sind es gewohnt, sich \u00fcber soziale Medien international zu vernetzen. Englisch ist f\u00fcr sie l\u00e4ngst die zweite Alltagssprache geworden. Sie werden ihren Horizont nicht auf einmal wieder an den Landesgrenzen enden lassen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin fest davon \u00fcberzeugt: Diese m\u00e4chtigen Kr\u00e4fte werden die Globalisierung am Leben halten \u2013 mag der Trend im Augenblick auch noch so geschw\u00e4cht wirken. F\u00fcr ein Unternehmen wie die Deutsche Bank, gerade aber auch f\u00fcr die deutsche Exportwirtschaft, wird die entscheidende Arena der Weltmarkt bleiben.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn dieser anders aussehen wird. Wir stehen vor der wichtigsten Z\u00e4sur seit Beginn der modernen Globalisierung in den 90er Jahren. Das liegt nicht nur, aber auch an Corona. Entscheidend sind vor allem zwei Entwicklungen: die zunehmende Konfrontation in der Wirtschaftspolitik \u2013 und die unaufhaltsame Digitalisierung. Europa wird auf Dauer kein starker Faktor in der Weltpolitik bleiben, wenn es sich hier nicht geschickt positioniert und den Herausforderungen stellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Moment geht vieles an Europa vorbei. Dreh- und Angelpunkt der globalen Konfrontation ist das Verh\u00e4ltnis zwischen China und den Vereinigten Staaten. Mochte man Anfang des Jahres noch auf eine zumindest vor\u00fcbergehende Entspannung hoffen, so hat Covid-19 den Konflikt der beiden Wirtschaftssuperm\u00e4chte nur noch forciert. Dabei geht es nicht allein um die burschikose Rhetorik des amerikanischen Pr\u00e4sidenten: Selbst bei einem demokratischen Wahlsieg im Herbst w\u00e4re klar, dass die USA auch k\u00fcnftig China als wichtigsten wirtschaftlichen und geopolitischen Rivalen ansehen werden. Es ist eine Grundhaltung des Misstrauens und der Konkurrenz, die das Klima der amerikanischen Handels- und Wirtschaftspolitik pr\u00e4gt. China wiederum \u2013 dem Status einer verl\u00e4ngerten Werkbank f\u00fcr den Westen l\u00e4ngst entwachsen \u2013 f\u00e4llt weniger durch laute T\u00f6ne auf als vielmehr durch einen schleichenden, aber wohlkalkulierten Ausbau der eigenen Machtposition.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wir Europ\u00e4er sind in diesem Konflikt nicht vollkommen neutral, und wir sollten es auch nicht sein. Wenn wir eine liberale Gesellschaft bleiben wollen, muss im Zweifel Atlantikbr\u00fccke vor Seidenstra\u00dfe gehen. Und dennoch werden wir nicht umhin kommen, uns selbst st\u00e4rker mit einer eigenen Position zu behaupten. Denn k\u00fcnftig wird die Weltwirtschaft weniger homogen sein, als es das Regelwerk einer schon weitgehend marginalisierten Welthandelsorganisation vorsieht. Wenn internationale Regeln und Institutionen an Bedeutung verlieren und in Wirtschaftsfragen immer \u00f6fter das Recht des St\u00e4rkeren gilt, dann m\u00fcssen wir alles daran setzen, dass wir nicht das schw\u00e4chste Glied im globalen Trio werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir Unternehmen wiederum m\u00fcssen uns auf einen Flickenteppich bei der Globalisierung einstellen. Was meine ich damit? Firmen werden auch weiterhin international arbeiten. Sie werden sich aber aus Risikoaspekten st\u00e4rker diversifizieren m\u00fcssen, und sie d\u00fcrfen in ihrer Lieferkette nicht mehr so abh\u00e4ngig von wenigen M\u00e4rkten sein. Manch eine Firma musste in der Krise feststellen, dass alle ihre Zulieferwege doch irgendwie durch China f\u00fchrten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die fragmentierte Globalisierung hat aber auch starken Einfluss darauf, wie Unternehmen in einzelnen L\u00e4ndern agieren. Statt auf einen Weltmarkt m\u00fcssen wir uns auf eine Vielzahl von lokalen M\u00e4rkten einstellen \u2013 lokale M\u00e4rkte, auf denen wir auch wie lokale Unternehmen auftreten m\u00fcssen. Wir m\u00fcssen besser darin werden, uns