{"id":67431,"date":"2023-02-02T13:54:37","date_gmt":"2023-02-02T12:54:37","guid":{"rendered":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=67431"},"modified":"2023-02-03T09:01:31","modified_gmt":"2023-02-03T08:01:31","slug":"kathryn-barnes-forscht-zu-ikonischen-woertern-im-deutschen-und-deren-wirkung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/forschung\/kathryn-barnes-forscht-zu-ikonischen-woertern-im-deutschen-und-deren-wirkung\/","title":{"rendered":"Kathryn Barnes forscht zu ikonischen W\u00f6rtern im Deutschen und deren Wirkung"},"content":{"rendered":"<p><strong>W\u00f6rter wie \u201eratzfatz\u201c, \u201eruckzuck\u201c oder \u201epillepalle\u201c nennt man Ideophone. Sie kommen vor allem in der gesprochenen Sprache vor. Ihre Rolle im System Sprache ist bislang kaum erforscht. Eine junge Linguistin an der Goethe-Universit\u00e4t will das \u00e4ndern. Sie schreibt ihre Doktorarbeit \u00fcber die Semantik und Pragmatik von Ideophonen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/beitragsbild_Kathryn-Barnes.png\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/beitragsbild_Kathryn-Barnes.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-67429\" width=\"371\" height=\"257\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/beitragsbild_Kathryn-Barnes.png 650w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/beitragsbild_Kathryn-Barnes-300x208.png 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/beitragsbild_Kathryn-Barnes-18x12.png 18w\" sizes=\"(max-width: 371px) 100vw, 371px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Kathryn Barnes forscht zu ikonischen W\u00f6rtern im Deutschen und deren Wirkung. (Foto: Sauter)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrliche Sprachen gelten als \u201earbitr\u00e4r\u201c: Die sprachlichen Zeichen und deren Bedeutung stehen in einem freien Verh\u00e4ltnis zueinander und beruhen nicht auf \u00c4hnlichkeit. Wer zum Beispiel das Wort \u201eBuch\u201c nicht kennt, kann sich die Bedeutung nicht aus der Form und Beschaffenheit des Wortes erschlie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber es gibt auch Zeichen mit ikonischen Eigenschaften, die durchaus ohne Vorkenntnis auf die Bedeutung schlie\u00dfen lassen. Gesten und Mimik etwa: Als Begleiter der gesprochenen Sprache bringen sie zus\u00e4tzlichen Bedeutungsinhalt ein. Und es gibt Ideophone. Das sind W\u00f6rter, die das Gemeinte klangmalerisch beschreiben; meist handelt es sich um Ger\u00e4usche oder Bewegungen. Ein Ideophon kann ein Verb, ein Adjektiv oder ein Adverb sein, es beschreibt Art und Weise, Farbe, Ger\u00e4usch, Geruch, Handlung, Zustand oder Intensit\u00e4t. In afrikanischen Sprachen sind Ideophone besonders h\u00e4ufig, im Deutschen gibt es sie weit seltener. Aber es gibt sie: \u201ezickzack\u201c, \u201eholterdiepolter\u201c, \u201eratzfatz\u201c, \u201epille-palle\u201c oder \u201eplemplem\u201c. Und mit dieser Art von W\u00f6rtern befasst sich Kathryn Barnes.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie sind nicht nur Thema ihrer gerade entstehenden Dissertation, sondern auch eines j\u00fcngst in der linguistischen Zeitschrift \u201eGlossa\u201c erschienenen Aufsatzes. Betreut wird ihre Arbeit von der Linguistin Prof. Cornelia Ebert, die auch das hochschul\u00fcbergreifende DFG-Schwerpunktprogramm \u201eVisuelle Kommunikation. Theoretische, empirische und angewandte Perspektiven (ViCom)\u201c koordiniert. Ebert hat in Bezug auf Gesten herausgefunden, dass diese auf einer anderen Ebene Bedeutung vermitteln als arbitr\u00e4re Zeichen. Sie werden vom kommunikativen Gegen\u00fcber weniger in Frage gestellt. Barnes erforscht nun, ob dies auch auf Ideophone \u00fcbertragen werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSolche vermeintlichen Sonderf\u00e4lle k\u00f6nnen viel \u00fcber das Funktionieren von Sprache aussagen\u201c, sagt Barnes. F\u00fcr die als Aufsatz erschienene Studie musste Barnes wegen der Pandemie die notwendige Befragung als Onlineexperiment konzipieren. Insgesamt 40 Deutsch-Muttersprachler haben den Fragebogen ausgef\u00fcllt, der die Verwendung (Pragmatik) und Bedeutung (Semantik) von 20 Ideophonen beleuchten sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Als ein Beispiel wird eine Szene aus dem Froschk\u00f6nig verwendet, wo der Frosch <em>plitschplatsch<\/em> die Treppe zum Schloss hinaufsteigt. Im einen Beispiel wurde er zuvor als nass beschrieben, im anderen geschildert, dass die Sonne ihn bei der Ankunft an der Treppe vollkommen ausgetrocknet hatte. Bei Verwendung des Ideophons plitschplatsch konnten die Probanden die Schilderung auch dann akzeptieren, als die Aussage eigentlich unlogisch erscheinen musste. Anders bei Verwendung eines Adverbs \u2013 ganz \u00e4hnlich wie im Fall von Gesten wurde der Fehler von den Teilnehmern weniger beanstandet.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDies ist meines Erachtens die erste experimentelle Arbeit zum At-issue-Status von Ideophonen, die mit deutschen Sprechern durchgef\u00fchrt wurde \u2013 und eine der ganz wenigen \u00fcberhaupt zum Informationsstatus von Ideophonen\u201c, sagt Prof. Cornelia Ebert. Im Deutschen jedenfalls seien Ideophone, die wie Satzglieder verwendet w\u00fcrden, \u201enot at issue\u201c, das hei\u00dft: Ihr Wahrheitsgehalt werde nicht im gleichen Ma\u00dfe in Frage gestellt wie der anderer Satzglieder. Ob das, was anhand deutschsprachiger Ideophone gezeigt werden konnte, auch auf andere Sprachen \u00fcbertragbar sei, insbesondere auf solche, in denen die Verwendung von Ideophonen viel \u00fcblicher ist als im Deutschen, m\u00fcsse sich noch zeigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Warum aber haben Ideophone (ebenso wie Gesten) eine h\u00f6here Glaubw\u00fcrdigkeit? Weil sie Bilder im Kopf erzeugen, also auf einer anderen Verst\u00e4ndnisebene wahrgenommen werden? Das will Kathryn Barnes weiter erforschen und dabei auch andere Sprachen, etwa das Spanische einbeziehen. &nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-background\" style=\"background-color:#eeeeee\"><strong>Publikation:<\/strong> Barnes, K. R. &amp; Ebert, C. &amp; H\u00f6rnig, R. &amp; Stender, T., (2022) \u201cThe at-issue status of ideophones in German: An experimental approach\u201d, Glossa: a journal of general linguistics 7(1). doi: <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.16995\/glossa.5827\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/doi.org\/10.16995\/glossa.5827<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00f6rter wie \u201eratzfatz\u201c, \u201eruckzuck\u201c oder \u201epillepalle\u201c nennt man Ideophone. Sie kommen vor allem in der gesprochenen Sprache vor. Ihre Rolle im System Sprache ist bislang kaum erforscht. 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