{"id":604,"date":"2015-10-08T11:17:22","date_gmt":"2015-10-08T09:17:22","guid":{"rendered":"http:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=604"},"modified":"2016-01-10T22:08:27","modified_gmt":"2016-01-10T21:08:27","slug":"vom-hoersaal-in-die-werkstatt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/gesellschaft\/vom-hoersaal-in-die-werkstatt\/","title":{"rendered":"Vom H\u00f6rsaal in die Werkstatt?"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_619\" aria-describedby=\"caption-attachment-619\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a class=\"dt-single-image\" href=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/blog_werkstatt-studium_vorschau.jpg\" data-dt-img-description=\"Vom H\u00f6rsaal in die Werkstatt?\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-619\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/blog_werkstatt-studium_vorschau-300x200.jpg\" alt=\"Vom H\u00f6rsaal in die Werkstatt?\" width=\"300\" height=\"200\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-619\" class=\"wp-caption-text\">Vom H\u00f6rsaal in die Werkstatt?<\/figcaption><\/figure>\n<p>Akademikerschwemme contra Wissensgesellschaft: In den letzten Ausgaben des UniReports diskutierten Wissenschaftler das F\u00fcr und Wider der gestiegenen Studierneigung. Fakt ist, dass die Unterst\u00fctzung f\u00fcr potentielle Studienaussteiger w\u00e4chst. Welche Erfahrungen machen sie?<\/p>\n<h3>Der Alma Mater den R\u00fccken gekehrt \u2026<\/h3>\n<p>Etienne Gard\u00e9 ist als Mitgr\u00fcnder und Moderator des ersten reinen Internet-TV-Kanals Rocket Beans f\u00fcr seine Community eine Kultfigur. Seit 15 Jahren macht der 36-j\u00e4hrige Frankfurter schon Fernsehen. Weder die Studieng\u00e4nge Sport und Amerikanistik noch Recht und Medienwissenschaften konnten ihn seinerzeit davon abhalten, Game- und Talkshows mitzugestalten und zu moderieren. Dass er mit dem neuen 24-Stunden-Format aber nach wie vor voll auf Risiko geht, ist dem jungen Vater sehr bewusst. \u201eWir planen immer nur f\u00fcr die n\u00e4chsten drei Monate.\u201c<\/p>\n<p>Dietmar Flucke hat Politik mit Schwerpunkt VWL studiert. Trotzdem tr\u00e4gt er morgens schon einen Blaumann, wenn er ausf\u00fchrlich FAZ oder S\u00fcddeutsche liest. Denn sein Arbeitsplatz ist die Autowerkstatt eine T\u00fcr weiter. Vor 9 Jahren hat er das \u201eAutowerk\u201c in einem Bockenheimer Hinterhof der Basaltstra\u00dfe gegr\u00fcndet. Das war durch den g\u00fcnstigen Umstand m\u00f6glich, dass er vor dem Studium KFZ-Mechaniker gelernt hatte.<\/p>\n<p>\u201eMit beiden Abschl\u00fcssen zusammen konnte ich vor der Handwerkkammer eine zus\u00e4tzliche Fachkundepr\u00fcfung ablegen, die eine Eintragung in die Handwerksrolle und damit eine Selbstst\u00e4ndigkeit m\u00f6glich machten.\u201c Mittlerweile bilden er und seine sechs Mitarbeiter gerade den dritten Auszubildenden aus. Mittags grillen sie gern zusammen, der Ton ist freundschaftlich.<\/p>\n<p>Den Wechsel von der akademischen Laufbahn in das Handwerk betrachtet er, der sein Promotionsvorhaben wegen einer Uneinigkeit mit dem Professor hinschmiss, um als Werkstattleiter in einer Hamburger Autowerkstatt zu arbeiten, nicht als Bruch. \u201eSchon in Hamburg habe ich es als Befreiung erlebt, Sachen so zu machen, wie ich sie f\u00fcr richtig halte, und dabei den Erfolg der Arbeit zu sehen. Denn sobald ein Auto wieder l\u00e4uft, habe ich ja offensichtlich etwas zustande gebracht.