{"id":5937,"date":"2016-04-15T08:37:24","date_gmt":"2016-04-15T06:37:24","guid":{"rendered":"http:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=5937"},"modified":"2016-04-15T08:47:08","modified_gmt":"2016-04-15T06:47:08","slug":"trump-nicht-mehr-zu-stoppen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/gesellschaft\/trump-nicht-mehr-zu-stoppen\/","title":{"rendered":"Trump nicht mehr zu stoppen?"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_5938\" aria-describedby=\"caption-attachment-5938\" style=\"width: 750px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-5938\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/blog_unireport_trump.jpg\" alt=\"Trump spricht in Youngstown\/Ohio, 14. M\u00e4rz 2016. Foto: ullstein bild \u2013 Reuters\/Aaron P. 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Denn aus einem Au\u00dfenseiter, den selbst Experten nicht auf der Rechnung hatten, ist ein klarer Favorit f\u00fcr die Pr\u00e4sidentschaftskandidatur der Republikaner geworden. Donald Trump, Milliard\u00e4r, Immobilien-Tycoon und medialer Selbstdarsteller, polarisiert die \u00d6ffentlichkeit \u2013 und das ganz bewusst, mit markigen Parolen und Aussagen, die er gerne auch wieder dementiert.<\/p>\n<p>\u201eAls Amerikaner ist es wirklich peinlich zu beobachten, wie Trump sich auff\u00fchrt. Er hat bislang alle Regeln gebrochen, die bei den Primaries gelten \u2013 er ist sozusagen einzigartig in der amerikanischen Geschichte\u201c, sagt der amerikanische Politikwissenschaftler Peter Volberding, zur Zeit Gastwissenschaftler an der Goethe-Uni. Wie sind aber die politischen Unkorrektheiten Trumps gegen Frauen, Homosexuelle und Migranten zu erkl\u00e4ren?<\/p>\n<p>\u201eIn den USA wird die<em> Political Correctness<\/em> mit der progressiven Elite an den Universit\u00e4ten in Verbindung gebracht. Denen wird der Vorwurf gemacht, man k\u00f6nne heute nicht mehr \u201adie Wahrheit\u2018 sagen. Trump vermittelt den Eindruck, er rede als Au\u00dfenseiter im Polit-Establishment Klartext, wobei er meines Erachtens nicht wirklich von seinen rassistischen, frauenfeindlichen und xenophoben Spr\u00fcchen \u00fcberzeugt ist.\u201c<\/p>\n<p>Auch der Politologe Markus Siewert sieht Trump vor allem als Populist ohne ernstzunehmendes politisches Programm: \u201eEr operiert mit Meinungen, Gef\u00fchlen und Platit\u00fcden. Damit spricht er vor allem eine W\u00e4hlerschaft an, die gef\u00fchlte und echte \u00c4ngste im Angesicht von Modernisierung und Globalisierung besitzt.\u201c<\/p>\n<h3>Showdown auf dem Parteitag?<\/h3>\n<p>Bei den Demokraten d\u00fcrfte Hilary Clinton die Pr\u00e4sidentschaftskandidatur kaum noch zu nehmen sein, ihr Konkurrent Bernie Sanders scheint den Vorsprung nicht mehr aufholen zu k\u00f6nnen. Nicht ganz so eindeutig, aber dennoch mit relativ deutlichem Abstand zu seinen beiden letzten verbliebenen Konkurrenten Ted Cruz und John Kasich, f\u00fchrt Donald Trump das Feld bei den Republikanern an.<\/p>\n<p>Kasichs Chancen werden f\u00fcr sehr gering erachtet, Cruz ist wahrscheinlich der letzte ernstzunehmende Konkurrent Trumps, jedoch f\u00fcr gem\u00e4\u00dfigte Republikaner nicht gerade ein Wunschkandidat. \u201eCruz steht als radikaler evangelikaler Fundamentalist wesentlich weiter rechts als Trump, der in Sachen Abtreibung, Krankenversicherung und Sozialstaat sogar links vom Mainstream steht\u201c, erkl\u00e4rt der Politologe Prof. Hans- J\u00fcrgen Puhle.<\/p>\n<p>[dt_call_to_action content_size=&#8220;small&#8220; background=&#8220;plain&#8220; line=&#8220;true&#8220; style=&#8220;1&#8243; animation=&#8220;fadeIn&#8220;]<\/p>\n<h4>Fundst\u00fcck<\/h4>\n<h3><strong>Trump und der (relative) Reichtum<\/strong><\/h3>\n<p>Von Donald Trump, jenem amerikanischen Bauunternehmer, der sich zwar nicht mit seinen Wolkenkratzern, daf\u00fcr aber mit einer Lebensmaxime \u2013 \u201alunch is for losers\u2018 \u2013 unsterblich gemacht hat, die den Geist des Kapitalismus trefflich auf eine Formel bringt, ist eine bemerkenswerte Anekdote \u00fcberliefert. Als er seinerzeit mit einer Freundin durch die Stra\u00dfen New Yorks spazierte, sah er einen Bettler am Stra\u00dfenrand sitzen.