{"id":66135,"date":"2022-11-25T11:29:01","date_gmt":"2022-11-25T10:29:01","guid":{"rendered":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=66135"},"modified":"2022-11-25T15:10:24","modified_gmt":"2022-11-25T14:10:24","slug":"die-groesste-huerde-ist-ueberhaupt-zu-spenden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/studium\/die-groesste-huerde-ist-ueberhaupt-zu-spenden\/","title":{"rendered":"\u201eDie gr\u00f6\u00dfte H\u00fcrde ist, \u00fcberhaupt zu spenden\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Das Deutschlandstipendium funktioniert nach einem so einfachen wie schlagenden Prinzip: Jeder gespendete Euro wird vom Bund verdoppelt. In diesem Jahr wurde ein Teil der Summe an der Goethe-Universit\u00e4t sogar vervierfacht. Ein Modell, das zum Nachahmen einl\u00e4dt?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/beitragsbild_D-Stip-Vergabefeier-Benjamin-Andre_01.jpg\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/beitragsbild_D-Stip-Vergabefeier-Benjamin-Andre_01.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-66137\" width=\"838\" height=\"580\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/beitragsbild_D-Stip-Vergabefeier-Benjamin-Andre_01.jpg 650w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/beitragsbild_D-Stip-Vergabefeier-Benjamin-Andre_01-300x208.jpg 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/beitragsbild_D-Stip-Vergabefeier-Benjamin-Andre_01-18x12.jpg 18w\" sizes=\"(max-width: 838px) 100vw, 838px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Wie kam die \u201eIhr f\u00fcr Euch\u201c-Challenge an? Stipendiatinnen und Stipendiaten des Deutschlandstipendiums diskutieren mit ihren F\u00f6rderern (Foto: Benjamin Andr\u00e9)  <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Gleich vorab: Es hat geklappt. Die jetzigen und ehemaligen Deutschlandstipendiaten haben 9.000 Euro gespendet. Wenn diese Summe zusammenkommen w\u00fcrde, so die beiden F\u00f6rderer Georg Greitemann und Kirsten Schwartzkopff, w\u00fcrden sie sie verdoppeln. Nach dem Matching-Modell des Deutschlandstipendiums w\u00fcrde die Summe dann wiederum vom Bund verdoppelt werden. Aus 9.000 Euro mach 36.000 Euro \u2013 knapp sechzig aktuelle und rund hundert ehemalige Stipendiat*innen waren von dem Rechenmodell \u00fcberzeugt und trugen \u00fcber zwei Monate zur Challenge bei: mit kleineren Euro-Beitr\u00e4gen oder mitunter auch einer 200 Euro-\u00dcberweisung. 4000 Studierende wurden seit der ersten Stipendienvergabe vor zw\u00f6lf Jahren gef\u00f6rdert. Bei der Challenge wurden sie nun von Marc Heinb\u00fccher, Referent der Privaten Hochschulf\u00f6rderung an der Goethe-Universit\u00e4t, ermunternd begleitet \u2013 in sieben aufeinander folgenden Mails wies er auf den nahenden Stichtag hin und die Chance, zehn Kommilitonen mit Stipendien zu beschenken. Es blieb spannend \u2013 am 7. Juli \u00fcberschritt der Kontostand die kritische Marke.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAn amerikanischen Universit\u00e4ten l\u00e4uft die Spenden-Maschine zwar wie ge\u00f6lt\u201c, kommentiert Kirsten Schwarzkopff, die selbst in den USA studiert hat. An deutschen Hochschulen dagegen sei das Alumnisystem oft erst im Aufbau begriffen, und ohne jahrelang gepflegte Mailinglisten fehle es Spendenaufrufen oft an Reichweite. Manchen Universit\u00e4ten fehlt, so scheint es, auch einfach der Mut. \u201eGibt es das schon? Nein? Dann machen wir es nicht\u201c, bekam Georg Greitemann, der Ideengeber der Challenge, bei ersten Anfragen von Universit\u00e4ten zu h\u00f6ren. Antworten, die den 51-j\u00e4hrigen Rechtsanwalt anspornten. Mit einer hochenergetischen Mischung aus missionarischem Eifer und mathematischem Kalk\u00fcl st\u00f6\u00dft Greitemann nicht nur an Hochschulen Spendenprojekte an. \u201eWenn mehr und vor allem auch wohlhabende Menschen spenden w\u00fcrden\u201c, ist er \u00fcberzeugt, \u201edann w\u00e4ren wir als Gesellschaft weiter\u201c. Und: \u201e5 Euro gehen immer. Die gr\u00f6\u00dfte H\u00fcrde ist, \u00fcberhaupt zu spenden.