{"id":51063,"date":"2021-05-28T11:32:47","date_gmt":"2021-05-28T09:32:47","guid":{"rendered":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=51063"},"modified":"2022-04-10T14:54:32","modified_gmt":"2022-04-10T12:54:32","slug":"wenn-eminenz-wichtiger-als-evidenz-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/gesellschaft\/wenn-eminenz-wichtiger-als-evidenz-ist\/","title":{"rendered":"Wenn Eminenz wichtiger als Evidenz ist"},"content":{"rendered":"<h3 class=\"wp-block-heading\">Der diesj\u00e4hrige Goethe-Medienpreis geht an drei SZ-Journalisten, die den spektakul\u00e4ren Fall eines fehlerhaften Papers im Bereich der Hirnforschung aufgekl\u00e4rt haben.<\/h3>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><a href=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Beitragsbild_UR-3.21_Goethe-Medienpreis.jpg\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"650\" height=\"450\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Beitragsbild_UR-3.21_Goethe-Medienpreis.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-51064\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Beitragsbild_UR-3.21_Goethe-Medienpreis.jpg 650w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Beitragsbild_UR-3.21_Goethe-Medienpreis-300x208.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a><figcaption>Patrick Illinger (l.) und Till Krause. Fotos: privat<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Die drei Journalisten Patrick Bauer, Patrick Illinger und Till Krause sind f\u00fcr das S\u00fcddeutsche Zeitung Magazin in einer tiefsch\u00fcrfenden Recherche dem Fall des T\u00fcbinger Professors Niels Birbaumer nachgegangen, der behauptete, die Gedanken von unheilbar an der Nervenkrankheit ALS leidenden Patienten entschl\u00fcsseln zu k\u00f6nnen. Dabei traten jedoch immer gr\u00f6\u00dfer werdende Unstimmigkeiten zwischen Datenlage und \u00f6ffentlichen Erfolgsmeldungen auf. Insbesondere die Daten, auf denen die vermeintlichen Forschungsergebnisse basierten, konnten bei Nachpr\u00fcfungen von anderen Experten nicht nachvollzogen werden. Die Jury des Goethe-Medienpreises erkannte dieser auch journalistisch herausragend umgesetzten Arbeit den 1. Preis zu. Mit zwei Journalisten des Teams, mit Dr. Till Krause und Dr. Patrick Illinger, konnte der UniReport vor der Preisverleihung sprechen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong><em>UniReport: Herr Krause, Herr Illinger, welche Reaktionen haben Sie auf Ihren Artikel hin erhalten, kamen auch welche aus der Wissenschaft?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Till Krause: <\/em>Wir haben sehr viel positive Reaktionen bekommen. Gelobt wurde vor allem, dass wir uns in ein Thema so tief haben einarbeiten k\u00f6nnen und die Bedenken eines Whistleblowers ernst genommen haben. Aber auch der Mut des Whistleblowers wurde bewundert, der ja quasi im Alleingang dem Wissenschaftler entgegengetreten ist und somit Schwachstellen im Wissenschaftssystem aufgezeigt hat.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Patrick Illinger: <\/em>Aus der Wissenschafts-Community war sogar Erleichterung dar\u00fcber zu h\u00f6ren, dass jemand endlich dieses Thema, das in der Community bereits geg\u00e4rt hatte, aufgriff. Allerdings entschieden sich mehrere Informanten aus der Wissenschaft, mit denen wir im Rahmen der Recherche zu tun hatten, auch nach der Ver\u00f6ffentlichung anonym zu bleiben. Das hat mich ziemlich entsetzt. Selbst hochrangige Forscher, denen im Prinzip keiner etwas anhaben kann, hatten Angst vor den Konsequenzen. Das hatte uns schon w\u00e4hrend der Recherche irritiert. Leider haben wir gemerkt, dass Wissenschaft auch von Macht und Einfluss abh\u00e4ngt und nicht nur von Daten und Empirie.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong><em>Der von Ihnen recherchierte Fall ist sehr voraussetzungsreich und reicht von der Gehirnforschung bis in die Informatik. Wie kann man als Journalist sich in solche Spezialgebiete einarbeiten?