{"id":51660,"date":"2021-07-05T13:19:43","date_gmt":"2021-07-05T11:19:43","guid":{"rendered":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=51660"},"modified":"2022-04-10T14:49:04","modified_gmt":"2022-04-10T12:49:04","slug":"50-band-der-reihe-herders-bibliothek-der-philosophie-des-mittelalters-erschienen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/forschung\/50-band-der-reihe-herders-bibliothek-der-philosophie-des-mittelalters-erschienen\/","title":{"rendered":"50. Band der Reihe \u201eHerders Bibliothek der Philosophie des Mittelalters\u201c erschienen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Matthias Lutz-Bachmann, Professor f\u00fcr Philosophie an der Goethe-Universit\u00e4t und Mitherausgeber der Reihe, \u00fcber die Bedeutung von Mehrsprachigkeit, den wichtigen kulturellen Austausch zwischen Orient und Okzidenz und die Philosophie Aristoteles\u2018, die im Zentrum des 50. Bandes steht.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong><em>UniReport: Herr Professor Lutz-Bachmann, 50 B\u00e4nde sind eine gewaltige Zahl. Ganz pers\u00f6nlich gefragt: An welchen Band erinnern Sie sich besonders gerne, welches Buch hat Sie gepr\u00e4gt, beeindruckt? Oder andersrum gefragt: K\u00f6nnen Sie Einsteiger*innen eines ans Herz legen?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-rounded\"><figure class=\"alignright size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Bild_UR4.21_Herder-Lutz-Bachmann.jpg\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Bild_UR4.21_Herder-Lutz-Bachmann.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-51669\" width=\"248\" height=\"248\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Bild_UR4.21_Herder-Lutz-Bachmann.jpg 650w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Bild_UR4.21_Herder-Lutz-Bachmann-300x300.jpg 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Bild_UR4.21_Herder-Lutz-Bachmann-150x150.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 248px) 100vw, 248px\" \/><\/a><figcaption>Prof. Matthias Lutz-Bachmann. Foto: Dettmar<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><em>Matthias Lutz-Bachmann: <\/em>Beeindruckt haben mich die Ernsthaftigkeit und Offenheit der \u201eReligionsgespr\u00e4che\u201c von Gilbert Crispin im 11. Jahrhundert, mit denen wir als dem 1. Band unsere gesamte \u201eBibliothek der Philosophie des Mittelalters\u201c im Jahr 2005 er\u00f6ffnet haben; gerne erinnere ich mich an Texte in arabischer oder hebr\u00e4ischer Sprache, die ich ohne die sachkundige \u00dcbersetzung unserer Bibliothek als Philosoph, der in modernen Debatten steht, niemals h\u00e4tte lesen k\u00f6nnen; und pr\u00e4gend beeinflussen k\u00f6nnen mich Texte von Johannes Duns Scotus oder Franciscus de Mayronis, deren lateinische Originalsprache ohne die Hilfe einer deutschen \u00dcbersetzung f\u00fcr uns heutige Leser nicht einfach zu verstehen sind. Einsteiger*innen ans Herz legen kann ich tats\u00e4chlich alle B\u00e4nde unserer Bibliothek; denn alle unsere Textausgaben enthalten Einf\u00fchrungen und Literaturangaben, die zum Eigenstudium, zur eigenst\u00e4ndigen Vertiefung von Einsichten f\u00fchren sollen. In diesem Zusammenhang haben sich in besonderer Weise als hilfreich die \u00dcbersetzungen von ausgew\u00e4hlten Texten des Thomas von Aquin erwiesen; denn unsere Bibliothek weist hier einen besonderen Schwerpunkt in der Kommentarliteratur von Thomas zur antiken Philosophie wie Aristoteles oder Boethius auf, wie jetzt auch wieder am 50. Band sichtbar wird, den ein hervorragender Kenner \u00fcbersetzt hat, n\u00e4mlich Ruedi Imbach.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-background\" style=\"background-color:#eeeeee\">Das Projekt der <strong>&#8222;Bibliothek der Philosophie des Mittelalters&#8220;<\/strong>, angesiedelt am Institut f\u00fcr Philosophie der Goethe-Universit\u00e4t, ist aus dem fr\u00fcheren SFB 435 (&#8222;Wissenskultur und gesellschaftlicher Wandel&#8220;, Sprecher: Johannes Fried, Ko-Sprecher: Moritz Epple und Matthias Lutz-Bachmann) hervorgegangen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong><em>Die Mehrsprachigkeit stellt ja ein besonderes Merkmal der Reihe dar. Haben denn die lateinische, arabische und hebr\u00e4ische Sprache in der vor allem von Anglizismen gepr\u00e4gten modernen Welt noch eine Chance?