{"id":49076,"date":"2021-02-10T16:22:42","date_gmt":"2021-02-10T15:22:42","guid":{"rendered":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=49076"},"modified":"2021-02-10T16:22:43","modified_gmt":"2021-02-10T15:22:43","slug":"warum-wir-buergerraete-brauchen-die-demokratieforscherin-brigitte-geissel-im-gespraech","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/gesellschaft\/warum-wir-buergerraete-brauchen-die-demokratieforscherin-brigitte-geissel-im-gespraech\/","title":{"rendered":"Warum wir B\u00fcrgerr\u00e4te brauchen: die Demokratieforscherin Brigitte Gei\u00dfel im Gespr\u00e4ch"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><a href=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Beitragsbild_Brigitte-Geissel.jpg\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"650\" height=\"450\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Beitragsbild_Brigitte-Geissel.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-49086\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Beitragsbild_Brigitte-Geissel.jpg 650w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Beitragsbild_Brigitte-Geissel-300x208.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Vor zwei Jahren begleitete die Politikwissenschaftlerin Brigitte Gei\u00dfel mit ihrem Team das Modellprojekt eines B\u00fcrgerrats, der vom Verein \u201eMehr Demokratie\u201c angesto\u00dfen worden war. Nun hat der \u00c4ltestenrat des Bundestags selbst einen B\u00fcrgerrat auf Bundesebene beauftragt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><em><strong>Zum ersten Mal gibt es einen B\u00fcrgerrat auf Bundesebene, den der Bundestag selbst zusammengerufen hat. W\u00fcrden Sie sagen, es wurde Zeit?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Prof. Dr. Brigitte Gei\u00dfel<\/strong>:<\/em> (<em>lacht<\/em>) Ja, ich finde, es wurde wirklich Zeit. Wir haben zwar in Deutschland schon eine lange Tradition von B\u00fcrgerbeteiligung auf lokaler Ebene. Aber sie hat doch ein Schattendasein gef\u00fchrt, denn auf die nationalstaatliche Ebene haben es die B\u00fcrgerr\u00e4te selten geschafft. In anderen L\u00e4ndern ist das ja schon passiert &#8211; in Frankreich zum Beispiel gibt es den Klimarat, und in Irland wurde 2016 zur \u00dcberarbeitung der Verfassung ein B\u00fcrgerrat eingesetzt. Aber auch in diesen L\u00e4ndern ist der B\u00fcrgerrat die Ausnahme. Ich w\u00fcrde mir eine Institutionalisierung des B\u00fcrgerrats w\u00fcnschen, wie in Ostbelgien.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><em><strong>Wie muss ein B\u00fcrgerrat organisiert sein, damit er funktioniert? Er soll zum Beispiel repr\u00e4sentativ sein. Ist das einfach herzustellen?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Es ist ganz wichtig, dass ein B\u00fcrgerrat die Bev\u00f6lkerung in ihrer jeweiligen Zusammensetzung abbildet. Das ist aber gar nicht so einfach. Man hat etwa Menschen nach dem Zufallsprinzip angeschrieben und gehofft, dass die sogenannte deskriptive Repr\u00e4sentativit\u00e4t auch ungef\u00e4hr passen wird. Das war aber nicht so, es melden sich unter den Eingeladenen meistens eben doch die besser Gebildeten. Deshalb setzt man jetzt auf eine geschichtete Zufallsauswahl: Man l\u00e4dt eine gro\u00dfe Gruppe zufallsbasiert ein und bittet diejenigen, die bereit sind teilzunehmen, um Informationen zu Alter, Bildung usw. Auf der Basis dieser Informationen stellt man dann eine Gruppe zusammen, die ein Abbild der Bev\u00f6lkerung ist.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><em><strong>Manche halten auch Quoten f\u00fcr Minderheiten f\u00fcr sinnvoll. Ist das bei einer repr\u00e4sentativen Abbildung der Gesellschaft \u00fcberhaupt n\u00f6tig?