{"id":6825,"date":"2016-05-13T12:51:50","date_gmt":"2016-05-13T10:51:50","guid":{"rendered":"http:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=6825"},"modified":"2016-05-13T12:57:37","modified_gmt":"2016-05-13T10:57:37","slug":"interview-anlageentscheidungen-von-privatpersonen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/forschung\/interview-anlageentscheidungen-von-privatpersonen\/","title":{"rendered":"Interview: Anlageentscheidungen von Privatpersonen"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_6828\" aria-describedby=\"caption-attachment-6828\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a class=\"dt-single-image\" href=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/blog_safe_Hackethal.jpg\" data-dt-img-description=\"Prof. Dr. Andreas Hackethal, Professor f\u00fcr Personal Finance am House of Finance der Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-6828 size-medium\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/blog_safe_Hackethal-300x208.jpg\" alt=\"Prof. Dr. Andreas Hackethal, Professor f\u00fcr Personal Finance am House of Finance der Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt\" width=\"300\" height=\"208\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/blog_safe_Hackethal-300x208.jpg 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/blog_safe_Hackethal.jpg 650w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-6828\" class=\"wp-caption-text\">Prof. Dr. Andreas Hackethal, Professor f\u00fcr Personal Finance am House of Finance der Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt<\/figcaption><\/figure>\n<p>Andreas Hackethal ist Professor f\u00fcr Personal Finance am House of Finance der Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt. Er besch\u00e4ftigt sich empirisch mit der Forschung \u00fcber individuelles Anlageverhalten, Finanzinnovationen und die Rolle von Finanzberatung. Hackethal ist Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Bundesanstalt f\u00fcr Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und Mitglied in der B\u00f6rsensachverst\u00e4ndigen- kommission, die das Bundesfinanzministerium ber\u00e4t. Er unterh\u00e4lt einen <a href=\"http:\/\/deutschlandlerntsparen.de\/\" target=\"_blank\">Video-Blog zum Thema Finanzwissen<\/a> und ist Mitgr\u00fcnder des FinTech Unternehmens vaamo.<\/p>\n<p><em><strong>Welche Fehler finden Sie am h\u00e4ufigsten, wenn Sie Portfolios von Privatanlegern analysieren?<\/strong><\/em><\/p>\n<p>In einer noch andauernden Untersuchung haben wir uns elf auff\u00e4llige Anlagefehler angeschaut und herausgefunden, dass drei davon die h\u00f6chsten Kosten f\u00fcr die rund 5000 Anleger in unserer Stichprobe verursachen. Der erste ist zu viel Handel: Viele Anleger kaufen und verkaufen zu h\u00e4ufig, was immense Transaktionskosten mit sich bringt. Der zweite Fehler besteht darin, dass in kleine, illiquide Aktien \u2013 \u201elottery stocks\u201c \u2013 investiert wird, die hohe Zinsen versprechen, aber letztlich auch das gesamte Investment aufs Spiel setzen. Der dritte und h\u00e4ufigste Fehler ist mangelhafte Diversifikation des Portfolios, was letztlich bedeutet, dass Investoren auf einzelne Unternehmen, Branchen oder L\u00e4nder wetten und damit Risiken \u00fcbernehmen, f\u00fcr die sie keine Pr\u00e4mie erhalten. Insgesamt verlieren Privatanleger nach unseren Ergebnissen im Durchschnitt vier Prozent pro Jahr an risikobereinigter Rendite aufgrund von Anlagefehlern (s. Grafik). Das ist eine ganze Menge.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" src=\"http:\/\/scnem.com\/art_resource.php?sid=98lo9.lfnq18\" width=\"750\" height=\"505\" \/><\/p>\n<p class=\"align-center\"><strong><em>Wie kann man Anlegern helfen, bessere Investitionsentscheidungen zu treffen?<\/em><\/strong><\/p>\n<div id=\"c3382\" class=\"csc-default\">\n<p>Es gibt mindestens drei m\u00f6gliche Ans\u00e4tze. Einer ist Finanzbildung: Man versucht, Menschen die wichtigsten Anlageregeln wie Diversifikation oder Kostend\u00e4mpfung beizubringen. Allerdings sind den meisten Menschen diese Basisregeln durchaus bekannt und dennoch geben viele der Versuchung nach, zus\u00e4tzlichen Ertragschancen aufgrund von Empfehlungen, Ideen oder technischen Regeln nachzujagen. Somit scheinen eher mangelnder Wille, den Lehrbuchrezepten zu folgen, oder mangelnde Selbstkontrolle am schlechten Anlageverhalten Schuld zu sein. Entsprechend haben auch viele empirischen Studien gezeigt, dass konventionelle Finanzbildungsprogramme nicht ausreichen, um Verhaltens\u00e4nderungen zu bewirken.