\u201c<\/p>\n<p>Neid auf Ex-Kommilitonen, die weiter an ihrer akademischen Karriere gebastelt haben, teilweise Professoren wurden, ist ihm fremd. \u201eSie mussten viele Jahre mit Zeitvertr\u00e4gen ein gro\u00dfes Risiko eingehen und haben auch nicht weniger Stress als ich.\u201c Nur abends, nach einem Tag in der Werkstatt, ist er m\u00fcder als seine WG-Mitbewohnerinnen mit ihren B\u00fcrojobs: \u201eH\u00e4tte ich gewusst, wie anstrengend es ist, h\u00e4tte ich es vielleicht anders gemacht. Aber das Gesamtpaket stimmt: Weil ich selbstst\u00e4ndig bin, kann ich nach meinen Vorstellungen leben und arbeiten.\u201c Genau dieser Wunsch genie\u00dft auch bei Etienne Gard\u00e9 eine h\u00f6here Priorit\u00e4t als ein sicheres Einkommen in vorgezeichneter Laufbahn.<\/p>\n<h3>Studienabbruch kein Tabuthema mehr?<\/h3>\n<p>Dass manch eine\/r der Uni den R\u00fccken kehrt, um anderswo sein berufliches Gl\u00fcck zu suchen, ist normal. Au\u00dfergew\u00f6hnlich ist die Penetranz, mit der die Medien derzeit die Geschichten von Ex-Studierenden erz\u00e4hlen, die mit einer Ausbildung zum Friseur oder Feinmechaniker endlich das Passende f\u00fcr sich gefunden haben. Wer \u201eStudienabbrecher\u201c googelt, st\u00f6\u00dft gar auf eine Riesen-Infrastruktur an Plattformen, Hilfsprogrammen und Unternehmenswebsites wie \u201eRewe f\u00fcr Studienabbrecher\u201c.<\/p>\n<p>Was ist da los, dass ein Tabu- pl\u00f6tzlich zum Modethema avanciert? Jahrelang galten die OECD-Studien als ma\u00dfgeblich, nach denen Deutschland mehr Akademiker hervorbringen muss. Nun d\u00fcrfen die, die genau diesen h\u00f6chsten Bildungsabschluss ausschlagen, die Erfolgsstories erz\u00e4hlen? \u201eDie zentrale Frage ist doch, welcher Beruf f\u00fcr einen jungen Menschen der richtige ist, und nicht, ob er studiert oder eine Ausbildung macht\u201c, erkl\u00e4rt Natalie Gold von der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main, die seit kurzem zur Beratung potentieller Studienabbrecher an die Uni kommt.<\/p>\n<p>Birgitta Wolff, Pr\u00e4sidentin der Goethe-Universit\u00e4t, steht voll hinter Angeboten, die den Blick der Studierenden weiten k\u00f6nnen: \u201eDie Gesellschaft \u00fcbt einen hohen Druck aus, damit m\u00f6glichst jeder Abiturient auch studiert\u201c, sagt Wolff. Viele w\u00fcrden ein Lieblingsfach aus der Schule w\u00e4hlen und w\u00e4ren dann von der universit\u00e4ren Wirklichkeit \u00fcberrascht. \u201eWir sollten den Studierenden vermitteln: Es ist keine Niederlage, \u00fcber Alternativen nachzudenken \u2013 im Gegenteil.\u201c F\u00fcr diese Offenheit gibt es gute Gr\u00fcnde: 48.000 Fachkr\u00e4fte fehlen den Betrieben allein im Rhein-Main-Gebiet, verk\u00fcndete k\u00fcrzlich der Frankfurter IHK-Pr\u00e4sident Mathias M\u00fcller.