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das ist schon eine gute Idee, zum Beispiel wenn Minderheiten bei einem spezifischen Thema eine Rolle spielen, macht eine Reservierung von Pl\u00e4tzen f\u00fcr diese Gruppe sehr viel Sinn. Oder wenn eine wichtige Minderheit sehr klein ist und bei einer Zufallsauswahl keine Chance h\u00e4tte. In British Columbia hat man zum Beispiel bei Citizens&#8216; Assembly on Electoral Reform zwei Pl\u00e4tze f\u00fcr einen Mann und eine Frau aus der indigenen Bev\u00f6lkerung reserviert.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><em><strong>In einem B\u00fcrgerrat treffen sich Menschen, die sich normalerweise kaum begegnen w\u00fcrden. Wie ist daf\u00fcr gesorgt, dass sich beim Gespr\u00e4ch nicht nur alle ihre Meinungen an den Kopf werfen?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>B\u00fcrgerr\u00e4te bestehen immer aus drei Phasen. In der ersten Phase gibt es neutrale Informationen von Experten aus verschiedenen Perspektiven. Diese Informationsphase ist ganz zentral. Sonst hat man nur einen Stammtisch.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann gibt es die Deliberationsphase. Da braucht man Moderatoren, die darauf achten, dass die Kommunikation respektvoll ist, dass man sich gegenseitig zuh\u00f6rt und keine Person dominiert. So kommt jemand erst dann ein zweites Mal zu Wort, wenn alle anderen etwas gesagt haben. Diese Phase findet in Kleingruppen statt. Diese Prozesse habe ich nun schon \u00f6fter erlebt, und ich muss sagen, dass sie immer erstaunlich gut funktionieren. Man kann dabei zusehen, wie manche anfangs irritiert sind und dann ihre Meinungen im Laufe der Prozesse \u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p>In der dritten Phase werden Empfehlungen zusammengestellt und an die Politik \u00fcbergeben.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><em><strong>Hassreden kommen also nicht vor?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Nein, ein Face to face-Austausch ist ein anderer Austausch als im Netz. Wenn man ein Gegen\u00fcber hat, einen Moderator und eine Gruppe um sich herum, dann ist der Austausch tats\u00e4chlich ein anderer.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><em><strong>Die Moderatorin, der Moderator ist sicher auch zentral \u2026<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ja, es braucht einen Moderator, der gut geschult ist, und darauf achtet, dass die Kommunikation respektvoll und inklusiv ist.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong><em>Wenn wir nun \u00fcber den B\u00fcrgerrat hinausschauen: Wie kann es sein, dass die Bev\u00f6lkerung von seiner Arbeit profitiert<\/em>?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Einfluss von B\u00fcrgerr\u00e4ten ist gerade ein ganz gro\u00dfes Thema in der Forschung. Da gibt es verschiedene Ideen: Man k\u00f6nnte erstens im Sinne die \u00f6ffentliche Meinungsbildung die Empfehlungen eines B\u00fcrgerrats breit streuen. Dazu braucht es nat\u00fcrlich die Medien. Der zweite Punkt ist der Einfluss des B\u00fcrgerrats auf die Politik. Wir kennen das von lokalen B\u00fcrgerbeteiligungen. Erst gibt es einen B\u00fcrgerrat, und dann sagt die Politik, das interessiert uns weiter nicht, was eine gro\u00dfe Frustration zur Folge hat. Es ist also wichtig, dass ein Parlament darauf achtet, was im B\u00fcrgerrat diskutiert wird, es dann aufgreift oder eben gute Gr\u00fcnde nennt, wenn Vorschl\u00e4ge nicht umgesetzt werden.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><em><strong>Am besten w\u00e4re also, B\u00fcrgerr\u00e4te f\u00e4nden regelm\u00e4\u00dfig statt, sie w\u00e4ren institutionell verankert.<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt dazu gerade ein Experiment in Belgien: Das ostbelgische Parlament hat einen st\u00e4ndigen B\u00fcrgerrat institutionell an das Parlament gekoppelt, der zu bestimmten Themen ad hoc andere B\u00fcrgerr\u00e4te organisiert. Das finde ich ganz wunderbar.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><em><strong>Ist in einem B\u00fcrgerrat eigentlich alles verhandelbar?