<\/p>\n<p>Eine weitere M\u00f6glichkeit ist es, die Auswahlm\u00f6glichkeiten f\u00fcr Anleger zu begrenzen. Man k\u00f6nnte Investoren zum Beispiel nur ganz bestimmte Produkte wie etwa Indexfonds (ETFs) anbieten, die grunds\u00e4tzlich hohe Diversifizierung zu geringen Kosten bieten. Allerdings haben wir in einer j\u00fcngeren Ver\u00f6ffentlichung (Bhattacharya et al., 2014) festgestellt, dass Anleger auch bei ETFs dem gleichen fehlerhaften Anlagemuster folgen: Sie handeln mit ETFs, die kleine Indizes abbilden, anstatt die \u201erichtigen\u201c ETFs zu kaufen und zu halten. Auch f\u00fcr andere Standardinvestitionsangebote, wie etwa die deutsche \u201eRiester-Rente\u201c gibt es, inzwischen gut bekannte, Vorbehalte.<\/p>\n<p>Die dritte Option ist pers\u00f6nliche Anlageberatung oder automatisierte Investitionssteuerung. In einer fr\u00fcheren Publikation (Bhattacharya et al., 2012) haben wir verschiedene Formen von pers\u00f6nlicher Anlageberatung nach folgenden Fragen untersucht: Wer fragt Beratung nach? Und: Hilft gute Beratung dabei, die Performance eines Portfolios zu verbessern? Wir haben herausgefunden, dass die Anleger, die eine Beratung am n\u00f6tigsten h\u00e4tten, sie nicht in Anspruch nehmen. Dar\u00fcber hinaus setzen diejenigen, die sich beraten lassen, die Empfehlungen nur teilweise um, wodurch sich die Performance ihres Depots nicht verbessert. Das bedeutet, dass gute Beratung eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung f\u00fcr besseres Anlageverhalten ist.<\/p>\n<h4><em>Wenn Menschen Empfehlungen nicht folgen, k\u00f6nnte es daran liegen, dass sie dem Berater nicht vertrauen.<\/em><\/h4>\n<p>Eine Erkl\u00e4rung ist in der Tat, dass Privatanleger bef\u00fcrchten, ihr Berater habe Interessenskonflikte aufgrund von Produktprovisionen oder der Anordnung, bestimmte Produkte zu verkaufen. Diese Bef\u00fcrchtungen wurden gen\u00e4hrt durch die Enth\u00fcllungen im Nachgang der Finanzkrise. Daher untersuchen wir aktuell, was passiert, wenn Beratung frei von anderen Interessen ist. Wir haben eine Feldstudie durchgef\u00fchrt mit einer Bank, die neben traditioneller Provisionsberatung eine neue Form der Beratung eingef\u00fchrt hat, bei der die Berater nach einer Pauschale bezahlt und alle Produktprovisionen an den Kunden zur\u00fcckerstattet werden. Alles andere blieb gleich: Es handelte sich um dieselben Berater, die dieselbe Produktpalette angeboten haben, dieselben Tools benutzt und die gleichen Kunden beraten haben. Die Rate derjenigen, die sich an den Rat gehalten haben, stieg mit dem neuen Verg\u00fctungssystem deutlich von knapp unter 50 Prozent auf mehr als zwei Drittel. Mit positiven Folgen: Wir konnten eine signifikante Steigerung der Diversifikation sowie der Performance der Portfolios beobachten.<\/p>\n<h4><em>Wenn geb\u00fchrenbasierte Beratung so erfolgreich ist, sollte sie h\u00e4ufiger angeboten werden. Hat der Markt bereits auf diese Erkenntnisse reagiert?<\/em><\/h4>\n<p>Viele traditionelle Finanzinstitute f\u00fchren derzeit honorarbasierte Beratungsmodelle ein. Auch sogenannte FinTechs oder Robo-Advisers bringen neue Gesch\u00e4ftsmodelle auf den Markt, bei denen die Bezahlung fast ausschlie\u00dflich auf Geb\u00fchren basiert. Diese Anbieter von automatisierter Anlageberatung stehen vor der gleichen Herausforderung wie Banken: Wie bringt man Leute dazu, den Ratschl\u00e4gen zu folgen? Sie versuchen, dieses Problem zu l\u00f6sen, indem sie die Produktauswahl auf vorkonfigurierte, vern\u00fcnftige Portfolios begrenzen. Ihre Kunden k\u00f6nnen damit nicht l\u00e4nger aufgrund von individuellen Vorlieben handeln, sondern erhalten automatisch breit diversifizierte Portfolios zu geringen Kosten. Diese neuen Gesch\u00e4ftsmodelle basieren somit auf einem radikal vereinfachten Anlageprozess. Kunden werden nicht mehr verschiedene Produkttypen und Subm\u00e4rkte erkl\u00e4rt, sondern die Komplexit\u00e4t des Entscheidungsprozesses wird auf ein Niveau reduziert, das auch von Kapitalmarktneulingen vollst\u00e4ndig verstanden und bew\u00e4ltigt werden kann.