<\/p>\n<p>Die Dysbalance zwischen gestiegener Bildungsneigung und damit immer mehr Studierenden einerseits und den Problemen von Handwerk und Industrie, intelligente Praktiker f\u00fcr ihre Betriebe zu finden, bremst die Wirtschaft. Die sinkende Bev\u00f6lkerungszahl tut ihr \u00dcbriges. Gleichzeitig kosten Studienpl\u00e4tze, die ohne Abschluss aufgegeben werden, Geld. So brechen laut der Studienabbruchstudie 2014 des Deutsches Zentrum f\u00fcr Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) rund 28 Prozent ihren Bachelor ab, an den Unis liegt die Quote sogar bei 33 Prozent, in MINT-F\u00e4chern noch h\u00f6her. An der Goethe-Universit\u00e4t bringen aber auch nur 60 von 100 Geisteswissenschaftlern ihr Studium zu Ende.<\/p>\n<p>Ein Umdenken weg vom rein quantitativen Studienplatzausbau hat begonnen: So sind die L\u00e4nder gehalten, ab 2016 ein Zehntel der Mittel aus dem Hochschulpakt (f\u00fcr zus\u00e4tzliche Studienpl\u00e4tze) in Ma\u00dfnahmen zur Senkung des Studienabbruchs einzusetzen.<\/p>\n<p>\u201eDer Haken an den Abbrecher-Statistiken ist, dass diejenigen, die einfach nur das Fach wechseln oder sich hier mit anderen Absichten als einem Studienabschluss einschreiben, die Quote hochtreiben\u201c, relativiert Ulrike Helbig, Beraterin im Studien-Service-Center, die Dramatik der Zahlen. Sie und ihre Kollegen haben die Zahlen um solche Effekte bereinigt und sch\u00e4tzen, dass in den letzten acht Jahren \u201eetwa 800 bis 1500 Personen die Goethe-Universit\u00e4t ohne Abschluss verlassen haben\u201c. Mit massenhaften \u00dcberg\u00e4ngen von Studierenden in Lehrberufe rechnet das Studienberaterteam aber trotz des \u201eModethemas Studienabbrecher\u201c auch in Zukunft nicht, \u201eweil das Hauptthema in unseren Sprechstunden der Studienfachwechsel ist, nicht das Verlassen der Uni\u201c, so Ulrike Helbig.<\/p>\n<p>Dennoch ist das SSC gern bereit, die Zielgruppe der Studienzweifler noch gezielter anzusprechen. Daf\u00fcr gibt es jetzt Mittel: So hat sich letzten Winter mit Unterst\u00fctzung des BMBF \u2013 Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung \u2013 und des Bildungswerks der hessischen Wirtschaft das \u201aFrankfurter Beratungsnetzwerk\u2018 formiert, welches die Beratungsangebote von Goethe-Uni, Fachhochschule, IHK, Handwerkskammer, Agentur f\u00fcr Arbeit und Studentenwerk besser verzahnt. Zur ersten gemeinsamen Info-Veranstaltung im Juni kamen gleich 40 Studierende. \u201eDa konnte man im Saal richtig sp\u00fcren, welcher Druck von den Studierenden abfiel. Wie froh sie waren, dass andere die gleichen Sorgen haben\u201c, sagt Helbig.<\/p>\n<h3>Stammtisch f\u00fcr \u00bbStudienzweifler\u00ab<\/h3>\n<p>Renate Empting vom Hochschulteam der Agentur f\u00fcr Arbeit lobt die Kooperation ebenfalls: \u201eDurch pers\u00f6nlichen Kontakt mit den anderen Institutionen k\u00f6nnen wir noch bessere Tipps geben und wissen, an wen wir die Studierenden verweisen k\u00f6nnen, wenn sie spezielle Fragen haben \u2013 etwa zur Anrechenbarkeit von Studienleistungen.\u201c Lockere Veranstaltungen wie der Stammtisch f\u00fcr Studienzweifler sollen k\u00fcnftig die Hemmschwelle senken, fr\u00fchzeitig Rat zu suchen.<\/p>\n<p>Neu ist auch eine regelm\u00e4\u00dfige Sprechstunde der Handwerkskammer in den R\u00e4umen des Studierendenservice. Jeden Freitag bringt Natalie Gold hier Studienzweiflern und -aussteigern Ausbildungsberufe \u2013 auch kaufm\u00e4nnische \u2013 im Handwerk n\u00e4her. Ihr Motto: \u201eWer sich f\u00fcr eine duale Ausbildung entscheidet, hat die besten Berufsperspektiven.