{"id":67690,"date":"2023-02-09T11:42:50","date_gmt":"2023-02-09T10:42:50","guid":{"rendered":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=67690"},"modified":"2024-12-11T14:10:13","modified_gmt":"2024-12-11T13:10:13","slug":"die-bibliothek-als-ein-sich-kontinuierlich-veraendernder-organismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/unireport\/die-bibliothek-als-ein-sich-kontinuierlich-veraendernder-organismus\/","title":{"rendered":"Die Bibliothek als ein sich kontinuierlich ver\u00e4ndernder Organismus"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Direktorin Daniela Poth \u00fcber den Strategie- und Transformationsprozess der Universit\u00e4tsbibliothek Johann Christian Senckenberg.<\/em><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong><em>UniReport<\/em>: Frau Poth, Digitalisierung ist bei Ihnen in der UB zwar kein neues Schlagwort. Dennoch hat die technische Entwicklung der letzten 40 Jahre eine recht alte Institution wie die Bibliothek doch radikal ver\u00e4ndert. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Daniela Poth:<\/em> Die Digitalisierung ist f\u00fcr die ganze Gesellschaft eine gro\u00dfe Herausforderung. Die Elektronische Datenverarbeitung (EDV) wurde in der Bibliothek Ende der 1980er Jahre eingef\u00fchrt. Sp\u00e4ter kam dann nat\u00fcrlich die Entwicklung von Printmedien hin zu elektronischen Medien, was ja nicht hei\u00dft, dass es die gedruckten Medien heute nicht mehr gibt. Damit zeichnete sich bereits ab, dass der Ort Bibliothek f\u00fcr die Wissenschaft \u2013 insbesondere der Natur- und Lebenswissenschaften \u2013 an Bedeutung verlieren w\u00fcrde. Es war ja nun m\u00f6glich, orts- und zeitunabh\u00e4ngig auf Medien zuzugreifen. Mehr oder weniger zeitgleich stellten sich aber durch die Bologna-Reform dann Strukturver\u00e4nderungen im Studium ein: Die Bibliotheken bekamen als (physische) Lernorte f\u00fcr Studierende eine hohe Bedeutung. Die gr\u00f6\u00dfte Ver\u00e4nderung ist seit wenigen Jahren die Entwicklung im Bereich Open Science. Die freie Verf\u00fcgbarkeit von Forschungsdaten und -ergebnissen stellen Bibliotheken vor die Frage, wie wichtig der Bestandsaufbau in Zukunft noch sein wird. Noch weitergedacht: Was hei\u00dft das dann f\u00fcr die Rolle einer Universit\u00e4tsbibliothek in der Informationsversorgung? Meine feste \u00dcberzeugung ist, dass sich diese im Grundsatz nicht ver\u00e4ndert: Sie beinhaltet weiter das Ausw\u00e4hlen, Bereitstellen und Kontextualisieren von Informationen, um unseren Nutzenden Orientierung zu geben. Das haben wir so auch in unserem Zielbild festgelegt: \u201eWir kuratieren unser Informationsangebot f\u00fcr Forschung, Lehre und Studium anhand der Bed\u00fcrfnisse und dem Qualit\u00e4tsanspruch der Wissenschaft.\u201c<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Das Zielbild ist nun beschlossen, wie hat man sich die Umsetzung vorzustellen? <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Zielbild war der erste Schritt: zu sagen, wo stehen wir, wo wollen wir eigentlich hin. Zum 1. Januar 2023 haben wir dann die strukturellen Voraussetzungen geschaffen, es einzul\u00f6sen und haben uns als Organisation neu aufgestellt. Mit den IT-Services, der Abteilung Erwerbung, Lizenzen und Meta-Daten und unserer Abteilung Information, Bereitstellung und Originalerhalt haben wir drei S\u00e4ulen, die f\u00fcr die Basis sorgen. Nach wie vor gibt es die HEBIS-Verbundzentrale, die Aufgaben f\u00fcr den hessischen Bibliotheksverbund wahrnimmt. Grunds\u00e4tzlich neu sind zwei Einheiten: Mit der einen st\u00e4rken wir unsere Position als Serviceeinrichtung f\u00fcr die Universit\u00e4t, konzentrieren uns auf Lernorte und die Wissenschaftsunterst\u00fctzung. Mit der zweiten tragen wir vor allem unseren historischen Best\u00e4nden und Spezialsammlungen Rechnung und fokussieren auf \u00fcberregionale Fachcommunities. Gemeinsam wollen wir uns als Universit\u00e4tsbibliothek auf den Weg machen, um