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Krause:<\/em> Die Geschichte nahm ja ihren Anfang, als sich der Informatiker Martin Sp\u00fcler bei mir meldete: \u201eIch habe hier in einem Paper Unregelm\u00e4\u00dfigkeiten festgestellt.\u201c Da ich von Haus aus kein Informatiker bin, konnte ich das nat\u00fcrlich in der Detailtiefe nicht \u00fcberpr\u00fcfen. Bei solchen komplexen Themen bilden wir Teams, die Zeit der gro\u00dfen \u201eEgo-Shooter\u201c ist im investigativen Journalismus gewisserma\u00dfen vorbei. Daher haben Patrick Bauer und ich auch die Kompetenz von Patrick Illinger eingeholt, der damals Leiter der SZ-Wissenschaftsredaktion war.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Illinger:<\/em> Man muss aber klarstellen: Es geht gar nicht darum, dass wir als Journalisten eine wissenschaftliche Publikation abschlie\u00dfend bewerten oder beurteilen. Wir sind nicht Teil des Wissenschaftssystems. Unsere Aufgabe ist es, die richtigen Expert*innen zu finden und zu befragen. Ich k\u00f6nnte zwar anmerken, in einem fr\u00fcheren Leben selbst eine Doktorarbeit in Teilchenphysik geschrieben zu haben, die auf jeder Menge Statistik beruhte, sodass ich Birbaumers Paper verstehen konnte. Aber das ist nicht der Punkt. Es war unsere Aufgabe, Fachleute zu konsultieren, die genau wissen, wie man Daten einer Gehirn-Computer-Schnittstelle (Brain-Computer-Interface) auswertet, um herauszufinden, ob das in diesem Fall gelungen war. Das verneinten die besten Experten des Fachs. Als wir das direkte Gespr\u00e4ch mit Prof. Birbaumer gesucht haben, hat er die fachliche Kritik beiseite gewischt: \u201eDas ist Informatiker-Gepl\u00e4nkel!\u201c Das hat mich erschreckt, denn die Frage, ob aus Hirnsignalen seiner Patienten Ja-Nein-Aussagen ableitbar sind, h\u00e4ngt von nichts anderem ab als der richtigen Datenanalyse. Birbaumer war \u00fcberzeugt, dass es funktioniert, obwohl seine Datenanalyse mangelhaft war. Das ist keine Wissenschaft. Das ist Eminenz statt Evidenz.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Krause: <\/em>Die gleiche Taktik hat Birbaumer dann auch gegen\u00fcber der Untersuchungskommission seiner Universit\u00e4t angewendet, die den Vorw\u00fcrfen nachgegangen ist und zu einem \u00e4hnlichen Ergebnis kam wie sp\u00e4ter auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft. Es war seine Delegitimationsstrategie zu behaupten, dass eine solche Kommission nicht mit den Leuten auf seiner Flugh\u00f6he besetzt sei. Daran kann man auch sein Selbstverst\u00e4ndnis ablesen: Nur er kann es verstehen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong><em>Die in Ihrem Beitrag erw\u00e4hnte wissenschaftliche Zeitschrift PLOS Biology hat sich in Sachen Transparenz nicht mit Ruhm bekleckert. \u00bbEminenz statt Evidenz\u00ab \u2013 ist das Ihrer Einsch\u00e4tzung nach ein fl\u00e4chendeckendes Problem in der Wissenschaft?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Illinger:<\/em> Die F\u00e4den sind sicherlich an vielen Stellen gerissen, die Fachzeitschrift war eine davon. Nur ein Beispiel: Der Name eines Topwissenschaftlers aus den Niederlanden, der in der Publikation anfangs als \u201eAcademic Editor\u201c genannt worden war, wurde nach dem Aufkommen der Kritik pl\u00f6tzlich ausgetauscht. Ein Fehler, behauptete die Zeitschrift. Sp\u00e4ter wurde auf viele Arten versucht, die Kritik des Informatikers Martin Sp\u00fcler an Birbaumers Paper im Sand verlaufen zu lassen. Selbst als Sp\u00fcler durchsetzen konnte, dass seine Entkr\u00e4ftung ver\u00f6ffentlicht wird, hat die Fachzeitschrift Nebelkerzen gez\u00fcndet und sehr lange gebraucht, um tats\u00e4chlich einen Warnhinweis zu publizieren und letztlich Birbaumers Publikation zur\u00fcckzuziehen. \u00c4hnliches Z\u00f6gern haben wir auch in der Community der BCI(Brain-Computer-Interface)-Experten sowie an der Universit\u00e4t T\u00fcbingen festgestellt: Mehr als ein Rumoren kam anfangs nicht zustande. Bei vielen Beteiligten war