\u201c Ihr Projekt \u201eyourPUSH-Perspektive Handwerk f\u00fcr Studienaussteiger\u201c wird mit Mitteln des BMBF und des Europ\u00e4ischen Sozialfonds gef\u00f6rdert.<\/p>\n<p>[dt_call_to_action content_size=&#8220;normal&#8220; background=&#8220;fancy&#8220; line=&#8220;true&#8220; animation=&#8220;fadeIn&#8220;]<\/p>\n<p><strong>Was steckt hinter \u00bbRewe f\u00fcr Studienabbrecher\u00ab?<\/strong><\/p>\n<p>Drei Fragen an Rewe-Sprecher Raimund Esser<\/p>\n<p><strong>Herr Esser, wo in der Hierarchie steigen Abbrecher ein? <\/strong>Studienabbrecher k\u00f6nnen an unserem Abiturientenprogramm teilnehmen. Das bedeutet, sie haben die M\u00f6glichkeit, eine klassische Berufsausbildung in nur 18 Monaten statt in 3 Jahren zu absolvieren. Danach folgt die Handelsfachwirtausbildung. Studienabbrecher haben so die Chance auf zwei Abschl\u00fcsse. Der Handelsfachwirt ist ein h\u00f6her qualifizierter Abschluss und daher insbesondere f\u00fcr Studienabbrecher interessant.<\/p>\n<p><strong>Wie gro\u00df ist die Nachfrage? <\/strong>Viele Pl\u00e4tze im Abiturientenprogramm werden mit Studienabbrechern besetzt. Oftmals jobben diese neben dem Studium bei Rewe und erkennen dann ihre Chance und Perspektive. Zum Ausbildungsbeginn haben wir rund 300 junge Menschen im Abiturientenprogramm eingestellt.<\/p>\n<p><strong>Welche Erfahrungen hat Ihr Unternehmen bislang mit dieser Gruppe gemacht? <\/strong>Sehr gute, weshalb wir diese Zielgruppe weiterhin ansprechen. Viele Absolventen des Abiturientenprogramms sind k\u00fcnftige F\u00fchrungskr\u00e4fte.<\/p>\n<p>[\/dt_call_to_action]<\/p>\n<p>\u201eEs gibt circa 34.000 Handwerksbetriebe im Kammerbezirk. Aktuell fragen wir diese gezielt an, wer an Studienaussteigern Interesse hat.\u201c Ber\u00fchrungs\u00e4ngste gibt es von beiden Seiten. Teilweise aus schlechter Erfahrung, teilweise aus Unwissenheit: \u201eStudierende wissen nicht unbedingt, dass sie eine dreij\u00e4hrige Lehre auf bis zu 18 Monate verk\u00fcrzen k\u00f6nnen, dass bestimmte Studienleistungen f\u00fcr die Lehre angerechnet werden und 200.000 Betriebe in den n\u00e4chsten zehn Jahren Nachfolger brauchen\u201c, sagt Natalie Gold. Auch Praktika sind m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Ewelina, die ihren vollen Namen nicht nennen m\u00f6chte, ist dankbar f\u00fcr Golds Unterst\u00fctzung. \u201eSie hat mich wieder aufgebaut nach dem Schock, mein Studium beenden zu m\u00fcssen, und mir gesagt, dass der Weg zum Ziel eben nicht immer gerade ist.\u201c Die geb\u00fcrtige Polin begann Wirtschaftswissenschaften zu studieren, kurz bevor dort erstmals rekordverd\u00e4chtige 870 Erstsemester an den Start gingen. Mit individueller Unterst\u00fctzung konnte sie also nicht rechnen.<\/p>\n<p>\u201eIch wollte so gern studieren, aber das Fach habe ich eher nach den M\u00f6glichkeiten hinterher ausgew\u00e4hlt als nach meiner Neigung\u201c, sagt sie. Ihre m\u00e4\u00dfige Begeisterung f\u00fcr Mathe wollte sie durch Flei\u00df ausgleichen. Das klappte auch in der Mathe-Klausur, aber in Statistik fiel sie diesen Sommer das dritte Mal durch. \u201eEs ist schwer, den Lernaufwand richtig einzusch\u00e4tzen.