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gerade in einer Zeit, in der als einzige globale Wissenschaftssprache das Englische \u00fcbriggeblieben ist, ist es notwendig, die wissenschaftlich interessierten Leserinnen und Leser zu der Originalsprache zur\u00fcckzuf\u00fchren; denn jede \u00dcbersetzung nimmt einen Eingriff, eine Ver\u00e4nderung am Originaltext vor. Wenn wir aber korrekt verstehen wollen, was uns die Texte fr\u00fcherer Epochen und Sprachen sagen wollen, dann m\u00fcssen wir \u2013 das ist ein Gebot der Wissenschaft \u2013 zur Originalsprache zur\u00fcckgehen. Und hier setzt unser Programm an: Wir bieten \u00dcbersetzungen und Einf\u00fchrungen, die den heutigen Leserinnen und Lesern den Weg zu einem authentischen Textverstehen wieder er\u00f6ffnen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong><em>Das Denken der Gegenwart ist vielleicht st\u00e4rker als fr\u00fcher davon gepr\u00e4gt, den Blick \u00fcber den Tellerrand zu wagen und sich von westlich zentrierten oder gar eurozentristischen Sichtweisen zu l\u00f6sen. Kann eine solche Reihe auf neue Herausforderungen reagieren und solche Impulse aufnehmen?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Was wir hier als die intellektuelle Welt \u201edes Mittelalters\u201c in Gestalt zentraler Texte als Bibliothek vorlegen, ist alles andere als \u201eeurozentrisch\u201c verengt. Wir machen im Gegenteil Ernst mit dem Plan, die wichtigsten Konzepte von Philosophie und deren Auseinandersetzung mit anderen Wissenschaften vorzustellen, die in der Zeit zwischen dem 8. und 16. Jahrhundert \u201erund um das Mittelmeer\u201c, also auch im heute so genannten Nahen Osten oder Nordafrika vertreten wurden \u2013 und vor allem, was die \u201elateinische Welt\u201c des Westens aus der antiken Philosophie und aus dem lebendigen Austausch mit dem Denken in anderen Traditionen gelernt hat: Das wird daran sichtbar, dass wir in unseren Textausgaben arabische und hebr\u00e4ische Quellen, aber auch jud\u00e4o-arabische oder syrische Texte mit ihren modernen \u00dcbersetzungen in die deutsche Sprache vorlegen. Dies \u00f6ffnet f\u00fcr uns die Horizonte f\u00fcr die Debatten, die beginnend mit der Sp\u00e4tantike in der gesamten Epoche gef\u00fchrt wurden, die wir heute mit dem wissenschaftlich nicht pr\u00e4zisen Behelfsausdruck des \u201eMittelalters\u201c beschreiben. Das Zeitalter des europ\u00e4ischen Kolonialismus beginnt erst nach dem Ende dessen, was wir als das Mittelalter bezeichnen. Lateinische Autoren wie Albert der Gro\u00dfe, Thomas von Aquin oder Wilhelm von Ockham haben stets nur voller Hochachtung die Texte der arabischen Tradition gelesen. Eine wissenschaftliche \u00dcberheblichkeit des Westens gegen\u00fcber \u201edem Rest der Welt\u201c, also der kolonialistische Blick auf die Welt \u201eder Anderen\u201c war ihnen fremd.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong><em>K\u00f6nnen Sie uns noch einen Ausblick geben: Welche Autorinnen und Autoren, welche Themen werden k\u00fcnftig noch im Fokus stehen, wo klaffen noch L\u00fccken?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir setzen noch in diesem Jahr mit weiteren wichtigen B\u00e4nden unsere Bibliothek fort: Band 51 bringt einen Schl\u00fcsseltext von Thomas von Aquin zur Gewissensfreiheit des Menschen, der das Programm eines modernen Freiheitskonzepts vorbereitet. Band 52 bringt mit einem zentralen Text von Bonaventura die Tradition des mittelalterlichen Neuplatonismus zur Sprache, die in unserer \u201eBibliothek der Philosophie des Mittelalters\u201c bisher deutlich zu kurz gekommen ist. Mit Texten von Ibn-Bagga, al-Ghazali und erneut Avicenna legen wir weitere wichtige Beitr\u00e4ge zur arabischen Philosophie und Theologie der Epoche vor, mit Barhadbesabba von Halwan eine wichtige Stimme der vor-arabischen syrischen Philosophie, mit Peter Abaelard einen zentralen Beitrag zur Geschichte der Logik sowie mit John Mair und Philipp den Kanzler wichtige, bisher viel zu wenig beachtete Autoren des lateinischen Sp\u00e4tmittelalters. Das sind unsere Pl\u00e4ne f\u00fcr die n\u00e4chsten B\u00e4nde, die z.T. bereits bald ausgeliefert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong><em>In diesen Tagen erscheint der 50. Band der Reihe. Auch wenn sich das hier wohl kaum in K\u00fcrze beantworten l\u00e4sst: Worin liegt die Bedeutung der Aristotelischen Metaphysik f\u00fcr die abendl\u00e4ndische Philosophie, worin die Kommentare des Thomas von Aquin?