{"id":5807,"date":"2016-04-07T13:33:42","date_gmt":"2016-04-07T11:33:42","guid":{"rendered":"http:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=5807"},"modified":"2020-06-23T15:15:59","modified_gmt":"2020-06-23T13:15:59","slug":"suchbegriffe-sind-wie-ein-zauberwort","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/forschung\/suchbegriffe-sind-wie-ein-zauberwort\/","title":{"rendered":"\u00bbSuchbegriffe sind wie ein Zauberwort\u00ab"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_5830\" aria-describedby=\"caption-attachment-5830\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-5830 size-medium\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/blog_vorschau_prof-bernd-skiera-300x225.jpg\" alt=\"Prof. Bernd Skiera; \u00a9 Dettmar\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/blog_vorschau_prof-bernd-skiera-300x225.jpg 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/blog_vorschau_prof-bernd-skiera.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-5830\" class=\"wp-caption-text\">Prof. Bernd Skiera; \u00a9 Dettmar<\/figcaption><\/figure>\n<p>Marketing-Professor Bernd Skiera erkl\u00e4rt, wie sich Unternehmen unser Surfverhalten zunutze machen, was ein Werbeplatz bei Google kostet und ob er seine Cookies l\u00f6scht. <!--more--><\/p>\n<p><em>Herr Prof. Skiera, das Internet l\u00f6st als Werbeplattform nach und nach die klassischen Medien ab. Was hat das Netz, was das Fernsehen nicht hat?<\/em><\/p>\n<p>Die Online-Werbung kann viel st\u00e4rker den einzelnen Verbraucher adressieren, als das in klassischen Medien der Fall ist. Im Fernsehen oder in einer Zeitschrift k\u00f6nnen Sie Ihre Zielgruppe zwar auch meist nach Geschlecht, Alter und Interessen einordnen, aber das bleibt letztlich grob und produziert hohe Streuverluste. Im Internet wissen Sie mehr \u00fcber den einzelnen Verbraucher und Sie k\u00f6nnen den Erfolg Ihrer Werbung auch besser messen.<\/p>\n<p><em>Sch\u00f6n f\u00fcr die Werbetreibenden \u2026<\/em><\/p>\n<p>\u2026 aber auch f\u00fcr die Verbraucher. Im Grunde treffen sich im Internet die Interessen von beiden Seiten: Als Kunde m\u00f6chte ich keine Werbung f\u00fcr Produkte sehen, die ich niemals kaufen w\u00fcrde. Und als Werbetreibender will ich nicht in Leute investieren, die als K\u00e4ufer ohnehin nicht in Frage kommen.<\/p>\n<p><em>Wie hat sich die Online-Werbung in den letzten Jahren weiterentwickelt? Was wissen werbende Unternehmen heute von mir als Internetnutzer, was sie vor f\u00fcnf Jahren noch nicht wussten?<\/em><\/p>\n<p>Informationen werden im Internet von den meisten Unternehmen \u00fcber Cookies gesammelt, und die gab es auch schon vor f\u00fcnf Jahren. Dass heute dennoch mehr und mehr Informationen \u00fcber den Einzelnen verf\u00fcgbar sind, liegt einerseits am mobilen Internet. Seit dem Verkauf der ersten Smartphones vor knapp neun Jahren steigt nicht nur die Zahl der mobilen Internetnutzer stetig an, sondern es entstehen auch immer neue Dienste und Nutzungsm\u00f6glichkeiten. Damit geben wir heute viel mehr und neue Informationen \u00fcber uns preis als noch vor wenigen Jahren \u2013 und dies auch noch lokalisierbar. Dar\u00fcber hinaus gibt es heute einige Dienste, die extrem h\u00e4ufig genutzt werden, wie z. B. Google oder Facebook. Eine solch konzentrierte Nutzung gab es vor einigen Jahren noch nicht.