<\/p>\n<p>Dabei ging ihm auf, wie reich mancher Arme doch ist. Zwar ging es dem Mann elend, denn er hatte nichts au\u00dfer dem Wenigen, was er bei sich trug. Rein rechnerisch gesehen jedoch war er im Vergleich mit Trump unendlich beg\u00fctert. Denn der hatte sich gerade verspekuliert und stand mit satten zwei Milliarden Dollar in der Kreide. Der \u00c4rmste der Armen war Trump deswegen aber nur rein rechnerisch.<\/p>\n<p>Denn auch ein Pleitier ist in unserer Gesellschaft immer noch ein Gesch\u00e4ftsmann, der nicht nur Freundinnen hat, die ihn tr\u00f6sten, sondern in der Regel auch m\u00e4chtige Freunde, die ihm wieder auf die Beine helfen werden \u2013 wie es im Falle Trumps denn auch geschah.\u201c<\/p>\n<p><em>Aus: Martin Seel: Geld hat keine Tugend. Eine anthropologische Betrachtung.\u00a0In: <a href=\"http:\/\/www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de\/43021903\/Seel_FoFra-2012_02_42-46.pdf\" target=\"_blank\">Forschung Frankfurt 2\/2012, S. 42 \u2013 45 [PDF]<\/a>.<\/em><\/p>\n<p>[\/dt_call_to_action]<\/p>\n<p>W\u00e4re Trumps Triumph bei den Primaries noch abzuwenden? Puhle weist auf einige noch anstehende Vorwahlen im April, Mai und Anfang Juni in gro\u00dfen Staaten hin, in denen Trump nur bedingt punkten d\u00fcrfte, sodass eine runde Mehrheit an Delegiertenstimmen nicht unbedingt f\u00fcr ihn zu erwarten sei. Falls Trump aber im Juli 2016 mit einer satten Mehrheit in den Parteitag der Republikaner einzieht, k\u00f6nnte seine Nominierung dann aber den Verlust traditioneller republikanischer W\u00e4hler im eigentlichen Pr\u00e4sidentschaftswahlkamp nach sich ziehen, meint Puhle.<\/p>\n<p>Falls Trump in den Primaries nicht die Mehrheit der Stimmen f\u00fcr sich gewinnen kann, k\u00f6nnte es auf dem Parteitag sogar zu einer Zerrei\u00dfprobe in der Partei kommen, mit dem Effekt, dass wichtige Teile des Establishments der Republikaner einen eigenen Kandidaten aufstellen. \u201eDa Trump kein Mensch f\u00fcr Kompromisse ist und seine Gegner ihn unbedingt vermeiden wollen, w\u00e4re das wahrscheinlichste Ergebnis die Spaltung der Partei\u201c, so Puhle.<\/p>\n<p>Einen Kandidaten \u201evon au\u00dfen\u201c ins Rennen zu schicken, w\u00e4re schwierig, sch\u00e4tzt Markus Siewert: \u201ePaul Ryan, Mehrheitsf\u00fchrer im Repr\u00e4sentantenhaus und \u201aRetter\u2018 im F\u00fchrungsstreit der Republikaner im Kongress und Vizepr\u00e4sidentschaftskandidat 2012, hat bereits deutlich gemacht, diese Rolle nicht nochmal zu \u00fcbernehmen.\u201c Ein Putsch gewisserma\u00dfen hinter verschlossenen T\u00fcren gegen Trump w\u00e4re fatal, argumentiert Peter Volberding, weil dadurch Trumps Kampagne gegen das Establishment in Washington eine Best\u00e4tigung finden w\u00fcrde.<\/p>\n<h3>Trump gegen Clinton?<\/h3>\n<p>In einem wahrscheinlichen Duell Trump gegen Clinton m\u00f6gen viele Beobachter der Demokratin eine haushohe \u00dcberlegenheit attestieren. Doch Peter Volberding ist da vorsichtig: \u201eBeide Kandidaten haben jenseits ihrer Parteien vergleichsweise schlechte Zustimmungswerte in der Bev\u00f6lkerung\u201c, sagt er, weshalb er von einer 50:50-Situation ausgeht. Clinton k\u00f6nnte zudem von Aff\u00e4ren wie der mit ihren privaten Mails geschw\u00e4cht werden, Trump hingegen k\u00f6nnte auch klassisch demokratische W\u00e4hler aus Michigan, Pennsylvania oder Ohio f\u00fcr sich gewinnen.<\/p>\n<p>\u201eIm Hauptwahlkampf wird die Parteiidentifikation bei den W\u00e4hlern sehr hoch sein, daher wird es auf die unabh\u00e4ngigen W\u00e4hler ankommen\u201c, erg\u00e4nzt Markus Siewert. Und falls Trump wirklich zum Pr\u00e4sidenten der Vereinigten Staaten gew\u00e4hlt werden w\u00fcrde? \u201eUm \u201aseine\u2018 Politik durchzusetzen, w\u00e4re ein Pr\u00e4sident Trump in erheblichem Umfang auf den Kongress angewiesen.