\u201c Die Voraussetzungen in Mathe seien auch bei denen, die in Deutschland ihr Abitur gemacht haben, ganz unterschiedlich. \u201eManche hatten \u2013 wie ich \u2013 gro\u00dfe L\u00fccken bei der Integralrechnung.\u201c Im Nachhinein betrachtet \u201ewar es einfach nicht mein Studium\u201c, sagt sie heute. \u201eF\u00fcr diese Erkenntnis habe ich aber ein paar Wochen Zeit gebraucht.\u201c Nun bewirbt sie sich um eine Ausbildung als Kauffrau f\u00fcr B\u00fcromanagement im Handwerk. \u201eIch organisiere und plane gerne und Handwerksbetriebe sind oft Familienbetriebe. Da passe ich als Teamplayer gut rein.\u201c<\/p>\n<p>Ein paar Semester Chemie studieren und dann zur\u00fcck auf Start als Azubi gehen? Auf den geschmeidigen und gut bezahlten Seiteneinstieg kann Berufsberaterin Renate Empting den Studierenden nur selten Hoffnung machen: \u201eIn Deutschland ist es immer wichtig, einen Abschluss zu haben.\u201c Provadis im Industriepark H\u00f6chst ist als Hessens gr\u00f6\u00dfter Aus- und Weiterbildungsdienstleister eine beliebte Anlaufstelle f\u00fcr naturwissenschaftlich-technische Berufe: Stefan Ehrhard, Leiter des Gesch\u00e4ftsbereichs Ausbildung bei Provadis, hat mit Studienabbrechern sehr gute Erfahrungen gemacht: \u201eViele von ihnen marschieren regelrecht durch die Ausbildung und haben meist so gute Leistungen, dass sie die Lehrzeit verk\u00fcrzen k\u00f6nnen. Sie sind auch gern gesehene Fachkr\u00e4fte in den Unternehmen und ihnen steht dort eine gute berufliche Zukunft mit in der Regel vielf\u00e4ltigen Weiterbildungsm\u00f6glichkeiten offen.\u201c<\/p>\n<p>Dazu geh\u00f6ren die dualen und berufsbegleitenden Bachelor-und Masterstudieng\u00e4nge der Provadis Hochschule in Business Administration, Business Information Management, Biopharmaceutical Science, Chemical Engineering und Technologie &amp; Management. Einige Abbrecher der Goethe-Uni kommen damit gut zurecht: \u201eWem beispielsweise ein typisches Vollzeitstudium der Betriebswirtschaftslehre zu theoretisch war, erh\u00e4lt bei uns durch die praxisnahen Inhalte des dualen Studiums oft einen besseren Zugang zur Materie des Fachgebietes\u201c, wei\u00df die Pr\u00e4sidentin Eva Schwinghammer.<\/p>\n<p>Flei\u00dfig Qualifikationen zu sammeln r\u00e4t Renate Empting \u00fcbrigens auch Studierenden, die (zu) viel Zeit in ihren Nebenjob stecken. Denn auch ein Kurs f\u00fcr Projektmanagement, Online-Marketing oder Bilanzbuchhaltung verbessert die Einstellungschancen. \u201eUnser Programm Wegebau unterst\u00fctzt die Arbeitgeber bei der Finanzierung\u201c, sagt Empting und ist stolz, \u201edass bei mir noch keiner aus der Beratung herausgegangen ist, ohne dass ich ihm einen Tipp geben konnte.\u201c<\/p>\n<h3>Man muss auch \u00bbloslassen\u00ab k\u00f6nnen \u2026<\/h3>\n<p>Auch das SSC wei\u00df um seine Bedeutung als Anlaufstelle, wenn jemand sein Studium ernsthaft in Frage stellt oder nicht weiterstudieren darf. Ganz h\u00e4ufig flie\u00dfen Tr\u00e4nen. Bei allen geht es um das Auffangen, Aufrichten und Mutmachen, \u201eaber manchmal eben auch um das Loslassen\u201c, sagt Dagmar Kuchenbecker. \u201eDas ist meist umso schlimmer, je l\u00e4nger jemand studiert hat und je mehr Prestige man sich von Studieng\u00e4ngen wie BWL oder Jura erhofft. Da h\u00e4ngt auch ein Selbstbild dran.