{"id":59031,"date":"2022-06-01T09:37:00","date_gmt":"2022-06-01T07:37:00","guid":{"rendered":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=59031"},"modified":"2022-05-30T09:53:57","modified_gmt":"2022-05-30T07:53:57","slug":"masterstudiengang-comparative-democracy-analysieren-warum-politik-in-die-krise-geraet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/studium\/masterstudiengang-comparative-democracy-analysieren-warum-politik-in-die-krise-geraet\/","title":{"rendered":"Masterstudiengang Comparative Democracy: Analysieren, warum Politik in die Krise ger\u00e4t"},"content":{"rendered":"<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full\"><a href=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/beitragsbild_comparative-democracy-master_01.jpg\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"650\" height=\"450\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/beitragsbild_comparative-democracy-master_01.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-59032\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/beitragsbild_comparative-democracy-master_01.jpg 650w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/beitragsbild_comparative-democracy-master_01-300x208.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a><figcaption>Proteste in Athen gegen die Austerit\u00e4tspolitik der EU (2015).<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Englischsprachig und forschungsbasiert: Der Masterstudiengang Comparative Democracy startet zum Wintersemester.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Prof. Julian Garritzmann freut sich sichtlich auf das n\u00e4chste Wintersemester: Der neue Studiengang, den er gemeinsam mit seinen Kolleginnen aus der Taufe gehoben hat, geht dann an den Start. 20 Studienpl\u00e4tze werden am Anfang im Master Comparative Democracy zur Verf\u00fcgung stehen, das Angebot soll noch vergr\u00f6\u00dfert werden. \u201eDas Interesse ist sehr gro\u00df, die Anfragen sind international\u201c, sagt Garritzmann. Es handelt sich um den ersten Masterstudiengang des Teilbereichs der Vergleichenden Politikwissenschaft. \u201eWir sind ein forschungsstarker Bereich mit vielen Professuren, Postdocs und Promovierenden, daher war die Entwicklung eines solchen Studienangebotes \u00fcberf\u00e4llig\u201c, betont Garritzmann. <\/p>\n\n\n\n<p>Im Sommersemester l\u00e4uft bereits eine von ihm organisierte Vorlesungsreihe zum Thema \u201eComparative Politics\u201c, auch ein Doktoranden- Kolloquium besch\u00e4ftigt sich mit der Thematik. In den anderen beiden Teilbereichen der Politikwissenschaft, der Politischen Theorie und den Internationalen Studien\/ Friedens- und Konfliktforschung, gibt es schon l\u00e4nger entsprechende Studienangebote. Der Masterstudiengang Comparative Democracy wird als erster rein englischsprachiger Studiengang in den Gesellschaftswissenschaften angeboten werden \u2013 \u201edamit sind wir nat\u00fcrlich f\u00fcr eine internationale Klientel sehr interessant\u201c, betont Garritzmann, der seine wissenschaftliche Ausbildung und Qualifikation unter anderem in Z\u00fcrich, Harvard und Florenz absolviert hat. Entsprechende englische Sprachkenntnisse sind daher Voraussetzung f\u00fcr die Teilnahme am internationalen Studiengang. \u201eFrankfurt ist ein idealer Standort f\u00fcr unseren Studiengang \u2013 nirgendwo anders in Deutschland hat man in der Stadt ein derart internationales Publikum. Wir hoffen nat\u00fcrlich auch, mit diesem Studienangebot einen Beitrag zur weiteren Internationalisierung der Goethe-Universit\u00e4t leisten zu k\u00f6nnen.\u201c <\/p>\n\n\n\n<p>Das Fach Politikwissenschaft habe sich seit einigen Jahren internationalisiert, sodass die relevante Forschungsliteratur in der Regel auf Englisch vorliege. Mit Ergebnissen aus einem Projekt des Programms \u201eStarker Start\u201c k\u00f6nne man, so Garritzmann, eine diverse Studierendenschaft, wie sie im neuen Masterstudiengang zu erwarten ist, gut in die Frankfurter Studierendenkultur integrieren. <\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Krise der Demokratie <\/h3>\n\n\n\n<p>Die thematische Ausrichtung des neuen Studienangebots kn\u00fcpft bewusst an aktuelle Diskussionen an: Die Krise der Demokratie, der Vertrauensverlust der politischen Institutionen in der Bev\u00f6lkerung, immer mehr Nicht- und Protestw\u00e4hler sind nur einige Stichworte, die den Hintergrund bilden f\u00fcr eine vergleichende Demokratieforschung. <\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIn der Vergleichenden Politikwissenschaft haben wir nun noch weitere Arbeitsbereiche, in denen diese Fragen behandelt werden: in der politischen Verhaltensforschung, in der politischen \u00d6konomie und in der politischen Institutionsforschung.\u201c Garritzmann verweist auf eines der wichtigsten B\u00fccher der letzten Jahre zum Thema: \u201eHow democracies die\u201c (Wie Demokratien sterben) von Steven Levitsky und Daniel Ziblatt. \u201eDie beiden Autoren f\u00fchren \u00fcberzeugend aus, dass im Zuge der Krise eine stufenweise Zerst\u00f6rung einsetzt: erst der politischen Normen und politischen Kultur, dann der Institutionen\u201c. Garritzmann ist \u00fcberzeugt davon, dass sich die heutigen Studierenden sehr f\u00fcr diese Fragen interessieren. Junge Leute k\u00f6nnten auch Impulsgeber sein f\u00fcr ein neues Verst\u00e4ndnis von Politik und Demokratie.