\u201c &nbsp;Wer mit Greitemann \u00fcbers Spenden spricht, wird freim\u00fctig mit S\u00e4tzen wie \u201eSpenden macht gl\u00fccklich\u201c beschenkt, was bei ihm gleichzusetzen ist mit \u201eWirken macht gl\u00fccklich\u201c. In den Auserw\u00e4hlten des Deutschlandstipendiums entdeckte er \u201edie besten\u201c Adressaten, die er sich vorstellen konnte: talentierte und gleichzeitig sozial engagierte junge Menschen. In der TU Dresden fand er f\u00fcr das Konzept einer Challenge mit \u201edrastischer Hebelwirkung\u201c 2021 einen ersten Mitspieler. In diesem Jahr warb er an weiteren Hochschulen f\u00fcr seine Idee. An der Goethe-Universit\u00e4t rannte er bei Marc Heinb\u00fccher, Referent des Deutschlandstipendiums, eine offene T\u00fcr ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass Spendenaufrufe keine Selbstl\u00e4ufer sind, oder frei nach Karl Valentin, dass Spenden sch\u00f6n ist, aber viel Arbeit macht, wei\u00df Greitemann auch aus seiner Spendenerfahrung au\u00dferhalb von Universit\u00e4ten. Der Aufbau eines Spendensystems brauche Zeit, sagt er. Mit f\u00fcnf Prozent R\u00fcckl\u00e4ufen starte ein Spendenaufruf f\u00fcr gew\u00f6hnlich, nach f\u00fcnf Jahren habe sich ein Spendenaufruf etabliert \u2013 oder eben erledigt. \u201eIch w\u00fcrde mir w\u00fcnschen, dass das Projekt an den Universit\u00e4ten zum Selbstl\u00e4ufer wird und es mich nicht mehr braucht.\u201c Ansto\u00dfen, dranbleiben und weiterziehen zu neuen Wirkungsfeldern mit viel Hebeleffekt, das scheint eine Wunschvorstellung Greitemanns zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Seine Spendenpartnerin Kirsten Schwartzkopff, die Greitemann spontan bei der Initiative finanziell unterst\u00fctzt hat, sieht die Aktion pragmatischer. Sie versteht die Challenge als weiteren Ansporn zu mehr Stipendien, deren Notwendigkeit f\u00fcr viele Studierende sie aus ihrer langj\u00e4hrigen Erfahrung als F\u00f6rderin und Mentorin des Programms nur zu gut kennt. Dass die Stipendiaten die 9.000 Euro-H\u00fcrde genommen h\u00e4tten, sagt sie, sei gar nicht hoch genug zu sch\u00e4tzen. \u201eMachen wir uns nichts vor, die Inflation trifft diejenigen am st\u00e4rksten, die am wenigsten haben\u201c, sagt die studierte Volkswirtin. \u201eWer am Monatsende nur f\u00fcnf Euro in der Tasche hat, \u00fcberlegt sich eine Spende.\u201c Von ihr aus k\u00f6nne die Challenge deshalb fortgesetzt werden, dies sei aber kein Muss. \u201eWenn Stipendiaten das Geld nutzen, um in Ruhe zu studieren, sich weiterzubilden oder ein Auslandssemester einzulegen, dann machen sie schon das Beste daraus.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Und die Stipendiaten? Wie denken sie \u00fcber die Challenge? Als die Challenge-Mail eintraf, wirkte dies f\u00fcr Philip Daltrop im ersten Moment unglaublich. V-i-e-r-f-a-c-h-e Hebelwirkung?, staunte der Masterstudent International Management, der selbst aktuell Deutschlandstipendiat war. Im zweiten Moment schickte er die Challenge schon durch seinen Familien-Chat. \u201eHeute\u201c, sagt er, \u201ew\u00fcrde ich da noch viel mehr Gas geben, um den Pool zu vergr\u00f6\u00dfern.