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Alle Themen, die in der Bev\u00f6lkerung eine gro\u00dfe Rolle spielen, sind daf\u00fcr geeignet. Man kann B\u00fcrgerr\u00e4te auch daf\u00fcr nutzen, Agendasetting zu machen, also Themen vorzuschlagen, die von der Politik nicht selbst aufgenommen werden. Man k\u00f6nnte sich aber auch vorstellen, dass ein institutionalisierter B\u00fcrgerrat \u00fcber Gesetzesvorschl\u00e4ge spricht, die im Parlament gerade in Arbeit sind.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><em><strong>Gibt es Themen, die nicht verhandelbar sind?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Verfassung steht \u00fcber allem. Das ist ganz wichtig. Bestimmte Themen, z.B. Todesstrafe, sind schlichtweg nicht verfassungskonform und damit kein Thema f\u00fcr einen B\u00fcrgerrat.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><em><strong>Vor dem Hintergrund der Erfahrung antidemokratischer Tendenzen: Reicht das Instrument der B\u00fcrgerr\u00e4te aus, um die parlamentarische Demokratie zu st\u00e4rken?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin ein gro\u00dfer Fan davon, B\u00fcrgerr\u00e4te mit Volksentscheiden zu kombinieren. Die Vorstellung, dass Volksentscheide mit dieser anekdotischen Evidenz vom Brexit immer zu Katastrophen f\u00fchren, ist einfach nicht wahr. Ich glaube, man muss wie in Irland und in Kanada beides kombinieren. Allerdings bin ich daf\u00fcr, Volksentscheide nur mit einem ganz langen Vorlauf und unterst\u00fctzt durch viele B\u00fcrgerr\u00e4te auf allen Ebenen durchzuf\u00fchren. Unsere Demokratie muss durch diese Art von Deliberation gekoppelt mit Volksentscheiden gest\u00e4rkt und unterf\u00fcttert werden. Wir brauchen mehr Teilhabe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-background\" style=\"background-color:#eeeeee\">Der \u201eB\u00fcrgerrat\u201c, den der \u00c4ltestenrat des Deutschen Bundestags beauftragt hat, soll ein Gutachten zur Rolle Deutschlands in der Welt erarbeiten. 160 per Los gew\u00e4hlte B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger sind damit befasst. Am 19. M\u00e4rz ist Abgabetermin.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><em><strong>Sie gehen ja sogar noch weiter und stellen sich ein gelostes Parlament vor.<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das ist nat\u00fcrlich eine Vision, die es in dieser Form nirgends gibt. Aber wenn man sich das alte Griechenland anschaut, sieht man, dass das Losverfahren dort ganz selbstverst\u00e4ndlich war. Man fand es besser als Wahlen. Nat\u00fcrlich brauchen wir immer auch ein gew\u00e4hltes Parlament, aber ein gelostes zweites Parlament w\u00fcrde dem gew\u00e4hlten Parlament eine weitere Stimme der normalen B\u00fcrger zur Seite stellen. Ich bin mir bewusst, dass ein gelostes Parlament nicht ganz unproblematisch ist: Man m\u00fcsste ungeeignete Mitglieder leicht wieder abw\u00e4hlen k\u00f6nnen, auch br\u00e4uchten alle gelosten Parlamentarier viel Unterst\u00fctzung. Aber ich finde, die Idee hat eine gewisse Attraktivit\u00e4t. Man soll sich Visionen nicht verschlie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><em><strong>Machen Sie sich Sorgen um die Demokratie?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Nein, es ist doch jetzt schon sehr viel in Bewegung. Ich denke, dass sich die Parteien-Demokratie, wie wir sie heute kennen, ver\u00e4ndern wird.&nbsp; Die sogenannten Volksparteien haben zusammen gerade mal knapp 50 Prozent der Bev\u00f6lkerung hinter sich. Neue Parteien entstehen und vergehen. Da geht gerade ein unglaublicher Ver\u00e4nderungsprozess vonstatten. All das verweist darauf, dass wir \u00fcber neue Formen von Demokratien nachdenken m\u00fcssen. Wir w\u00e4hlen alle vier Jahr und das war\u2018s &#8211; das funktioniert nicht mehr. Ver\u00e4nderungen werden der repr\u00e4sentativen Demokratie guttun. Da stimme ich Sch\u00e4uble zu, dass Demokratien sich ver\u00e4ndern m\u00fcssen, um stabil zu bleiben.