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie Vergleichende Politikwissenschaft kann Erkenntnisse liefern, unter welchen Bedingungen neue partizipative Demokratiemodelle funktionieren, wo nicht. Denn nat\u00fcrlich kann man sich alle m\u00f6glichen Modelle von Beteiligung theoretisch ausdenken. Wenn die Modelle aber so komplex sind, dass nur noch hochgebildete Akademikerinnen daran teilnehmen, ist das auch nicht zielf\u00fchrend und k\u00f6nnte sogar eher noch zu mehr Populismus f\u00fchren.\u201c <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-background\" style=\"background-color:#eeeeee\"><strong>Mehr Informationen<\/strong> zum Studiengang Comparative Democracy auf den <a href=\"http:\/\/www.fb03.uni-frankfurt.de\/119033484\/New_ Masters_Program_Comparative_Democracy\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Webseiten des Fachbereichs Gesellschaftswissenschaften (03)<\/a>. Die englische Version des Beitrages finden Sie <a href=\"https:\/\/tinygu.de\/36ry5\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">hier<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Synthese aus Theorie und Empirie <\/h3>\n\n\n\n<p>Garritzmann betont, dass der MA Comparative Democracy als empirisch-analytischer Studiengang konzipiert ist. \u201eTheoretische Grundlagen sind nat\u00fcrlich sehr wichtig, aber wir fragen immer auch: Wie sieht die Realit\u00e4t aus, passt die zur Theorie, muss die Theorie demgegen\u00fcber \u00fcberdacht werden?\u201c Der empirischen Forschung kommt daher im Studium eine gro\u00dfe Bedeutung zu. Ein Schwerpunkt liegt auf Forschungsdesigns und Methoden: \u201eWir haben mit Claudius Wagemann einen Experten f\u00fcr qualitative Sozialforschung, mit Constantin Ruhe einen f\u00fcr quantitative und experimentelle Methoden. Es liegt uns viel daran, die Studierenden so gut auszubilden, dass sie aktuelle Forschung verstehen k\u00f6nnen, sich mit Methoden und Statistik auskennen und ihr Verst\u00e4ndnis davon auch wieder ins Seminar einbringen k\u00f6nnen. Wir m\u00fcssen im Blick haben, dass wir sie f\u00fcr eine Forschungskarriere ausbilden, was nat\u00fcrlich ganz Unterschiedliches bedeuten kann: zum einen an der Universit\u00e4t, aber auch in benachbarten Forschungsinstituten. Ebenso kommen auch sp\u00e4ter T\u00e4tigkeiten bei Arbeitgeberverb\u00e4nden, Gewerkschaften und im Journalismus in Frage.\u201c  <\/p>\n\n\n\n<p>Sind empirische Kompetenzen in der Politikwissenschaft wichtiger geworden? \u201eJa, definitiv\u201c, antwortet Garritzmann sofort. Die Politikwissenschaft sei lange Zeit sehr theoretisch ausgerichtet gewesen, was auch mit ihrer Herkunft aus Verwaltungswissenschaft und Rechtswissenschaft zusammenh\u00e4nge. Es habe ein eher deduktiv-normatives Verst\u00e4ndnis von Politik dominiert. Nachdem zwischendurch der \u201eempirische Turn\u201c f\u00fcr ein anderes Extrem gesorgt habe, sei die Politikwissenschaft heute vom Geiste des Methodenpluralismus gepr\u00e4gt. Die Methode h\u00e4nge stark von der jeweiligen Forschungsfrage ab. \u201eIch spreche gerne von einer theoretisch angeleiteten, empirischanalytischen Wissenschaft \u2013 eine Synthese ganz im Hegel\u2019schen Sinne\u201c, sagt er augenzwinkernd.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Mit Interesse und Neugierde in das Abenteuer Forschung <\/h3>\n\n\n\n<p>Garritzmann hat gerade eine studentische Arbeit gelesen, die ihn beeindruckt hat: Eine Studierende hat Tweets politikwissenschaftlich analysiert; daf\u00fcr hat sie selber ein Programm geschrieben, um die Tweets quantitativ auszuwerten. \u201eEbenso kann man nat\u00fcrlich auch Umfrageergebnisse oder Wahlprogramme quantitativ auswerten.\u201c Praktische Anteile werden im neuen Studiengang gro\u00dfgeschrieben: So beispielsweise ein spezielles Praxismodul zum forschungsbasierten Lernen, aber auch ein Praktikum, wie es auch in anderen Masterstudieng\u00e4ngen des Fachs obligatorisch ist. \u201eDaf\u00fcr bieten sich Parteien, Ministerien, Institutionen und auch Medien an\u201c, sagt Garritzmann. Wie sieht f\u00fcr ihn der\/die \u201eideale\u201c Studierende des neuen Studienganges aus? \u201eInteresse w\u00e4re f\u00fcr mich das Wichtigste. Mit Neugierde kann man alles lernen, selbst die kompliziertesten Inhalte aus Theorie und Empirie.\u201c <\/p>\n\n\n\n<p>Studierende sollten nach M\u00f6glichkeit bereits im Bachelor Vorkenntnisse im Bereich der Vergleichenden Politikwissenschaft erworben haben. Quereinstiege aus der Soziologie sind auch m\u00f6glich, fehlende Politikmodule k\u00f6nnen nachgeholt werden. \u201eGenerell sollte die Bereitschaft vorhanden sein, sich auf einen rein englischsprachigen und forschungsbasierten Studiengang einzulassen\u201c, betont Julian Garritzmann abschlie\u00dfend.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Englischsprachig und forschungsbasiert: Der Masterstudiengang Comparative Democracy startet zum Wintersemester. 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