<\/p>\n<p><em>Und die Werbetreibenden haben die neuen M\u00f6glichkeiten nat\u00fcrlich dankend angenommen \u2026<\/em><\/p>\n<p>Ja und nein. Die Tatsache, dass wir heute t\u00e4glich mit den verschiedensten Ger\u00e4ten ins Internet gehen, hat f\u00fcr Werbetreibende auch einen gro\u00dfen Nachteil. Um m\u00f6glichst gezielt werben zu k\u00f6nnen, muss ich nicht nur wissen, welche Webseiten eine Person besucht, worauf sie klickt, welche Produkte sie sich anschaut und welche Preiskategorie sie interessiert. Entscheidend ist letztlich die Erfolgsmessung: Wenn jemand nach dem Klick auf eine Werbung etwas kauft, m\u00f6chte ich das nachvollziehen. Das aber f\u00e4llt schwer, wenn der Nutzer inzwischen das Medium gewechselt hat \u2013 was heutzutage ziemlich h\u00e4ufig ist: Eine Werbung erreicht jemanden unterwegs auf dem Handy, und er oder sie reagiert darauf Stunden sp\u00e4ter am PC mit einem Kauf. Das Nutzerverhalten \u00fcber die Ger\u00e4te hinweg ist also schwer nachzuvollziehen.<\/p>\n<p><em>Wie reagieren die Unternehmen darauf?<\/em><\/p>\n<p>Sie versuchen, die Nutzer enger an sich zu binden. Bei einigen Diensten von Unternehmen wie z. B. Google, Facebook oder Instagram sind viele Leute 24 Stunden eingeloggt. Auf diese Weise k\u00f6nnen die Unternehmen Informationen \u00fcber ihre Nutzer sammeln und Handlungsketten nachvollziehen, egal mit welchem Ger\u00e4t diese gerade surfen \u2013 und auch, wenn sie regelm\u00e4\u00dfig Cookies l\u00f6schen. Dadurch sind Anbieter von Diensten, bei denen Nutzer sich gerne und h\u00e4ufig einloggen, klar im Vorteil.<\/p>\n<p><em>Etwa die H\u00e4lfte der Ausgaben f\u00fcr Onlinewerbung entf\u00e4llt auf Suchmaschinen, geht also letztlich an Google. Wie haben die das geschafft?<\/em><\/p>\n<p>Trotz all der Informationen, die wir durch unser Surfverhalten verraten, ist wenig so wertvoll wie Suchbegriffe. Wenn Sie sich auf einer Internetseite \u00fcber Kreuzfahrten informieren, kann man zwar daraus schlie\u00dfen, dass Sie sich auch f\u00fcr den Kauf einer Kreuzfahrt interessieren. Man wei\u00df aber noch nicht, welches Preissegment f\u00fcr Sie in Frage kommt und welche Regionen. Wenn Sie aber bei Google die Suchbegriffe \u201eKreuzfahrt\u201c und \u201ebillig\u201c oder \u201eKreuzfahrt\u201c und \u201eKaribik\u201c eingeben, dann ist diese Information eben noch einmal deutlich wertvoller \u2013 und wird entsprechend bezahlt. Suchbegriffe sind wie ein Zauberwort. Deshalb funktioniert Suchmaschinenmarketing so enorm gut.<\/p>\n<p>[dt_call_to_action content_size=&#8220;normal&#8220; background=&#8220;plain&#8220; line=&#8220;true&#8220; style=&#8220;1&#8243; animation=&#8220;fadeIn&#8220;]<\/p>\n<p><strong>Zum Weiterlesen<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><strong><em><span style=\"color: #ffffff; background-color: #b3062c;\">Webexklusiv<\/span><\/em><\/strong> <a href=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/forschung\/bei-nuetzlichen-produkten-schauen-wir-genauer-hin-als-bei-spass-produkten\">&#8222;Bernd Skiera \u00fcber Rabattauktionen im Internet&#8220;<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de\/57255985\/FoFra_2015_1_Big_Data_Werbung_nach_Mass_und_ganz_persoenlich.