schnell auf nationale Besonderheiten einzustellen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>In einer solchen Welt ist es essenziell und ein besonderer Wettbewerbsvorteil, wenn unser Heimatmarkt nicht Deutschland, Italien, Frankreich oder Spanien ist, sondern Europa. Das Potenzial dazu haben wir: Auf dem Papier sind wir der zweitgr\u00f6\u00dfte Binnenmarkt der Welt \u2013 wir nutzen ihn nur noch nicht gut genug. Weil etwa die Dienstleistungsfreiheit bisher noch unterentwickelt ist. Und weil Grenzkontrollen in der Pandemie selbst das ins Wanken bringen, was Europa in den vergangenen Jahrzehnten auszeichnete \u2013 den freien Waren- und Personenverkehr. Diese R\u00fcckschritte m\u00fcssen wir schnell wieder durch eine kr\u00e4ftige Vorw\u00e4rtsbewegung abl\u00f6sen \u2013 weil wir einen vollst\u00e4ndigen Binnenmarkt jetzt dringender brauchen denn je.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist auch die Voraussetzung, um in einem disruptiven Trend bestehen zu k\u00f6nnen, der durch Corona noch beschleunigt wird: Die Digitalisierung wird die Gesellschaft so grundlegend umw\u00e4lzen wie einst die industrielle Revolution \u2013 vermutlich aber in einem viel schnelleren Tempo. Nur wer an der Spitze dieser technologischen Revolution steht, wird in 20, 50 und 100 Jahren noch eine Chance haben, ganz vorn in der Weltwirtschaft mitzuspielen. Und das sind bisher nicht die Europ\u00e4er, sondern vor allem die USA und China.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sprechen hier von tektonischen Ver\u00e4nderungen, wie wir sie in der Weltgeschichte immer wieder mal erlebt haben. China war \u00fcber Jahrhunderte die gr\u00f6\u00dfte Volkswirtschaft der Welt. Auf sie entfiel zu Beginn der Neuzeit im 16. Jahrhundert rund ein Viertel des globalen Bruttoinlandsprodukts. Erst Ende des 19. Jahrhunderts eroberte die US-Wirtschaft den Spitzenplatz. Dabei wurden Amerika und Westeuropa vor allem deshalb so wohlhabend, weil sie bei der Transformation von der Agrar- zur Industriegesellschaft die Vorreiter waren. Ein Vorsprung, der sich \u00fcber Jahrhunderte gehalten hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt stehen wir aber wieder an einem Wendepunkt. Das aber hei\u00dft: Wir Europ\u00e4er m\u00fcssen in der Datenwirtschaft schnell aufholen. Daf\u00fcr m\u00fcssen wir weitaus mehr als bisher investieren. Wie gut ger\u00fcstet Europa f\u00fcr diese neue Epoche sein wird, h\u00e4ngt entscheidend davon ab, wie viele Technologiekonzerne es hervorbringt. Das setzt einen gesetzlichen Rahmen voraus, der nicht zu allererst reguliert, sondern Innovationen erm\u00f6glicht. Wir brauchen die Infrastruktur daf\u00fcr: Die Industrialisierung gelang nur dort, wo es zuerst Eisenbahnen und sp\u00e4ter gute Stromnetze gab. Und das n\u00f6tige Wissen \u2013 deshalb ist es mindestens ebenso wichtig, dass wir unsere Talente halten und weitere f\u00fcr uns gewinnen. Aus Europa stammen \u00e4hnlich viele Experten f\u00fcr K\u00fcnstliche Intelligenz (KI) wie aus den USA \u2013 doch ein Gro\u00dfteil arbeitet nicht hier. Stattdessen sind heute fast 60 Prozent aller KI-Forscher weltweit in den Vereinigten Staaten besch\u00e4ftigt, in Europa hingegen nur 10 Prozent.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei f\u00e4llt die technologische Revolution des 21. Jahrhunderts zusammen mit einer weiteren epochalen Herausforderung. Die Kohlenstoff-intensive Wirtschaft, wie wir sie seit mehr als 200 Jahren kennen, hat keine Zukunft mehr. Wir m\u00fcssen nachhaltiger leben und wirtschaften, um beim Klimawandel eine Trendwende zu erreichen. Auch daf\u00fcr brauchen wir neue Technologien, und der Wettlauf ist l\u00e4ngst in vollem Gange. Elektroautos sind das prominenteste Beispiel, auch hier liegen eher asiatische und amerikanische Entwickler vorn. Doch anders als in der Datenwirtschaft ist dieses Rennen noch l\u00e4ngst nicht entschieden, und in anderen Bereichen f\u00e4ngt es gerade erst an \u2013 zum Beispiel beim gr\u00fcnen Wasserstoff, von dem wir uns in Deutschland viel versprechen. Letztendlich geht es hier aber eben nicht blo\u00df um Wettbewerb, sondern um globale Kooperation und Koordination. Und da werden wir unser Ziel erst erreichen, wenn Europa nicht nur Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit ist, sondern auch sein ganzes Gewicht in die Waagschale wirft, um seiner Position international Nachdruck zu verleihen.