{"id":71128,"date":"2023-06-26T14:40:00","date_gmt":"2023-06-26T12:40:00","guid":{"rendered":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=71128"},"modified":"2025-02-20T12:02:56","modified_gmt":"2025-02-20T11:02:56","slug":"quantenspruenge-in-der-materialforschung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/forschung-frankfurt\/quantenspruenge-in-der-materialforschung\/","title":{"rendered":"Quantenspr\u00fcnge in der Materialforschung"},"content":{"rendered":"<h4 class=\"wp-block-heading\">Wie im Labor und am Computer Kristalle mit \u00fcberraschenden \u00adEigenschaften entstehen<\/h4>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group alignfull is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<div class=\"wp-block-cover alignfull has-custom-content-position is-position-bottom-center\" style=\"min-height:550px;aspect-ratio:unset;\"><span aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-cover__background has-background-dim-10 has-background-dim\"><\/span><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1772\" height=\"1329\" class=\"wp-block-cover__image-background wp-image-71501\" alt=\"\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Czochralski-Zuechtung-AG-Krellner_RZ.jpg\" style=\"object-position:51% 68%\" data-object-fit=\"cover\" data-object-position=\"51% 68%\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Czochralski-Zuechtung-AG-Krellner_RZ.jpg 1772w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Czochralski-Zuechtung-AG-Krellner_RZ-300x225.jpg 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Czochralski-Zuechtung-AG-Krellner_RZ-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Czochralski-Zuechtung-AG-Krellner_RZ-768x576.jpg 768w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Czochralski-Zuechtung-AG-Krellner_RZ-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Czochralski-Zuechtung-AG-Krellner_RZ-16x12.jpg 16w\" sizes=\"(max-width: 1772px) 100vw, 1772px\" \/><div class=\"wp-block-cover__inner-container is-layout-flow wp-block-cover-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-text-align-center has-large-font-size\"><\/p>\n<\/div><\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns has-white-color has-text-color has-background is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\" style=\"background-color:#54a9b3\">\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center has-background is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"background-color:#dedede00;flex-basis:100%\">\n<p class=\"has-text-align-left has-white-color has-text-color has-medium-font-size\">Unter dem Schutz von Edelgasen entstehen im Herzen dieser Apparatur Kristalle nach dem Czochralski-Verfahren: In eine Schmelze wird ein Metallstab mit einem Impfkristall eingetaucht und dann langsam wieder herausgezogen, sodass das Material knapp unterhalb des Schmelzpunkts kristallisieren kann.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Seit hundert Jahren ist bekannt, dass die mikroskopische Welt der Atome und Molek\u00fcle von den Gesetzen der Quantenphysik regiert wird. Lange Zeit galten Quantenph\u00e4nomene als verworren und unkontrollierbar. Heute arbeiten Physikerinnen und Physiker daran, unter Nutzung quantenphysikalischer Effekte Materialien mit neuartigen Eigenschaften zu kreieren.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p>Am Physikalischen Institut auf dem Campus Riedberg im Norden Frankfurts hat \u00adCornelius Krellner sein B\u00fcro. Der Physikprofessor dreht sich auf seinem Stuhl nach hinten und \u00f6ffnet die T\u00fcr eines senffarbenen Schranks. Er l\u00e4chelt schelmisch \u00fcber seinen verborgenen Schatz. \u00bbIn dem Schrank haben wir praktisch alle chemischen Elemente in Reinstform\u00ab, sagt Krellner. Es ist eine Sammlung, die man eher bei einem Chemiker erwarten w\u00fcrde. In diesem Fall nutzt ein Experimentalphysiker die chemischen Elemente f\u00fcr seine Forschung. Er stellt aus ihnen Kristalle her, also Stoffe, in denen die Atome in regelm\u00e4\u00dfiger Abfolge angeordnet sind. \u00bbKristalle eignen sich dank ihrer geordneten Struktur in besonderer Weise, den atomaren Aufbau der Materie zu verstehen\u00ab, sagt Krellner.