\u201c Klar war ihm aber, dass er die tolle Erfahrung des Stipendiums unbedingt weitergeben wollte. \u201eIch habe \u00fcber Projekte wie das Welcome Program f\u00fcr internationale Studierende, das WiWir-Programm, und die TechAcademy viele coole Leute kennengelernt.\u201c Den finanziellen Zuschuss hat er im Lockdown bei Seite gelegt \u2013 als \u201ekleine Karotte\u201c f\u00fcr eine gezielte Belohnung. Die \u201ekleine Karotte\u201c fiel dann doch etwas gr\u00f6\u00dfer aus \u2013 w\u00e4hrend seines Auslandsstudiums in Singapur waren die 300 Euro des Stipendiums eine unverzichtbare Unterst\u00fctzung. Seiner Meinung nach sollte die Challenge unbedingt fortgesetzt werden \u2013 \u201eallein schon damit diejenigen, die diesmal nichts spenden konnten, das n\u00e4chste Mal die Chance haben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/beitragsbild_D-Stip-Vergabefeier-Benjamin-Andre_02.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/beitragsbild_D-Stip-Vergabefeier-Benjamin-Andre_02.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-66138\" width=\"840\" height=\"582\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/beitragsbild_D-Stip-Vergabefeier-Benjamin-Andre_02.jpg 650w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/beitragsbild_D-Stip-Vergabefeier-Benjamin-Andre_02-300x208.jpg 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/beitragsbild_D-Stip-Vergabefeier-Benjamin-Andre_02-18x12.jpg 18w\" sizes=\"(max-width: 840px) 100vw, 840px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Auch so kommen F\u00f6rderer und Studierende in Kontakt: Zahlreiche F\u00f6rderer des Deutschlandstipendiums begleiten \u201eihre\u201c Stipendiaten als Mentorinnen und Mentoren (Foto: Benjamin Andr\u00e9) <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Als die Medizinstudentin Julia Heinen Marc Heinb\u00fcchers erste Mail liest, empfindet sie Freude \u00fcber die M\u00f6glichkeit, etwas von der positiven Erfahrung ihres Stipendiums zur\u00fcckgeben zu k\u00f6nnen \u2013 und sich als Deutschlandstipendium-Alumna zu erleben. \u201eSch\u00f6n w\u00e4re es, wenn es eine Alumnigruppe g\u00e4be, wir also noch mehr unternehmen k\u00f6nnten als gemeinsam zu spenden\u201c. W\u00e4hrend sie an ihrer Doktorarbeit schreibt, leitet Julia Heinen den Aufruf weiter an die Redaktion des medizinischen Online-Newsletters auf dem medizinischen Campus. \u201eWenn nur jeder ein bisschen gibt, dann m\u00fcsse es klappen\u201c, denkt sie, beobachtet aber auch, wie der Spendenbarometer nur beunruhigend langsam klettert. Heinen half das im Lockdown angesparte Stipendium, um danach erstmals eine eigene Wohnung zu beziehen. Trotzdem z\u00f6gert sie bei der Frage, ob sie es f\u00fcr eine gute Idee halte, die Challenge fortzusetzen. \u201eWas nicht passieren darf: dass der Druck steigt, dass man spenden muss.\u201c Wichtig sei also, die Challenge richtig zu kommunizieren. Als Angebot, und nicht als Pflicht. Und als eine Herausforderung, die eben auch schiefgehen k\u00f6nne.<\/p>\n\n\n\n<p>Was allen Challenge-Beteiligten bewusst ist: In wirtschaftlich schwierigen Zeiten wird es f\u00fcr Studierende besonders eng. Jeder der studentischen Gespr\u00e4chspartner finanziert sein Studium auch durch Jobs. Und nicht immer ist es nur einer. In einem Fall hat das Deutschlandstipendium verhindert, dass ein dritter Job n\u00f6tig wurde. 300 Euro machen den Unterschied. Zehn neue Deutschlandstipendien auch.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Deutschlandstipendium funktioniert nach einem so einfachen wie schlagenden Prinzip: Jeder gespendete Euro wird vom Bund verdoppelt. In diesem Jahr wurde ein Teil der Summe an der Goethe-Universit\u00e4t sogar vervierfacht. 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