<\/p>\n<p>Hier stehen die Chancen zudem f\u00fcr die Demokraten nicht schlecht, sogar die Mehrheit in beiden Kammern wiederzuerlangen\u201c, erkl\u00e4rt Siewert. International rechnet Hans-J\u00fcrgen Puhle eher mit \u201ewenig leadership\u201c, auch wenn ein Opportunist wie Trump sich vermutlich wohl an den Realit\u00e4ten orientieren w\u00fcrde. \u201eIn jedem Fall wird das europ\u00e4isch-amerikanische Verh\u00e4ltnis mehr davon abh\u00e4ngen, wie die Europ\u00e4er sich zusammenraufen k\u00f6nnen, als davon, wer amerikanischer Pr\u00e4sident wird.\u201c<\/p>\n<p>Bei seinen europ\u00e4ischen Partnern werde Trump nicht auf allzu viel Gegenliebe sto\u00dfen, vermutet Markus Siewert. Die Ank\u00fcndigung einer aggressiven Au\u00dfenpolitik und seine Kritik am Freihandel d\u00fcrfte f\u00fcr Spannungen sorgen, ganz zu schweigen von Trumps Kommunikationsstil: \u201eSeine Verhandlungstaktik nach dem Motto my-wayor- highway wird weder bei Merkel und Cameron noch bei Renzi und Hollande gut ankommen.\u201c<\/p>\n<p>[dt_call_to_action content_size=&#8220;small&#8220; background=&#8220;fancy&#8220; line=&#8220;true&#8220; style=&#8220;1&#8243; animation=&#8220;fadeIn&#8220;]<br \/>\n<strong>Prof. Dr. Hans-J\u00fcrgen Puhle<\/strong> ist Professor (em.) f\u00fcr Politikwissenschaft an der Goethe-Universit\u00e4t. Von 1990 bis 2009 war er Mitglied im Direktorium des Zentrums f\u00fcr Nordamerika-Forschung (ZENAF).<br \/>\nPuhle hat sich in einem aktuellen Aufsatz mit Populismus besch\u00e4ftigt: Populismus: Form oder Inhalt? Protest oder Projekt?, in: ders., Protest, Parteien, Interventionsstaat. Organisierte Politik und Demokratieprobleme im Wandel, G\u00f6ttingen 2015, S. 91 \u2013 117.<\/p>\n<p><strong>Markus Siewert<\/strong>, M.A., ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Schwerpunkt Methoden der Qualitativen Empirischen Sozialforschung im Institut f\u00fcr Politikwissenschaft. Gegenw\u00e4rtig ist er visiting doctoral student am Europ\u00e4ischen Hochschulinstitut (EUI) Florenz.<\/p>\n<p><strong>Peter Volberding<\/strong> ist amerikanischer Politikwissenschaftler und promoviert an der Harvard University; er ist Gastwissenschaftler an der Goethe-Universit\u00e4t. [\/dt_call_to_action]<\/p>\n<p><em><strong>Dieser Artikel ist in der Ausgabe 2.16 des UniReport erschienen [<a href=\"http:\/\/www.unireport.info\/60820406\/Unireport_2-16.pdf\" target=\"_blank\">PDF<\/a>]<\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der aktuellen Ausgabe des UniReport analysieren Politologen der Goethe-Universit\u00e4t den umstrittenen Republikaner Donald Trump und seine Chancen, Pr\u00e4sidentschaftskandidat zu werden.<\/p>","protected":false},"author":4,"featured_media":5938,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_eb_attr":"","_price":"","_stock":"","_tribe_ticket_header":"","_tribe_default_ticket_provider":"","_ticket_start_date":"","_ticket_end_date":"","_tribe_ticket_show_description":"","_tribe_ticket_show_not_going":false,"_tribe_ticket_use_global_stock":"","_tribe_ticket_global_stock_level":"","_global_stock_mode":"","_global_stock_cap":"","_tribe_rsvp_for_event":"","_tribe_ticket_going_count":"","_tribe_ticket_not_going_count":"","_tribe_tickets_list":"[]","_tribe_ticket_has_attendee_info_fields":false,"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[48,10],"post_folder":[],"class_list":["post-5937","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-gesellschaft","tag-gesellschaftswissenschaften","tag-unireport"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.4 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Trump nicht mehr zu stoppen? 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