die Haltung: Hoffentlich geht es bald vor\u00fcber, an Aufkl\u00e4rung war kaum jemandem gelegen. Man f\u00fcrchtete um den Ruf des Fachgebiets und der Universit\u00e4t. Dass eine vollst\u00e4ndige Aufkl\u00e4rung das Beste f\u00fcr den guten Ruf gewesen w\u00e4re, kam vielen Wissenschaftsfunktion\u00e4ren nicht in den Sinn. \u00dcbrigens h\u00e4tte Birbaumer die ganze Aff\u00e4re vermutlich klanglos beenden k\u00f6nnen, wenn er fr\u00fchzeitig nachgegeben h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Krause: <\/em>Es gab schon l\u00e4nger Diskussionen um die Rechtschaffenheit des Papers, es gab daf\u00fcr auch Belege in Form von Mails, Dokumenten, Gutachten und Gegengutachten \u2013 damit die Sache ins Rollen kam, mussten wohl erst wir auf den Plan treten.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong><em>Das Argument, dass man den falschen Leuten keine Argumente liefern sollte, wird auch in der Corona-Pandemie manchmal vorgebracht. Macht man sich als Journalist dar\u00fcber auch Gedanken, dass man mit einem solchen Artikel das Wissenschaftssystem angreifbar(er) macht?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Illinger: <\/em>Nicht wir Journalisten waren es, die ein fehlerhaftes Paper ver\u00f6ffentlicht haben und dann lautstark in die \u00d6ffentlichkeit unhaltbare Behauptungen aufgestellt haben \u2026 <\/p>\n\n\n\n<p><em>Krause:<\/em> \u2026 und damit auch vielen Patienten und deren Angeh\u00f6rigen falsche Hoffnungen gemacht haben.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Illinger: <\/em>Es war ja sogar ein Ger\u00e4t entwickelt worden, eine Infrarot-Kappe, auf Grundlage der fraglichen Publikation. Damit sollte angeblich die Kommunikation mit Patienten im \u201eCompletely locked in\u201c-Zustand wieder m\u00f6glich sein. Wenn aber v\u00f6llig unbewiesen ist, dass dieses Ger\u00e4t funktioniert, ist es ethisch mehr als fragw\u00fcrdig, damit an Patienten zu gehen. <\/p>\n\n\n\n<p><em>Krause: <\/em>Wir haben uns als Journalisten die Aufgabe gestellt, Licht ins Dunkel zu bringen, Dinge aufzudecken und damit der \u00d6ffentlichkeit und Entscheidungstr\u00e4gern Material an die Hand zu geben, Entscheidungen zu treffen \u2013 das haben sie ja auch getan, sowohl die Universit\u00e4t als auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft haben Birbaumer auch hart sanktioniert.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong><em>Der Informatiker, der die Ungereimtheiten in der Studie aufgedeckt hat, hat davon ja nicht profitiert, eher im Gegenteil.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Krause:<\/em> Die Rolle von Whistleblowern sollte man nicht untersch\u00e4tzen. Ohne Martin Sp\u00fcler h\u00e4tten wir die Geschichte so nicht machen k\u00f6nnen. Wenn jemand solche Missst\u00e4nde bekannt machen m\u00f6chte, aber intern in seiner Institution keinen R\u00fcckhalt erf\u00e4hrt, sollte er sich vertrauensvoll an Journalisten wenden. Wir arbeiten sehr sorgf\u00e4ltig, was den Quellenschutz und die digitale Sicherheit von Informanten angeht. Ohne Whistleblower ist eine solche investigative Recherche kaum m\u00f6glich. Aber es stimmt: Sp\u00fcler hat seine Karriere riskiert, um der Wahrheit Gen\u00fcge zu tun.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong><em>Professor Niels Birbaumer scheint ein charismatischer Wissenschaftler zu sein \u2013 muss die \u00d6ffentlichkeit aufpassen, die Wirkung einer Person nicht zu \u00fcbersch\u00e4tzen? Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie sind viele Wissenschaftler in den Medien pr\u00e4sent, einige erreichen auch durch eine medientaugliche Ausstrahlung eine gro\u00dfe \u00d6ffentlichkeit.