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">&#8222;Werbung nach Ma\u00df und ganz pers\u00f6nlich. Wie Unternehmen unser Einkaufsverhalten ergr\u00fcnden und vorhersagen&#8220; (PDF)<\/a>, von Stefan Terliesner in Forschung Frankfurt, Ausgabe 1.2015<\/li>\n<\/ul>\n<p>[\/dt_call_to_action]<\/p>\n<p><em>Was kostet ein Werbeplatz bei Google?<\/em><\/p>\n<p>Um bei einem halbwegs popul\u00e4ren Suchwort mit seiner Werbung ganz oben zu stehen, zahlt man in Deutschland f\u00fcr die meisten Branchen zwischen 1 und 2 Euro. Je kleiner und exakter die Zielgruppe, desto mehr wird es. Sehr hohe Preise zahlen zum Beispiel Anw\u00e4lte in den USA f\u00fcr Suchbegriffe wie seltene Krankheiten gepaart mit Begriffen wie Schadenersatz. Da sich mit Schadenersatzklagen in den USA Unsummen verdienen lassen, ist es Anw\u00e4lten viel Geld wert, um die wenigen Personen, die da in Frage kommen, durch ihre Werbung als Klienten zu gewinnen. Da kostet eine kleine Werbung pro Seitenaufruf schon mal 100 Dollar oder sogar mehr.<\/p>\n<p><em>Andere Internetseiten haben zum Teil auch sehr wertvolle Informationen \u00fcber ihre Kunden und deren Kaufverhalten. L\u00e4sst sich das nicht ebenfalls gezielt f\u00fcr Werbung nutzen?<\/em><\/p>\n<p>Ich denke, dass da noch viel ungenutztes Potenzial liegt. Die Regel in Online-Shops ist: Ein Prozent der Besucher kauft etwas, 99 Prozent gehen wieder. Die Frage ist also: Wie kann ich mit diesen 99 Prozent trotzdem Geld verdienen? Bisher nutzen Unternehmen ihre Informationen \u00fcber das \u00fcbliche Kaufinteresse und -verhalten ihrer Kunden nur, um die eigenen Produkte zu verkaufen. Man k\u00f6nnte aber auch weiter denken. Ein Beispiel: Ich suche auf der Lufthansa-Seite nach einem Flug nach Australien. Lufthansa kann mir daf\u00fcr nur Fl\u00fcge zu Preisen anbieten, von denen es durch mein bisheriges Kaufverhalten wei\u00df, dass sie f\u00fcr mich zu teuer sind. Es ist also sicher, dass ich das Produkt nicht kaufe, aber Lufthansa besitzt die extrem wertvolle Information, dass ich einen Flug nach Australien in einem g\u00fcnstigeren Preissegment h\u00f6chstwahrscheinlich kaufen w\u00fcrde. Diese Information k\u00f6nnte sie gegen Provision an eine g\u00fcnstigere Airline verkaufen, auf die ich dann weiterverlinkt werde. Die Idee dahinter: Ich wei\u00df ganz genau, was jemand haben will, und ich biete diese Information zum Verkauf. Daf\u00fcr lassen sich hohe Preise verlangen. Ich sehe da einen riesigen Markt.<\/p>\n<p><em>Wie werden Werbepl\u00e4tze \u2013 bei Google oder anderen Webseiten \u2013 oder auch solche Links vergeben? Wie ermittelt sich der Preis?<\/em><\/p>\n<p>Darum k\u00fcmmern sich sogenannte Ad Exchanges, \u201eWerbe-B\u00f6rsen\u201c. W\u00e4hrend sich eine Webseite mit Werbepl\u00e4tzen, etwa Google-Suchergebnisse oder Spiegel Online, l\u00e4dt, meldet sie die Informationen, die es \u00fcber den Nutzer hat, an die B\u00f6rse. Diese versteigert dann jeden Werbeplatz auf der Webseite an den H\u00f6chstbietenden. Diese Auktion l\u00e4uft in weniger als 200 Millisekunden ab. Das funktioniert nat\u00fcrlich nur, indem Unternehmen, die werben wollen, ihre Auktionsstrategie vorher festlegen. Zum einen definieren sie daf\u00fcr ihre Zielgruppe, zum anderen legen sie das Budget fest, ihre Gebotsstrategie, den Zeitraum sowie die Geschwindigkeit, mit der das Geld ausgegeben werden soll. Den Rest erledigt ein Algorithmus.<\/p>\n<p><em>Was f\u00fcr Gebotsstrategien sind da \u00fcblich?