{"id":54171,"date":"2022-01-04T13:56:59","date_gmt":"2022-01-04T12:56:59","guid":{"rendered":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=54171"},"modified":"2022-04-10T14:35:53","modified_gmt":"2022-04-10T12:35:53","slug":"korea-und-der-rest-der-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/studium\/korea-und-der-rest-der-welt\/","title":{"rendered":"Korea und der Rest der Welt"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-full\"><a href=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/beitragsbild_koreastudien.jpg\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"650\" height=\"450\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/beitragsbild_koreastudien.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-54175\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/beitragsbild_koreastudien.jpg 650w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/beitragsbild_koreastudien-300x208.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a><figcaption>Die koreanische Boygroup BTS in Los Angeles (2019)<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Das Fach Koreastudien geh\u00f6rt zu den sogenannten \u201eKleinen F\u00e4chern\u201c. Doch das Interesse an dem Fach nimmt seit Jahren rasant zu. Ein Grund: Die Popularit\u00e4t der koreanischen Film- und Popkultur.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Das stimmt schon so!\u201c, sagt Studienberaterin Marion Wambold \u2013 bei vielen, die sich f\u00fcr Koreastudien begeisterten, sei das Interesse von K-Pop und K-Drama, von Popbands wie BTS und preisgekr\u00f6nten Filmen wie Parasite und Minari geweckt worden. Die Studentin Jana Schneider, die im 3. Semester die Sprache und Kultur Koreas innerhalb der Empirischen Sprachwissenschaften studiert, f\u00fcgt im Gespr\u00e4ch diesen Stichworten noch weitere hinzu: Als sie sich 2017 durch ihre damalige Arbeit als Visual Merchandiser kurz in Korea aufhielt, sei sie nicht nur von der \u201esuperspannenden\u201c Popul\u00e4rkultur beeindruckt gewesen: Die koreanische K\u00fcche? \u201eDer absolute Wahnsinn.\u201c Koreanische Mode? \u201eEin Vorreiter in der Modewelt.\u201c Mit einem VHS-Koreanisch-Kurs war ihr Interesse noch l\u00e4ngst nicht befriedigt. In den Lockdown-Monaten kam Jana Schneider ins Gr\u00fcbeln, dann fiel die Entscheidung: \u201eIch habe mich getraut, in die Koreastudien einzusteigen. Ich bereue das null.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn es ans B\u00fcffeln des koreanischen Alphabets namens Hangul geht, von Grammatik und Vokabeln, steigen aber dann die popbewegten Erstsemester nicht sp\u00e4testens wieder aus? 30 Prozent des Studiums, erkl\u00e4rt Yonson Ahn, die einzige Professorin in den Koreastudien, nimmt das Sprachenlernen in Anspruch; sp\u00e4ter kommt in dem achtsemestrigen Studium noch durch Hanja-Kurse das Studium der altchinesischen Schriftzeichen hinzu. Wer das Fach im Hauptstudium belegt, muss es als Teilbereich der Empirischen Sprachwissenschaften studieren, also auch hier Kurse belegen. Denn noch k\u00f6nnen die Koreastudien nicht als eigenst\u00e4ndiges Hauptfach gew\u00e4hlt werden. \u201eDas ist dann wirklich ein gro\u00dfes Pensum\u201c, seufzt Jana Schneider, zumal ja noch ein Nebenfach, in ihrem Fall Betriebswissenschaften, hinzukomme. \u201eEigentlich hat man drei F\u00e4cher.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Schwerpunkt: modernes Korea <\/h3>\n\n\n\n<p>Noch einmal gefragt: Steigen die popkulturbewegten Erstsemester also bald wieder aus? Das Gegenteil ist der Fall, berichten Ahn und Wambold. Die Quote derjenigen, die vom Hauptfach zum Nebenfach wechseln wollen, sei weitaus niedriger als umgekehrt: Der Trend gehe zum Hauptfach. Was wohl mehrere Gr\u00fcnde hat: Der Schwerpunkt Sprache und Kultur Koreas an der Goethe-Universit\u00e4t liegt auf dem Modernen Korea, und das von Yonson Ahn gepr\u00e4gte Curriculum holt die Studierenden da ab, wo sie \u2013 zun\u00e4chst \u2013 stehen. Wer unter einem vorgegebenen Thema wie \u201eDie Rolle der Frau im modernen Korea\u201c \u00fcber Frauen im K-Pop schreiben wolle \u2013 nur zu. Die Erfahrung zeig, dass sich das Interesse ohnehin schnell breiter auff\u00e4chert. \u201eSuper \u00fcberrascht\u201c war Jana Schneider etwa, wie spannend die Geschichte des Vormodernen Korea ist \u2013 und wie sich von dort aus noch einmal Ph\u00e4nomene des modernen Korea ganz neu erschlie\u00dfen. Das nimmt auch Professorin Ahn wahr: \u201eAm Anfang steht K-Pop, aber dann steigen die Studierenden interessiert in die Geschichte und Gesellschaft Koreas ein.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die Einf\u00fchrungsvorlesung in die Koreastudien f\u00fcr alle Erstsemester pr\u00e4sentiert im Zeitraffer, was auf die Koreastudierenden zukommt: die Geschichte Koreas, Wirtschaft, Politik, Geografie, Religionen und vieles andere mehr. Tutorin Frauke Behre, die die Einf\u00fchrungsvorlesung mehrfach begleitet hat und derzeit ihre Masterarbeit in Modern Eastern Asien Studies mit einem Koreaschwerpunkt schreibt, bevorzugt den jungen Kommilitoninnen und Kommilitonen gegen\u00fcber eine klare Ansage: \u201eWer sich nur f\u00fcr Popkultur interessiert, dem sage ich, sie oder er sollte besser gehen.\u201c Aufgestanden ist noch niemand.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Faszinierende am Studium sei der \u201eMix\u201c an Themen und Methoden, ist von Studierenden zu h\u00f6ren. \u201eWir k\u00f6nnen gar nicht anders als interdisziplin\u00e4r arbeiten\u201c, nennt Marion Wambold einen der Gr\u00fcnde, wie es zu diesem besonderen Mix kommt. Geschichtswissenschaften, Migrationsforschung, Kulturwissenschaft und Frauenforschung beispielsweise liefern die Theorienund Methodenvielfalt, deren sich die Koreastudien bedienen. Zum anderen wird der Mix vom gro\u00dfen Netzwerk gespeist, das Yonson Ahn gesponnen hat \u2013 und stets weiterentwickelt. Wer anders als die gro\u00dfen Koreainstitute in Berlin, Bochum und T\u00fcbingen, deren Schwerpunkte auf Politikwissenschaft oder dem historischen Koreastudium liegen, \u00fcber wenig Ressourcen verf\u00fcgt, muss mit anderen kooperieren: Den Koreastudien an der Goethe-Universit\u00e4t ist es in diesem Jahr gelungen, vom s\u00fcdkoreanischen Ministerium f\u00fcr Bildung im Rahmen des \u201eCore University Program for Korean Studies\u201c Drittmittel in H\u00f6he von 700 000 Euro zu erhalten; au\u00dfer Frankfurt wurde in Europa nur noch Oxford bedacht. Der Titel des Programms: \u201eCultivating Diversity: The global in Korea, Korea in the global\u201c. Um Synergien zu schaffen und die geringen Ressourcen optimal zu nutzen, arbeitet Professorin Ahn eng mit der Koreanistik unter Professorin Yvonne Schulz Zinda in Hamburg und in Bonn unter der Juniorprofessorin Nadeschka Bachem zusammen. Gemeinsam wollen sie auch hochschul\u00fcbergreifend ein Netzwerk aufspannen, um die Lehre, Nachwuchsf\u00f6rderung, Forschung und \u00d6ffentlichkeitsarbeit weiter auszubauen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Starker Anstieg der Studierendenzahlen <\/h3>\n\n\n\n<p>Schon vor Corona, betont Professorin Ahn, sei es f\u00fcr die Studierenden \u2013 zu 95 Prozent weiblich \u2013 deshalb nichts Besonderes gewesen, digital zu studieren \u2013 und in ein und demselben Seminar etwa eine Referentin aus Hamburg zu begr\u00fc\u00dfen, aus den Vereinigten Staaten und aus Seoul. Transnational, interdisziplin\u00e4r und intersektional \u2013 Hauptsache der qualitative Mix stimmt. Dass das universit\u00e4tenumspannende Netzwerk auch die Personalknappheit abfedert, ist zwar ein positiver Nebeneffekt, l\u00f6st das Problem aber nicht auf Dauer. Die Zahl der Studierenden ist in den vergangenen zehn Jahren von 20 auf 400 Studierende gewachsen. Schon 2008 waren Institute mit Asienbezug anderer hessischer Hochschulen nach Frankfurt verlagert worden, entstand hier das Interdisziplin\u00e4re Zentrum f\u00fcr Ostasienstudien (IZO). Die Zahl der Lehrenden und Forschenden ist mit der Zahl der Studierenden keineswegs ausreichend gewachsen. Heute lehren und forschen zwei Wissenschaftlerinnen und zwei Lektorinnen, fast alle auf zeitlich befristeten Stellen, unter der Leitung der einzigen Professorin, Yonson Ahn. Sie betreut dar\u00fcber hinaus noch neun Doktorandinnen und Doktoranden.