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Illinger: <\/em>Letztendlich sollte es nicht darum gehen, was ein Wissenschaftler f\u00fcr eine Ausstrahlung hat, sondern darum, was seine Daten, seine Theorien taugen, wie handfest seine Experimente und seine Expertise sind. Es h\u00e4tte sich in der Corona-Pandemie auch ergeben k\u00f6nnen, dass der beste Virologe ein medial total unbegabter Mensch ist. Auch dann h\u00e4tte man auf seinen Rat h\u00f6ren sollen. Man muss denjenigen Virologen befragen, der zu Corona-Viren forscht und nicht unbedingt den, der sich eher mit AIDS-Viren auskennt. F\u00fcr unsere Recherche haben wir daher Ansprechpartner gesucht, die sich genau auf dem Gebiet der statistischen Analyse von BCI-Daten (Brain-Computer-Interface) auskennen. Ein x-beliebiger Neurologe oder Hirnforscher h\u00e4tte uns nicht gereicht. <\/p>\n\n\n\n<p><em>Krause:<\/em> Ich glaube, dass charismatisches Auftreten sicherlich in allen beruflichen Bereichen irgendwie hilft, aber es sollte nicht das Prinzip sein, nach dem man Leistung beurteilt. Wenn beides vorhanden ist \u2013 umso besser. Nat\u00fcrlich ist es f\u00fcr uns Journalisten auch gut, wenn jemand versteht, wie Medien funktionieren und komplexe Themen herunterbrechen kann auf eine allgemeine Verst\u00e4ndlichkeit. Birbaumer kann sicherlich gut wissenschaftliche Erkenntnisse vermitteln, aber das fragliche Paper basierte nun mal auf einer falschen Auslegung von Daten.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Illinger:<\/em> Wir hatten bei Professor Birbaumer auch den Eindruck, dass er sich gar nicht vorstellen konnte, dass ein Journalist ihn jemals kritisch sehen k\u00f6nnte. Er ist jahrelang hofiert worden, von Kollegen und der \u00d6ffentlichkeit. F\u00fcr vieles zurecht. Aber das macht etwas mit Menschen. \u00dcbrigens gibt es weiterhin Kolleginnen und Kollegen, die sich um ihn scharen, Faktenlage hin oder her. Personenkult und Seilschaften gibt es nicht nur in der Politik.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong><em>Zum Schluss eine ganz allgemeine Frage: Vor welchen Herausforderungen stehen der Wissenschaftsjournalismus und die Wissenschaftskommunikation?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Illinger:<\/em> Der Wissenschaftsjournalismus wird leider oft mit der reinen \u00dcbersetzung wissenschaftlicher Sachverhalte verwechselt. Der Journalist ist f\u00fcr viele der, der einfach in sch\u00f6nen Worten erkl\u00e4rt, was erforscht wurde. Das mag auch in vielen F\u00e4llen seine Berechtigung haben. Es f\u00fchrt interessanterweise auch dazu, dass Wissenschaftler, die gut kommunizieren k\u00f6nnen, mitunter als Wissenschaftsjournalisten engagiert werden, zum Beispiel im Fernsehen. Von solchen reinen Welterkl\u00e4rern werden sie aber kaum je eine Enth\u00fcllung h\u00f6ren, eine Aufdeckung von Fehlverhalten im akademischen Betrieb. Daf\u00fcr brauchen Sie investigativ arbeitende Journalisten. Hier konnte ich von Till Krause und Patrick Bauer viel lernen. <\/p>\n\n\n\n<p><em>Krause:<\/em> Ein Beispiel daf\u00fcr, wie Missst\u00e4nde aufgedeckt und zu einer nachhaltigen \u00c4nderung f\u00fchren, war der Fall der sogenannten Raubjournale. Zu dem Thema hat ein gro\u00dfer Rechercheverbund gearbeitet, an dem ich auch beteiligt war. Diese Raubverlage laden Wissenschaftler ein, ihre Publikationsliste aufzujazzen mit Nonsense-Ver\u00f6ffentlichungen. Das ist wirklich ein betr\u00fcgerisches System. In dem Rahmen hatten wir auch viel mit Hochschulpressestellen zu tun. Bei manchen Pressestellen traf man zuerst auf eine eher abwehrende Haltung. Von vielen kam dann aber nach der Pr\u00fcfung der F\u00e4lle eine positive R\u00fcckmeldung: Das sei wirklich ein Problem, da habe man in der Vergangenheit nicht intensiv genug darauf geachtet. Mittlerweile werden an Hochschulen dazu Seminare angeboten, um Studierende und Nachwuchswissenschaftler daf\u00fcr zu sensibilisieren. Kommissionen schauen bei Berufungsverfahren noch viel genauer hin. Seitdem ist auch die Ver\u00f6ffentlichung in solchen Raubjournalen gesunken. So gesehen hat der investigative Journalismus hier auch in Zusammenarbeit mit universit\u00e4ren Kommunikatoren einiges bewirkt.