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Quantenmaterial Supraleiter<\/h3>\n\n\n\n<p>Cornelius Krellner erforscht Quantenmaterialien. In einem gewissen Sinn ist jeder Stoff der materiellen Welt ein Quantenmaterial. Jeder Stoff besteht n\u00e4mlich aus Atomen, und deren Bausteine gehorchen den Gesetzen der Quantenphysik. Die Wissenschaft definiert \u00bbQuanten\u00admaterial\u00ab aber enger: Hier bezeichnet der Begriff Materialien, deren makroskopische Eigenschaften auf Quanteneffekten beruhen. Das prominenteste Beispiel sind Supraleiter. In diesen Materialien flie\u00dft elektrischer Strom \u2013 anders als in den uns bekannten Kupferleitern \u2013 ohne Widerstand. Warum das so ist, erkl\u00e4rt die Quantenphysik: Elektronen bewegen sich in Supraleitern verlustfrei, weil sie sich zu flinken, durch nichts zu bremsenden Paaren verbinden.<\/p>\n\n\n\n<p>Supraleiter faszinieren, denn sie k\u00f6nnten in Zukunft eine Stromversorgung ohne \u00dcber\u00adtragungsverluste erm\u00f6glichen. So erstaunt es wenig, dass die Forschung nach anderen Quantenmaterialien Ausschau h\u00e4lt, die \u00e4hnlich n\u00fctzliche Eigenschaften besitzen. Cornelius Krellner hat schon mehrere solcher Materialien her\u00adgestellt. Der geb\u00fcrtige Dresdner nennt beispielhaft ein Quantenmaterial, das durch seine \u00admagnetischen Eigenschaften verbl\u00fcfft: Der Stoff verliert seine magnetische Kraft, wenn man ihn zusammenpresst. Um das Material zu kristallisieren, benutzte Krellner drei Elemente aus \u00adseinem senffarbenen Schrank: Europium, Palla\u00addium und Silizium. Diese Elemente bilden einen Kristall, ein regelm\u00e4\u00dfiges Gitter aus \u00adEinheitszellen. Jede Einheitszelle besteht aus einem Europium-Atom und jeweils zwei Palladium- und Silizium-Atomen. Die chemische Formel EuPd<sub>2<\/sub>Si<sub>2<\/sub> ist zugleich der Name des Quantenmaterials: \u00bbEuropium Palladium zwei Silizium zwei\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ein Elektron macht den Unterschied<\/h3>\n\n\n\n<p>\u00bbDie interessante Physik steckt im Europium\u00ab, sagt Cornelius Krellner. Um zu erkl\u00e4ren, warum dieses Material bei Dr\u00fccken seinen Magnetismus einb\u00fc\u00dft, nimmt er den Journalisten mit auf eine Reise in die mikroskopisch kleine Welt der Atome. Europium ist ein Metall der Seltenen Erden. Um den Atomkern tummeln sich 63&nbsp;Elektronen. Sie sind auf sechs Schalen beziehungsweise 13 Unterschalen verteilt. Die Unterschale, die ein Elektron belegt, definiert den Abstand zum Atomkern und seinen Energie\u00adzustand. F\u00fcr den Magnetismus von Europium ist ein einziges der 63 Elektronen verantwortlich: ein 4f-Elektron. Es hei\u00dft so, weil es normalerweise auf der Unterschale 4f zu Hause ist. Wird der Kristall nun aber zusammengepresst, springt das Elektron von 4f auf Unterschale 5d.<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl sich sein Energiezustand nur unmerklich \u00e4ndert, hat dieser quantenphysi\u00adkalische Vorgang f\u00fcr das Europium zwei einschneidende Folgen: Es schrumpft um rund 20&nbsp;Prozent \u2013 und es verliert seinen Magnetismus. Durch \u00e4u\u00dferen Druck wird der ganze EuPd<sub>2<\/sub>Si<sub>2<\/sub>\u00adKristall also nichtmagnetisch. Entf\u00e4llt der Druck, kehren die Elektronen von der Unterschale 5d auf ihren angestammten Platz zur\u00fcck; der Kristall wird wieder magnetisch. In der Fachsprache der Physik: Durch eine Manipulation von au\u00dfen vollziehen Quantenmaterialien einen \u00bbPhasen\u00fcbergang\u00ab zwischen zwei \u00bbQuantenzust\u00e4nden\u00ab. Damit sich dieser Effekt zeigt, muss der EuPd<sub>2<\/sub>Si<sub>2<\/sub>-Kristall auf minus 100&nbsp;Grad Celsius abgek\u00fchlt werden.