{"id":625,"date":"2015-10-08T12:23:55","date_gmt":"2015-10-08T10:23:55","guid":{"rendered":"http:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=625"},"modified":"2016-01-10T22:09:55","modified_gmt":"2016-01-10T21:09:55","slug":"goethe-deine-forscher-meike-piepenbring-mykologin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/menschen\/goethe-deine-forscher-meike-piepenbring-mykologin\/","title":{"rendered":"Goethe, Deine Forscher: Meike Piepenbring, Mykologin"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_628\" aria-describedby=\"caption-attachment-628\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-628 size-medium\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/blog_forscher_piepenbring1-300x200.jpg\" alt=\"Meike Piepenbring, Mykologin; Foto: Privat\" width=\"300\" height=\"200\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-628\" class=\"wp-caption-text\">Meike Piepenbring, Mykologin; Foto: Privat<\/figcaption><\/figure>\n<p>Viel ist das nicht: Gerade einmal zwei bis drei Prozent, rund 120.000 von sch\u00e4tzungsweise bis zu sechs Millionen existierenden Pilzarten sind der Wissenschaft bekannt.<!--more--> F\u00fcr die Mykologin Meike Piepenbring, Professorin am Institut f\u00fcr \u00d6kologie, Evolution und Diversit\u00e4t des Fachbereiches Biowissenschaften, bestand darin von Anfang an ein starker Ansporn. \u201eIm Studium habe ich mich f\u00fcr meine Diplomarbeit mit Botanik besch\u00e4ftigt, mit der Anatomie und Morphologie von Pflanzen. Dann habe ich gemerkt, dass es bei Pilzen noch viel mehr zu entdecken gibt\u201c, sagt Piepenbring. \u201eMich begeistert die unglaubliche Vielfalt der Strukturen und \u00dcberlebensstrategien.\u201c<\/p>\n<p>Au\u00dferdem beeindruckt Piepenbring, an welch&#8216; unterschiedlichen Vorg\u00e4ngen die Lebewesen aus dem Reich der Fungi beteiligt sind: \u201eDa gibt es zum einen Situationen, in denen Pilze, \u201adie B\u00f6sen\u2018 sind, zum Beispiel wenn Fu\u00dfpilze oder Candida den Menschen erkranken lassen, oder wenn durch Schimmelpilze Lebensmittel ungenie\u00dfbar oder Geb\u00e4ude unbewohnbar werden\u201c, z\u00e4hlt sie auf. \u201eZum anderen sind da die n\u00fctzlichen Pilze, die Penicillin und andere Antibiotika produzieren, sowie Medizinalpilze, die nicht nur in der traditionellen chinesischen Medizin eine wichtige Rolle spielen.\u201c Au\u00dferdem lassen sich ohne bestimmte Schimmelpilze weder Camembert noch Gorgonzola herstellen, und Hefepilze sind sowohl beim Backen als auch bei der Getr\u00e4nkeproduktion beteiligt, wenn es beispielsweise um Bier oder um Apfelwein geht.<\/p>\n<h3>Forschung in den Tropen und im Taunus<\/h3>\n<p>Das sind Anwendungen f\u00fcr vergleichsweise gut untersuchte Pilzarten; ein ganz wesentlicher Aspekt der mykologischen Forschung ist die Suche nach unentdeckten Pilzen \u2013 f\u00fcr Piepenbring findet diese<br \/>\nSuche \u00fcberwiegend in den Tropen statt. \u201eWir waren zum Beispiel in Costa Rica und in Panama unterwegs und in der s\u00fcdwestchinesischen Provinz Yunnan\u201c, berichtet sie, \u201eAber genauso wichtig sind uns<br \/>\ndie Exkursionen, die wir hier in Hessen machen\u201c, erg\u00e4nzt sie: \u201eEs gibt n\u00e4mlich auch hierzulande noch Pilze, die schlecht oder gar nicht bekannt sind, insbesondere unter den Mikropilzen.