<\/p>\n<h4><em>Aber wie k\u00f6nnen Anleger gute von schlechter Finanzberatung unterscheiden?<\/em><\/h4>\n<p>In einem Gutachten f\u00fcr das damalige Verbraucherministerium (Hackethal et al., 2011) haben wir daf\u00fcr pl\u00e4diert, Finanzinstitute dazu zu verpflichten, Kunden \u00fcber die Performance ihres Portfolios aufzukl\u00e4ren. Insbesondere sollten die Ertr\u00e4ge vor und nach Abzug der Kosten offengelegt werden sowie die Historie des Risikoprofils des Portfolios. Idealerweise w\u00fcrde das Portfoliorisiko dabei mit dem Risiko-Niveau verglichen, das der Anleger urspr\u00fcnglich gew\u00e4hlt hat. Allerdings gibt es Hinweise darauf, dass Anleger versucht sein k\u00f6nnten, diese Informationen falsch zu interpretieren. Es ist extrem schwierig, gute oder schlechte Anlageentscheidungen von purem Gl\u00fcck oder einem schlechten Marktumfeld zu unterscheiden, und viele Leute tendieren dazu, das eine mit dem anderen zu verwechseln. Insofern k\u00f6nnte zu viel Information Anleger auch verwirren. Meiner Ansicht nach ist \u201esmart disclosure\u201c sehr wichtig, es m\u00fcsste aber den Bed\u00fcrfnissen und Pr\u00e4ferenzen der Anleger entsprechend ma\u00dfgeschneidert und zeitlich abgestimmt sein, um den maximalen Lerneffekt zu erreichen. Welche Art von smart disclosure dem einzelnen Anleger hilft, um sein Verhalten in richtiger Weise anzupassen, ist eine offene Frage, die wir in laufenden Forschungsprojekten bearbeiten.<\/p>\n<p>[dt_call_to_action content_size=&#8220;small&#8220; background=&#8220;fancy&#8220; line=&#8220;true&#8220; style=&#8220;1&#8243; animation=&#8220;fadeIn&#8220;]<\/p>\n<p><strong>Referenzen<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Bhattacharya , U., Loos, B., Meyer, S., Hackethal, A. (2014) <\/strong><br \/>\n&#8222;<a title=\"Opens external link in new window\" href=\"http:\/\/papers.ssrn.com\/sol3\/papers.cfm?abstract_id=2022442\" target=\"_blank\">Abusing ETFs<\/a>&#8222;,<br \/>\nKelley School of Business Research Paper No. 2014-46.<\/li>\n<li><strong>Bhattacharya, U., Hackethal, A., Kaesler, S., Loos, B., Meyer, S. (2012) <\/strong><br \/>\n&#8222;<a title=\"Opens external link in new window\" href=\"http:\/\/rfs.oxfordjournals.org\/content\/25\/4\/975.abstract?sid=664e8c17-0c3f-4317-b046-bdbf60632373\" target=\"_blank\">Is Unbiased Financial Advice to Retail Investors Sufficient? Answers from a Large Field Study<\/a>&#8222;,<br \/>\nThe Review of Financial Studies, Vol. 24, Issue 4, pp. 975-1032.<\/li>\n<li><strong>Fernandes, D., Lynch Jr, J. G., Netemeyer, R. G. (2014) <\/strong><br \/>\n&#8222;Financial literacy, financial education, and downstream financial behaviors&#8220;,<br \/>\nManagement Science, Vol. 60, Issue 8, pp. 1861-1883.<\/li>\n<li><strong>Hackethal, A., Inderst, R., Meyer, S., Rochow, T. (2011) <\/strong><br \/>\n&#8222;<a title=\"Opens external link in new window\" href=\"http:\/\/www.bmel.de\/SharedDocs\/Downloads\/Verbraucherschutz\/FinanzenVersicherungen\/StudieKundennutzenAnlageberatung.pdf?__blob=publicationFile\" target=\"_blank\">Messung des Kundennutzens der Anlageberatung<\/a>&#8222;,<br \/>\nWissenschaftliche Studie im Auftrag des Bundesministeriums f\u00fcr Ern\u00e4hrung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.<\/li>\n<li><strong>Weber, J., Hackethal, A., Loos, B., Meyer, S. (2015) <\/strong><br \/>\n&#8222;Which Investment Biases Really Matter for Individual Investors?&#8220;,<br \/>\nforthcoming as SAFE Working Paper.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong><a class=\"internal-link more\" href=\"http:\/\/safe-frankfurt.de\/research\/all-researchers\/researchers-details\/showauthor\/prof-dr-andreas-hackethal.html\" target=\"_blank\">SAFE Profilseite von Andreas Hackethal<\/a><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>[\/dt_call_to_action]<\/p>\n<\/div>\n<p><strong><em>Dieses Interview ist im <a title=\"Opens external link in new window\" href=\"http:\/\/scnem.com\/a.php?sid=97ooi.2898ebn,f=1,n=97ooi.2898ebn,p=5\" target=\"_blank\">SAFE Newsletter Q2 2016<\/a><\/em><\/strong> <em><strong>erschienen.<\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Andreas Hackethal ist Professor f\u00fcr Personal Finance am House of Finance der Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt. 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