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Bild_UR4.21_Herder-Cover.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Bild_UR4.21_Herder-Cover.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-51667\" width=\"202\" height=\"317\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Bild_UR4.21_Herder-Cover.jpg 507w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Bild_UR4.21_Herder-Cover-191x300.jpg 191w\" sizes=\"(max-width: 202px) 100vw, 202px\" \/><\/a><figcaption>Der 50. Band<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Die Philosophie des Platon-Sch\u00fclers und prominenten Platon-Kritikers Aristoteles stellt so etwas wie eine \u201eHochform\u201c philosophischen Denkens dar. Jede Auseinandersetzung mit der Frage, was die Aufgaben der Philosophie als Wissenschaft &#8211; auch und gerade im Gegen\u00fcber zu den anderen theoretischen und praktischen Wissenschaften &#8211; ausmacht, kommt bis zum heutigen Tag nicht an einer Auseinandersetzung mit Aristoteles vorbei. Das macht in der Zeit der Universit\u00e4ten des 13. Jahrhunderts auf seine Weise Thomas von Aquin, der gerade in seinen Aristoteles-Kommentaren stark auf Avicenna und vor allem Averroes zur\u00fcckgreift. Wenn wir diese dynamischen Debatten, die intellektuelle Brisanz und wissenschaftliche Relevanz dieser Texte heute richtig begreifen lernen, dann k\u00f6nnen wir hieraus wichtige Impulse f\u00fcr unsere zeitgen\u00f6ssische Diskussion \u00fcber die Rolle und die Aufgaben der Philosophie in der modernen Welt der Wissenschaften und der Gesellschaft gewinnen \u2013 einer Welt, die kommunikativ immer mehr zusammenw\u00e4chst und in der sich auf bedr\u00e4ngende Weise die Fragen nach Rationalit\u00e4t, Wahrheit und Gerechtigkeit stellen. Aristoteles und auch sein Kritiker Thomas von Aquin stellen uns hier bis heute wichtige Fragen, auf die wir in den Wissenschaften, aber vor allem in der Philosophie versuchen, begr\u00fcndete Antworten zu geben.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><em>Questions: Dirk Frank<\/em><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong><em>Dieser Beitrag ist in der&nbsp;Ausgabe 4\/2021&nbsp;(PDF)&nbsp;des UniReport&nbsp;erschienen.<\/em><\/strong><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Matthias Lutz-Bachmann, Professor f\u00fcr Philosophie an der Goethe-Universit\u00e4t und Mitherausgeber der Reihe, \u00fcber die Bedeutung von Mehrsprachigkeit, den wichtigen kulturellen Austausch zwischen Orient und Okzidenz und die Philosophie Aristoteles\u2018, die [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":51727,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_eb_attr":"","_price":"","_stock":"","_tribe_ticket_header":"","_tribe_default_ticket_provider":"","_ticket_start_date":"","_ticket_end_date":"","_tribe_ticket_show_description":"","_tribe_ticket_show_not_going":false,"_tribe_ticket_use_global_stock":"","_tribe_ticket_global_stock_level":"","_global_stock_mode":"","_global_stock_cap":"","_tribe_rsvp_for_event":"","_tribe_ticket_going_count":"","_tribe_ticket_not_going_count":"","_tribe_tickets_list":"[]","_tribe_ticket_has_attendee_info_fields":false,"footnotes":""},"categories":[3,173],"tags":[25,58,10,197],"post_folder":[],"class_list":["post-51660","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-forschung","category-unireport","tag-interview","tag-philosophie-und-geschichtswissenschaften","tag-unireport","tag-unireport-4-21"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.3 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>50. 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