{"id":64833,"date":"2022-10-18T10:46:05","date_gmt":"2022-10-18T08:46:05","guid":{"rendered":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=64833"},"modified":"2022-10-18T10:46:06","modified_gmt":"2022-10-18T08:46:06","slug":"rueckenschmerz-therapie-um-84-prozent-gesteigerte-erfolgsquote","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/forschung\/rueckenschmerz-therapie-um-84-prozent-gesteigerte-erfolgsquote\/","title":{"rendered":"Treatment for back pain: 84 percent increase in success rate"},"content":{"rendered":"<p><strong>Geht eine Therapie gegen chronische R\u00fcckenschmerzen gezielt auf die pers\u00f6nlichen Bed\u00fcrfnisse der Patienten ein, sind die Erfolgschancen deutlich gr\u00f6\u00dfer als bei Standardbehandlungen. Kommt erg\u00e4nzend ein psychotherapeutisches Verfahren dazu, die kognitive Verhaltenstherapie, lassen sich die Schmerzen sogar noch effektiver lindern. So das Ergebnis einer Metastudie der Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt, bei der die Daten von \u00fcber 10.000 Patienten kombiniert ausgewertet wurden. Aus der Studie l\u00e4sst sich schlie\u00dfen: Entsprechend den Vorgaben der Nationalen Versorgungsleitlinie sollten multimodale Therapien im deutschen Gesundheitswesen st\u00e4rker gef\u00f6rdert werden.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/beitragsbild_Rueckenschmerz_c_MarkusBernards.jpg\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/beitragsbild_Rueckenschmerz_c_MarkusBernards.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-64831\" width=\"496\" height=\"343\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/beitragsbild_Rueckenschmerz_c_MarkusBernards.jpg 650w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/beitragsbild_Rueckenschmerz_c_MarkusBernards-300x208.jpg 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/beitragsbild_Rueckenschmerz_c_MarkusBernards-18x12.jpg 18w\" sizes=\"(max-width: 496px) 100vw, 496px\" \/><\/a><figcaption>Wer viel sitzt und sich wenig bewegt, entwickelt h\u00e4ufig R\u00fcckenschmerzen. Foto: Markus Bernards f\u00fcr Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Bewegungsmangel, Fehlbelastung, \u00dcberbelastung, Dauerstress am Arbeitsplatz oder privat &#8211; es gibt viele Ursachen f\u00fcr die Volkskrankheit R\u00fcckenschmerz. Bei nicht wenigen Betroffenen sind die Beschwerden sogar chronisch. Das hei\u00dft, sie halten \u00fcber lange Zeit an oder treten immer wieder auf. Linderung k\u00f6nnen angeleitete Sport- und Bewegungstherapien bringen. Zu den g\u00e4ngigen Behandlungsmethoden geh\u00f6ren Physiotherapie, Krafttraining und Stabilisationstraining. Doch wie kann die Therapie m\u00f6glichst erfolgreich sein? Welche Vorgehensweise lindert den Schmerz am effektivsten? Dazu hat eine k\u00fcrzlich im Journal of Pain ver\u00f6ffentlichte Metastudie der Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt neue Erkenntnisse gebracht.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Datenbasis dienten 58 randomiserte, kontrollierte Studien (randomised controlled trials, RCTs) von mehr als 10.000 Patientinnen und Patienten weltweit, die unter chronischen Schmerzen im unteren R\u00fcckenbereich leiden. Zuerst wurden die f\u00fcr das Thema relevanten Daten aus den Originalmanuskripten herausgefiltert, dann zusammengefasst ausgewertet. Bei den Auswertungen ging es zum einen darum, ob und wie sehr sich Standardbehandlungen und personalisierte Behandlungen im Ergebnis voneinander unterscheiden. Personalisiert bedeutet, es gibt eine Art pers\u00f6nliches Coaching, bei dem Therapeuten gezielt auf Potenziale und Bed\u00fcrfnisse der Patienten eingehen und gemeinsam mit ihnen entscheiden, wie die Therapie aussieht.