die im Zielbild formulierten strategischen Ziele zu erreichen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Dieser Prozess klingt einerseits unabschlie\u00dfbar, andererseits gibt es sicherlich Meilensteine, oder? <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ein solcher Prozess kostet alle Beteiligten viel Kraft. Deswegen ist es so wichtig, die Weiterentwicklung Teil der Routinen werden zu lassen. Unser Zielbild haben wir auf zehn Jahre hin angelegt, das ist lang. Die darin formulierten strategischen Ziele wollen wir aber bis 2026 realisiert haben. Wenn es uns gelingt, sie in den n\u00e4chsten drei Jahren konsequent umzusetzen, ist das ein guter Zeitpunkt, um zu pr\u00fcfen, wie nah wir unserer Vision gekommen sind und ob unsere Mission noch zutreffend ist. Zu den Meilensteinen geh\u00f6rt auch, was der Wissenschaftsrat und die Deutsche Forschungsgemeinschaft den Universit\u00e4ten dringend empfehlen: die Einrichtung eines sogenannten Informationsbudgets. Ziel ist, alle Mittel f\u00fcr die Informationsversorgung an der Goethe-Universit\u00e4t zu b\u00fcndeln und die verschiedenen Ausgaben einheitlich zu verwalten. Das umfasst den Erwerb und die Lizenzierung von Literatur genauso wie die Finanzierung von Open-Access-Publikationen und die Sicherung von Forschungsdaten. Aktuell haben wir noch individuelle Regelungen mit den Fachbereichen und arbeiten mit \u00fcber 50 Kostenstellen. Hier liegt also noch eine Wegstrecke vor uns. Letzter wichtiger Punkt: Wir ersetzen gerade mit unseren Partnern im hessischen Verbund unser Bibliotheksmanagementsystem durch ein Open-Source- Produkt. Das ist zwar nicht direkt mit unserem Strategieprozess verbunden, setzt aber den Rahmen f\u00fcr die zuk\u00fcnftige Weiterentwicklung vieler Arbeitsabl\u00e4ufe.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>In der Beschreibung des Prozesses tauchen Begriffe wie SWOT-Analyse auf. Muss man sich eine Universit\u00e4tsbibliothek heutzutage wie ein Unternehmen vorstellen, das sich fortlaufend selbst analysieren muss?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Meiner Meinung nach ist jede Organisation gut beraten, sich immer wieder auf den Pr\u00fcfstand zu stellen. Als Bibliothek erleben wir, dass uns neue Aufgaben zuwachsen, ohne dass die bisherigen Aufgaben im gleichen Ma\u00dfe abnehmen oder ganz wegfallen. Trotz der Zunahme von digitalen Medien m\u00fcssen wir uns beispielsweise auch weiterhin um Printmedien k\u00fcmmern. Weil aber das Personalbudget nicht w\u00e4chst, sondern bestenfalls stagniert, der demografische Wandel uns dar\u00fcber hinaus die Personalgewinnung nicht erleichtert, wird immer wichtiger, zu priorisieren und uns zu fokussieren. Die Kernfrage ist: Wie gelingt es, unsere personellen und materiellen Ressourcen so einzusetzen, dass wir Forschung, Lehre und Studium ad\u00e4quat unterst\u00fctzen? Hier gilt es, die Bedarfe unserer Nutzenden gut zu kennen und in einem engen Dialog zu stehen. Das alles sind gute Gr\u00fcnde, Instrumente zu nutzen, die in Unternehmen ganz selbstverst\u00e4ndlich zum Einsatz kommen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text is-stacked-on-mobile\" style=\"grid-template-columns:62% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"650\" height=\"450\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/beitragsbild_ub-strategieprozess.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-67691 size-full\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/beitragsbild_ub-strategieprozess.jpg 650w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/beitragsbild_ub-strategieprozess-300x208.jpg 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/beitragsbild_ub-strategieprozess-18x12.jpg 18w\" sizes=\"(max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p style=\"font-size:15px\">Das Lenkungsteam (v. l.): Dr. Angela Hausinger, Dr. Mathias Jehn, Daniela Poth, Dr. Klaus Junkes-Kirchen, Dr. Thomas Risse. Foto: Uwe