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><em>Questions: Dirk Frank<\/em><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Beitragsbild_Goethe-Medienpreis2020.jpeg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Beitragsbild_Goethe-Medienpreis2020.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-45667\" width=\"195\" height=\"135\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Beitragsbild_Goethe-Medienpreis2020.jpeg 650w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Beitragsbild_Goethe-Medienpreis2020-300x208.jpeg 300w\" sizes=\"(max-width: 195px) 100vw, 195px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-background\" style=\"background-color:#eeeeee\"><strong>Goethe-Medienpreis pr\u00e4miert journalistische \u00bbGrenzf\u00e4lle\u00ab<br><\/strong><br>Drei \u00bbGrenzf\u00e4lle\u00ab stehen im Fokus der Verleihung des diesj\u00e4hrigen Goethe-Medienpreises f\u00fcr wissenschafts- und hochschulpolitischen Journalismus an drei herausragende Autorenteams bzw. Einzelautoren renommierter Medien. Pr\u00e4miert werden drei Arbeiten, die 2019 und 2020 im SZ-Magazin der S\u00fcddeutschen Zeitung, der Wochenzeitung DIE ZEIT sowie im Norddeutschen Rundfunk publiziert wurden. <br><br>Der <strong>1. Preis<\/strong> geht an <strong>Patrick Bauer, Patrick Illinger und Till Krause<\/strong> von der S\u00fcddeutschen Zeitung f\u00fcr ihre Arbeit \u00bbWunschdenken\u00ab, erschienen am 11. April 2019 im SZ-Magazin. Der Preis ist mit 4000 Euro dotiert. Der mit 1800 Euro dotierte <strong>2. Preis<\/strong> geht an die Journalistinnen <strong>Nele R\u00f6\u00dfler und Maja Bahtijarevic<\/strong>: Sie beschreiben den drastisch steigenden Einfluss sogenannter \u00bbModellierungen \u00ab auf politische Entscheidungsprozesse, was \u00f6ffentlich bisher kaum bekannt ist; sie bringen nach einem aufwendigen Rechercheprozess in ihrem Podcast (\u00bbModellierungen \u2013 Nerdwissen im Fokus\u00ab, gesendet am 22. Mai 2020 im NDR) Licht ins Dunkel dieses Grenzgebiets zwischen digitalem Hintergrundwissen und politischen Entscheidungsstrukturen. Die mit 1000 Euro dotierte <strong>3. Preistr\u00e4gerarbeit <\/strong>von <strong>Martina Keller <\/strong>(\u00bbTod wider Willen\u00ab, erschienen am 10. Juni 2020 in DIE ZEIT), f\u00fchrt die Leserinnen und Leser in das Grenzgebiet zwischen Leben und Tod \u2013 in diesem Fall in das ambivalente Gebiet der Sterbehilfe in den Niederlanden. <br><br>Der <strong>\u00bbGoethe-Medienpreis f\u00fcr wissenschafts- und hochschulpolitischen Journalismus\u00ab<\/strong>, den die Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt am Main, gef\u00f6rdert von der FAZIT-Stiftung und dem Deutschen Hochschulverband, in zweij\u00e4hrigem Turnus ausschreibt, pr\u00e4miert herausragende Beitr\u00e4ge auf dem Gebiet eines hochschul- und wissenschaftspolitischen Journalismus: Fundierte Analyse, Hintergr\u00fcnde, verst\u00e4ndliche und stilistisch herausragende Darstellung sind die wichtigsten Kriterien f\u00fcr die Vergabe des Preises. Die Auswahl nimmt eine unabh\u00e4ngige, mit f\u00fchrenden K\u00f6pfen aus Journalismus und Wissenschaft besetzte Jury vor. Der Goethe-Medienpreis wird am<strong> 31. Mai 2021<\/strong> im Rahmen der <strong>\u00bbGala der Deutschen Wissenschaft\u00ab<\/strong> des DHV verliehen. Die Gala, die ausschlie\u00dflich online stattfinden wird, wird gestreamt. <a href=\"http:\/\/www.hochschulverband.de\/gala\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">www.hochschulverband.de\/gala<\/a><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Dieser Beitrag ist in der&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.unireport.info\/101712692.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Ausgabe 3\/2021&nbsp;(PDF)<\/a> des UniReport&nbsp;erschienen.<\/strong><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der diesj\u00e4hrige Goethe-Medienpreis geht an drei SZ-Journalisten, die den spektakul\u00e4ren Fall eines fehlerhaften Papers im Bereich der Hirnforschung aufgekl\u00e4rt haben. 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