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns has-white-color has-text-color has-background is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\" style=\"background-color:#54a9b3\">\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center has-background is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"background-color:#dedede00;flex-basis:100%\">\n<h5 class=\"wp-block-heading\">AUF DEN PUNKT GEBRACHT<br><\/h5>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Bei tiefen Temperaturen k\u00f6nnen sogenannte Quantenmaterialien zum Beispiel Strom verlustfrei leiten (Supraleiter), andere verlieren unter Druck ihren Magnetismus.<\/li>\n\n\n\n<li>Physikerinnen und Physiker versuchen Kristalle so zu z\u00fcchten, dass sie als Quantenmaterialien bei einer Verformung etwa ihre elektrischen oder magnetischen Eigenschaften ver\u00e4ndern.<\/li>\n\n\n\n<li>Theoretische Physikerinnen und Physiker komplettieren diese Arbeiten mit mathematischen Modellen, die zeigen, wie neue Quantenmaterialien aussehen k\u00f6nnten.<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Frage nach dem Warum<\/h3>\n\n\n\n<p>Cornelius Krellners Gruppe umfasst 15 Forschende und Studierende. Sie untersuchen gegenw\u00e4rtig ein Dutzend Quantenmaterialien, die durch Dr\u00fccken, Biegen oder Dehnen ihre magnetischen, aber auch ihre elektrischen oder weitere Eigenschaften ver\u00e4ndern. \u00bbEin Material untersuchen wir typischerweise zwei bis f\u00fcnf Jahre\u00ab, berichtet Krellner. \u00bbWir suchen Materialien, die so interessante Eigenschaften zeigen, dass andere Forschungsgruppen weltweit sich mit diesen Materialien vertieft befassen wollen.\u00ab Anders ausgedr\u00fcckt: Die Quantenmaterialen aus dem Frankfurter Physiklabor sind nicht daf\u00fcr gedacht, morgen schon eine neue Generation von Hightech-Anwendungen zu erm\u00f6g\u00adlichen. Die Forschung schafft vielmehr das grundlegende Verst\u00e4ndnis, das erforderlich ist, um Quantenmaterialien mittel- und langfristig kommerziell zu nutzen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr ihre Experimente verwendet die Forschungsgruppe eine Armada von Spezialger\u00e4ten. Mit ihnen vermessen sie magnetische Momente, elektrische Str\u00f6me, thermodynamische Eigenschaften, den atomaren Aufbau des Kristallgitters, auch spezielle Zust\u00e4nde, die die Elektronen an der Oberfl\u00e4che der Materialproben zeigen. Doch all diese Messwerte verraten ihnen nicht, warum Quantenmaterialien diese verbl\u00fcffenden Eigenschaften zeigen. Die Frage nach dem Warum beantwortet in Frankfurt eine theoretische Physikerin. Sie hat ihr B\u00fcro wie Cornelius Krellner im Physikgeb\u00e4ude, allerdings in einem entfernten Fl\u00fcgel. Dort arbeitet Roser Valent\u00ed, Professorin f\u00fcr theore\u00adtische \u00adPhysik. In ihrem B\u00fcro gibt es eine Wandtafel, voll beschrieben mit mathematischen Sym\u00adbolen. \u00bbDie Tafel brauchen wir f\u00fcr die \u00adDiskussionen in meiner Forschungsgruppe\u00ab, sagt Valent\u00ed.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-large\"><a href=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Zoch_Katharina-35A7013_c_UweDettmar_RZ.jpg\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"682\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Zoch_Katharina-35A7013_c_UweDettmar_RZ-1024x682.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-71502\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Zoch_Katharina-35A7013_c_UweDettmar_RZ-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Zoch_Katharina-35A7013_c_UweDettmar_RZ-300x200.jpg 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Zoch_Katharina-35A7013_c_UweDettmar_RZ-768x512.jpg 768w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Zoch_Katharina-35A7013_c_UweDettmar_RZ-18x12.jpg 18w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Zoch_Katharina-35A7013_c_UweDettmar_RZ.jpg 1181w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Doktorandin Katharina Zoch legt einen der winzigen im Labor gez\u00fcchteten Kristalle (s. Bildschirm) unter ein Auflichtmikroskop.