\u201c<\/p>\n<p>In dieser Krisensituation sei es schwierig, mit Eltern oder Kommilitonen zu sprechen. Die einen haben h\u00e4ufig das Studium finanziert, die anderen werden den einstmals geplanten Lebensentwurf fortf\u00fchren. \u201eMan befindet sich gewisserma\u00dfen im Niemandsland.\u201c sagt Dagmar Kuchenbecker. \u201eEs ist sehr schwer, sich einzugestehen, dass man sich geirrt hat. Es ist eine Sackgasse, aus der man sich wieder herausschaffen muss, um den Weg einzuschlagen, bei dem man aufbl\u00fcht.\u201c Die Gr\u00fcnde f\u00fcr das Scheitern seien genauso vielf\u00e4ltig wie die Studierenden. Die einen haben die Anforderungen untersch\u00e4tzt, die anderen zu viel gejobbt oder schon Kinder versorgt, andere ihr Studienfach ohne genug Eigenmotivation gew\u00e4hlt.<\/p>\n<p>\u201eAbiturienten leben meist im Hier und Jetzt. Sie k\u00f6nnen die langfristige Perspektive eines Studiums nicht immer absehen\u201c, sagt Kuchenbecker. Zu Beginn seien sie ausgelastet mit ihren Modulen. Tauchen fachliche Probleme auf, erf\u00fchren sie im Massenbetrieb einer gro\u00dfen Universit\u00e4t wenig Unterst\u00fctzung. \u201eNat\u00fcrlich h\u00e4ngt die Abbrecherquote auch mit dem Betreuungsangebot an den Hochschulen zusammen\u201c, sagt Kuchenbecker.<\/p>\n<p>\u201eMit diesen Jobs werden Sie auch ohne Studium zum Top-Verdiener\u201c machte neulich der Focus Nicht-Akademikern Mut: Und zeigte mit dem Fluglotsen (Anfangsgehalt 6.000 Euro brutto), dem Bankkaufmann (1.800 bis 2.700 Euro) oder Binnenschiffer (2.000 bis 2.200 Euro) Alternativen auf zum Architekt (2.400 Euro), der Grundschullehrerin (2.700 Euro) oder dem Kunsthistoriker (2.500 Euro). Aus welcher Motivation man auch immer zu studieren beginnt: Wenn sie nicht tr\u00e4gt, stehen jenseits der Uni derzeit enorm viele T\u00fcren offen. [Autorin: Julia Wittenhagen]<\/p>\n<p>[dt_call_to_action content_size=&#8220;normal&#8220; background=&#8220;plain&#8220; line=&#8220;true&#8220; style=&#8220;1&#8243; animation=&#8220;fadeIn&#8220;]<br \/>\n<strong>Link-Tipps<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Verdienen Akademiker wirklich mehr? Dazu ein paar Fakten des <a href=\"http:\/\/www.dihk.de\/ressourcen\/downloads\/studium_ausbildung\">Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK).<\/a><\/li>\n<li>Konkrete Angebote von Akademien, Unternehmen und Initiativen.\u00a0<a href=\"http:\/\/www.studienabbrecher.com\">www.studienabbrecher.com<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.uni-frankfurt.de\/55705366\/Beratungsnetzwerk\">Anlaufstellen f\u00fcr Studienzweifler<\/a> an der Goethe-Universit\u00e4t.<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Studienabbruch\">Hier<\/a> erfahren wir, dass insgesamt 5,6 Prozent aller Mitglieder des Deutschen Bundestages ihr Studium abgebrochen haben \u2013 genauso wie Bill Gates, G\u00fcnther Jauch und Wolfgang Joop.<\/li>\n<\/ul>\n<p>[\/dt_call_to_action]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Akademikerschwemme contra Wissensgesellschaft: In den letzten Ausgaben des UniReports diskutierten Wissenschaftler das F\u00fcr und Wider der gestiegenen Studierneigung. 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