\u201c<\/p>\n<p>Anders als Gro\u00dfpilze wie zum Beispiel Pfifferling und Fliegenpilz sind Mikropilze mit blo\u00dfem Auge kaum oder nicht zu sehen. Im Gel\u00e4nde sammeln Mykologen Substrate, etwa Bodenproben und Bl\u00e4tter, die auff\u00e4llige Flecken aufweisen. Sie bringen die Substrate auf ein N\u00e4hrmedium, isolieren und untersuchen die Pilze, die darauf wachsen. Dabei geht es Piepenbring und ihrer Arbeitsgruppe nicht nur um unbekannte Pilzarten. Zum einen erforschen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler daneben die Stammesgeschichte einzelner Pilzgruppen, und zum anderen untersuchen sie, welche Pilze in verschiedenen geographischen Gebieten vorkommen. So hat eine Doktorandin von Piepenbring k\u00fcrzlich alle Pilze gelistet, die sie \u00fcber drei Jahre in einem bestimmten Gebiet im Taunus beobachtet hat.<\/p>\n<p>Ein anderes Forschungsprojekt befindet sich buchst\u00e4blich vor der Haust\u00fcr des Biologicums auf dem Riedberg- Campus, in einem jungen Buchenwald, der vor zwei Jahren als Teil des neu angelegten Wissenschaftsgartens gepflanzt wurde. Piepenbring und ihre Arbeitsgruppe m\u00f6chten hier in einer Langzeituntersuchung herausfinden, wie sich die Pflanzenund Pilzvielfalt in einem heranwachsenden Wald entwickelt.<\/p>\n<p>Nicht nur f\u00fcr ihre Forschung, auch f\u00fcr die Lehre reist sie um die ganze Welt. In einem durch die Volkswagenstiftung finanzierten Kooperationsprojekt wird sie 2017 f\u00fcr zwei Wochen Studierende in dem westafrikanischen Land Benin unterrichten. Und 2008 und 2009 lie\u00df sie sich f\u00fcr zwei Jahre von der Goethe-Universit\u00e4t beurlauben. Unterst\u00fctzt vom Deutschen Akademischen Austauschdienst hielt sie in Panama an der Universidad Aut\u00f3noma de Chiriqu\u00ed als Gastprofessorin Vorlesungen in Mykologie und leitete Praktika sowie Exkursionen im Gel\u00e4nde an.<\/p>\n<h3>Sieben Jahre f\u00fcr \u00bbMicolog\u00eda en los Tr\u00f3picos\u00ab<\/h3>\n<p>Dieser Aufenthalt wirkte lange nach: \u201eImmer wieder kamen in dieser Zeit Studierende zu mir und fragten: \u201aWas ist das f\u00fcr ein Pilz? Wie hei\u00dft diese Art?\u2018\u201c, berichtet Piepenbring. \u201eDie enorme Vielfalt tropischer Pilze bedeutete dabei eine echte Herausforderung, zumal in Panama niemand \u00fcber breite Pilzartenkenntnis verf\u00fcgt. Au\u00dferdem ist der Wissenschaft nur wenig \u00fcber tropische Pilze bekannt, so dass zu vielen Aspekten widerspr\u00fcchliche oder gar keine Lehrmeinungen existieren. Also beschloss ich, ein Lehrbuch \u00fcber die Mykologie der Tropen zu verfassen.\u201c<\/p>\n<p>In den vergangenen sieben Jahren hat Piepenbring praktisch jede freie Minute dem Manuskript \u201eIntroducci\u00f3n a la Micolog\u00eda en los Tr\u00f3picos\u201c gewidmet, das sie unter dem Namen \u201eIntroduction to Mycology in the Tropics\u201c ins Englische \u00fcbersetzt hat, damit es in den Tropen weltweit genutzt werden kann. Im Fr\u00fchjahr 2015 wurden die B\u00fccher in den USA gedruckt.<\/p>\n<p>\u201eDas war unglaublich viel Arbeit, die in Wissenschaftskreisen kaum gew\u00fcrdigt wird\u201c, sagt sie, \u201eaber ich habe das mit an Besessenheit grenzender Motivation durchgezogen, weil nur mit einer solchen Grundlage Lehre und Forschung zur Mykologie in den Tropen vorankommen k\u00f6nnen. Zudem habe ich selbst dabei sehr viel gelernt! Ich m\u00f6chte Biologen in den Tropen nicht nur ein breites Grundlagenwissen, sondern auch Wertsch\u00e4tzung dieser einzigartigen Vielfalt vermitteln und damit Motivation f\u00fcr den Schutz tropischer Urw\u00e4lder. Viele Arten stellen sehr spezielle Anspr\u00fcche an ihren Lebensraum, weshalb durch die Zerst\u00f6rung der Natur vermutlich viele Pilzarten aussterben, die wir noch gar nicht kennen.\u201c [Autorin: Stefanie Hense]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Viel ist das nicht: Gerade einmal zwei bis drei Prozent, rund 120.000 von sch\u00e4tzungsweise bis zu sechs Millionen existierenden Pilzarten sind der Wissenschaft 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