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Resultat der Studie: Eine personalisierte Behandlung f\u00fchrte zu einer deutlichen Steigerung der Effekte bei chronischen R\u00fcckenschmerzen im Vergleich zu Standard-Bewegungstherapien. Die Erfolgsquote bei der Schmerzlinderung lag 38 Prozent h\u00f6her als bei einer Standardbehandlung. &#8222;Der h\u00f6here Aufwand der Personalisierung lohnt sich, da die Patienten in klinisch relevantem Ausma\u00df davon profitieren&#8220;, sagt der federf\u00fchrende Autor Privatdozent Dr. Johannes Fleckenstein vom Institut f\u00fcr Sportwissenschaften der Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Studie ging aber noch weiter. Das Frankfurter Forscher-Team verglich neben den Standardbehandlungen und den personalisierten eine dritte Gruppe von Behandlungen. Bei diesen wurden personalisierte Trainingseinheiten mit einer so genannten kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) kombiniert. Dieses Gespr\u00e4chsverfahren geht davon aus, dass negative Gedanken und Verhaltensweisen rund um das Thema Schmerz schmerzverst\u00e4rkend wirken. Also lernen Schmerzpatienten, ihren Umgang mit dem Schmerz zu ver\u00e4ndern. Sie bauen Bewegungs\u00e4ngste ab oder bekommen Taktiken zur Schmerzbew\u00e4ltigung beigebracht. Dadurch merken sie, dass sie durchaus nicht hilflos sind. Doch was tr\u00e4gt die psychotherapeutische Unterst\u00fctzung durch KVT tats\u00e4chlich zum Behandlungserfolg bei? Hier ergab sich bei der Datenanalyse folgendes: Wurden personalisierter Ansatz und KVT kombiniert, lag die Erfolgsquote in Hinblick auf die Schmerzlinderung beeindruckende 84 Prozent h\u00f6her als bei einer Standardbehandlung. Die kombinierte Therapie, auch multimodale Therapie genannt, f\u00fchrte also zum mit Abstand besten Ergebnis.<\/p>\n\n\n\n<p>Fleckenstein sieht in der Studie &#8222;den dringenden gesundheitspolitischen Appell&#8220;, kombinierte Angebote in der Versorgung und Verg\u00fctung zu st\u00e4rken. &#8222;Im Vergleich zu anderen L\u00e4ndern, etwa den USA, stehen wir in Deutschland zwar relativ gut da. Wir haben zum Beispiel eine geringere Verschreibung von starken Bet\u00e4ubungsmitteln wie Opiaten. Aber die Rate an unn\u00f6tigen R\u00f6ntgenuntersuchungen, die im \u00dcbrigen auch zur Chronifizierung von Schmerzen beitragen k\u00f6nnen, oder ungenauen OP-Indikationen ist noch immer sehr hoch.&#8220; Dies l\u00e4ge, so Fleckenstein, auch an den \u00f6konomischen Anreizen, also der verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig hohen Verg\u00fctung solcher Ma\u00dfnahmen. Anders sei die Situation bei schmerztherapeutischen Einrichtungen. Die sind laut Fleckenstein zwar nicht defizit\u00e4r, aber eben auch keine Cash Cow f\u00fcr Investoren. Hier gelte es, die \u00f6konomischen Rahmenbedingungen zu verbessern. Denn: Langfristig spare Schmerztherapie aus gesundheits\u00f6konomischer Sicht viel Geld, wohingegen Tabletten und Operationen eher selten zu einer mittel- und langfristigen Schmerzlinderung f\u00fchrten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-background\" style=\"background-color:#eeeeee\"><strong>Publikation: <\/strong>Johannes Fleckenstein, Philipp Floessel, Tilman Engel, Laura Krempel, Josefine Stoll, Martin Behrens, Daniel Niederer. <strong>Individualized Exercise in Chronic Non-Specific Low Back Pain: A Systematic Review with Meta-Analysis on the Effects of Exercise Alone or in Combination with Psychological Interventions on Pain and Disability.<\/strong> The Journal of Pain (2022) <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.jpain.2022.07.005\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.jpain.2022.07.005<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geht eine Therapie gegen chronische R\u00fcckenschmerzen gezielt auf die pers\u00f6nlichen Bed\u00fcrfnisse der Patienten ein, sind die Erfolgschancen deutlich gr\u00f6\u00dfer als bei Standardbehandlungen. 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