<\/em><\/p>\n<p>Interessanterweise kommt bei diesen Auktionen zu 95 Prozent die eher zweifelhafte \u201eEven Pacing\u201c-Strategie zum Zuge. Dabei wird das Werbebudget gleichm\u00e4\u00dfig \u00fcber einen festgesetzten Zeitraum ausgegeben, um einen konstanten Werbedruck zu erzeugen. Wenn nach der H\u00e4lfte einer Zeiteinheit, z. B. eine Stunde, noch zu wenig ausgegeben wurde, wird automatisch h\u00f6her geboten und umgekehrt. Klingt erst einmal logisch. Aber nach der Analyse von Daten einer Werbe-B\u00f6rse, die rund 1000 Auktionen pro Sekunde durchf\u00fchrt, haben wir zu unserer eigenen \u00dcberraschung festgestellt, dass diese Standard-Strategie zu v\u00f6llig paradoxen Preisen f\u00fchrt: Je weniger Nutzer online sind \u2013 also nachts \u2013, desto h\u00f6her sind die Gebote der Algorithmen. Das ist nat\u00fcrlich absurd.<\/p>\n<p><em>Wie kommt das?<\/em><\/p>\n<p>Weil nachts weniger Leute im Netz unterwegs sind, gibt es weniger Auktionen. Die Algorithmen sind jedoch so programmiert, dass sie den immer gleichen Betrag pro Zeiteinheit einsetzen m\u00fcssen. Folglich erh\u00f6hen sie nachts die Gebote, w\u00e4hrend sie in den Hochzeiten tags\u00fcber eher niedrig bieten. In unserem Forschungsbeitrag schlagen wir ein neues Verfahren vor, das wir \u201eprofit-maximizing pacing\u201c nennen. Die Idee dahinter ist, dass Unternehmen ihre Ausgabestrategie an die durchschnittliche Zahl von Nutzern je Tageszeit anpassen. Um rund um die Uhr gleich viele Leute zu erreichen, m\u00fcssen sie tags\u00fcber und am fr\u00fchen Abend viel mehr Budget einsetzen als nachts. Das ist letztlich nicht \u00fcberraschend, aber es hat sich bisher wohl noch niemand richtig angeschaut. Es ist ja ohnehin interessant, dass der Online-Werbemarkt im Grunde immer weniger mit Emotionen zu tun hat wie die klassische Werbung, sondern viel mehr mit analytischen Verfahren.<\/p>\n<p><em>L\u00f6schen Sie Ihre Cookies regelm\u00e4\u00dfig?<\/em><\/p>\n<p>Nicht allzu oft. Als Professor interessiert es mich nat\u00fcrlich, was die Unternehmen mit meinen Daten machen.<\/p>\n<p><em>W\u00fcrden Sie anderen empfehlen, es zu tun?<\/em><\/p>\n<p>Das ist schwer zu beantworten. Auf der einen Seite gibt man eindeutig viel Privatsph\u00e4re preis. Andererseits bezahlen wir f\u00fcr die unglaubliche Vielfalt an Inhalten, die das Internet bietet, eben damit, dass wir Werbung akzeptieren \u2013 und mitunter gibt es ja auch Hinweise auf n\u00fctzliche Produkte. Wenn man Online-Werbung verbieten w\u00fcrde, m\u00fcsste man Inhalte kostenpflichtig machen. Ein solches Internet w\u00fcrde dann nicht mehr allen gesellschaftlichen Schichten nahezu alle Inhalte ohne Diskriminierung zur Verf\u00fcgung stellen. Das w\u00e4re aus meiner Sicht schon ein gro\u00dfer Nachteil.<\/p>\n<p><em>Die Fragen stellte Muriel B\u00fcsser.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Dieser Artikel ist in der Ausgabe 2.16 des UniReport erschienen [<a href=\"http:\/\/www.unireport.info\/60820406\/Unireport_2-16.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">PDF<\/a>]<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n<p><em>Autorin: Muriel B\u00fcsser<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Marketing-Professor Bernd Skiera erkl\u00e4rt, wie sich Unternehmen unser Surfverhalten zunutze machen, was ein Werbeplatz bei Google kostet und ob er seine Cookies 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