Dettmar<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Manchmal h\u00f6rt man in der \u00d6ffentlichkeit Stimmen, die darauf abheben, dass Bibliotheken eigentlich ausgedient h\u00e4tten. Sp\u00fcren Sie einen Gegenwind aus der Politik, der Verwaltung, vielleicht sogar auch aus der Wissenschaft? <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Grunds\u00e4tzlich als Einrichtung hinterfragt zu werden, habe ich noch nicht erlebt. Die Finanzierung \u00fcber die Kommunen stellt \u00f6ffentliche Bibliotheken aber sicherlich noch vor andere Herausforderungen als uns. Gerade in Corona-Zeiten hat sich meiner Meinung nach gezeigt, wie wichtig ein \u00f6ffentlicher, nichtkommerzieller und physischer Raum ist, wo man sich begegnen kann. Wenn es um Literaturversorgung geht, wird unsere Zust\u00e4ndigkeit nicht angezweifelt. Zu neueren Aufgaben, f\u00fcr die es keine Vorbilder gibt, geh\u00f6ren dagegen auch Aushandlungsprozesse. Wenn ich beispielsweise \u00fcber Forschungsdatenmanagement spreche, dann haben wir als Bibliothek f\u00fcr diesen Aufgabenbereich die passenden Kompetenzen. Aber wir k\u00f6nnten die damit verbundenen Aufgaben nicht alleine wahrnehmen und tun es auch nicht. Deswegen wird Forschungsdatenmanagement an der Goethe-Universit\u00e4t in Kooperation mit dem Hochschulrechenzentrum und mit eigens daf\u00fcr benannten Ansprechpersonen in den Fachbereichen angegangen. Es funktioniert nur dann, wenn klar ist, wer was beitr\u00e4gt und alle optimal zusammenspielen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Gleichwohl wirft die Dynamik der technologischen Entwicklung Fragen auch nach der Kompetenz der Mitarbeitenden auf. W\u00e4re es falsch, von einer zunehmenden Akademisierung der Arbeitspl\u00e4tze in der Bibliothek zu sprechen? <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ob man von einer zunehmenden Akademisierung unseres Berufsstandes sprechen kann, wei\u00df ich gar nicht. Durch die Vielfalt der Aufgaben arbeiten in der Bibliothek viele Menschen mit sehr unterschiedlichen Berufsabschl\u00fcssen \u2013 vom Ausbildungsberuf \u00fcber das Bachelorstudium im Bibliothekwesen bis hin zu promovierten Mitarbeitenden, die an der Schnittstelle zur Wissenschaft auf Augenh\u00f6he Services und Tools entwickeln. Die Digitalisierung stellt insgesamt h\u00f6here Anforderungen an uns alle, die wir gemeinsam zu bew\u00e4ltigen haben. Dazu kommt, dass in den n\u00e4chsten zw\u00f6lf Jahren rund 40 Prozent der Bibliotheksmitarbeitenden altersbedingt ausscheiden werden. Das f\u00fchrt zu vielf\u00e4ltigen Herausforderungen. Das eine ist, den Wissenstransfer so zu gestalten, dass uns das hohe Fachwissen der Kolleg*innen nicht verloren geht. Auf der anderen Seite muss es uns gelingen, neue Mitarbeitende mit den passenden Qualifikationen f\u00fcr die Bibliothek zu gewinnen. F\u00fcr viele Aufgaben wie zum Beispiel im IT-Bereich stehen wir dabei in Konkurrenz mit der freien Wirtschaft. Das bleibt nicht nur f\u00fcr uns, sondern insgesamt im \u00d6ffentlichen Dienst eine echte Herausforderung.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-background\" style=\"background-color:#eeeeee;font-size:15px\"><strong>\u00bbWIR SIND EIN H(UB) F\u00dcR MENSCHEN, WISSEN UND SERVICES DER GOETHE-UNIVERSIT\u00c4T.\u00ab <br><\/strong>Gleich der erste Satz des strategischen Zielbilds der Universit\u00e4tsbibliothek bringt zum Ausdruck, was sich die Bibliothek f\u00fcr die Zukunft vorgenommen hat: Noch viel st\u00e4rker als in der Vergangenheit zu einem Knotenpunkt des interdisziplin\u00e4ren Austauschs und der Wissenschaftsunterst\u00fctzung zu werden. Mit digitalen Services und Angeboten vor Ort, die sich an den Bed\u00fcrfnissen von Forschenden, Lehrenden und Studierenden an der Goethe-Universit\u00e4t ausrichten, aber auch die \u00fcberregionale Forschung gezielt ansprechen. Der Startschuss f\u00fcr die Entwicklung einer eigenen Strategie fiel im Sp\u00e4therbst 2021 mit Mitarbeitenden-Interviews. Ein