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit sind die Trends der Zeit nach Covid-19 eine gro\u00dfe Herausforderung f\u00fcr Europa \u2013 aber auch eine Chance. Wenn wir unseren Platz in der Weltwirtschaft und letztlich auch unseren Lebensstandard sichern wollen, dann m\u00fcssen wir zusammenstehen \u2013 nationale Alleing\u00e4nge werden uns im globalen Kr\u00e4ftemessen mit den USA und China schwach aussehen lassen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht hat die Covid-19-Pandemie hier tats\u00e4chlich eine positive Folge. Weil sie uns die Bedeutung europ\u00e4ischer L\u00f6sungen vor Augen f\u00fchrt. Weil sie uns aufger\u00fcttelt hat aus dem kleinteiligen Streit rund um den Brexit und aus dem Dauerkonflikt um die scheinbar unl\u00f6sbare Fl\u00fcchtlingsfrage. Die Corona-Krise zeigt uns eindrucksvoll, dass wir Europ\u00e4er einander brauchen. Sicher, es wird nicht trivial, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen und die verschiedenen Kulturen, St\u00e4rken und Schw\u00e4chen miteinander zu verbinden. Das wird nur gelingen, wenn wir uns auf den Kern dessen besinnen, was uns verbindet. Auf die St\u00e4rke einer stabilen Demokratie mit einer sozialen Marktwirtschaft, die ordnungspolitischen Prinzipien folgt, die sich bew\u00e4hrt haben. Genau darin k\u00f6nnte die neue Vision, das neue Narrativ f\u00fcr Europa liegen \u2013 im Kontrast zum chinesischen und amerikanischen Modell.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Europ\u00e4ische Union entstand nach der gr\u00f6\u00dften politischen und humanit\u00e4ren Katastrophe des 20. Jahrhunderts. Nun sehen wir uns mit der gr\u00f6\u00dften Gesundheits- und Wirtschaftskrise des jungen 21. Jahrhunderts konfrontiert. Wir k\u00f6nnen uns damit abfinden, dass es doch die Nationalstaaten sind, auf die es in schweren Zeiten ankommt. Oder wir k\u00f6nnen diese Krise als Chance begreifen, die sich nicht oft bietet. Die Chance, als Europ\u00e4er wieder zusammenzufinden und an einer gemeinsamen Zukunft zu bauen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><em>Christian Sewing<\/em>, <em>Vorstandsvorsitzender Deutsche Bank<\/em><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator is-style-dots\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/GUEuropasom-Discorsi-2_logo_jpg.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-45171\" width=\"215\" height=\"82\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/GUEuropasom-Discorsi-2_logo_jpg.jpg 650w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/GUEuropasom-Discorsi-2_logo_jpg-300x115.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 215px) 100vw, 215px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><strong><em>Dieser Artikel erscheint in der Reihe&nbsp;<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.uni-frankfurt.de\/89915159\/Goethe_Vigoni_Discorsi\" target=\"_blank\">Goethe-Vigoni Discorsi<\/a>&nbsp;und<\/em><\/strong><em><strong> i<\/strong><\/em><strong><em>st in einer leicht abgewandelten Version zuerst am 04.09. 2020 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ver\u00f6ffentlicht worden.<\/em><\/strong> <\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Beitrag von Christian Sewing Die Corona-Pandemie hat bereits tiefgreifende Folgen, aber sie wird die Weltwirtschaft nicht v\u00f6llig auf den Kopf stellen. 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