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><em><strong>Man kann aber den Eindruck bekommen, dass sich viele \u00fcberfordert f\u00fchlen.<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Meine Erfahrung ist: Jeder Mensch hat das Bed\u00fcrfnis, seine Umwelt in gewisser Weise mitzugestalten. Menschen sagen mir, Politik interessiert mich null, und dann erkl\u00e4ren sie mir gleich danach ihre Meinung zum Thema Tierschutz oder Tempolimit. Um diesen demokratischen Spirit wieder zu erwecken, haben wir an der Forschungsstelle \u201eDemokratische Innovationen\u201c, vor allem Jonathan Rinne, ein neues Verfahren entwickelt. Es geht um multiple Themenwahl. Dabei stehen mehrere Themen zur Abstimmung. Zu jedem Thema kann es drei oder vier verschiedene Optionen geben. Zum Beispiel: Beim Thema Tempolimit k\u00f6nnten folgende Optionen zur Wahl stehen &#8211; kein Tempolimit, 120 Km\/h oder 140 km\/h. Die W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hlen erhalten eine bestimmte Anzahl an Stimmen, z.B. 20, und geben jedem Thema bis zu drei Stimmen. So k\u00f6nnten W\u00e4hler Themen priorisieren und so zeigen, was ihnen wichtig ist und was nicht. Der Vorteil der multiplen Themenwahl ist, dass die W\u00e4hler nicht nur bei einem Thema Ja oder Nein w\u00e4hlen, sondern eine Vielzahl an Themen und Optionen priorisieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben das in einer Kleinstadt einmal durchgespielt. Die Parteien waren unglaublich an dem interessiert, was die Bev\u00f6lkerung gew\u00e4hlt hat. Denn sie wissen dann, was der Bev\u00f6lkerung wirklich wichtig ist und welche Optionen eine Mehrheit haben.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><em><strong>Wenn man diese multiple Themenwahl regelm\u00e4\u00dfig durchf\u00fchren w\u00fcrde, k\u00f6nnte man sich auch die Volksentscheide sparen.<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Genau. Wenn die Politik das wirklich aufnehmen und umsetzen w\u00fcrde und sich auch dazu verhielte, dann br\u00e4uchte man vielleicht auch keine Volksentscheide. Man k\u00f6nnte die Themenwahl zum Beispiel auf Lokal-, Landes- und Bundesebene mit den Parlamentswahlen koppeln. Denn es gibt ja auf allen Ebenen Themen, zu denen die Bev\u00f6lkerung sich \u00e4u\u00dfern wollte. Dies m\u00fcsste nat\u00fcrlich von den Medien begleitet werden, damit auch jeder gut genug informiert ist. Wir haben in unserem Projekt den W\u00e4hlern zum Beispiel umfangreiche Informationen mitgegeben. Ebenso k\u00f6nnten sie informiert werden, ob die gew\u00e4hlten Optionen Kosten einsparten oder zus\u00e4tzlich verursachten. So wird den B\u00fcrgern deutlich, was mit ihrer Wahl einhergeht.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><em><strong>Noch einmal zum gerade arbeitenden B\u00fcrgerrat: Sehen Sie in ihm einen wesentlichen Schritt in die richtige Richtung?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn der B\u00fcrgerrat gut gemacht ist \u2013 wenn also all das stattfindet: Zufallsauswahl, Information, Moderation, Hineinstrahlen in die Bev\u00f6lkerung, Auswirkung auf die Politik \u2013 dann ja. Wenn man den B\u00fcrgerrat aber durchf\u00fchrt, ohne in ihn zu investieren, dann nicht. Denn lieber keine Beteiligung als eine schlecht gemachte. Aber ich verfolge den B\u00fcrgerrat nat\u00fcrlich, das wird ganz spannend.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><em>Questions: Pia Barth<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor zwei Jahren begleitete die Politikwissenschaftlerin Brigitte Gei\u00dfel mit ihrem Team das Modellprojekt eines B\u00fcrgerrats, der vom Verein \u201eMehr Demokratie\u201c angesto\u00dfen worden war. 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