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">In der Sprache der Quantenphysik<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Wissenschaftlerin spanischer Herkunft betreut ein Dutzend Postdocs, Promovierende, Master- und Bachelorstudierende. Die Forschungsgruppe arbeitet nicht mit Laborger\u00e4ten wie das Team um Cornelius Krellner, sondern mit Gleichungen. Die mathematischen Werkzeuge wurden in den 1920er Jahren von Physikern wie Erwin Schr\u00f6dinger und Paul Dirac erdacht. Mit ihnen lassen sich Elektronen, die in Quantenmaterialien eine zentrale Rolle spielen, exakt beschreiben, und zwar mit Wellenfunk\u00adtionen. Das klappt, weil Elektronen nach dem Verst\u00e4ndnis der Quantenphysik Mischwesen aus Teilchen und Wellen sind.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full\"><img decoding=\"async\" width=\"712\" height=\"479\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/beitrag_FF_1_23_Kristallbild_S_33.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-82415\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/beitrag_FF_1_23_Kristallbild_S_33.jpg 712w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/beitrag_FF_1_23_Kristallbild_S_33-300x202.jpg 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/beitrag_FF_1_23_Kristallbild_S_33-500x336.jpg 500w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/beitrag_FF_1_23_Kristallbild_S_33-18x12.jpg 18w\" sizes=\"(max-width: 712px) 100vw, 712px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Forschungsgruppe von Roser Valent\u00ed f\u00fchrt ihre Untersuchungen unter anderem an Kristallen durch, die in den Labors von Cornelius Krellner vermessen wurden. Die Informationen aus den Messungen \u00fcbertragen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Gleichungen, die anschlie\u00dfend gel\u00f6st werden. Dadurch verstehen sie, warum sich Kristalle so verhalten, wie sie sich verhalten, sagt Roser Valent\u00ed: \u00bbAus den L\u00f6sungen der Gleichungen k\u00f6nnen wir ableiten, welche Wechselwirkungen der Elektronen untereinander beziehungsweise mit den Nachbaratomen des Kristallgitters die Eigenschaften des untersuchten Quantenmaterials hervorrufen.\u00ab Um solche Gleichungen zu l\u00f6sen, braucht es ausgekl\u00fcgelte mathematische L\u00f6sungswege, die Roser Valent\u00ed mit entwickelt hat. Es braucht zudem Computer mit gro\u00dfer Rechnerleistung.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignfull is-stacked-on-mobile\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"404\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/EuPd2Si2_Kristall_RZ-1024x404.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-71503 size-full\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/EuPd2Si2_Kristall_RZ-1024x404.jpg 1024w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/EuPd2Si2_Kristall_RZ-300x118.jpg 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/EuPd2Si2_Kristall_RZ-768x303.jpg 768w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/EuPd2Si2_Kristall_RZ-18x7.jpg 18w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/EuPd2Si2_Kristall_RZ.jpg 1338w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p>Modell und Kristall: Bei minus 100 Grad Celsius b\u00fc\u00dft dieser Kristall namens \u00bbEuropium-Palladium-zwei-Silizium-zwei\u00ab (EuPd<sub>2<\/sub>Si<sub>2<\/sub>, auf Millimeterpapier liegend) unter Druck seine magnetischen Eigenschaften ein. Wie es zu dieser Eigenschafts\u00e4nderung kommt, ergr\u00fcndet die theoretische Physikerin Roser Valent\u00ed. Im Modell der Kristall-Einheitszelle sind die Europiumatome rot, die Palladiumatome blau und die Siliziumatome wei\u00df gef\u00e4rbt.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Neue Materialien aus der K\u00fcche der Theoretiker<\/h3>\n\n\n\n<p>Quantenmaterialien zu verstehen, ist das eine. Die theoretischen Physikerinnen und Physiker gehen noch einen Schritt weiter. Sie stellen Vermutungen an, wie ein bisher nicht existierendes Quantenmaterial zusammengesetzt sein m\u00fcsste, damit es bestimmte Eigenschaften annimmt. Ihre Ideen spielen sie zur\u00fcck an die Experimentalphysiker. Diese versuchen, die fraglichen Kristalle herzustellen und die vorhergesagten Eigenschaften zu messen. So wurde zum Beispiel in EuPd<sub>2<\/sub>Si<sub>2<\/sub> das Silizium teilweise durch das verwandte Germanium ersetzt. Es zeigte sich: Auch dieses Material verliert durch Druck seinen Magnetismus, allerdings bei einer um 50&nbsp;Kelvin niedrigeren Temperatur.