{"id":50119,"date":"2021-04-01T11:25:52","date_gmt":"2021-04-01T09:25:52","guid":{"rendered":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=50119"},"modified":"2021-04-01T11:25:53","modified_gmt":"2021-04-01T09:25:53","slug":"die-impfformel-schnelles-impfen-koennte-lockdown-auch-bei-leicht-steigenden-inzidenzen-vermeiden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/forschung\/die-impfformel-schnelles-impfen-koennte-lockdown-auch-bei-leicht-steigenden-inzidenzen-vermeiden\/","title":{"rendered":"Die Impfformel: Schnelles Impfen k\u00f6nnte Lockdown auch bei leicht steigenden Inzidenzen vermeiden"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/beitragsbild_impfgeschwidnigkeit.jpg\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/beitragsbild_impfgeschwidnigkeit.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-50115\" width=\"650\" height=\"450\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/beitragsbild_impfgeschwidnigkeit.jpg 650w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/beitragsbild_impfgeschwidnigkeit-300x208.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a><figcaption>Das Impfen der \u00e4ltesten 25 Prozent der Bev\u00f6lkerung kann 95 Prozent der Todesf\u00e4lle verhindern.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Trotz steigender Infektionszahlen w\u00e4re es m\u00f6glich, auf Kontaktbeschr\u00e4nkungen zu verzichten, wenn die Impfrate hoch genug w\u00e4re. Prof. Claudius Gros von der Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt und Dr. Daniel Gros vom Center for European Policies Studies in Br\u00fcssel haben eine einfache mathematische Formel entwickelt, nach der sich absch\u00e4tzen l\u00e4sst, bei welcher Impfgeschwindigkeit die Pandemie auch ohne Lockdown beherrschbar bliebe und weder das Gesundheitssystem \u00fcberlastet w\u00e4re noch die Todesraten nach oben schie\u00dfen w\u00fcrden. Die Studie wird am 8. April 2021 in der Online-Publikation Covid Economics erscheinen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nach wie vor sind durch die Pandemie in erster Linie \u00e4ltere Menschen betroffen: Wenn sich jeder in der Bev\u00f6lkerung mit SARS-CoV-2 infizieren w\u00fcrde, w\u00fcrden in Deutschland statistisch gesehen 1,5 Millionen der Menschen \u00fcber 60 sterben, von den Unter-60-J\u00e4hrigen w\u00e4ren es \u201enur\u201c 75.000. Daher setzen Impfstrategien \u2013 abgesehen von bestimmten besonders exponierten Bev\u00f6lkerungsgruppen \u2013 h\u00e4ufig bei den \u00e4lteren Menschen an mit dem Ziel, eine \u00dcberlastung des Gesundheitssystems durch schwere COVID-19-Verl\u00e4ufe und hohe Todeszahlen zu vermeiden. Denn das Impfen von nur einem Viertel der Bev\u00f6lkerung kann 95 Prozent der Todesf\u00e4lle verhindern.<\/p>\n\n\n\n<p>Prof. Claudius Gros vom Institut f\u00fcr Theoretische Physik der Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt und Dr. Daniel Gros vom Center for European Policies Studies (CEPS) haben bei der Entwicklung ihrer Impfformel daher den \u00e4lteren Teil der Bev\u00f6lkerung in den Blick genommen. Denn die COVID-19-Todeszahlen werden von drei Faktoren bestimmt. Der Infektionsrate, der Abh\u00e4ngigkeit der Sterberate vom Alter, sowie von der Struktur der Alterspyramide. Deutschland ist daher, wie fast alle L\u00e4nder Europas, besonders anf\u00e4llig f\u00fcr die dritte Welle: Das Durchschnittsalter der Bev\u00f6lkerung ist hoch, die neue Mutante ist hochinfekti\u00f6s, die Impfgeschwindigkeit hingegen nimmt nur langsam zu. Um die Pandemiefolgen beherrschbar zu halten, m\u00fcssen daher umfangreiche Kontaktbeschr\u00e4nkungen die Infektionsrate niedrig halten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ab welchem Punkt gelockert werden kann, l\u00e4sst sich den beiden Wissenschaftlern aus Frankfurt und Br\u00fcssel zufolge mit einer Faustformel bestimmen: Sie setzt die w\u00f6chentliche Zunahme der Infektionszahlen in Relation zur Steigerung der pro Woche vorgenommenen Impfungen. Vereinfacht lautet der Zusammenhang: Erkranken x Prozent der Bev\u00f6lkerung mehr pro Woche, m\u00fcssen im selben Zeitraum x*f\/100 Prozent der Bev\u00f6lkerung mehr geimpft werden. Der Faktor f, der am Anfang der Impfkampagne f=2 war, steigt, wenn schon ein Teil der Bev\u00f6lkerung vollst\u00e4ndig geimpft wurde. Derzeit haben wir f=6. Das hei\u00dft, wenn die Inzidenz um x=20 Prozent pro Woche steigt, m\u00fcssten 20*6\/100=1,2 % der Bev\u00f6lkerung zus\u00e4tzlich (vollst\u00e4ndig) geimpft werden. Diese gilt f\u00fcr die Impfdosen, die nach Alter verabreicht werden. Dabei ist zu ber\u00fccksichtigen, dass zwei Impfdosen f\u00fcr eine vollst\u00e4ndige Immunisierung notwendig sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Dr. Daniel Gros erl\u00e4utert: \u201eDa diese Impfgeschwindigkeit derzeit verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig gering ist, d\u00fcrfte nach unseren Berechnungen die 7-Tagesinzidenz pro Woche nicht mehr als 13 bis 16 Prozent ansteigen, damit die Todesraten gering bleiben und das Gesundheitssystem nicht \u00fcberlastet wird. Im Laufe der vergangenen Woche allerdings stiegen die Infektionszahlen um 25 Prozent, damit sind umfangreiche Kontaktbeschr\u00e4nkungen unausweichlich, und aggressive Mutanten haben mehr M\u00f6glichkeiten, sich auszubreiten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Prof. Claudius Gros meint: \u201eDie von uns entwickelte Formel erlaubt eine einfache und schnelle Absch\u00e4tzung, die zeigt, wie schnell wir impfen m\u00fcssten, um die Folgen der Pandemie f\u00fcr das Gesundheitswesen beherrschbar zu halten. Wir haben es leider vers\u00e4umt, zum Beispiel durch h\u00f6here Preise f\u00fcr fr\u00fch hergestellte Impfdosen Anreize f\u00fcr die Pharmaunternehmen zu setzen, ihre Produktion rasch zu steigern, was immer sehr kosten- und ressourcenintensiv ist. Daher haben sich die Unternehmen, wie wir in einer fr\u00fcheren Arbeit vorhergesagt haben, f\u00fcr eine lineare Produktionssteigerung entschieden. Aus unternehmerischer Sicht ist das kosteneffektiv, aber es f\u00fchrt dazu, dass wir nicht schnell genug \u00fcber ausreichend Impfstoff verf\u00fcgen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-background\" style=\"background-color:#eeeeee\"><strong>Publikation: <\/strong>Claudius Gros und Daniel Gros, \u201eHow fast must vaccination campaigns proceed in order to beat rising Covid-19 infection numbers?\u201c in: Covid Economic, in press. <a href=\"https:\/\/arxiv.org\/abs\/2103.15544\">https:\/\/arxiv.org\/abs\/2103.15544<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Trotz steigender Infektionszahlen w\u00e4re es m\u00f6glich, auf Kontaktbeschr\u00e4nkungen zu verzichten, wenn die Impfrate hoch genug w\u00e4re. 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