repr\u00e4sentativer Querschnitt von 41 der rund 350 Mitarbeitenden sorgte mit ihren Einsch\u00e4tzungen zur aktuellen Situation und Zukunftsgestaltung f\u00fcr eine erste Bestandsaufnahme. Erg\u00e4nzt wurde diese Innenwahrnehmung in der Folge durch vier Analysen, in denen ein eigens gegr\u00fcndetes Strategieteam die Einflussfaktoren von au\u00dfen, die Wahrnehmung der Nutzenden, die Stakeholder sowie die Kernkompetenzen der Bibliothek in den Blick nahm und gemeinsam mit dem engsten F\u00fchrungskreis in einer SWOT-Analyse zu einem \u201eSt\u00e4rken (S), Schw\u00e4chen (W), Chancen (O) und Risiken (T)\u201c-Profil verdichtete. Auf dieser Grundlage entwickelte das Strategieteam dann m\u00f6gliche Entwicklungsrichtungen f\u00fcr die Bibliothek und schuf die Vorlage zur Herausarbeitung der Strategie bis zum Sommer 2022. Ein wichtiger Erfolgsfaktor in diesem Prozess war, immer wieder die R\u00fcckkopplung mit Mitarbeitenden und F\u00fchrungskr\u00e4ften in der Bibliothek zu suchen, aber auch externe Expert*innen, Nutzende und das Pr\u00e4sidium der Goethe-Universit\u00e4t einzubinden. Am 2. August verabschiedete das Pr\u00e4sidium das strategische Zielbild 2032 der Universit\u00e4tsbibliothek. Erster Schritt der Umsetzung war die strukturelle Neuaufstellung zu Beginn dieses Jahres. Das Zielbild zum Nachlesen gibt es auf der Website der Universit\u00e4tsbibliothek. https:\/\/www.ub.uni-frankfurt.de\/ueber\/strategie.html<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Sie haben in den Strategieprozess der UB Ihre Mitarbeitenden sehr stark mit einbezogen. Wie war da sozusagen Ihr Eindruck, sorgt der Ver\u00e4nderungsdruck auch f\u00fcr Sorgen und \u00c4ngste? <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ver\u00e4nderungen sind immer auch mit \u00c4ngsten verbunden. Die Reaktionen reichten bei uns von \u201eBibliotheken mussten sich immer schon ver\u00e4ndern, das ist f\u00fcr uns eigentlich nichts Neues\u201c bis zu \u201eWieso muss sich denn \u00fcberhaupt was ver\u00e4ndern, es l\u00e4uft doch alles prima&#8220;. Wir haben den Prozess 2021 mit Mitarbeitenden- Interviews begonnen, um ein Bild zu bekommen, wo die Mitarbeitenden Bedarf f\u00fcr die Weiterentwicklung sehen und welche W\u00fcnsche sie hinsichtlich Prozessgestaltung und Zukunft der Bibliothek haben. Eine Strategie ist erst einmal nach au\u00dfen gerichtet, wir wollten aber immer auch nach innen schauen, weil uns von Anfang klar war: Erfolgreich weiterentwickeln werden wir uns nur, wenn wir auch in die Bibliothek hinein eine Kultur der Ver\u00e4nderung etablieren, die von m\u00f6glichst vielen mitgetragen wird. In der weiteren Entwicklung gab es deswegen immer auch Formate, \u00fcber die wir Zwischenst\u00e4nde mit den Mitarbeitenden offen besprochen und ihre R\u00fcckmeldungen mitber\u00fccksichtigt haben. <\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Eine Frage zur Identit\u00e4t und zur Rolle der UB: Es wird im \u00bbZielbild 2032\u00ab unter anderem gesagt, dass sich dieses Zielbild der UB \u00bbin die Strategie der Goethe-Universit\u00e4t ein[passt]\u00ab. Ist das eine Herausforderung, sich n\u00e4her an die Goethe-Universit\u00e4t zu binden, wo doch die Universit\u00e4tsbibliothek Johann Christian Senckenberg in der Bibliothekslandschaft auch Aufgaben jenseits der Goethe-Universit\u00e4t wahrnimmt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Wurzeln der Bibliothek reichen weit in die Stadtgeschichte und sind eng verbunden mit der Geschichte der Senckenbergischen Stiftung. Das l\u00e4sst sich nicht nur an unserem Namen ablesen, sondern bildet sich auch in unseren Best\u00e4nden ab. Diese besonderen Sammlungsbest\u00e4nde haben f\u00fcr Forschungscommunities weit \u00fcber die Goethe-Universit\u00e4t hinaus Relevanz. Dieser Verantwortung wollen wir weiter gerecht werden. Wir orientieren uns in unserer eigenen Weiterentwicklung ganz klar an der Entwicklung der Universit\u00e4t und f\u00fchlen uns als zentrale Einrichtung unserem Unterhaltstr\u00e4ger verpflichtet. Gleichzeitig haben wir aus unserer Historie heraus einen Auftrag, unsere besonderen Sammlungsbest\u00e4nde f\u00fcr die \u00fcberregionale Forschung nutzbar zu machen. Wir werden es so gestalten, dass das eine vom anderen profitiert. <\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Spielt die Entwicklung des Lernorts in der Ausrichtung der Bibliothek auch eine Rolle? Das betrifft ja vor allem die Studierenden. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wichtig ist uns, in Zukunft noch besser die sich ver\u00e4ndernden Bed\u00fcrfnisse unserer Nutzenden zu verstehen. Studierende sind dabei eine ganz wichtige Zielgruppe. Sie profitieren ja sowohl von der Infrastruktur der Bibliothek wie auch dem physischen Raum. Ihre Anforderungen h\u00e4ngen daher oft mit den M\u00f6glichkeiten zusammen, R\u00e4umlichkeiten gezielt weiterzuentwickeln und neu zu nutzen. Nicht immer passt alles zusammen: Die einen w\u00fcnschen sich flexible R\u00e4umlichkeiten der Kollaboration, andere eine konzentrierte Arbeitsatmosph\u00e4re des stillen Lernens. Wir wollen in Zukunft hier noch st\u00e4rker in den Dialog mit den Studierenden treten und umsetzen, was im Rahmen der baulichen Gegebenheiten machbar ist. <\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/bm_02_Sprach_und_Kulturwissenschaften_2022_35A7952.jpg\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"400\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/bm_02_Sprach_und_Kulturwissenschaften_2022_35A7952-1024x400.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-67758\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/bm_02_Sprach_und_Kulturwissenschaften_2022_35A7952-1024x400.jpg 1024w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/bm_02_Sprach_und_Kulturwissenschaften_2022_35A7952-300x117.jpg 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/bm_02_Sprach_und_Kulturwissenschaften_2022_35A7952-768x300.jpg 768w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/bm_02_Sprach_und_Kulturwissenschaften_2022_35A7952-1536x600.jpg 1536w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/bm_02_Sprach_und_Kulturwissenschaften_2022_35A7952-18x7.jpg 18w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/bm_02_Sprach_und_Kulturwissenschaften_2022_35A7952.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Wie sehen Bibliotheken von morgen aus? Einrichtung der neuen Bibliothek Sprach- und Kulturwissenschaften (BSKW). Foto: Uwe Dettmar<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Wir haben ja heutzutage auch viele Player, auch im Bereich der Informationsgesellschaft, beispielsweise Verlage, die auch Services anbieten, kostenpflichtig nat\u00fcrlich, aber vielleicht trotzdem in einer Form, die es f\u00fcr den ein oder anderen Nutzenden interessant macht. K\u00f6nnen die wissenschaftlichen Bibliotheken in der Konkurrenz bestehen? <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber das Informationsmonopol, das fr\u00fcher einmal Bibliotheken hatten, verf\u00fcgen wir schon l\u00e4nger nicht mehr. Auch Wissenschaftler* innen nutzen f\u00fcr Recherchen neben unseren Portalen und Katalogen oftmals Google oder Google Scholar. Es kommt darauf an, was man sucht. Gerade Printbest\u00e4nde sind meist nicht \u00fcber Google &amp; Co. auffindbar. Die gro\u00dfen Wissenschaftsverlage bieten Forschenden heute herausragende digitale Angebote, mit denen Sie Forschungsleistung von der Ausgangsfrage bis zur Publikation der wissenschaftlichen Erkenntnisse gezielt unterst\u00fctzen. Das schafft keine Einzelbibliothek. Selbst in Kooperation wird das schwierig. Unsere St\u00e4rke liegt an einer anderen Stelle: Wir verfolgen keine Gewinninteressen. Das ist insbesondere wichtig im Umgang mit Daten. Wenn gro\u00dfe Wissenschaftsverlage das Rundum-sorglos-Paket anbieten, ist damit oft eine mehr oder weniger unkontrollierte Nutzung der Daten verbunden. Datensouver\u00e4nit\u00e4t ist eine St\u00e4rke, die es gezielt einzusetzen gilt.