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass die Fachmitarbeiterinnen sich gr\u00f6\u00dfte M\u00fche geben, die Studierenden zu betreuen und auch bei den f\u00fcrs Sprachstudium notwendigen Auslandsaufenthalten zu unterst\u00fctzen, best\u00e4tigen die jungen Leute: Insgesamt sechs koreanische Partneruniversit\u00e4ten kooperieren mit der Goethe-Universit\u00e4t. Gern w\u00fcrde Professorin Ahn diesen weitere hinzuf\u00fcgen, wenn m\u00f6glich auch in Nordkorea. Auch bei Praktika und anderen Kontakten erfahren die Studierenden Unterst\u00fctzung. Das Umfeld ist g\u00fcnstig \u2013 in Frankfurt lebt die mit Abstand gr\u00f6\u00dfte Anzahl von Auslandskoreanern in Europa, es gibt zahlreiche koreanische Firmen, eine koreanische Handelsvertretung (KOTRA) und ein koreanisches Generalkonsulat.<\/p>\n\n\n\n<p>Frauke Behre ist nach ihrem Bachelor f\u00fcr ihr Masterstudium von Frankfurt nach T\u00fcbingen gewechselt, an die wohl bekannteste deutsche Hochschule mit eigenem Studiengang in Koreastudien. \u201eErst in T\u00fcbingen habe ich gemerkt, wie selbstverst\u00e4ndlich uns in Frankfurt das Interdisziplin\u00e4re ist. Was ist mit China und Japan, dem Rest der Welt?&#8220;, habe sie sich dort in Seminaren \u00f6fter gefragt. Und auch das bei den Frankfurter Studienstartern eher weniger gesch\u00e4tzte Pflichtfach Empirische Sprachwissenschaften habe ihr immer wieder Perspektiven er\u00f6ffnet. Frauke Behre ist deshalb wieder nach Frankfurt zur\u00fcckgekehrt. Und schreibt ihre Masterarbeit mit einem Koreaschwerpunkt in Modern Eastern Asien Studies \u2013 mit Blick auf den Rest der Welt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-background\" style=\"background-color:#eeeeee\">Weitere <strong>Informationen zu den Koreastudien an der Goethe-Universit\u00e4t<\/strong> unter <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.uni-frankfurt.de\/54868172\/Home?legacy_request=1\" target=\"_blank\">www.korea.uni-frankfurt.de<\/a><br><br><strong>Video<\/strong> zu den <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=AUSJMNwwpxI&amp;t=17s\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Koreastudien auf YouTube<\/a> <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dieser Beitrag ist in der&nbsp;<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.unireport.info\/109719953.pdf\" target=\"_blank\">Ausgabe 6\/2021&nbsp;(PDF)<\/a>&nbsp;des UniReport&nbsp;erschienen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Lese-Tipp!<\/h3>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-wp-embed is-provider-aktuelles-aus-der-goethe-universitat-frankfurt wp-block-embed-aktuelles-aus-der-goethe-universitat-frankfurt\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"0ySAXqjCd2\"><a href=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/gesellschaft\/koreanische-serie-besorgt-paedagogen-und-psychologen\/\">Koreanische Serie besorgt P\u00e4dagogen und Psychologen<\/a><\/blockquote><iframe class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;Koreanische Serie besorgt P\u00e4dagogen und Psychologen&#8220; &#8212; Aktuelles aus der Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/gesellschaft\/koreanische-serie-besorgt-paedagogen-und-psychologen\/embed\/#?secret=7W4eJwRi70#?secret=0ySAXqjCd2\" data-secret=\"0ySAXqjCd2\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe>\n<\/div><\/figure>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Fach Koreastudien geh\u00f6rt zu den sogenannten \u201eKleinen F\u00e4chern\u201c. 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