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Pingpong zwischen Theorie und Experiment wurde erst m\u00f6glich, weil experimentelle Physiker wie Cornelius Krellner in den vergangenen Jahren gro\u00dfe Fortschritte bei der Z\u00fcchtung von Kristallen erzielt haben. Wie gro\u00df diese Fortschritte sind, verdeutlicht das Beispiel von EuPd<sub>2<\/sub>Si<sub>2<\/sub>: Das Material ist seit vier Jahrzehnten bekannt, die Z\u00fcchtung von Kristallen, mit denen sich gut experimentieren l\u00e4sst, gelang aber erst vor sechs Jahren. Die Frankfurter Forscherinnen und \u00adForscher nutzen f\u00fcr die Kristallherstellung die Czochralski-Methode: Die Kristalle werden hierbei aus einer Schmelze gezogen, quasi wie beim Kerzenziehen. Das auf 1400\u2009\u00b0C erhitzte Stoffgemisch ist so aggressiv, dass ihm kein Beh\u00e4lter standh\u00e4lt. Deshalb muss die Schmelze durch elektromagnetische Kr\u00e4fte in der Schwebe gehalten werden, damit die Kristallz\u00fcchtung gelingt.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Forschungsverbund Elasto-Q-Mat<\/h3>\n\n\n\n<p>Bei allen Schwierigkeiten der praktischen Umsetzung: Quantenph\u00e4nomene werden heute in vielen F\u00e4llen verstanden, und sie sind beherrschbar geworden. Damit r\u00fcckt auch ihre technische Nutzung immer n\u00e4her. Im Jahr 2022 ging der Physik-Nobelpreis an drei Forscher, die mit ihren Arbeiten die Grundlagen f\u00fcr die Quantentechnologie gelegt haben. Sie schufen die Voraussetzung f\u00fcr die Nutzung von Quantenph\u00e4nomenen in Computern, in der Verschl\u00fcsselungstechnik oder in Sensoren. Das alles sind m\u00f6gliche Einsatzgebiete, die ebenfalls von den Arbeiten der Quantenmaterial-Forscher Roser Valent\u00ed und Cornelius Krellner profitieren k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Frankfurter Duo arbeitet seit zwei Jahren unter dem Dach des \u00fcberregionalen Sonderforschungsbereichs Elasto-Q-Mat, der durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft gef\u00f6rdert wird. Der Forschungsverbund untersucht Quantenmaterialien, die ihre Eigenschaften \u00e4ndern, wenn sie elastisch verformt werden. Unter der Federf\u00fchrung der Goethe-Universit\u00e4t und der Sprecherschaft von Roser Valent\u00ed arbeiten 18 Gruppen aus Forschungseinrichtungen in Mainz, Karlsruhe und Dresden mit. Wenn alles rund l\u00e4uft, haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weitere zehn Jahre vor sich, um das Zusammenspiel von Elektronen und Kristallgittern in Quantenmaterialien umfassend zu verstehen. \u00bbUnser Antrieb ist die pure Lust am Entdecken von neuen Dingen\u00ab, sagt Cornelius Krellner. \u00bbWir denken, wenn man mehr versteht, kann man sp\u00e4ter auch irgendwas N\u00fctzliches daraus machen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><em>Fotos: Uwe Dettmar, AG Cornelius Krellner<\/em><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-background is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\" style=\"background-color:#f0f0f0\">\n<div class=\"wp-block-columns has-background is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\" style=\"background-color:#ededed00\">\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center has-background is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"background-color:#dedede00;flex-basis:100%\">\n<div class=\"wp-block-columns has-background is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\" style=\"background-color:#f0f0f000\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-large is-resized is-style-rounded\"><a href=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/krellner.