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Wir haben jetzt sechs Bereichsbibliotheken auf den Campus der Goethe-Universit\u00e4t, nach ungef\u00e4hr 20 Jahren Planung Ende letzten Jahres vollendet. Was jetzt aber noch fehlt, ist der letzte Riesenbaustein, also die Hauptbibliothek auf dem Campus Westend. Wenn man den Neubau eines solchen gro\u00dfen Geb\u00e4udes plant, muss man sicherlich auch die Entwicklungen auf einem derart volatilen Feld mit einkalkulieren. Wie k\u00f6nnte, wie sollte die neue UB aussehen? <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das gilt es etwas aufzuschl\u00fcsseln: In unserer heutigen Zentralbibliothek an der Bockenheimer Warte sind knapp f\u00fcnf Millionen physische Medieneinheiten in unterirdischen und \u00fcberirdischen Magazinen untergebracht, darunter viele historische Best\u00e4nde mit besonderen sicherheitstechnischen und klimatischen Anforderungen. Diese brauchen auch zuk\u00fcnftig einen geeigneten Unterbringungs- und Nutzungsort. Aber die Zentralbibliothek ist eben noch mehr: Viele unserer Fachexpert*innen arbeiten von hier aus, der gr\u00f6\u00dfte Teil der Medienbearbeitung und die Verwaltung sind hier untergebracht. Sie ist aber vor allem ein fachneutraler Ort. W\u00e4hrend jeder unserer anderen neun Standorte bestimmten Fachbereichen zugeordnet ist, steht die Zentralbibliothek f\u00fcr die Gesamtheit der Universit\u00e4tsbibliothek. \u201eWir sind ein H(UB) f\u00fcr Menschen, Wissen, Services der Goethe- Universit\u00e4t.\u201c Dieser Satz ist Teil unserer Vision im Zielbild. Ein Neubau, der die Gesamtheit des Bibliothekssystems an der Universit\u00e4t repr\u00e4sentiert, bietet die Chance, diesen Satz auf besondere Weise mit Leben zu f\u00fcllen. Es sollte ein Ort des interdisziplin\u00e4ren und transdisziplin\u00e4ren Austausches sein, ein Ort, der zur gemeinsamen Entwicklung von L\u00f6sungen f\u00fcr komplexe Probleme unserer Zeit einl\u00e4dt. Und dabei allen offensteht: Forschenden, Lehrenden, Studierenden, den Mitarbeitenden der Verwaltung wie auch den interessierten B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern. Inwieweit man ein Publikum au\u00dferhalb der Universit\u00e4t erreicht, h\u00e4ngt allerdings auch vom Bauplatz ab.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Der Campus Westend hat nat\u00fcrlich eine andere Erreichbarkeit und ein anderes Umfeld als der Campus Bockenheim. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir sind an der Bockenheimer Warte Teil des Stadtgeschehens. Das ist f\u00fcr den Bezug zur \u00d6ffentlichkeit hilfreich. F\u00fcr den neuen Standort werden wir uns \u00fcberlegen m\u00fcssen, wie wir diesen Bezug neu herstellen k\u00f6nnen, zum Beispiel \u00fcber Ausstellungen oder Diskurse mit aktueller Relevanz f\u00fcr die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger von Frankfurt. Vor meinem Bibliotheksreferendariat habe ich Architektur studiert. In der Architekturtheorie spricht man vom Genius loci \u2013 also davon, den Geist des Ortes in die architektonische Ausgestaltung einzubeziehen. Gerade vor dem Hintergrund der hohen Entwicklungsdynamik, mit der wir auch als Bibliothek umgehen m\u00fcssen, w\u00e4re nat\u00fcrlich ein dauerhaftes Budget f\u00fcr die Weiterentwicklung toll. Ich kann ja mal tr\u00e4umen (lacht). Was die Nachhaltigkeit angeht, da vertraue ich meiner alten Berufsgarde, die ja schon herausragende Projekte im Bereich nachhaltiger Architektur realisiert hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><em>Fragen: Dirk Frank<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Direktorin Daniela Poth \u00fcber den Strategie- und Transformationsprozess der Universit\u00e4tsbibliothek Johann Christian Senckenberg. UniReport: Frau Poth, Digitalisierung ist bei Ihnen in der UB zwar kein neues Schlagwort. 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