{"id":47723,"date":"2020-11-18T15:13:32","date_gmt":"2020-11-18T14:13:32","guid":{"rendered":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=47723"},"modified":"2020-11-18T15:23:57","modified_gmt":"2020-11-18T14:23:57","slug":"felsbildsammlung-soll-weltdokumentenerbe-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/forschung\/felsbildsammlung-soll-weltdokumentenerbe-werden\/","title":{"rendered":"Felsbildsammlung soll Weltdokumentenerbe werden"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Felsbildsammlung des Frobenius-Instituts f\u00fcr kulturanthropologische Forschung an der Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt ist bereits jetzt international bekannt. Nun hat das Deutsche Nominierungskomitee des UNESCO-Programms \u201eMemory of the World\u201c das Institut zur Ausarbeitung und Einreichung eines Nominierungsantrags aufgefordert.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Frobenius-Institut f\u00fcr kulturanthropologische Forschung an der\nGoethe-Universit\u00e4t Frankfurt verf\u00fcgt \u00fcber die weltweit \u00e4lteste und umfassendste\nSammlung von Kopien pr\u00e4historischer Felsbilder. Das Deutsche\nNominierungskomitee des UNESCO-Programms \u201eMemory of the World\u201c hat diese\nSammlung nun f\u00fcr potentiell interessant f\u00fcr eine Aufnahme in das internationale\nRegister des UNESCO-Weltdokumentenerbes eingesch\u00e4tzt. Das internationale\nRegister verzeichnet die weltweit bedeutendsten Dokumentensammlungen;\nDeutschland ist zurzeit mit 24 Eintr\u00e4gen vertreten \u2013 darunter die 42-zeilige\nG\u00f6ttinger Gutenberg-Bibel, das Manuskript der h-Moll Messe von Johann Sebastian\nBach oder auch die Dokumente aus dem Frankfurter Auschwitz-Prozess. Alle zwei\nJahre darf das deutsche UNESCO-Nominierungskomitee zwei Vorschl\u00e4ge f\u00fcr die\nAufnahme in das weltweite Register machen. \u201eWir freuen uns sehr \u00fcber die\nAufforderung zur Erarbeitung und Einreichung des Nominierungsantrags. Dies\nbest\u00e4tigt die Bedeutung des Frobenius-Instituts als weltweit f\u00fchrend in der\nFelsbild-Forschung\u201c, sagt Prof. Dr. Roland Hardenberg, der Leiter des\nFrobenius-Instituts.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Felsbildsammlung umfasst etwa 8.600 Felsbildkopien aus Afrika,\nOzeanien, Australien und Europa, von denen viele heute als Rarit\u00e4ten gelten.\nDie Bedeutung des Archivs liegt zum einen vor allem im Alter der Kopien \u2013 sie\nwurden zwischen 1913 und den fr\u00fchen 1960er Jahren von rund zwei Dutzend\nprofessionellen Malerinnen und Malern vor Ort originalgetreu abgezeichnet. Und\nauch die regionale Breite der Entstehungsorte der Bilder, die aus Afrika,\nEuropa, Indien, Australien und Ozeanien stammen, macht die Sammlung so\nbesonders. In einigen F\u00e4llen sind die von Mitgliedern des Instituts\nangefertigten Kopien heute die einzige verbliebene Dokumentation von\nFelskunst-Ensembles, deren Originale inzwischen zerst\u00f6rt sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Leo Frobenius, der Gr\u00fcnder des Instituts, erkannte als einer von\nwenigen Forschern fr\u00fch den enormen kulturhistorischen Wert der Felsbilder\nAfrikas. Eine erste Expedition f\u00fchrte ihn und ein Team von 1913 bis 1914 in den\nnordafrikanischen Sahara-Atlas, wo sie die bis zu 12.000 Jahre alten Motive\nmeist in Originalgr\u00f6\u00dfe auf Leinwand kopierten. Weitere Felskunstexpeditionen\nfolgten in den 1920er und 1930er Jahren, etwa in die libysche Sahara, ins\ns\u00fcdliche Afrika, nach Norwegen, Norditalien, S\u00fcdfrankreich und Ostspanien sowie\nNeuguinea und Australien. Heute besteht das Archiv aus Zeichnungen, Aquarellen\nund Gem\u00e4lden in verschiedenen Techniken und Formaten von bis zu 2,5 auf 10\nMetern sowie aus Tausenden Schwarzwei\u00dffotografien, die den Kopiervorgang und\ndie Originalschaupl\u00e4tze der Felskunst dokumentieren. <\/p>\n\n\n\n<p>Die damals neu entdeckte pr\u00e4historische Kunst hatte gro\u00dfen\nEinfluss auf die k\u00fcnstlerische Avantgarde des fr\u00fchen 20. Jahrhundert in Europa\nund den USA. Sie zog den Blick europ\u00e4ischer und nordamerikanischer K\u00fcnstler in\ndem Moment auf sich, als diese die akademische Form des Gem\u00e4ldes aufgaben, auf\nfigurative Motive verzichteten und begannen, Collagen und gro\u00dfe Wandgem\u00e4lde zu\nrealisieren. Seit Ende der 1920er Jahre wurden Teile der Sammlung in\nzahlreichen Ausstellungen gezeigt. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in\nParis, Br\u00fcssel, Amsterdam, Z\u00fcrich, Johannesburg und New York erregten die\nungew\u00f6hnlichen Gem\u00e4lde viel Aufmerksamkeit und inspirierten namhafte K\u00fcnstler\nder Moderne. Die Ausstellung 1937 im New Yorker Museum of Modern Art war so\nerfolgreich, dass die Bilder auf eine zweij\u00e4hrige Tournee durch 31 US-St\u00e4dte\ngingen. Sp\u00e4ter behauptete Joan Mir\u00f3, \u201edie Malerei befindet sich seit dem\nH\u00f6hlenzeitalter im Niedergang\u201c, und Alberto Giacometti, \u201edort und nur dort ist\ndie Bewegung gelungen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute werden die Best\u00e4nde des Felsbildarchivs in gesicherten\nArchivr\u00e4umen an der Goethe-Universit\u00e4t in Frankfurt am Main aufbewahrt und nach\nbestandserhaltenden Ma\u00dfgaben gelagert. In den Jahren 2006 bis 2009 wurde das\nArchiv im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)\nfinanzierten Projekts am Frobenius-Institut erschlossen und digitalisiert.\nSeitdem ist das Felsbildarchiv in Form einer Bilddatenbank \u00fcber das Internet\nzug\u00e4nglich: <a href=\"http:\/\/bildarchiv.frobenius-katalog.de\/\">http:\/\/bildarchiv.frobenius-katalog.de\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/beitrag_felsbild_frobenius-institut_1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-47729\" width=\"650\" height=\"680\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/beitrag_felsbild_frobenius-institut_1.jpg 650w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/beitrag_felsbild_frobenius-institut_1-287x300.jpg 287w\" sizes=\"(max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><figcaption><em>Die Malerinnen und Maler arbeiteten unter abenteuerlichen, oft strapazi\u00f6sen Bedingungen. Hier Elisabeth Pauli und Katharina Mart, an Strickleitern baumelnd, beim Kopieren eines Felsbildes 1935 in Algerien. (. (Copyright: Frobenius-Institut)<\/em><\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/beitrag_felsbild_frobenius-institut_2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-47732\" width=\"650\" height=\"271\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/beitrag_felsbild_frobenius-institut_2.jpg 650w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/beitrag_felsbild_frobenius-institut_2-300x125.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><figcaption><em>Joachim Lutz, \u201eGro\u00dfe wei\u00dfe Elefanten, Tiere und Menschen in vielen Schichten\u201c, abgezeichnet 1929 in Ruchera, Simbabwe. (Copyright: Frobenius-Institut\/Peter Steigerwald)<\/em><\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/beitrag_felsbild_frobenius-institut_3.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-47735\" width=\"650\" height=\"125\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/beitrag_felsbild_frobenius-institut_3.jpg 650w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/beitrag_felsbild_frobenius-institut_3-300x58.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><figcaption><em>Joachim Lutz, \u201eStehende und liegende Formlinge\u201c, abgezeichnet 1929 in Chinamora, Simbabwe. \u201eFormlinge&#8220; nannte Leo Frobenius diese r\u00e4tselhaft wirkenden, abstrakten Gebilde, die charakteristisch f\u00fcr die Felsmalereien des s\u00fcdlichen Afrika sind. (Copyright: Frobenius-Institut\/Peter Steigerwald)<\/em><\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/beitrag_felsbild_frobenius-institut_4.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-47738\" width=\"650\" height=\"876\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/beitrag_felsbild_frobenius-institut_4.jpg 650w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/beitrag_felsbild_frobenius-institut_4-223x300.jpg 223w\" sizes=\"(max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><figcaption><em>Elisabeth Charlotte Pauli, \u201eHand mit drei kleinen Figuren\u201c, abgezeichnet 1933 in Wadi Sura, \u00e4gyptische Sahara. (Copyright: Frobenius-Institut)<\/em><\/figcaption><\/figure><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Felsbildsammlung des Frobenius-Instituts f\u00fcr kulturanthropologische Forschung an der Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt ist bereits jetzt international bekannt. 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