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/krellner-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-71505\" style=\"width:246px;height:246px\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/krellner-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/krellner-300x300.jpg 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/krellner-150x150.jpg 150w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/krellner-768x768.jpg 768w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/krellner-12x12.jpg 12w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/krellner-700x700.jpg 700w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/krellner.jpg 1080w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-large is-resized is-style-rounded\"><a href=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/valenti.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/valenti-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-71504\" style=\"width:240px;height:240px\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/valenti-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/valenti-300x300.jpg 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/valenti-150x150.jpg 150w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/valenti-768x768.jpg 768w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/valenti-12x12.jpg 12w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/valenti-700x700.jpg 700w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/valenti.jpg 1080w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p><strong>Zu den Personen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Cornelius Krellner<\/strong>, Jahrgang 1978, studierte Physik an der Universit\u00e4t Dresden und der Eidgen\u00f6ssisch-Technischen Hochschule Z\u00fcrich. F\u00fcr seine Dissertation wurde er mit der Otto-Hahn-Medaille der Max-Planck-Gesellschaft ausgezeichnet. Nach einem Aufenthalt im englischen Cambridge wurde er 2012 als Professor f\u00fcr Experimentalphysik an die Goethe-Universit\u00e4t berufen.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"mailto:krellner@physik.uni-frankfurt.de\">krellner@physik.uni-frankfurt.de<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Roser Valent\u00ed<\/strong>, Jahrgang 1963, promovierte an der Universit\u00e4t Barcelona, forschte unter anderem an der University of Florida und wurde 2003 als Professorin f\u00fcr theoretische Festk\u00f6rperphysik an die Goethe-Universit\u00e4t berufen, der sie 2009 bis 2012 als Vizepr\u00e4sidentin vorstand. Valent\u00ed vertritt den Sonderforschungsbereich Elasto-Q-Mat als Sprecherin und ist damit die treibende Kraft hinter der Forschungsinitiative. Gemeinsam mit Luciano Rezzolla, Professor f\u00fcr theoretische Astrophysik (s. Seite 7), ist sie Gr\u00fcndungssprecherin des Profilbereichs \u00bbRaum, Zeit, Materie\u00ab der Goethe-Universit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"mailto:valenti@itp.uni-frankfurt.de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">valenti@itp.uni-frankfurt.de<\/a><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity is-style-default\"\/>\n\n\n\n<p><strong>Die Autorin:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Dr. Benedikt Vogel, geboren 1964 in Luzern\/Schweiz, arbeitet von Berlin aus als freiberuflicher Wissenschaftsjournalist mit Schwerpunkten in den Bereichen Physik, Energie und Medizin. Zus\u00e4tzlich ber\u00e4t er Hochschulen, Verb\u00e4nde und Beh\u00f6rden in strategischen Fragen der Kommunikation.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"http:\/\/vogel-komm.ch\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">vogel-komm.ch<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity is-style-default\"\/>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie im Labor und am Computer Kristalle mit \u00fcberraschenden \u00adEigenschaften entstehen Unter dem Schutz von Edelgasen entstehen im Herzen dieser Apparatur Kristalle nach dem Czochralski-Verfahren: In eine Schmelze wird ein 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